Citroën DS5 Hybrid: Hier ist alles anders

Citroën DS5 Hybrid: Hier ist alles anders

Es gibt solche Erscheinungen, bei denen man einfach zwanghaft ein zweites Mal hinschauen muss. Der Citroën DS5 gehört zweifelsohne zu den besagten Erscheinungen, denn sein Design ist sehr aussergewöhnlich und hebt sich schön vom automobilen Einheitsbrei ab. Auch in technischer Hinsicht ist der DS5 keineswegs langweilig, denn er ist der erste Diesel-Hybrid. Ist diese Kombination konkurrenzfähig? Verführerisch wirkt er auf jeden Fall.

Wenn man den DS5 betrachtet, weiss man am Anfang gar nicht so recht, wo man ihn überhaupt einordnen soll. Ist er ein zu gross geratener Kompaktwagen? Ein zu klein geratener Kombi? Abgesehen davon ist er auch noch ziemlich hoch geraten… Am ehesten würde ich seine Form noch mit jener des Audi A3 Sportback beschreiben, wobei der DS5 natürlich bei weitem extrovertierter daherkommt. Aber auch der Mini Countryman kommt mir in den Sinn, denn beide wirken etwas klobig. Die Front zeigt ein hämisches Grinsen und wird von den sogenannten Säbeln, also den Chromspangen, welche sich von den Scheinwerfern bis zur A-Säule erstrecken, geprägt. Auch die Seitenansicht wird unten von einer Chromspange geziert und oben von einer dynamischen Linie. Zudem prägt das Hybrid4 Logo die vorderen Flanken. Am Heck scheint dann alles in die Breite zu gehen, es wirkt mit dem Spoiler, den Rücklichtern und den sportlichen, trapezförmigen Endrohren sehr wuchtig. Ausserdem war es den Entwicklern vermutlich zu anstrengend, einen Kofferraumgriff aussen anzubringen, was dazu führt, dass man das Gepäckabteil nur mit der Fernbedienung oder von innen entriegeln kann. Gegen Aufpreis gibt es auch noch die zackigen, schwarz-silbernen Felgen. Zudem wirkt der DS5 mit dem schwarzen Dach, den schwarzen Säulen und den dunklen Scheiben oberhalb der Gürtellinie wie zweigeteilt, ein Merkmal von Citroëns DS-Linie.

Im Interieur geht es genauso hübsch gestylt weiter. Die Mittelkonsole ist unglaublich mächtig, während der Gangwahlhebel fast schon zerbrechlich wirkt. Der DS5 ist gespickt mit Knöpfen und Schaltern: Auf dem Lenkrad, auf der Mittelkonsole, über dem Mitteltunnel, an den Sitzen, unter den Armaturen und sogar am Dach, was den Eindruck eines Flugzeugcockpits erweckt. Wenn man sich jedoch mit der Bedienung auseinandersetzt, ist bereits nach wenigen Stunden klar, welcher Knopf welchen Zweck erfüllt. Optional erhältlich ist ein Head-Up-Display (HUD) welches die Informationen allerdings auf eine ausfahrbare Scheibe und nicht direkt auf die Windschutzscheibe projiziert. In der aufgedonnerten Sport Chic Ausstattung ist der DS5 mit Licht- und Spurassistent, adaptiven Bi-Xenon-Scheinwerfern, einer analogen Uhr, Bluetooth-Freisprechanlage, sowie Parksensoren inkl. Rückfahrkamera recht luxuriös ausgestattet. Allerdings hat das Media-System keinen Touchscreen und hin und wieder Probleme mit der iPhone-Koppelung. Insbesondere die Musik-App Spotify mag das System gar nicht.
Die beheizbaren Sitze, die übrigens auch zweifarbig erhältlich sind, sind sehr bequem und lassen sich vielseitig einstellen, optional gibt es sogar noch eine Massagefunktion. Das zentrale Staufach unter der Mittelkonsole ist extrem gross, dort passt so ziemlich alles hinein. Doch leider ist das Platzangebot im Kofferraum nicht ganz so grosszügig, da die Hybrideinheit einen gewissen Platz einnimmt und das Volumen auf bescheidene 325 Liter minimiert. Auf der Rückbank sitzt man dafür bequem, sofern man nicht allzu gross ist, ansonsten wird die Luft über dem Kopf knapp. Die Verarbeitung ist gut, überhaupt erweckt der DS5 den Eindruck, als wolle er in einer höheren Klasse spielen. Bei aller Schönheit muss allerdings ein Aspekt besonders leiden, nämlich die Übersicht und die ist, milde ausgedrückt, kaum vorhanden. Das vordere Ende des Autos lässt sich nur erahnen, in einer Linkskurve ist die geteilte A-Säule im Weg, in einer Rechtskurve der Innenspiegel, und beim Tot-Winkel-Check die breite B-Säule. Beim Manövrieren stören B- und C-Säule, sowie das Guckloch, das sich Heckscheibe nennt. Die Breite von fast 1.90 Meter macht die Angelegenheit auch nicht gerade einfacher…

Unter der Motorhaube steckt einsam und alleine der 2-Liter Diesel mit 163 PS, hinten befinden sich dann der Akku und der 37 PS Elektromotor. Somit bringt es das System auf 200 PS und 450 Nm, ausserdem ist der Wagen mit Allradantrieb unterwegs, wenn beide Motoren gemeinsame Sache machen, denn der E-Motor treibt die Hinterachse an, während der Diesel den Antrieb vorne übernimmt. Faktisch ist ein Diesel-Hybrid die sparsamste und zugleich teuerste Variante. Ein Verbrauch von 4.1 Liter mit einem Leergewicht von 1735 Kilo klingt sensationell, doch auf 1000 Kilometer abwechslungsreicher Fahrt habe ich im Mittel laut Bordcomputer einen Schnitt von 5.5 Liter auf 100 Kilometer erreicht. 4.5 l/100 km habe ich mit eiserner Spardisziplin hinbekommen, bin dann aber wahrscheinlich als Verkehrshindernis wahrgenommen worden. Mit grossartiger Sparsamkeit kann der DS5 Hybrid also leider nicht triumphieren. Dafür bietet er vollgetankt eine Reichweite von über 1000 Kilometern.
Der ordentliche Durchzug (0-100 km/h in 8.6s; VMax 211 km/h), insbesondere im Sport-Modus, wird leider durch das zögerliche, automatisierte Sechsgang-Getriebe (weitere Details zu den verschiedenen Getriebe-Typen finden sich auf Wikipedia) gebremst. Ein automatisiertes Getriebe kommt aus Kostengründen zum Einsatz, wobei dies nicht mit dem Luxusanspruch zusammenpasst. Als überflüssig empfinde ich die manuelle Schaltmöglichkeit via Schaltwippen, da Sportlichkeit wie gesagt nicht aufkommen mag. Hin und wieder wirkt das Auto zudem etwas unsicher, als ob es nicht so recht wüsste, welcher Gang und welche Antriebsweise jetzt gerade optimal wären und auf weitere Befehle vom Fahrer wartet. Dieses Verhalten tritt vor allem bei sportlicher Gangart auf, wobei deutlich wird, dass der DS5 gar kein Sportler sein will, sondern ein gemütlicher Gleiter. Im Auto-Modus regelt die Elektronik nach eigenem Gutdünken den Antrieb. Der Diesel ist recht zurückhaltend und Innerorts wird, wenn möglich, immer elektrisch gefahren. Im ZEV-Modus wird der Diesel für maximal zwei Kilometer zum Schweigen verdammt und der Elektromotor treibt die Fuhre an. Positiv aufgefallen ist mir hierbei, dass im ZEV-Modus, selbst bei stärker gewünschter Beschleunigung, beispielsweise an der Ampel, der Diesel stumm bleibt und der E-Motor alleine das Auto gemächlich in Fahrt bringt. Im letzten Modus, dem 4WD-Modus laufen permanent beide Aggregate, um einen Allradantrieb zu ermöglichen.
Das Fahrwerk ist aufgrund des erhöhten Gewichts recht straff ausgefallen (vor allem mit den 19″ Felgen wird es manchmal ziemlich hart), was wiederum Sportlichkeit suggeriert, aber auch die Lenkung ist angenehm direkt. Auf kurvigen Landstrassen ist der DS5 damit zwar noch lange kein Held, aber er schlägt sich recht gut. Seine grosse Stärke ist aber definitiv das gemächliche Cruisen.

Den DS5 gibt es auch noch als reinen Diesel oder Benziner, dessen Preise bei 41’250 CHF starten. Der Hybrid, quasi die Krönung der DS-Line, startet bei 51’900 CHF, bei der gehobenen Sport-Chic Version werden aber satte 65’000 CHF fällig. Ob dieser Preis gerechtfertigt ist, darüber lässt sich streiten. Den DS5 findet man entweder wunderschön oder potthässlich, auf jeden aber ist er Fall einzigartig. Technisch ist er nicht perfekt, aber er macht dennoch einen sehr guten Job, seine kleinen Schwächen sind kein grosses Ärgernis. Ausserdem überrascht er mit netten Details, wie beispielsweise dem überaus freundlichen Klang, wenn man sich nicht angeschnallt hat. Erwähnenswert ist ebenfalls der komplett mit LEDs beleuchtete Innenraum. Oder der unangenehm rechts oder links vibrierende Sitz, je nach dem, auf welcher Seite man die Spur zu verlassen droht. Für den Ernstfall ist sogar eine SOS-Taste an Bord, mit welcher man einen Notruf inkl. GPS-Koordinaten absendet. Und an die miserable Übersicht gewöhnt man sich, sofern man das Auto gerne mag. 🙂

(Bilder: Koray Adigüzel)

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