Knallkörper: Hyundai i30 N

Knallkörper: Hyundai i30 N

Was für ein Senkrechtstart! Aus sportlicher Sicht hat sich der Hyundai i30 aus dem Nichts vom Nobody zum Helden hinauf katapultiert. Dank dem scharfen Zusatz N, der sowohl für die Nürburgring Nordschleife als auch das Entwicklungszentrum Namyang steht, haben die Koreaner ab sofort einen heissen Kompaktsportler am Start! Der bietet nicht nur immensen Fahrspass, sondern schenkt einem auch ein wohlig warmes Gefühl ums Herz. Dass er mit einem kleinen Gewichtsproblem zu kämpfen hat, macht ihn nicht weniger attraktiv.

Dass das scharfe Gerät aus Südkorea so dermassen auffällt, liegt mehrheitlich am auffälligen «Performance Blue» genannte Babyblau. Ansonsten hält sich der Sportdress mehrheitlich zurück, ein Dachspoiler, eine zweiflutige Auspuffanlage, sowie rote Zierstreifen und rote Bremssättel verraten äusserlich gar nicht, wie ungestüm das Auto werden kann!

2017 Hyundai i30 N
Die Auspuffanlage ist ziemlich unscheinbar – was auf den Sound überhaupt nicht zutrifft!

Die Erwartungen schraubt der i30 N beim Start gleich selber in die Höhe. Den Krawall und das tiefe Grollen, das der Turbomotor produziert, schürt Verunsicherung. Schnell noch mal ausgestiegen und ein Schnellcheck gemacht, ob sich Hyundai Nachhilfe von Milltek oder Akrapovič an Bord geholt hat. Doch mitnichten, hier ist alles Serie. Sehr geil!

2017 Hyundai i30 N
Das N-Bodykit ist ziemlich dezent, die ausreichende Bodenfreiheit stellt einen vor keine Probleme.

Los geht’s im Normal-Modus und ziemlich schnell wird klar, dass Hyundai mit dem i30 N keine halben Sachen macht. Das sonore Geräusch der Auspuffanlage ist beim Beschleunigen stets hörbar, mancher Konkurrent klingt nicht mal im Sport-Modus so aggressiv wie der Hyundai im Normal-Modus! Auf einen Comfort-Modus hat man verzichtet, was den Hot Hatch nicht gleich ungemütlich hart macht, aber hoher Fahrkomfort für die Langstrecke stand wohl nicht so hoch oben im Lastenheft.

2017 Hyundai i30 N
Die Bremsanlage verkraftet auch eine sehr rasante Passabfahrt ohne Probleme.

Macht nichts, denn die direkte und willig reagierende Lenkung macht Lust auf mehr, genauso das sehr knackige Getriebe mit automatischem Zwischengas. Während man anderswo das Potenzial der Autos herauskitzeln muss, versteckt es der Hyundai nicht. Er hat etwas raues an sich, macht deutlich klar, dass er jederzeit bereit ist, sämtliche Zurückhaltung fallen zu lassen. Umso unverständlicher, dass der Wagen tatsächlich über einen Eco-Modus verfügt. Wer will denn bitte schön sowas?

2017 Hyundai i30 N
Was darf’s denn sein? Das Setup vom Auto lässt sich detailliert zusammenstellen.

Viel wichtiger sind die beiden silbernen Lenkradtasten. Links wechselt man zwischen den Standardmodi Normal, Eco und Sport, wobei Eco für die Spiesser und Sport für die Langweiler ist. Im Sport-Modus schärft sich das ganze Autos etwas, bleibt aber immer noch hinter seinem Potenzial zurück. Andererseits sollte das Temperament, das der Hyundai bereits im noch halbwegs zivilen Sport-Modus an den Tag legt, manchem Cupra-Verantwortlichen zu denken geben. Vom GTI reden wir schon gar nicht mehr.

2017 Hyundai i30 N
Das Cockpit ist übersichtlich und hochwertig, doch es fehlt stylisch das gewisse Etwas.

Über die rechte Taste wird der N-Modus aktiviert und von nun an bleibt kein Auge mehr trocken. Schön linear dreht der Zweiliter-Turbo durchs Drehzahlband, der Auspuff röhrt; ab mittlerer Drehzahl steigt die Vehemenz, die Tonlage wird nochmal schärfer und bei hohen Drehzahlen leiten LED-Schaltanzeigen das grosse Finale ein. Wer den Motor voll ausdreht und dann vom Gas geht, wird von einem Auspuff-Feuerwerk belohnt, das stark an den Zürcher Silvesterzauber erinnert. Was für eine Darbietung!

2017 Hyundai i30 N
Sportlich orientierte Rundinstrumente. Oberhalb des Infodisplays leuchtet bei hohen Drehzahlen die Schaltanzeige für den perfekten Schaltpunkt auf.

Blitzschnell wird der nächste Gang eingelegt, die Schaltgassen sind wunderbar präzise, der Schleifpunkt der Kupplung klar definiert. Zudem wird das ESP in den Sportmodus versetzt, sodass die Traktionskontrolle weitgehend inaktiv ist. Man spürt das Auto arbeiten, man hat es in der Hand, hier fährt man noch selber und wird nicht von Elektronik und Schaltlogik gefahren. Genauso muss es sein!

2017 Hyundai i30 N
Der griffige Schaltknüppel rastet bei jedem Gangwechsel spürbar ein!

So reaktionsfreudig die Lenkung auch ist und so effektiv das Sperrdifferential in schnell gefahrenen Kurven arbeitet, so hat man im N-Modus in 90% der Fälle ein Problem: Das Auto ist viel zu hart. Man hüpft wie ein Kaninchen im Sitz auf und ab, das Auto ist bocksteif. Schön, wenn die Strasse eben ist, doch auf unebenen Passstrassen ist das nicht nur unangenehm, sondern kann auch zu unruhigem Fahrverhalten führen.

2017 Hyundai i30 N
Der i30 N guckt nicht nur böse, er fährt sich auch deutlich böser als mancher Konkurrent.

Und hier kommt der letzte Custom-Fahrmodus ins Spiel. Alles, und damit meine ich alles, nämlich Ansprechverhalten, Zwischengas-Stärke, Auspuffsound, Sperrdifferential, Dämpfung, Lenkung und ESP kann angepasst werden. Dank beinahe unzähligen Variationen kann der i30 N für jeden Fahrer- sowie Strassentyp entsprechend abgestimmt werden!

2017 Hyundai i30 N
Ohne die auffällige Farbe würde der N beinahe als normaler i30 durchgehen. Man beachte die aerodynamische Sicke schräg unterhalb des Rücklichts.

Wer mit dem heissen Koreaner mächtig Gas gibt, erntet höchsten Fahrspass. Im Eifer des Gefechts geht die Tatsache, dass der Hyundai sein fahrdynamisches Limit etwas früher erreicht als Kontrahenten wie der Seat Leon Cupra oder der Honda Civic Type R beinahe unter – und zwar deswegen, weil der i30 N mit seiner aggressiveren Art, dem sensationellen Motorsound und der freien Konfiguration deutlich emotionaler ist.

2017 Hyundai i30 N
Andere haben eine Domstrebe im Motorraum, der i30 N gönnt sich eine im Kofferraum.

Ich glaube, dass die Hyundai-Ingenieure alles gegeben haben, um ihren Kompaktsportler so schärfen. Leider geriet dabei das Gewicht aus dem Fokus, denn für einen Fronttriebler ist der i30 N mit seinen 1580 Kilo ein ziemlicher Wonneproppen. Das kann man berechtigterweise als Nachteil sehen, doch mir zeigt das vor allem, mit welcher Konsequenz man in Namyang gearbeitet hat, wenn man es trotz des Übergewichts schafft, eine solche Granate auf die Räder zu stellen. Es ist dabei nicht zu vergessen, dass dies der erste Versuch von Hyundai ist.

