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Chevrolet Malibu: Ferienstimmung

Schon der Name lädt zum Verweilen ein: Malibu. Wer assoziiert das nicht mit Strandferien oder erfrischenden Cocktails? Wenn man sich den Malibu anschaut, so verbindet man ihn mit einer langen, komfortablen Reise, dessen Ziel durchaus etwas mit Strand und den erwähnten Cocktails zu tun haben könnte.
Der Malibu ist in Amerika als sogenannter Mid-Size-Sedan (Mittelklasse Limousine) etabliert wie hierzulande der Golf. Seit 2012 wird er auch in Europa angeboten, um mit einem günstigen Preis in der Mittelklasse mitzumischen. Technisch steht er auf derselben Plattform wie der Opel Insignia, wird aber ausschliesslich als Limousine angeboten. Bietet er also genügend Argumente, um sich auch auf dem anspruchsvollen europäischen Markt durchzusetzen und die Vorurteile gegenüber amerikanischen Autos zu widerlegen?

Äusserlich gibt sich der Chevy muskulös und wuchtig, die Verwandtschaft mit dem Camaro ist durchaus erkennbar, insbesondere die Heckleuchten sind ein klares Statement. Mit 4.87 Meter Länge und 1.86 Meter Breite bietet er den Insassen auf allen Plätzen üppige Platzverhältnisse. Die Vordersitze sind vielfach elektrisch verstellbar, beheizbar und äusserst bequem. Schlechte Raumausnutzung kann man ihm also schon mal nicht vorwerfen. Der Malibu besitzt eine sportlich-elegante Linienführung, lediglich das Heck ist etwas zu voluminös geraten, bietet aber immerhin 545 Liter Kofferraumvolumen, die Rückbank lässt sich zusätzlich asymmetrisch umklappen. Die Sicht nach hinten ist durch das kleine Fenster und die dicken Säulen leider stark beschränkt. Dafür wird der Fahrer serienmässig von Parksensoren, wie auch die sich nach unten kippenden Seitenspiegel im Rückwärtsgang, unterstützt. Eine Rückfahrkamera ist nicht erhältlich. Das sogenannte MyLink Mediasystem von Chevrolet ist einfach zu bedienen, lässt sich aber nicht mit Spotify verwenden. Dafür lässt sich der Touchscreen hochklappen und ein kleines Geheimfach öffnet sich. Eine raffinierte Idee.
Chevrolet spricht im Prospekt von einer Oase des Luxus. Das ist dann doch ein bisschen übertrieben, aber man fühlt sich im Malibu gut aufgehoben. Sechs Airbags schützen standardmässig die Insassen. Die Materialien fühlen sich gut an, lediglich ein paar Details wie die Verkleidung um den Gangwahlhebel oder um die Fensterheber sind schlecht verarbeitet. Etwas Carbon und Chrom, sowie eine Ambientebeleuchtung zieren den Innenraum ebenfalls, allerdings spiegelt das Chrom so stark, dass es bei Sonnenschein in gewissen Kurven unangenehm blendet. Das Vorurteil einer Plastikwüste ist somit ebenfalls aus der Welt geschafft.

Getestet wurde der Malibu mit dem exklusiv in Europa angebotenen 2.0 Liter Turbodiesel, welcher mit 350 Nm Drehmoment ab 1800 Umdrehungen anschiebt und maximal 160 PS leistet. Der Sprint von 0-100 km/h absolviert das Aggregat in 9.7 Sekunden, Topspeed sind 213 km/h (Automatik: 204 km/h). Der ebenfalls erhältliche 2.4 Liter Benziner mit 167 PS muss ohne Turbo und Direkteinspritzung auskommen, was den Verbrauch erheblich erhöht. Der 3.6 Liter V6 Benziner (256 PS) hat es schon gar nicht über den Atlantik geschafft. Bereits auf dem Papier ist der Diesel klar die bessere Wahl, er wird sich in Europa auch am Besten verkaufen.
Im Testwagen war das 6-Stufen Automatikgetriebe, welches 2000 CHF extra kostet, verbaut. Die Automatik ist, wie das gesamte Auto auch, eher gemächlich abgestimmt. Die Gangwechsel sind zwar spürbar, aber sehr geschmeidig, wie bei Wandlerautomaten üblich. Erst bei sportlicher Fahrweise oder schnellen Überholmanövern wird deutlich, dass das Getriebe damit ziemlich überfordert ist und nur darauf wartet, wieder in aller Ruhe die Gänge zu sortieren. Insbesondere der manuelle Modus, in dem die Gänge per Knopfdruck auf dem Gangwahlhebel gewechselt werden müssen, ist überflüssig. Das ist aber als Gesamtes betrachtet nicht zwingend negativ zu werten, denn entgegen dem Trend zur erzwungenen Sportlichkeit, ist das gesamte Auto viel mehr ein gemütlicher Gleiter als ambitionierter Sportler. Auf der Autobahn bei Tempo 130 dreht der Motor gelassen bei knapp 2200 Touren. In Verbindung mit dem 73 Liter Tank sind Reichweiten von über 1000 Kilometern möglich. Der Normverbrauch mit Automatikgetriebe beträgt 6.0 l/100 km, im Test waren es laut Bordcomputer 6.8 l/100 km und in real 6.6 l/100 km.
Wie erwähnt, verfügt der Malibu über eine sanfte Fahrdynamik. Die Lenkung ist weich und vermittelt ein künstliches Gefühl, das Fahrwerk herrlich gefedert (heutzutage eher eine Seltenheit) und der Wagen mit ca. 1750 Kilo Leergewicht ziemlich schwer. An der Fahrdynamik erkennt man die amerikanische Herkunft schon deutlicher, das Fahrwerk ist aber nicht so schlimm, dass die Passagiere bei vielen Kurven seekrank werden.
Was der Malibu allerdings nicht bietet, sind Assistenzsysteme jeglicher Art. Ein Regensensor, Parksensoren hinten und ein konventioneller Tempomat sind leider schon das Höchste der Gefühle. Für die Sicherheit sorgen ein deaktivierbares ESP inkl. Traktionskontrolle und ABS, sowie Berganfahrhilfe.

Und das Beste zum Schluss: Der Preis. Diese positive Eigenschaft der Amis, viel Auto für wenig Geld zu offerieren, trifft vollends auch auf den Malibu zu. In der Schweiz wird der Malibu ausschliesslich mit der Komplettausstattung LTZ angeboten. Somit sind allerlei Annehmlichkeiten, wie 2-Zonen-Klimaautomatik, Sitzheizung, Xenon-Scheinwerfer oder Navigation, welche bei der Konkurrenz extra kosten, von Grund auf an Bord. Der Preis für den Benziner startet bei 35’700 CHF, der getestete und empfehlenswerte Diesel kostet 37’600 CHF. Die Aufpreisliste umfasst lediglich das Automatikgetriebe (2000 CHF), alle Lackierungen ausser weiss (690 CHF) und das Panorama-Schiebedach (1200 CHF).
Alles in allem bietet der Malibu wirklich viel Auto fürs Geld, ohne das der Fahrer grosse Kompromisse eingehen muss. Wer nicht gerade ein Hobby-Racer ist oder zwingend eine echte Oase des Luxus um sich haben möchte, ist mit dem Malibu bestens bedient.

Alltag ★★★★☆

Grundsätzlich muss man sich mit dem Malibu keine Sorgen um das Platzangebot machen, sofern nicht überaus sperrige Güter transportiert werden müssen. Die Limousine ist ein gemütlicher Gleiter für längere Strecken. Die Sicht nach hinten ist allerdings schlecht, wodurch man das knapp fünf Meter lange Schiff umsichtig rangieren sollte.

Fahrdynamik ★★☆☆☆

Fahrdynamik? Ist dem Malibu ein Fremdwort. Alle Komponenten sind für eine gemächliche Fahrt abgestimmt.

 Umwelt ★★★☆☆

Der Verbrauch des Diesels ist angemessen, was sich in der Energieeffizienzklasse B, resp. C mit Automatik, widerspiegelt. Der Benziner dagegen hinkt der zeitgemässen Technik hinterher. Aktive Spritspartechniken wie eine Start-Stopp-Automatik oder Bremsenergierückgewinnung sucht man vergebens.

Ausstrahlung ★★★☆☆

Der Malibu fällt nur schon wegen seiner Grösse auf. Die Karosserie ist ansehnlich und durchaus athletisch gestylt, mit Ausnahme des ausladenden Hecks. Einen Testosteronschub erzeugt der Malibu aber nicht.

Fazit ★★★★☆

+ Vorteilhafter Preis
+ Üppige Ausstattung
+ Sehr gutes Platzangebot
+ Ruhiges Fahrverhalten, effektive Geräuschdämmung
+ Sportlich-elegantes Design

– Träge Fahrdynamik
– Keine Spritspartechniken
– Keine Assistenzsysteme
– Klangschwaches Audio-System, kein Bluetooth Audio-Streaming möglich

(Bilder: GM)

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