Hyundai i30 Wagon: das Überraschungsei

Hyundai i30 Wagon: das Überraschungsei

Mit dem neuen i30 Wagon will Hyundai das Segment der kompakten Kombis aufmischen. Ein günstiger Einstiegspreis, grosszügiges Platzangebot, attraktive Ausstattungsmöglichkeiten, flottes Design und natürlich fünf Jahre Werksgarantie sollen den Erfolg des Modells weiter vorantreiben und die etablierten Modelle konkurrenzieren. Die Schwächen des Autos offenbaren sich nur in Details, sofern nicht ein kräftiger Antrieb verlangt wird.

Die aktuelle Designsprache von Hyundai, genannt Fluidic Sculpture, wird auch vom neuen i30 zitiert. Das verleiht dem Wagon optischen Schwung und eine grinsende Front. Schade aber, dass der Schwung beim Heck nachlässt, denn während der kompakte i30 ein wirklich knackiges Heck zur Schau trägt, ist die Kehrseite des Wagons etwas bieder geraten. Wahrscheinlich ein Tribut an die tiefe und komfortable Ladekante. Als Ganzes betrachtet sieht der i30 aber harmonisch aus und könnte glatt als Lifestyle Kombi durchgehen. Hyundai hat es überdies geschafft, ein flottes Design zu schaffen, unter dem die Rundumsicht nicht leidet.

Auch im Innern wird man positiv überrascht. Obwohl der Kombi mit seinen 4.5 Metern Länge und 2.6 Metern Radstand kein grosser Wagen ist, bietet er erstaunlich viel Platz. Vier grosse Erwachsene reisen auf bequemen Sitzen und vorne ist optional eine Sitzheizung erhältlich. Ebenfalls lobenswert bei den Vordersitzen ist, dass sich die Kopfstützen vertikal und horizontal verschieben lassen. Im Gepäckraum wird ebenfalls nicht gegeizt: 528 Liter fasst der Kofferraum bei normaler Aufstellung, bei umgeklappter Rückbank (60 / 40 teilbar) schluckt der Kombi auf einer ebenen Fläche bis zu 1642 Liter, beachtliche Werte für einen Kompaktkombi. Ausserdem ist ein Gepäckraum-Managementsystem optional erhältlich, zusätzliche Staufächer unter dem Kofferraumboden sind serienmässig dabei. Für Kleinkram werden genügend Ablageflächen geboten. Besonders interessant ist der Schlitz in der Sonnenblende des Fahrers, wo sich das Parkticket hineinschieben lässt. Es zeigt, dass der Innenraum dieses Autos gut durchdacht ist. Im Falle eines Crashs sollen die sechs serienmässigen Airbags schützen, ein Knieairbag für den Fahrer ist optional erhältlich.
Auf hohem Niveau bewegen sich die Verarbeitungsqualität und die Materialien, die nichts zu wünschen übrig lassen. In höheren Ausstattungslinien gibt es ein Panorama-Schiebedach, 7″ Touchscreen inkl. Rückfahrkamera, Bluetooth-Schnittstelle, elektronische Parkbremse, Klimaautomatik, Leder-Ausstattung, Keyless-Go, und mitlenkende Xenon Scheinwerfer, wobei deren Fernlicht schwach wirkt. Das Multimedia System ist einfach zu bedienen, bietet viele Funktionen und besitzt ein gut funktionierendes Navi, welches Verkehrsinformationen in Echtzeit liefert.

Wenn man sich dem i30 nähert (Keyless-go vorausgesetzt), werden die Aussenspiegel ausgeklappt, von denen eine weisse LED nach unten leuchtet. Beim Einsteigen wird man von einer angenehmen Melodie begrüsst, welche sich auch deaktivieren lässt. Ich muss sagen, Hyundai hat diesem Auto Manieren beigebracht. Ein weiterer Pluspunkt ist sofort spürbar, wenn man den 1.6 Liter Diesel startet. Selbst beim Start mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ist nur ein dezentes Brummen zu vernehmen. Die Geräuschdämmung hat Hyundai sehr gut hingekriegt. ABS mit Bremsassistent und ESP befinden sich serienmässig an Bord, optional wird man noch von einer Berganfahrhilfe unterstützt. Einmal unterwegs wird jedoch schnell klar, dass der i30 Wagon es eher gemütlich nimmt. Unterhalb von 2000 Umdrehungen wirkt das Dieselaggregat ziemlich träge und zwischen 1900 und 2750 Touren, wo das maximale Drehmoment von 260 Nm anliegt, geht es zwar spürbar besser vorwärts, aber vom Sitz reist der Antrieb niemanden. Für den Sprint von 0 – 100 km/h vergehen 11.2 Sekunden, Spitzentempo ist 193 km/h. Der Antrieb ist zwar an ein gut abgestuftes 6-Gang Getriebe gekoppelt, dessen Gangführung aber ein bisschen präziser sein dürfte. Die 6-Stufen Automatik kostet 1600 Franken Aufpreis, erhöht den Werksverbrauch von 4.5 auf 5.6 Liter auf 100 km (keine Start-Stopp-Automatik verfügbar) und verschlechtert die Fahrleistungen. Ein eher schlechtes Geschäft. Ebenfalls seltsam finde ich den Entfall der Start-Stopp-Automatik bei der handgeschalteten Version mit dem Sublime Pack, was das Panoramadach, den Touchscreen und die Rückfahrkamera beinhaltet und die Spitze der bescheidenen Aufpreisliste bietet. Mit Start-Stopp liegt der Werksverbrauch bei 4.4 l/100 km, was einem CO2-Ausstoss von 115 g/km entspricht. Im Test waren es nach Angabe des Bordcomputers 5.2 l/100 km und gemessen an der Tankstelle 5.36 l/100 km, was angesichts der 17″ Felgen (Serie: 16″) und den kalten Temperaturen ein gutes Ergebnis ist.
Aufs gemächliche Fahren ist denn auch das Fahrwerk abgestimmt, das brav die meisten Stösse absorbiert. Speziell ist die verstellbare Lenkempfindlichkeit, genannt Flex Steer. Mittels Knopfdruck kann zwischen den drei Stufen Comfort, Normal und Sport gewechselt werden. Im Comfort Modus ist das Volant am leichtesten zu drehen, im Sport Modus erfordert es am meisten Kraft. Ich persönlich habe den Sport Modus für alle Situationen bevorzugt, da die Lenkung einfach mehr Rückmeldung und Gefühl vermittelt.

Der i30 Wagon bietet ein kaum zu schlagendes Preis- Leistungsverhältnis. Ab 18’240 CHF geht es los, der 1.6 Liter Diesel mit Komplettausstattung – wie getestet – kostet 36’780 CHF, fünf Jahre Werksgarantie inklusive. Die komplette Preisliste ist hier einsehbar. Da kann die Konkurrenz einfach nicht mithalten.
Hyundai bietet mit dem i30 Wagon ein wirklich solides Fahrzeug an, dessen Schwächen nur Details sind und niemanden gross stören dürften. Wer keine hohen Anforderungen an die Fahrdynamik hat, wird mit dem i30 Wagon zufrieden sein.

Alltag ★★★★★

Der i30 Wagon bietet für seine Dimensionen sehr viel Platz, sowohl für Gepäck als auch für die Passagiere. Zahlreiche und intelligente Ablageflächen runden das Paket ab. Ausserdem ist der Wagen übersichtlich und als Diesel recht sparsam.

Fahrdynamik ★★★☆☆

Den Motoren für den i30 fehlt es an Temperament, das Fahrwerk ist entsprechend ausgewogen abgestimmt. Die Bremsen und Lenkung arbeiten dafür gut.

Umwelt ★★★☆☆

Die Benziner verbrauchen für ihre bescheidene Leistungsentfaltung zu viel. Der Diesel ist sparsam, aber nur mit manueller Schaltung. Zudem ist der Einsatz der Start-Stopp-Automatik nicht logisch.

Ausstrahlung ★★★★☆

Kombi hin oder her, die aktuelle Designsprache Fluidic Sculpture, die geschwungenen Scheinwerfer und der grosse, sechseckige Kühlergrill lassen den i30 Wagon gut und sympathisch dastehen.

Fazit ★★★★☆

+ Grosszügiges und variables Platzangebot, gute Verarbeitung
+ Trotz flottem Design gute Rundumsicht
+ Faire und günstige Preispolitik, gutes Preis-Leistungsverhältnis
+ Energieeffizienzkategorie A (Diesel; ausgenommen Automatikgetriebe)
+ Laufruhiger und leiser Motor
+ Komfortables Fahrwerk
+ Flex Steer

– Keine starken Motoren erhältlich
– Benzinmotoren könnten sparsamer sein
– Schwaches Fernlicht
– Entfall der Start-Stopp-Automatik bei der edelsten Ausstattung, Automatikgetriebe gänzlich ohne Start-Stopp-Automatik

(Bilder: Hyundai)

Deine Meinung hinterlassen

%d bloggers like this: