Kia Optima PHEV: Teures Gewissen

Kia Optima PHEV: Teures Gewissen

Auch Kia startet mit der Elektrifizierung seiner Modellpalette. Während lange Zeit der elektrische Soul der einzige Stromer-Vertreter im Portfolio war, sind seit Herbst dieses Jahres der Niro und der hier getestete Optima als Plug-in-Hybrid erhältlich. Der Niro verfügt über denselben Antrieb wie der getestete Hyundai Ioniq PHEV, während der grosse Optima für angenehmes Vorwärtskommen über mehr Leistung verfügt. Leider kämpft der technisch einwandfreie und komfortable Sportswagon wie so viele Plug-in-Hybride mit seinem Preisschild.

Wie es in der Branche üblich ist, zeichnen blaue Akzente den Plug-in-Hybrid aus. Weitere Erkennungsmerkmale sind die Plug-in-Plakette am Heck sowie der Kühlergrill mit aktiven Lamellen, die im Stand stets geschlossen sind. Zu guter Letzt dürfen die aerodynamisch optimierten, flachen Felgen nicht fehlen. Ansonsten ist der Optima PHEV ein grosser, schnittiger Kombi, der insbesondere am Heck Ähnlichkeiten zum Audi A6 aufweist – das darf im Übrigen gerne als Kompliment aufgenommen werden.

2017 Kia Optima SW PHEV
Das knackige Heck ist die Schokoladenseite des Kombis.

Der Innenraum ist ein super Beispiel dafür, dass es nicht immer ein SUV sein muss. Angesichts des enormen Platzangebotes im Fond zieht so ziemlich jeder Konkurrent den Kürzeren, der nicht Superb heisst. Auch zwei Riesen sitzen im grossen Kombi ausgezeichnet und der Kofferraum schluckt das Gepäck für den Ski-Urlaub ohne Probleme. So muss es sein!

2017 Kia Optima SW PHEV
Der Optima vereint schickes Design mit tollen Platzverhältnissen.

Das Cockpit ist übersichtlich gestaltet und vor allem ist der Qualitätsunterschied zum besagten Audi A6 gar nicht so gross – ein weiteres Kompliment an den Südkoreaner. Ebenfalls ein Kompliment verdient die Bedienung, denn obwohl grundsätzlich alles über den Touchscreen gesteuert werden kann, vereinfachen die Knöpfe darunter den direkten Zugang zu einem Menü. So kann beispielsweise aus dem Mediaplayer mittels Knopfdruck zum Navi gewechselt werden, ohne dass man während der Fahrt am Bildschirm rumfingern muss. Dank den perfekt geschnittenen Sitzen mit Heizung und Lüftung werden auch längere Fahrten zum Genuss.

2017 Kia Optima SW PHEV
Der geschlossene Kühlergrill im Stand lässt auf einen reinen Stromer schliessen.

Apropos längere Fahrten: Laut NEFZ schafft der Optima im E-Modus beachtliche 62 Kilometer und dass er im Test trotz Minustemperaturen bis zu 58 Kilometer weit kam, verdankt der Optima einem kleinen Schummel seitens des Herstellers. Wie beim Konzernbruder Ioniq Plug-in läuft der Benziner bei tiefen Temperaturen auch im E-Modus häufig mit, um Energie für Nebenverbraucher und Heizung zu liefern. Für den Antrieb ist aber stets der Elektromotor zuständig.

2017 Kia Optima SW PHEV
Für heutige Verhältnisse fast schon viele Knöpfe im Cockpit, aber sie vereinfachen die Bedienung.

Da der Optima über eine Systemleistung von immerhin 151 kW verfügt, empfiehlt sich für die alltägliche Fahrt tatsächlich der Eco-Modus. Das Auto wirkt dann nicht zugeschnürt, sondern fährt sich harmonisch. Im normalen Fahrmodus verhaltet sich der Elektromotor mit seinem üppigen Drehmoment nämlich gerade in winterlichen Strassenverhältnissen stürmisch und sorgt hin und wieder für einen stärkeren Antritt als gewollt.

2017 Kia Optima SW PHEV
Bitte einsteigen! An Platz mangelt es im Optima niemandem.

Mit vereinten Kräften bietet der Optima genügend Schub, um sowohl bergauf als auch bei anstehenden Überholmanövern nicht ins Schwitzen zu geraten. Allerdings macht Schub alleine noch keine Fahrdynamik aus. Während die Lenkung präzise arbeitet, ist das komfortable Fahrwerk nicht für die schnelle Kurvenhatz gebaut. Im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern ist bei Kia der Plug-in-Hybrid aber auch nicht das Top-Modell.

2017 Kia Optima SW PHEV
Anstelle eines Drehzahlmessers verfügt der Plug-in-Hybrid über ein Powermeter.

Dank seinem Plug-in-Hybrid-Antrieb ist der Optima sowohl für die Kurzstrecke, als auch die Autobahn prädestiniert. Der grosse Kombi federt satt und geschmeidig, man fährt gerne lange Strecken auf der Autobahn, obwohl sich der Verbrauch dann schnell gegen sieben Liter zu bewegt. Die vielen Assistenzsysteme unterstützen die Fahrt, wobei der Notbremsassistent mit keinen Fehlalarmen positiv «aufgefallen» ist. Feinschliff würde dafür der aktive Spurhalteassistent vertragen, der auf der Autobahn ziemlich dominant die Lenkung übernimmt und einem so kein gutes Gefühl vermittelt.

2017 Kia Optima SW PHEV
Die Sitze passen wunderbar zu einem Langstrecken-Auto.

Ebenfalls kein gutes Gefühl vermittelt die Preisliste – wie so oft, wenn es sich um einen Plug-in-Hybrid handelt. Der PHEV ist mit 47’950 Franken genau 4000 Franken teurer als der 104 kW starke Diesel und 2000 Franken teurer als der 180 kW starke GT mit identischer Top-Ausstattung. Das widerspricht der ansonsten üblichen Preisgestaltung, dass mehr Leistung mehr kostet. Klar ist der Plug-in-Hybrid technisch aufwendiger, doch mit dem Testverbrauch von 5,6 l/100 km bei einer 39%-Nutzung des Elektro-Modus zuzüglich Stromverbrauch hat er insbesondere gegen den Diesel aus wirtschaftlicher Sicht nicht den Hauch einer Chance. Im Vergleich zum starken, aber durstigen GT-Benziner könnte er sich zwar rentieren, aber diese Rechnung geht nur für jene auf, die zu Gunsten des guten Gewissens auf Leistung verzichten.

2017 Kia Optima SW PHEV
Vergleichbare Autos mit Plug-in-Hybridantrieb gibt es kaum. Die Chance für den Optima?

Alltag 

Mit seinen sensationellen Platzverhältnissen ist der Optima jeder alltäglichen Aufgabe gewachsen.

Fahrdynamik 

Eine zügige Fahrweise wirf den Optima nicht gleich aus der Bahn. Doch das im Zweifelsfall rigoros eingreifende ESP sowie die komfortbetonte Abstimmung des Fahrwerks machen klar, dass das ein Reise- und kein Raserauto ist.

Umwelt 

Zwar sind 5,6 l/100 km für einen grossen Kombi mit guter Leistung bestimmt kein schlechter Wert. Allerdings sollte mit der grossen elektrischen Reichweite ein besserer Verbrauch drin liegen.

Ausstrahlung 

Keine Frage, der Optima ist ein schnittiger, eleganter Kombi. Nichtsdestotrotz sieht die sportlichere GT-Variante noch ein bisschen besser aus als der auf Eco getrimmte Plug-in-Hybrid.

Fazit 

+ Elegantes Design
+ Hohe elektrische Reichweite
+ Einfache Bedienung
+ Sehr gute Verarbeitungsqualität
+ Sensationelle Platzverhältnisse
+ Tolle Sitze mit Heizung und Lüftung
+ Äusserst komfortables Fahrverhalten
+ Viele Assistenzsysteme verfügbar
+ Sanftes Fahrgefühl
+ Genügend Leistungsreserven

– Hoher Preis
– Verbrenner läuft bei tiefem Temperaturen häufig mit, auch im EV-Modus
– Mässig guter Verbrauchswerte

Mängel am Testwagen

– Keine Mängel

Steckbrief

Marke / ModellKia Optima PHEV
Preis Basismodell / Testwagen47 950 CHF / 50 490 CHF
AntriebBenzin Plug-in-Hybrid / Frontantrieb
Akkukapazität12,3 kWh
Hubraum / Zylinder1999 ccm / R4
Motoranordnung / MotorkonzeptFront-Benzinmotor, Front-Elektromotor / Saugmotor und ein Elektromotor
Getriebe6-Gang Automatikgetriebe
Max. Leistung E-Motor / Benziner / Systemleistung50 kW / 115 kW / 151 kW
Systemdrehmoment375 Nm
Beschleu­nigung 0–100 km/h9,7 s
Vmax192 km/h (120 km/h im E-Modus)
NEFZ-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz1,4 l/100 km / 33 g/km / A
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz5,6 l/100 km / 132 g/km / +400%
NEFZ-Reichweite im E-Modus62 km
Test-Reichweite im E-ModusØ 46 km, max. 58 km
Länge / Breite / Höhe4,86 m / 1,86 m / 1,47 m
Leergewicht1880 kg
Koffer­raum­volumen440 - 1574 l

Bilder: Koray Adigüzel

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