DS 5 Hybrid4: Ich liebe sie, ich liebe sie nicht…

DS 5 Hybrid4: Ich liebe sie, ich liebe sie nicht…

Na, meine Hübsche, kennen wir uns nicht? Natürlich nicht, würde die DS 5 antworten. Schliesslich ist sie nun eine eigenständige Göttin (DS wird im Französischen wie «déesse = Göttin» ausgesprochen) und hat nun mit Citroën herzlich wenig zu tun. Eigentlich. Jedoch handelt es sich streng genommen bloss um ein Facelift inklusive Rebranding, was zur Folge hat, dass wir uns sehr wohl kennen. Da ich so meine Erfahrungen mit ihr gemacht habe, wollte ich dieses mal auf den Hybridantrieb verzichten und den normalen Diesel testen. Aufgrund einer Verwechslung habe ich nun doch die Hybrid-Göttin, oder, wie ein guter Kollege von mir sie nennen würde: Das Hybrid-Geschwür. Und irgendwie ist sie eben beides gleichzeitig, eine Göttin und ein Geschwür. Ich liebe und hasse sie…

Wofür ich sie auf jeden Fall liebe, ist das Design. Die DS 5 ist ein fahrendes Kunstwerk, durchdesignt bis zum letzen Detail. Man kann sie nicht einordnen, sie ist irgendetwas zwischen Kompaktwagen, Coupé und SUV. Wenn man sie sich nur lange genug anschaut, entdeckt man immer wieder neue Details. Dieses Auto wurde mit viel Liebe designt. Die Front wird von den auffälligen Scheinwerfern und den «Säbeln» genannten Chromspangen geziert. Die Seitenlinie ist stark abfallend, während die Fensterlinie an jene einer Yacht erinnert.

DS 5
Die sogenannten «Säbel» zieren die Front.

Das Heck wirkt breit und sportlich und das Dach scheint eine riesige Glaskuppel zu sein. Meiner Meinung nach hätte dieses Auto einen Design Award verdient – aber das ist natürlich sehr subjektiv. Dieses Design liebt oder hasst man, eine neutrale Einstellung ist gegenüber der DS 5 kaum möglich. Mich hat sie mit ihrem Design komplett um den Finger gewickelt – wer kann einer wohlgeformten Französin im Abendkleid schon widerstehen?

DS 5
Schickes Muster in den Scheinwerfern.

Die Liebe zum Design und zum Detail geht im Innenraum weiter. Ein grosses Panoramadach? Pha, viel zu profan. Nein, in der DS 5 sind gleich drei einzelne Glasdächer vorhanden: Eines über dem Fahrer, eines über dem Beifahrer und ein weiteres über dem Fond. Auch die Knopfanordnung widerspricht gängigen Konventionen. Fensterheber? Sind in der Mittelkonsole. Steuerung fürs Head-Up-Display? Befindet sich am Dachhimmel. P, R, N, D als Beschriftung des Automatikgetriebes? Nein, danke, stattdessen hebt die DS 5 stolz die französische Fahne. R, N, A, M lautet die Beschriftung. Reverse, neutre, automatique et manuelle. Alles klar?

DS 5
Ein Auto, wie kein anderes.

Klingt furchtbar, aber eigentlich findet man sich nach dem ersten Schock wunderbar zurecht. Viele Knöpfe zwar, aber jeder hat seine Funktion, ähnlich wie bei Porsche. Die hübsche Anordnung macht es aus. Ebenfalls ins Auge stechen die auffällig genähten Sitze, die super bequem sind und auf Wunsch auch sanft den Rücken durchkneten. Natürlich muss da auch das Lenkrad extravagant geformt sein und die Instrumente drei-geteilt. Für all diese Kleinigkeiten liebe ich die DS 5. Sie ist so erfrischend anders als der Mainstream, es gibt überall etwas zu entdecken. Die Logik ist zwar anders, aber es hat eine Logik. Man muss sich nur auf die DS 5 einlassen, denn es gibt auch eine Welt jenseits des Volkswagen-Konzerns.

DS 5
Wuchtiges Heck, mickriges Fenster.

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten und jetzt muss die DS 5 auch eine Runde einstecken. Obwohl sie aussen gross und wuchtig erscheint, ist sie innen eng und klein. Grossgewachsene haben hinten keinen Platz und auch vorne fühlt man sich durch die mächtige Mittelkonsole und die hohe Sitzposition etwas eingeengt. Aufgrund des Hybridantriebs ist der Kofferraum zudem unterdurchschnittlich klein. Das allergrösste Übel ist jedoch die Übersicht, wobei allein die Verwendung des Wortes in Bezug zur DS 5 die reinste Übertreibung ist.

DS 5
Die rechte Auspuffblende ist bloss Show.

Ich habe keine Ahnung, wo das Auto vorne rechts aufhört, die doppelte A-Säule raubt die Sicht nach schräg vorne, die dicke B-Säule behindert den Blick zur Seite und vom Blick nach hinten fange ich gar nicht erst an, denn eine kleinere Heckscheibe als bei der DS 5 gibt es bis heute wohl in keinem anderen Serienauto. Das ganze Auto scheint von innen aus Säulen zu bestehen. Der erste Grund, die DS 5 zu hassen – aber bei weitem noch kein K.O.-Kriterium. Allerdings ist sie auch noch keinen Meter gefahren und aus Erfahrung weiss ich, dass das Fahren so eine Sache für sich ist.

DS 5
Das Dach wirkt wie eine riesige Glaskuppel.

Dieser Test würde ganz anders enden, wenn ich meinen gewünschten Diesel bekommen hätte. Ich danke an dieser Stelle dem Tollpatsch, der mein Testauto einem Tagträumer gegeben hat und dieser Tagträumer nicht einmal bemerkt hat, dass er mit dem falschen Auto losfährt. Macht das nächste Mal bitte eure Augen auf… Seit etwa vier Jahren bietet der PSA-Konzern (Peugeot, Citroën und DS) den sogenannten Hybrid4 Antrieb an. Diesen Antrieb in all den Jahren trotz offensichtlichen Schwächen kaum zu überarbeiten, grenzt an Überheblichkeit.

DS 5
Wie im Cockpit: Schalter am Dachhimmel.

Gerade französische Diesel sind bekannt für Ihre Kultiviertheit und Laufruhe. Davon ist beim Hybrid-Antrieb allerdings nichts zu spüren. Der Diesel ist laut, rau und rumpelig. Es wird höchste Zeit, diesen Motor zu ersetzen, ernsthaft. Aber die Wurzel allen Übels ist das automatisierte Schaltgetriebe, welches sich rund eine Sekunde Zeit nimmt, in den nächsten Gang zu schalten, wenn man flotter unterwegs ist. Die angegebene Systemleistung von 147 kW würde man der DS 5 niemals abnehmen, zu träge wirkt sie. Ich weiss im Moment nicht, ob ich mich mehr über den Antrieb, oder den Kerl, der mit meinem Testauto rumgefahren ist, aufregen soll. Anyway, ein Grund, die DS 5 zu hassen, ist der Antrieb ohnehin. Macht einen Bogen um dieses Hybrid-Zeugs, denn die Differenz zum stärksten Diesel (133 kW) beträgt 8000 Franken und zum stärksten Benziner (155 kW) sogar 11’000 Franken – bei gleicher Ausstattung. Das Fahrgefühl mit einem reinen Verbrenner dürfte massiv besser sein.

DS 5
Drei Dachfenster lassen Licht hinein.

Schade, wirft der Antrieb ein so schlechtes Licht auf meine eigentlich lieb gewonnene DS 5. Sie fährt so ruhig und federt so geschmeidig, dass es ein Genuss ist, auf der Autobahn entspannt seinem Ziel entgegen zu fahren. Vor allem die Federung ist um Welten verbessert worden. Denn damals, als die DS 5 noch ein Citroën war, versuchten die Franzosen, ihr eine sportliche Härte aufzuzwingen. Nun haben sie jedoch erkannt, dass die Göttin eine sanfte Gleiterin sein möchte. Für eine sportliche Fahrweise ist die Lenkung ohnehin zu indirekt und gibt kaum Feedback. Erst, wenn man selber einen Gang runterschaltet und sich entspannt, wird man die DS 5 zu schätzen wissen. Fernlichtassistent, Spurhalteassistent und Tot-Winkel-Warner unterstützen einem während der Fahrt. Schade finde ich, dass kein adaptiver Tempomat erhältlich ist, schliesslich sieht sich DS als Premium-Marke und alleine mit gehobener Verarbeitung und extravagantem Design ist es eben noch nicht getan.

DS 5
Schickes, sehr hochwertiges Interieur.

Wäre der Hybridantrieb nicht, die DS 5 wäre ein fantastisches Auto für Geniesser und entspannte Menschen, die extravagantes Design lieben. Die DS 5, Auto, Kunstwerk und Statement in einem. Ja, die Übersicht ist scheisse, aber hier ging eindeutig das Design vor. Nicht nach dem Leitsatz «form follows function», sondern nach «function follows form» muss die DS 5 designt worden sein. Lässt man den Hybridantrieb weg, entfallen gleich zwei Kritikpunkte: Das lausige Getriebe und der hohe Preis. Unter dem Strich bietet die DS 5 erstaunlich viele Gründe, sie zu lieben – man muss sich bloss auf ihr Wesen einlassen.

DS 5
Bloss nicht den Hybridantrieb wählen – dann kann man mit der DS 5 nicht viel falsch machen.

Alltag 

Miese Übersicht, grosser Wendekreis und knappe Platzverhältnisse sind nicht die besten Voraussetzungen für hohe Alltagstauglichkeit. Man muss sich schon entscheiden: Entweder Kind und Kegel oder eine DS 5.

Fahrdynamik 

Der Hybridantrieb ist träge, das Getriebe lahm, das Fahrwerk weich, die Lenkung diffus. Am besten, man schaltet einen Gang runter und gleitet dahin. Schont die DS 5 und die eigenen Nerven.

Umwelt 

Der Verbrauch von 6,3 l/100 km ist okay, auch wenn er weit vom Normverbrauch von 3,9 l/100 km entfernt ist.

Ausstrahlung 

Ich glaube, übers Design habe ich bereits genug gesagt. In meinen Augen ist die DS 5 eine Augenweide. Ein fahrendes Kunstwerk.

Fazit 

+ Sehr hoher Fahrkomfort
+ Feine und schöne Materialien
+ Viel Liebe zum Detail
+ Sehr bequeme Sitze
+ Einige Assistenzsysteme erhältlich
+ Mutiges, extravagantes Design
+ Akzeptabler Verbrauch
+ Starkes, weitsichtiges Abblendlicht

– Lahmer und überteuerter Hybridantrieb
– Diffuse Lenkung
– Knappe Platzverhältnisse
– Miese Übersicht

Mängel am Testwagen

– Keine Mängel

Steckbrief

Marke / ModellDS 5
Preis Basismodel / Testwagen37 050 CHF / 62 000 CHF
AntriebDiesel-Hybrid, Allradantrieb
Hubraum / Zylinder1997 ccm / R4
Motoranordnung / MotorkonzeptFrontmotor / Turbomotor
GetriebeAutomatisiertes 6-Gang Getriebe ETG6
Max. Systemleistung147 kW
Max. Systemdrehmoment300 Nm
Beschleu­nigung 0–100 km/h8,6 s
Vmax211 km/h
NEFZ-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz3,9 l/100 km / 103 g/km / A
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz6,3 l/100 km / 166 g/km / +62%
Länge / Breite / Höhe4,53 m / 1,87 m / 1,51 m
Leergewicht1795 kg
Koffer­raum­volumen325 - 1288 l

(Bilder: Koray Adigüzel)

Deine Meinung hinterlassen

%d bloggers like this: