Lexus NX 200t F Sport: Wo Licht ist, ist auch Schatten

Lexus NX 200t F Sport: Wo Licht ist, ist auch Schatten

Die Vor- und Nachteile der Hybridtechnik von Toyota (und Lexus) sind mittlerweile allen bekannt: Kultiviert, laufruhig sowie sparsam geht der Antrieb zu Werke – zumindest, so lange man gelassen dahingleitet. Das jämmerliche Lied vom stufenlosen Automatikgetriebe möchte ich hier nicht erneut vorsingen müssen. Der Lexus NX 300h F Sport war für mich eine fahrdynamische Enttäuschung. Vom 200t mit Turbobenziner und anständigem Automatikgetriebe erhoffe ich mir eine Besserung. Zudem möchte ich den Verbrauch und den Preis mit der Hybridvariante vergleichen. Ist am Ende der 200t die bessere Alternative zum Alternativ-Antrieb? Soviel vorneweg: In gewissen Disziplinen glänzt der Lexus ganz besonders, in anderen versagt er dafür umso gröber.

Nach wie vor gehört der Lexus NX, rein optisch betrachtet, zu den dynamischsten SUVs in seinem Segment. Viele Sicken und Kanten, abfallen Fensterlinie, progressives Design, brutaler Blick. Das macht Eindruck, erst Recht in der F Sport Variante mit dem immer wieder beeindruckenden Diabolo Kühlergrill. Zudem finde ich, dass der Japaner in dem schillernden Weiss eine besonders edle Aura um sich hat. Der einzige Unterschied zur Hybridvariante sind die zwei trapezförmigen Endrohre.

Lexus NX 200t F Sport
Martialische Front.

Wie zu erwarten ist der Innenraum unverändert, lediglich das Powermeter vom Hybrid musste einem richtigen Drehzahlmesser Platz machen. Apropos Platz: Mit einer Länge von 4,63 Meter ist das japanische SUV nicht besonders gross, aber die Platzverhältnisse sind grandios, und zwar sowohl bei den Passagieren, als auch im Kofferraum. Gut gemacht, Lexus! Das etwas zerklüftete Interieur ist Geschmacksache. Ich empfinde die Bedienung als logisch und simpel, wobei ich mit meiner Erfahrung nicht unbedingt ein geeigneter Massstab bin. Uneingeschränkt lobenswert sind die Ergonomie, die bequemen Sportsitze und die hochwertige Verarbeitungsqualität. Nun wird es jedoch Zeit, den Startknopf zu drücken, um die wahren Unterschiede «herauszufahren».

Lexus NX 200t F Sport
Das Heck wirkt dagegen deutlich ruhiger – zumindest, solange die Rücklichter nicht leuchten…

Während der Hybrid beim Anlassen erstmal stumm bleibt, meldet sich der Benziner mit einem leicht dröhnenden Geräusch zum Dienst. Kein gutes Zeichen… Doch ich will erst einmal sanft zum NX 200t sein und rolle gemächlich dahin. Dabei denke ich über die Marke Lexus nach. Lexus selber lobt sich ständig damit, dass sie die einzige (Premium-)Marke sind, die in jeder Modellreihe einen Hybridantrieb im Angebot haben. Das soll also das Alleinstellungsmerkmal von Lexus sein. Hmm, ok. Meistens verbindet man die Marken mit gewissen Eigenschaften. BMW: Fahrfreude. VW: Seriosität (war da nicht etwas von wegen Abgas-Skandal…?). Hyundai: Preiswert. Man assoziiert sofort eine Eigenschaft mit einer Marke.

Lexus NX 200t F Sport
Die Rücklichter sind nicht minder diabolisch als die Front.

Und bei Lexus? Ich weiss nun, was ich assoziiere: Ruhe. Egal, ob der klassische Hybridantrieb, ein konventioneller Turbobenziner oder ein V8 arbeitet: Wird ein Lexus gemütlich bewegt, dann ist er extrem leise, sogar die Lüftung kommt mir deutlich weniger geräuschvoll vor, als bei anderen Marken. Reifen- und Windgeräusche scheinen weit weg zu sein, vom Motor hört man gar nichts, nicht einmal auf der Autobahn. Das Streben nach wenig Störgeräuschen wird auch in Details ersichtlich, beispielsweise bei den Fensterhebern: Wenn sich das Fenster automatisch schliesst, dann bremst der Mechanismus ab, bevor das Fenster ganz oben ist, damit es sanft und leise komplett schliesst. Passend zur Ruhe ist auch das gutmütige Fahrwerk, womit der NX sanft über die Strasse gleitet. Nicht so sanft ist leider der adaptive Tempomat, der bereits verlangsamt, wenn der Vordermann noch gefühlt einen halben Kilometer weiter vorne ist.

