ferrari

Der mit dem Hengst tanzt

Es ist ein Auto, welches – rational betrachtet – überflüssiger ist als man es sich überhaupt vorstellen kann. Ein etwa 15 mal günstigerer Smart bietet mehr Nutzen. Dennoch ist es eine Erscheinung, die Ehrfurcht verlangt, so als ob sich alle Passanten vor diesem Gefährt verneigen sollten, um ihm den nötigen Respekt zu zollen. Die Rede ist vom neuen Flaggschiff der Scuderia Ferrari, welches auf den Namen F12 Berlinetta hört. Ein anmutender Name, passend zur graziösen Erscheinung dieses Meisterwerks auf Rädern. Doch die Schönheit dieses Biests täuscht, denn es gibt kaum ein Auto, welches die rote Rakete nicht in Grund und Boden fahren würde.

Doch die äussere Erscheinung ist nur die halbe Miete. Wirklich vervollständigt ist der F12 Berlinetta erst mit seinem kräftigen, 6,3 Liter V12 Herz, welches mit über 8000 Umdrehungen pro Minute den Vortrieb übernimmt. Das potente Triebwerk schlägt mit Fahrleistungen zu Buche, welche auf öffentlichen Strassen (deutsche Autobahnen ausgenommen) mehr als nur deplatziert sind. 690 Nm und 740 PS entwickelt das Ungetüm, welches nur darauf wartet, dass der Fahrer den Marschbefehl gibt. Nach nur unglaublichen 3,1 Sekunden ist man mit dreistelligem Tempo unterwegs, nach 8,5 Sekunden donnert die Maschine mit 200 km/h über den Asphalt. Während normalsterbliche Autos langsam an ihre Grenzen kommen, hat sich der V12 gerade mal aufgewärmt. Mit einem Sound, welcher jede Kettensäge wie ein sanftes Wiegenlied erscheinen lässt, wird das Geschoss auf bis zu 350 km/h beschleunigt, ach was, katapultiert. Während der Beschleunigungsorgie knallt das F1 Doppelkupplungsgetriebe die Gänge schneller rein, als man mit der Wimper zucken kann. So gut wie jeder Versuch, sich dem Berlinetta in den Weg zu stellen, ist somit zum hoffnungslosen Scheitern verurteilt. Einen stärkeren und schnelleren Serienferrari hat es noch nie gegeben. Beim Berlinetta muss jeder Hengst nur 2,1 Kilo schleppen. Und was passiert, wenn 740 streitbereite Hengste 2,1 Kilo ziehen müssen, wurde soeben beschrieben.

Doch es ist nicht die rohe Kraft, welches den F12 Berlinetta zu dem macht, was er ist. Die beiden F1 Piloten Fernando Alonso und Felippe Massa sowie das Ingenieurteam von Ferrari haben unzählige Testrunden gedreht, um das Fahrwerk, das Getriebe, sowie weitere Komponenten optimal abzustimmen. Ausserdem wurde der Schwerpunkt soweit nach unten wie nur möglich gedrückt und die Karosserie setzt in Sachen Aerodynamik neue Massstäbe. All diese Stunden Mühen der Perfektion machen den roten Renner zum Schnellsten aller Zeiten.
Doch nicht nur die Emotionen und die Fahrleistungen sind gestiegen, denn trotz 12-Zylinder Motor und 740 sich aufbäumenden Pferde zeigt die Schönheit erstaunliche Trinkmanieren. 15,0 Liter sind für diese Fahrleistungen sehr respektabel. Wer natürlich das Biest aus der Schönheit rauskitzelt, muss mit erheblich grösserem Durst rechnen. Doch der Einbau einer Start-Stopp-Automatik zeigt, dass Spritsparen sogar bei Ferrari angekommen ist. Es bleibt natürlich die Frage, inwiefern dies bloss gute Miene zum bösen Spiel bedeutet, denn die opulente Kundschaft dürfte es kaum interessieren, ob bei einem Auto dieser Klasse eine Start-Stopp-Automatik mit an Bord ist.

Weltpremiere dieses atemberaubenden Geschosses ist der Autosalon in Genf. Doch im Gegensatz zum Verbrauch hüllt sich Ferrari bei der Preisfrage vorläufig in Schweigen. Aber wer bei einem Ferrari nach dem Preis fragt, gehört sowieso nicht zu den Kunden, sondern bloss zu den Gaffern. Ein emotionales Video, eigentlich fast schon ein Trailer, findet sich auf der extra eingerichteten Website für den F12 Berlinetta.
Dieser Supersportwagen macht vom ersten Anblick an Lust auf viele sündige Spielchen mit den Verkehrsregeln. Leider wird es für fast jeden ein Traum bleiben, doch wenigstens das bleibt uns erhalten…

(Bilder: Diverse Quellen)

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