Kia Stonic: Die graue Maus, die gar nicht so grau ist

Kia Stonic: Die graue Maus, die gar nicht so grau ist

Was hat man sich bei Kia nur dabei gedacht? Da wird ein lässiger, jugendlicher Crossover in pfiffigen Farben lanciert und wie bekomme ich mein Testauto? In tristem Grau. Der Innenraum ist keinen Deut besser: Schwarz in Grau, es kommt mir fast das Gähnen. Etwas mehr Mut zur Farbe bitte! Glücklicherweise hat sich der Stonic im Test als deutlich fröhlicher erwiesen, als man es aufgrund seiner Farbgebung vermuten könnte.

Immerhin kann das Mausgrau nicht verbergen, dass der Stonic hübsch gestaltet ist. Eine entschlossene Front mit lustigerweise verschlossener Tigernase (der Kühlergrill befindet sich darunter) blickt einen an. Lässt man die Augen über die Seitenlinie mit markanter Dachreling weiter wandern, landet man bei einem knackigen Heck, wobei die Ähnlichkeit zum grossen Bruder Sportage ziemlich hoch ist. Selbstverständlich sind Bicolor-Lackierungen möglich, aber meine graue Maus als Testwagen will eben lieber nicht auffallen.

2017 Kia Stonic
Das Heck erinnert stark an den Sportage – einfach in klein.

Im Innenraum kann man es mit Farbmustern auf den Sitzen sowie einem Color-Pack ebenfalls ziemlich bunt treiben. Davon will meine graue Maus aber nichts wissen. Alles ist streng in Schwarz und Grau gehalten. Schade, ein Interieur mit Farbtupfer würde gleich viel freundlicher wirken! Wobei auch die Farbe nicht darüber hinwegtäuschen könnte, dass der Innenraum mit arg viel Hartplastik überladen ist. Hinsichtlich des Preises ist das aber wieder okay.

2017 Kia Stonic
Die markante Dachreling lässt den Stonic etwas höher wirken, als er tatsächlich ist.

Schon von aussen wirkt der Stonic kompakt und knackig, so überrascht es nicht, dass er innen kaum Raumwunder ist. Leider ist die Beinauflage der Vordersitze für Grossgewachsene zudem zu kurz, sodass eine wirklich bequeme Sitzposition nur schwer zu finden ist. Hinten wird es dafür für die Knie schnell eng. Positiv: Eine kleine Ausbuchtung am Dachhimmel sorgt immerhin für genügend Luft über den Haaren.

2017 Kia Stonic
Trotz Plastikbeplankung und angedeutetem Unterfahrschutz hat der Stonic abseits der Strasse nichts zu suchen.

In der immer grösser werdenden Masse an kleinen SUVs wird es immer schwieriger, sich zu profilieren und aus der Masse hervorzustechen. Design und Individualisierung reichen da schon lange nicht mehr. Ausgerechnet Kia zeigt nun, wie man seinen Crossover anders positionieren kann: Durch Sportlichkeit.

2017 Kia Stonic
Das Cockpit ist schlicht und übersichtlich.

Ein 88 kW starker Dreizylinder-Turbobenziner ist per se eigentlich kein Ausbund an Sportlichkeit. Er ist praktisch auch die einzig verfügbare Motorisierung, denn wer den nur auf explizite Bestellung lieferbare 74 kW Sauger wählt, hat nicht mehr alle Tassen im Schrank, zumal die Ersparnis mickrige 700 Franken beträgt. Der Testwagen fährt mit manueller Schaltung vor, ab Frühling wird noch ein Doppelkupplungsgetriebe zur Verfügung stehen.

2017 Kia Stonic
Die Vordersitze sind zu kurz und zudem etwas zu hoch montiert.

In Fahrt zeigt der Stonic, dass er durchaus als Baby-Tiger bezeichnet werden darf. Sein Fahrwerk ist offensiv auf Fahrspass ausgelegt, das heisst, der kleine Crossover lässt einen über die Beschaffenheit der Strasse nie im Ungewissen. Das bedeutet auf der anderen Seite aber auch, dass der Kleine wild um die Kurven gescheucht werden kann, ohne dass er gross Seitenneigung aufbaut oder gar unruhig wird.

2017 Kia Stonic
Gute Kopffreiheit, aber knappe Beinfreiheit.

Ein zusätzlicher Genuss ist die präzise Schaltung. Ein Kollege von mir bezeichnet weiche Schaltungen gerne als «Puff-Puff-Schaltungen», da man fast mit dem kleinen Finger die Gänge wechseln kann. Das trifft auch auf dieses Getriebe zu, allerdings sind die Wege kurz und präzise, die Gänge rasten leicht hörbar ein. Genau so muss eine Handschaltung sein, hier macht das selber Schalten noch Spass und ist nicht bloss ein notwendiges Übel!

2017 Kia Stonic
Leider bietet die Optionsliste keine LED-Scheinwerfer.

Für gute Laune sorgt nicht nur das knackige Fahrverhalten, sondern auch die Preisgestaltung – eigentlich keine Überraschung bei Kia. Dem Interessenten wird es einfach gemacht: Es gibt die Basisversion, sowie zwei Pakete mit unterschiedlichen Technik- und Komfort-Features. Sind wie beim Testwagen beide Pakete mit an Bord, beläuft sich der Endpreis auf 26’000 Franken. Angesichts dieses tollen Angebots verzeiht man Kia gerne die knapp bemessenen Vordersitze oder die üppige Verwendung von Hartplastik.

2017 Kia Stonic
Der Kofferraum entspricht dem Klassenschnitt.

Ein Allradantrieb ist übrigens nicht vorgesehen, denn der Stonic ist ausschliesslich ein Flitzer für Stadt und Landstrasse und keine Wühlmaus fürs Gelände. Wünschenswert wäre hingegen noch ein stärkerer Motor. Nicht, weil der Dreizylinder überfordert ist, sondern weil sein Fahrwerk Lust auf mehr macht! Ob sich Kia dessen bewusst ist?

2017 Kia Stonic
Eine GT-Version mit stärkerem Vierzylinder würde den Stonic wunderbar abrunden!

Alltag 

Der Stonic ist übersichtlich und passt mit seinen handlichen Abmessungen überall durch und rein. Jedoch wird es im Fond schnell knapp mit der Beinfreiheit, wenn vorne eine grosse Person sitzt.

Fahrdynamik 

Das ziemlich straffe Fahrwerk beschert dem Stonic ein erfreulich knackiges Handling. Schön, dass auch die Lenkung präzise arbeitet und die Schaltkulisse Freude macht. Nichts gegen den Dreizylinder, aber mit diesem Setup würde der Stonic ohne Weiteres einen stärkeren Motor ertragen!

Umwelt 

6,8 l/100 km ist unter dem Strich kein schlechter Wert, zumal das Auto im Test das eine oder andere Mal sportlich gefahren wurde. Den Normverbrauch von 5 Litern kann man sich schenken, aber rund 6 Liter sind bei gemächlicher Fahrweise realistisch.

Ausstrahlung 

Die Flut an kleinen Crossovern wird ständig grösser. Der Stonic gefällt mit stylischem Design und knackigen Kurven. Schade, ist der Testwagen so eintönig, obwohl man sowohl aussen, als auch innen mit Farbakzenten spielen kann.

Fazit 

+ Pfiffiges Design mit Individualisierungsmöglichkeiten
+ Eingängige Bedienung, intuitives Infotainmentsystem
+ Ausbuchtung am Dachhimmel sorgt für gute Kopffreiheit im Fond
+ Knackiges Handling, präzise Lenkung
+ Exakte Handschaltung mit tollen Übergängen
+ Super Preis-Leistungs-Verhältnis
+ Akzeptabler Verbrauch

– Sitze mit zu kurzer Beinauflage
– Knappe Beinfreiheit im Fond
– Viel Hartplastik im Interieur
– Keine LED-Scheinwerfer als Option

Steckbrief

Marke / ModellKia Stonic
Preis Basismodell / Motorisierung/ Testwagen19 700 CHF / 20 400 CHF / 26 000 CHF
AntriebBenzin, Frontantrieb
Hubraum / Zylinder998 ccm / R3
Motoranordnung / Motorkonzept Frontmotor / Turbomotor
Getriebe 6-Gang manuell
Max. Leistung88 kW bei 6000 r/min
Max. Drehmoment172 Nm bei 1500 - 4000 r/min
Beschleu­nigung 0–100 km/h10,3 s
Vmax185 km/h
NEFZ-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz5,0 l/100 km / 115 g/km / E
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz6,8 l/100 km / 156 g/km / +36%
Länge / Breite / Höhe4,14 m / 1,76 m / 1,50 m
Leergewicht1278 kg
Kofferraumvolumen352 - 1155 l

Bilder: Koray Adigüzel

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