Der Praktiker: Land Rover Discovery Sport

Der Praktiker: Land Rover Discovery Sport

Never change a winning team. Getreu diesem Motto wurde der Discovery Sport offensichtlich designt. Das Beauty SUV Evoque der Edeltochter Range Rover ist eingeschlagen wie eine Bombe. Deshalb hat man beschlossen, den Land Rover möglichst wie den Evoque aussehen zu lassen. Da drängt sich die böse Frage auf, ob der Discovery Sport der Evoque für Arme ist?

Insbesondere die Front sieht dem edlen Bruder nämlich zum verwechseln ähnlich. Von der Seite und von hinten betrachtet merkt man, dass der Discovery Sport höher und kastiger gebaut ist als der Evoque, der mit seiner abfallenden Dachlinie klar das Design priorisiert. Trotzdem macht auch der Discovery Sport eine ganz passable Figur. Auch er lässt sich auf Wunsch zweifarbig lackieren, wobei dann die schräge C-Säule zum auffälligen Designmerkmal wird.

Land Rover Discovery Sport
Die C-Säule ist markant und sticht ins Auge.

Im Innenraum merkt man schliesslich so richtig, dass der Disco Sport im Gegensatz zum extrovertierten Evoque der Praktiker ist. Optional kann er nämlich – wie der Testwagen – als 7-Plätzer geordert werden. Die hintersten Plätze sind allerdings wie so oft nur für Kinder geeignet, denn sowohl der Platz, als auch der Zustieg sind eng. Ausserdem bleibt bei voller Bestuhlung kaum noch etwas vom Kofferraum übrig. Richtig feudal geht es dafür in der zweiten Reihe zu und her. Ist die verschiebbare Rückbank ganz nach hinten geschoben, kann man ohne Weiteres die Beine übereinander schlagen.

Land Rover Discovery Sport
Von vorne ist er dem Evoque wie aus dem Gesicht geschnitten.

Zeit, die eingangs gestellte Frage gleich doppelt zu verneinen. Erstens ist auch der Discovery Sport hochwertig verarbeitet und macht einen edlen Eindruck. Dementsprechend sind auch die Preise gestaltet. Allerdings sind das Hartplastik um die Mittelkonsole, die billigen Sonnenblenden, sowie leise, aber unschöne Geräusche bei basslastigen Songs störende Details. Zweitens sind der Evoque und der Disco Sport gar keine Konkurrenten. Während der Evoque der optische Leckerbissen ist, verfolgt der Landy einen pragmatischeren Ansatz. Somit haben beide nebeneinander ihre Daseinsberechtigung. Das Interieur an sich ist eher schlicht mit vielen horizontalen Linien gestaltet. Praktisch sind die vielen Ablageflächen. Richtig cool ist das neue Infotainmentsystem mit seiner intuitiven Bedienung durch Kacheln. Das war mittlerweile auch notwendig, dass von Jaguar Land Rover diesbezüglich mal was Neues kommt. Ebenfalls lässig finde ich, dass es sowohl in Reihe zwei, als auch in Reihe drei (!) jeweils zwei USB-Anschlüsse hat, womit der Nachwuchs seine Gadgets während der langen Fahrt aufladen kann.

Land Rover Discovery Sport
Hinten ist er deutlich höher gebaut als sein Schwestermodell.

Vielleicht sollte ich noch einmal die Positionierung vom Discovery Sport präzisieren. Der neue Discovery Sport ist der Nachfolger des eingestellten Freelander. Er ist namentlich aber nicht mit dem weiterhin angebotenen Discovery (ohne Sport) zu verwechseln. Rein optisch besteht garantiert keine Verwechslungsgefahr, denn mein Spitzname «Kühlschrank» für den Discovery kommt nicht von ungefähr… Der Discovery Sport ist somit die goldene Mitte zwischen dem eher kleinen, engen und schicken Evoque und dem riesigen, kastigen Discovery. Die Verwandtschaft zum Evoque ist trotzdem da und zwar nicht nur optisch. Das Motorenportfolio ist nämlich absolut identisch mit dem Evoque.

Land Rover Discovery Sport
Das Interieur ist schlicht, übersichtlich und meistens hochwertig verarbeitet.

Mein Testwagen fährt mit stärksten Diesel vor. 140 kW und 420 Nm sorgen für einen angemessenen Schub, der Discovery Sport wiegt doch immerhin zwei Tonnen. Für Sparfüchse gibt es einen 110 kW Diesel mit Frontantrieb, aber das ist in meinen Augen eine Kastration eines Land Rovers. Für Leistungshungrige gibt es einen 176 kW starken Benziner mit entsprechendem Verbrauch. Verwaltet wird die Kraft vom ZF 9-Gang Automatikgetriebe, welches darauf bedacht ist, möglichst rasch in hohe Gänge zu schalten, um die Drehzahlen tief zu halten. Soweit, so gut, dafür sind ja all diese Gänge auch da. Allerdings hat das zur Folge, dass das Getriebe je nach Fahrmanöver zwei oder gar drei Gänge herunterschaltet, was zu einer mühsamen Gedenksekunde führt, in der zuerst nichts geht und dann dafür die geballte Dieselpower zuschlägt.

Land Rover Discovery Sport
Schöne Scheinwerfer.

Auch auf der Autobahn muss das Gas nur leicht gedrückt werden und schwupps wird vom neunten in den achten oder gar siebten Gang geschaltet. Das geht besser und zwar mit dem Eco-Modus. Da vertraut das Auto mehr auf das verfügbare Drehmoment und führt weniger unnötige Gangwechsel durch, was insgesamt zu einem harmonischeren und ruhigeren Fahrverhalten führt. Blöd ist nur, dass im Eco-Modus auch die Klimaanlage gedrosselt wird, was bei der Affenhitze im Testzeitraum nicht sehr lustig war. Darum bin ich nicht so oft im Eco-Modus gefahren, wie ich eigentlich wollte. Ausschliesslich für den 5-Plätzer sind ein adaptives Fahrwerk und ein Dynamic Mode verfügbar, doch ich bezweifle, dass dies ernsthaft etwas bringt. Der Discovery Sport trägt den Beinamen Sport lediglich, um sich vom grossen Discovery abzuheben. Die Lenkung ist zwar für ein SUV ziemlich direkt ausgelegt und auch das Fahrwerk ist keine Sänfte. Von einem sportlichen Fahrverhalten ist der Discovery Sport aber dennoch weit entfernt, dafür ist er einfach nicht gebaut.

Land Rover Discovery Sport
Der Platz im Fond ist gigantisch.

Vielmehr ist er der gemütliche Gleiter oder der Kraxler, denn als Land Rover kommt er mit dem Terrain Response System, mit welchem man zwischen den Untergründen Strasse, Schotter/Schnee/Eis, Schlamm und Sand switchen kann. Motor, Getriebe, Mitteldifferential, und der Allradantrieb werden dabei angepasst. Lobenswert ist ausserdem der Fussgängerairbag. Ganz neu ist das freilich nicht, bereits der Volvo V40 hat so einen Airbag unter der Haube. Im Falle eine Zusammenstosses mit einem Fussgänger wird dieser «auf die Hörer genommen», also auf die Motorhaube fallen. Durch den Airbag soll der Zusammenstoss mit harten Teilen wie Windschutzscheibe oder Säulen vermieden werden.

Land Rover Discovery Sport
Unter der hellgrauen Abdeckung befindet sich der Fussgängerairbag.

Im harten Umfeld der kompakteren SUVs wird es der Discovery Sport nicht leicht haben. Ob seine speziellen Eigenschaften wie seine Offroad-Fähigkeiten, fünf USB-Anschlüsse, sieben Sitzplätze oder der Fussgängerairbag für die Kunden ein Kaufkriterium sein werden? Der Discovery Sport ist zwar ab 38’000 Franken erhältlich, aber wer ein vernünftig ausgestattetes Auto wie den Testwagen will, muss mit Preisen um die 63’000 Franken rechnen und in dieser Preisregion wird die Konkurrenz hart. Puncto Verarbeitung dürfte der Land Rover noch ein bisschen mehr zulegen, aber beim Komfort und beim Platzangebot spielt er ganz weit vorne mit. All seine USB-Anschlüsse sprechen eigentlich für sich: Der Discovery Sport ist der gute Kumpel für die (abenteuerliche) Reise.

Land Rover Discovery Sport
Bei voller Bestuhlung bleibt nur noch ein mickriger Raum für kleine Taschen übrig.

Alltag 

Platz und Komfort sind die grossen Stärken vom Discovery Sport. Die verschiebbare Rückbank, die optionale dritte Reihe und die zahlreichen USB-Anschlüsse unterstreichen die Familienfreundlichkeit. Um die Fahrt zu unterstützen, sind auch diverse Assistenzsysteme erhältlich.

Fahrdynamik 

Wer es gerne dynamisch mag, sollte sich das mit dem Landy gut überlegen. Er ist zwar kein schaukeliges Schiff, sondern ausreichend präzise zum fahren. Trotzdem spürt man, wie sich das Auto gegen eine allzu sportliche Fahrweise sträubt, auch wegen des ziemlich hohen Gewichts.

Umwelt 

Der Testverbrauch von 7,4 l/100 km weicht zwar nicht so stark vom Normverbrauch von 6,3 l/100 km ab. Für einen Diesel mit 9-Gang Automatik ist der Verbrauch aber trotzdem nicht besonders gut.

Ausstrahlung 

Der Discovery Sport steht kräftig auf der Strasse und macht eine gute Figur, aber da er einen geräumigen Innenraum bietet, kann das Design halt nicht ganz so schnittig aussehen.

Fazit 

+ Schickes, vom Evoque abgeleitetes Design
+ Komfortables Fahrwerk
+ Hohe Geländetauglichkeit
+ Hochwertige Verarbeitung
+ Diverse Assistenzsysteme verfügbar
+ Extreme Beinfreiheit im Fond
+ Sehr gute Geräuschdämmung
+ Neues, intuitives Infotainmentsystem

– Teilweise nervöses Automatikgetriebe
– Knarzgeräusche bei basslastigen Songs
– Mässige Fahrdynamik
– Verbrauch dürfte tiefer sein

Marke / ModellLand Rover Discovery Sport
Preis Basis­modell / Testwagen38'100 CHF / 63'100 CHF
AntriebDiesel, Allradantrieb
Hubraum / Zylinder2179 ccm / R4
Motoranordnung / MotorkonzeptFrontmotor / Turbomotor
Getriebe8-Gang Automatikgetriebe
Max. Leistung140 kW bei 3500 r/min
Max. Drehmoment 420 Nm bei 1750 r/min
Beschleu­nigung 0–100 km/h8,9 s
Vmax188 km/h
NEFZ-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz6,3 l/100 km / 166 g/km / E
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz7,4 l/100 km / 195 g/km / +17%
Länge / Breite / Höhe4,60 m / 1,89 m / 1,72 m
Leergewicht2018 kg
Koffer­raum­volumen981 - 1698 l

(Bilder: Koray Adigüzel)

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