Chevrolet Orlando: Willkommen zu Hause

Chevrolet Orlando: Willkommen zu Hause

Die SBB wirbt mit dem Slogan Unterwegs zu Hause. Diese Aussage könnte auch vollends auf den Chevrolet Orlando zutreffen, denn komplett ausgestattet bietet er fast alle Annehmlichkeiten, welche man sich auf einer langen Reise wünscht, und das erst noch zu einem fairen Preis. Beim Orlando zählen auf jeden Fall die inneren Werte.

Zwar ist der Orlando keine Schande fürs Auge wie einst der Fiat Multipla oder ältere SsangYong Modelle, aber die kastige Bauart kann er nicht verbergen. Dafür ist er recht übersichtlich geraten; dennoch wird man beim Manövrieren von Sensoren hinten inkl. einer Rückfahrkamera unterstützt.
Innen bietet der Chevy Wohlfühlambiente. Die ansteigende Mittelkonsole im Stil von Porsche erscheint sehr hochwertig und hebt das Auto optisch in eine höhere Klasse. Ein nettes und praktisches Detail ist der Zweite, einklappbare Innenspiegel, mit welchem man die Kinder auf der Rückbank stehts im Blick hat. Die beheizbaren Sitze sind auch auf langen Strecken sehr bequem, bieten aber nicht so viel Seitenhalt. Ebenfalls geräumig ist es im Fond, wo das Raumgefühl durch die kantige Form sehr grosszügig erscheint. Die Sitze sechs und sieben sind, wie üblich bei Siebenplätzern, nur für Kinder geeignet. Der Kofferraum bietet mit 466 – 1594 Liter aber nicht ganz so viel Platz, wie man von der Form her erwartet, dafür kann auch der Beifahrersitz komplett umgeklappt werden. Schade zudem, dass keine Zwei-Zonen Klimaautomatik erhältlich ist, welche dem Wohlfühlambiente den letzten Schliff verpassen würde.
Nicht ganz auf der Höhe der Zeit ist – wie bei vielen GM Modellen – das Multimediasystem, welches kein Audiostreaming via Bluetooth unterstützt. Zusätzlich ist die Bedienung mit teils kleinen Knöpfen etwas fummelig. Verwundert hat mich darüber hinaus, dass das Navi die zu Venedig gehörende Stadt Mestre nicht kennt.

Getestet wurde der Orlando vollausgestattet mit dem 2.0 Liter Diesel und der 6-Stufen Automatik. Auch wenn der Motor warm ist, bleibt das typische Dieselnageln im Hintergrund akustisch recht präsent. Die Automatik hingegen arbeitet schneller und feinfühliger als beispielsweise im Chevrolet Malibu. Trotzdem ist sie nicht unbedingt die erste Wahl, denn sie erhöht den Verbrauch des Dieselmotors im Vergleich zur Handschaltung von 5.3 auf 6.4 l/100 km, was den Orlando in der Energieeffizienzkategorie gleich drei Plätze zurückwirft. Hinzu kommt aber, dass ausgerechnet in der besten Ausstattungslinie LTZ für den Diesel ausschliesslich das Automatikgetriebe verfügbar ist. Schade, dass man als Kunde da nicht frei wählen kann. Im Test mit grossem Autobahnanteil verbrauchte der Orlando 7.6 l/100 km. Ich war positiv überrascht, als ich festgestellt hatte, dass der Wert des Bordcomputers mit dem tatsächlichen Verbrauchswert übereinstimmte. Dies ist leider nur selten der Fall, häufig runden Bordcomputer die Verbrauchswerte grosszügig ab.
Abgesehen vom recht kräftigen Diesel ist das gesamte Auto komplett auf Komfort abgestimmt. Das Fahrwerk federt auch grobe Unebenheiten auf italienischen Strassen gelassen weg, ohne dass es dabei poltert. Beim Befahren einer Passstrasse hat mich aber die rückmeldungsarme und nicht sehr präzise Lenkung etwas gestört, das Bremsgefühl dagegen ist gut.
In Sachen Assistenzsysteme hat der Chevrolet nichts zu bieten, die Sicherheitsausstattung beinhaltet mit Berganfahrhilfe, ESP (komplett deaktivierbar), ABS und ASR den aktuellen Stand der Technik.

Die Preise für den Orlando beginnen bei sehr günstigen 23’900 CHF mit einem 1.8 Liter Benziner und 5-Gang Handschaltung (Ausstattungslinie LS). In der höhere Ausstattungslinie LT steht derselbe Benziner auch mit 6-Stufen Automatik, der getestete 2.0 Liter Diesel, sowie der 1.4 Liter Benziner aus dem Opel Mokka zur Verfügung. In der höchsten Ausstattungslinie LTZ entfällt der Diesel mit Schaltgetriebe. Der komplett ausgestattete Testwagen kostete 36’590 CHF, was einem Aufpreis von rund 50% gegenüber dem Basismodell entspricht. Eigentlich sind solch krasse Preisspreizungen eher unüblich bei Chevrolet.

Alltag ★★★★★

Der Orlando ist bequem und geräumig eingerichtet, gleichzeitig sind seine Abmessungen aber nicht so ausufernd, sodass man sich nicht schämen muss, wenn man alleine in einem 7-Plätzer unterwegs ist. Der Kofferraum ist leider nicht ganz so geräumig, wie es die Optik vermuten lässt. Der Fahrkomfort ist sehr gut, der Verbrauch mit dem Automatikgetriebe hingegen dürfte noch ein bisschen niedriger sein.

Fahrdynamik ★★☆☆☆

Der Komfort steht hier ganz klar vor der Fahrdynamik, und das ist bei einem Auto wie dem Orlando auch gut so. Ein Verkehrshindernis wird man dennoch nicht, denn der Diesel schiebt mit genügend Kraft an.

Umwelt ★★★☆☆

Leider verfügt der Orlando über keinerlei Spritspartechniken. Der Verbrauch von 5.3 l/100 km mit dem Schaltgetriebe (Energieeffizienzkategorie B) wäre ganz gut, leider ist in der höchsten Ausstattungslinie nur das Automatikgetriebe erhältlich, was den Verbrauch auf 6.4 l/100 km erhöht (Energieeffizienzkategorie E). Im Test waren es dann bereits 7.6 Liter.

Ausstrahlung ★★☆☆☆

Optische Reize kann dieser Chevy leider nicht vorweisen, wobei ein hübsches Design nicht für jedermann wichtig ist.

Fazit ★★★☆☆

+ Komfortables Fahrverhalten
+ Hochwertiges Interieur
+ Gute Übersicht
+ Kräftiger Diesel
+ Ehrlicher Bordcomputer

– Keine Spritspartechniken
– Nicht mehr ganz zeitgemässes Mediasystem
– Hoher Verbrauch mit Automatikgetriebe
– Je nach Ausstattungslinie nicht nachvollziehbare Einschränkungen der Motorisierungen
– Grosse Preisspreizungen

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