2017 Hyundai i30 N
Die Sitze sind sehr bequem bei genügendem Seitenhalt, doch die Position dürfte tiefer sein.

Für 42’700 Franken bekommt man einen komplett ausgestatteten Hot Hatch, der sich als echtes Fahrerauto entpuppt und dank des sehr sportlichen Fahrverhaltens, des mörderischen Sounds und der knackigen Handschaltung ein Dauergrinsen zur Folge hat. Wer auf Passstrassen aber tatsächlich bis ans Limit gehen möchte, wird mit dem i30 N aufgrund des zu hohen Gewichts nicht glücklich. Nebenbei sei noch erwähnt, dass im Gegensatz zum normalen i30 der Tot-Winkel-Warner sowie der Abstandstempomat nicht verfügbar sind. Doch ich bin mir sicher, dass die Interessenten das schon wieder vergessen haben, ehe sie sich am grollenden Motorstart erfreuen!

2017 Hyundai i30 N
Der Hyundai i30 N bietet fahrdynamisch nicht das absolute Maximum, dafür ein hoch emotionales Fahrerlebnis!

Alltag 

Trotz der sehr sportlichen Abstimmung leider der Alltagsnutzen im Vergleich zum konventionellen i30 nicht. Im Fond ist der i30 nicht der Geräumigste, aber das muss man genauso akzeptieren, wie das straffe Fahrwerk.

Fahrdynamik 

Wie sich der lineare Schub steigert, das Vierzylinder-Crescendo anschwillt und unter einer Knallfeuerwerk der nächste Gang eingelegt wird, das ist schon ein Highlight. Die extrem reaktionsfreudige Lenkung und das harte Fahrwerk samt Sperrdifferential sorgen für ein astreines Handling und extreme Stabilität in Kurven. Wer das Auto besonders hart rannimmt, stösst aufgrund des Gewichts an die Grenzen.

Umwelt 

Klar wurde der i30 N im Test öfters sehr sportlich gefahren, doch es gab auch genügend ruhige Passagen. Insofern ist der zweistellige Testverbrauch von 10,2 l/100 km leider recht hoch – ein Grund mehr, das Auto auf Diät zu setzen.

Ausstrahlung 

Der i30 N ist genau das, was Hyundai braucht. Ein Auto, welches zeigt, das die Koreaner nicht nur sehr solide, sondern auch sehr sportliche Autos bauen können. Die dezente sportliche Optik passt perfekt.

Fazit 

+ Sportliches Design mit auffälliger Lancierungs-Farbe
+ Exzellente Ergonomie
+ Sehr bequeme Sitze mit Memory (Fahrer) und starkem Seitenhalt
+ Sehr hochwertige Verarbeitung
+ Mörderischer Motorsound
+ Knackiges Schaltgetriebe mit automatischem Zwischengas
+ Präzise und reaktionsfreudige Lenkung
+ Adaptives Fahrwerk mit guter Spreizung
+ Hoher Grip dank Sperrdifferential
+ Custom-Mode mit riesiger Freiheit
+ Fairer Preis

– Gewicht zu hoch
– Hoher Verbrauch
– Abstandstempomat und Tot-Winkel-Warner nicht erhältlich
– Sitzposition etwas zu hoch
– Tristes Interieur da alles Schwarz
– Knappe Platzverhältnisse im Fond

Mängel am Testwagen

– Keine Mängel

Steckbrief

Marke / ModellHyundai i30 N
Preis Basismodell / Testwagen36 990 CHF / 42 700 CHF
AntriebBenzin, Frontantrieb
Hubraum / Zylinder1998 ccm / R4
Motoranordnung / Motorkonzept Frontmotor / Turbomotor
Getriebe 6-Gang manuell
Max. Leistung202 kW bei 6000 r/min
Max. Drehmoment353 Nm bei 1450 - 4700 Nm (Overboost: 378 Nm bei 1750 - 4200 r/min)
Beschleu­nigung 0–100 km/h6,1 s
Vmax250 km/h (elektronisch abgeregelt)
NEFZ-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz7,1 l/100 km / 163 g/km / G
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz10,2 l/100 km / 234 g/km / +43%
Länge / Breite / Höhe4,34 m / 1,80 m / 1,45 m
Leergewicht1584 kg
Kofferraumvolumen381 - 1287 l

Bilder: Koray Adigüzel

Deine Meinung hinterlassen

%d bloggers like this: