Spielzeugauto: Audi SQ7

Spielzeugauto: Audi SQ7

Was macht ein Autofan, der noch ein Knirps und etliche Jahre zu jung ist, um selber Autofahren zu können? Na, er fährt zu Hause mit Spielzeugautos herum! Was waren das noch für unbeschwerte Zeiten, als ich am Boden lag, mit den kleinen Autos imaginären Strassen entlangfuhr und mein «bruuuum wrooooom» die Wohnung erfüllte… Natürlich hatte ich meine Favoriten, wobei es mir dabei gar nicht um das Modell des Spielzeugautos ging. Am liebsten spielte ich mit jenen, die sich aufziehen liessen. Einmal rückwärts bis zum Anschlag und dann: Wusch und weg! Sozusagen Launch Control bei Spielzeugautos, bloss gab es diesen Begriff damals noch nicht. Was das jetzt mit dem Audi SQ7 zu tun hat? Ganz einfach: Dieses Mega-SUV ist genauso angespannt und bereit, loszustürmen wie diese Spielzeugautos – und zwar jederzeit und nicht bloss aus dem Stand.

Dieser 2,5-Tonnen Koloss hat es nämlich faustdick unter der Haube, wie sein kleiner «V8 T» Schriftzug an der Flanke verrät. Wer jetzt an einen nimmersatten Säufer denkt, liegt falsch, denn in Schwung bringt den SQ7 kein Benziner, sondern ein 4,0-Liter Biturbo-Diesel. Als wäre das nicht schon eindrucksvoll genug, arbeitet zusätzlich zu den beiden Turbinen noch ein elektrischer Verdichter. Der springt quasi als ein mit Strom betriebener Turbolader aus dem Drehzahlkeller ein, um dem Turboloch ein für allemal den Garaus zu machen. Das Resultat? Ab 1000 Umdrehungen generiert das Kraftwerk die Kleinigkeit von 900 Nm. Nochmals in Buchstaben, nur für den Fall, dass jemand die unscheinbare Zahl übersehen hat: Neunhundert! Damit fühlt man sich, als könnte man Berge versetzen! Okay, vielleicht nicht gerade Berge, aber zumindest so was in der Art:

Allerdings benötigt man nur selten die volle Kraft, was bedeutet, dass man stets über mehr als genügend Leistungsreserven verfügt. Dies führt nicht nur zu einem erhabenen, sondern auch zu einem entschleunigenden Gefühl. Klingt paradox, aber so ist es. Selbst wenn ein Schleicher vor einem stört, so bleibt man gelassen. Man weiss, eine kurze Gerade reicht bereits aus, um an ihm vorbeizudonnern!

2017 Audi SQ7
Taucht dieser Kühlergrill im Rückspiegel auf, gibt es kein Entrinnen mehr: 900 Newtonmetern fährt man nicht davon!

Auch wenn ein S im Name steckt, ist der SQ7 in erster Linie ein Gleiter der Extraklasse. Zum Wohlbefinden an Bord trägt auch die sicht- und spürbare Qualität im Innenraum bei. Das ganze Interieur wirkt wie aus einem Guss, alles ist absolut perfekt verarbeitet und man fasst es auch gerne an: Das Leder, das Alcantara, und natürlich alle Schalter und Rädchen. Dieses typische klicken und einrasten, wenn man etwas bedient, das hat man bei Audi einfach im Griff. Das Armaturenbrett besteht im Testwagen zwar aus Kunststoff, aber wer sich daran stören sollte, darf sich gerne bei Audi Exclusive austoben, wo alle Materialien und Farben ermöglicht werden. Die Individualisierungs-Spezialisten aus Ingolstadt lackieren bestimmt gerne auch einen SQ7 in Matt-Pink, sollte das ein Bedürfnis sein.

2017 Audi SQ7
Ziemlich brachialer Abgang. Der Sound kann sich hören lassen.

Mein Testexemplar ist zum Glück im wunderschönen Sepangblau lackiert. Davon sieht man innen zwar nicht so viel, aber dafür kommen ganz andere Qualitäten zum tragen. Im Comfort Modus federt das Luftfahrwerk sanft ein und aus, sodass man fast über die Autobahn schwebt. Die Windgeräusche säuseln dezent aussen vorbei, es ist so leise im SQ7, dass man fast eine Armbanduhr ticken hört. Ausserdem bietet das grosse SUV Platz ohne Ende. Die dreigeteilt verschiebbare Rückbank ist nicht nur praktisch, man hat dort hinten selbst als Riese Bein- und Kopffreiheit ohne Ende. Der Kofferraum fasst locker den Einkauf einer 7-köpfigen Grossfamilie; legt man die Rückbank um, könnte man fast einen Smart hinten einladen.

2017 Audi SQ7
Hier ist quasi alles Gold, was glänzt. Das sorgfältig ausgeformte Lenkrad liegt perfekt in der Hand.

Doch wir lassen jetzt mal alle praktischen und komfortablen Eigenschaften vom SQ7 weg. Was bleibt, ist ein SUV, welches auf eine perfekte Art und Weise Brachialität und Kultiviertheit verbindet. Der V8-Diesel ist eine Wucht, klingt kernig, spricht super-spontan an, dreht gerne und prescht die über zweieinhalb Tonnen Gewicht nach vorne, als wäre es das Leichteste auf der Welt. Druckvoll aus dem Drehzahlkeller, einfach nur noch irre im oberen Drehzahlbereich. Der Schub hört einfach nicht mehr auf! Es ist keine explodierende Kraftentfaltung, sondern eine immense Kraft, die immer zur Verfügung steht und nie nachlässt – egal, ob von 0 auf 100, von 50 auf 80, oder von 80 und 120: Es geht vorwärts, als wäre ein zweiter SQ7 hinten rein gekracht.

2017 Audi SQ7
Jammern auf allerhöchstem Niveau: Die Schaltwippen dürften schicker sein. Dafür ist das virtuelle Cockpit sehr schön gestaltet.

Nicht minder beeindruckend ist das leichtfüssige und agile Handling dieses Schwergewichts. Nicht nur beim Motor, sondern auch beim Fahrwerk hat Audi alle Register gezogen. Adaptives Luftfahrwerk mit aktiver Wankstabilisierung, Sperrdifferential an der Hinterachse sowie Allradlenkung sorgen in einem perfekten Zusammenspiel dafür, dass sich der SQ7 einen halben Meter kleiner und 750 Kilo leichter anfühlt. Da entsteht schlicht keine Seitenneigung, der Wagen lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, egal, was man mit ihm anstellt. Man muss schon wie ein Psycho fahren, bis das ESP feinfühlig regelt und somit dafür sorgt, dass der Fahrer vor dem Auto die Contenance verliert. Man kann das ESP sogar deaktivieren – doch ich möchte keine wild gewordenen zweieinhalb Tonnen einfangen müssen.

2017 Audi SQ7
Drei einzeln verschiebbare Rücksitze sind praktisch. Die Beinfreiheit ist gigantisch.

Am Ende musste ich feststellen, dass der SQ7 nicht nur vom Schub her eine Gemeinsamkeit hat mit meinen früheren Spielzeugautos. Er ist selber eines! Im Massstab 1:1. Jedem Autofan dürfte das Herz aufgehen, wenn er eine Runde mit dem SQ7 «spielen» darf. Wie dieses Wahnsinns-SUV mit den Gesetzen der Physik zu spielen scheint, ist verblüffend. Er ist auch deswegen ein Spielzeug, weil mir kein Mensch ernsthaft darlegen kann, man braucht einen SQ7. Man will einen SQ7. Es gibt keine alltägliche Situation, die nicht schon der normale Q7 mit Bravour meistern würde.

2017 Audi SQ7
Gleiten oder rasen – der SQ7 beherrscht beides.

Dieses hervorragende Gesamtpaket an Platz, Komfort, Luxus, Sportlichkeit, Technik und Prestige, das der SQ7 bietet, habe ich so noch nie erlebt. Er ist somit nicht nur der beste Audi, der mir jemals untergekommen ist, sondern auch das beste SUV. Teilautonom fahren kann er nämlich auch noch und bestimmt kann er mit den entsprechenden Reifen auch mitten ins Gelände, selbst wenn er dafür eigentlich viel zu schade ist.

2017 Audi SQ7
Dies ist der aktuell stärkste Serien-Diesel. Er befeuert übrigens auch den Bentley Bentayga.

Bleibt… der Preis. Der ist mit 143’390 Franken für den Testwagen natürlich sehr hoch, aber – und ich hätte nie gedacht, dass ich das in Bezug zu Audi mal sagen werde – dieses Auto ist so gut, dass es diesen Preis nicht zu Unrecht tragt, trotz den teils teuren Extras. Wenn ich sehe, dass ein vergleichbar ausgestatteter Porsche Cayenne S Diesel noch teurer ist… also ich hätte mich da schnell entschieden. Ich suche wirklich immer unermüdlich nach den Schwächen in den Autos, aber beim SQ7 muss ich mich geschlagen geben.

2017 Audi SQ7
Der SQ7 hat seinen Preis, doch er ist faszinierend und ganz nebenbei frei von Fehlern oder Schwächen.

Alltag 

Der SQ7 bietet Platz ohne Ende, zudem ist die dreigeteilt verschiebbare Rückbank äusserst praktisch. Den Mittelsitz kann man im Gegensatz zu vielen anderen Autos tatsächlich richtig nutzen. Optional ist noch eine dritte Sitzreihe verfügbar. Die Allradlenkung sorgt für einigermassen passables rangieren, dennoch steht sich das sehr grosse SUV in engen Parkhäusern selber im Weg.

Fahrdynamik 

Es widerstrebt mit eigentlich, die Maximalwertung für so einen Koloss zu vergeben, aber es bleibt mir keine andere Wahl. Noch nie hatte ich ein Auto im Test, das sein enormes Gewicht so effektiv kaschiert wie der SQ7. Er steht in Sachen Direktheit und Präzision einem Sportwagen in nichts nach, ganz zu schweigen vom unermüdlichen und unaufhaltsamen Vorwärtsdrang.

Umwelt 

10,5 Liter genehmigte sich das blaue Monster im Schnitt. Knapp über neun Liter waren es bei (mehr oder weniger) gesittener Fahrweise, knapp 11,5 beim heftigen Angasen. Keine allzu vorbildlichen Werte, aber wenn man sich ausmalt, was ein V8-Benziner bei diesem Gewicht verbrauchen würde, ist die Welt wieder in Ordnung.

Ausstrahlung 

Die ausdrucksstarke Front bräuchte es fast nicht, seinen Respekt holt sich der SQ7 durch seine schiere Grösse. Dennoch verfügt das SUV über eine harmonische Linienführung. Nach wie vor stört mich allerdings der übergrosse Kühlergrill, der mich an ein Katzengitter erinnert. Deshalb: Das Black Pack ordern. Es schafft mit einem schwarzen Grill Abhilfe.

Fazit 

+ Expressives Design
+ Erstklassige, vielfach verstellbare Sportsitze
+ Riesige Platzverhältnisse
+ Hochwertige Materialen, astreine Verarbeitung
+ Dreigeteilte, verschiebbare Rückbank
+ Umfangreiches Infotainmentsystem mit Online-Diensten
+ Extrem umfangreiche Assistenzarmada – teilautomatisiertes Fahren möglich
+ Perfektes adaptives LED-Licht
+ Äusserst leises Fahrverhalten
+ Fahrkomfort erster Güte
+ Unglaublich sportliches Handling
+ Nicht enden wollender Vorwärtsdrang
+ Feinfühliges ESP, deaktivierbar
+ Kerniger V8 Sound, trotz Dieselmotor
+ Perfekt schaltendes Automatikgetriebe

– Teils teure Optionen
– 360°-Kamera im Vorwärtsgang nicht aktivierbar
– Ohne Touchscreen umständliche Bedienung von Apple CarPlay

Mängel am Testwagen

– Keine Mängel

Steckbrief

Marke / ModellAudi SQ7
Preis Basismodell / Testwagen101 910 CHF / 143 390 CHF
AntriebDiesel, Allradantrieb
Hubraum / Zylinder3956 ccm / V8
Motoranordnung / MotorkonzeptFrontmotor / Biturbomotor mit elektrischem Verdichter
Getriebe8-Gang Automatikgetriebe
Max. Leistung320 kW bei 3750 - 5000 r/min
Max. Drehmoment900 Nm bei 1000 - 3250 r/min
Beschleu­nigung 0–100 km/h4,8 s
Vmax250 km/h (elektronisch abgeregelt)
NEFZ-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz7,5 l/100 km / 198 g/km / G
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz10,5 l/100 km / 277 g/km / +40%
Länge / Breite / Höhe 5,07 m / 1,97 m / 1,74 m
Leergewicht2557 kg
Koffer­raum­volumen805 - 1990 l

Bilder: Koray Adigüzel

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