Lexus NX 200t F Sport
Die Seitenansicht wirkt durch die vielen Umbrüche unruhig und dynamisch.

Und was ist, wenn man den optisch so dynamischen SUV auch entsprechend bewegt? Ich kann euch sagen: Das verleidet einem sehr schnell. Zwar jault der Motor nicht so nervig wie mit dem CVT-Getriebe, aber auch der Turbobenziner klingt angestrengt und heult zwar leise, aber gequält auf, wenn er stark gefordert wird. Das der NX 200t 177 kW mobilisiert, ist schwer zu glauben, er fühlt sich träger an, als es das Papier vermuten lässt. Aber flotter und angenehmer als beim Hybrid ist das Beschleunigen zweifellos. Doch der NX kann keine Kurven fahren. Und er kann auch nicht stark bremsen. Er kann die Manöver zwar ausführen, aber es fühlt sich katastrophal an, ausserdem wird der Japaner schnell instabil, weshalb das ESP bereits bei mässigen Kurvengeschwindigkeiten permanent eingreift. Sogar bei starken Bremsungen greift das ESP ein, weil der NX hinten sehr leicht wird.

Lexus NX 200t F Sport
Das Cockpit ist edel, aber nicht besonders übersichtlich.

Ausserdem ist die Lenkung viel zu stark vom Geschehen abgekapselt, man hat kein Gefühl für die Vorderräder. Da nützt es herzlich wenig, dass der NX in der F Sport Variante über einen Sport S+ Modus verfügt. Der Lexus ist beim sportlichen Fahren alles andere als vertrauenerweckend. Der Benziner ist also fahrdynamisch genauso miserabel wie der Hybrid, allerdings ist der Hybrid natürlich sparsamer unterwegs. Der Teilzeitstromer hatte mit 7,5 l/100 km zwar deutlich mehr verbraucht, als der Normverbrauch verspricht (+42%), er ist aber insgesamt sparsamer als der Turbobenziner, der mit 8,7 l/100 km dafür viel näher am Normverbrauch liegt (+ 8%).

Lexus NX 200t F Sport
Die Sportsitze sind sehr bequem.

Angesichts der Tatsachen, dass der Turbo 2100 Franken mehr kostet, über einen Liter mehr verbraucht und weder schneller, noch sportlicher ist, kann ich nur den Hybrid empfehlen. Klar, das Geheule bei Vollgas nervt, aber wann gibt man im NX schon Vollgas? Das SUV ist ein komfortabler Gleiter durch und durch, der von schnellem oder gar sportlichem Fahren absolut gar nichts wissen will. In der höchsten Ausstattungslinie «Excellence» sind ein paar Luxus-Ausstattungen, wie beispielsweise elektrisch umklappbare Rücksitze, klimatisierte Sitze mit Memory-Funktion oder ein erstklassiges Mark Levinson Soundsystem, serienmässig an Bord. Ich würde der Optik wegen trotzdem den F Sport wählen. Dadurch fährt er sich zwar nicht sportlicher, aber die Optik hebt sich deutlich von jener seiner Mitbewerber ab.

Lexus NX 200t F Sport
Der NX 200t F Sport wirkt furchteinflössend, ist aber eine sanfte Seele.

Alltag 

Mit seinen grosszügigen Platzverhältnissen sowie dem komfortablen und ruhigen Fahrverhalten ist er ein wunderbarer Alltagsbegleiter.

Fahrdynamik 

Selbst für ein SUV, das keine sportlichen Attitüden pflegt, ist die Fahrdynamik katastrophal. Wenn bereits bei starken Bremsungen ohne Lenkeingriff das Auto unruhig wird und die Lenkung kein Gefühl vermittelt, bekommt man gar keine Lust, auf sportliches Fahren. Die Kraft des Motors wird vom hohen Gewicht gedämpft.

Umwelt 

Für seine Leistung und sein Gewicht geht der Verbrauch vom Turbobenziner noch einigermassen in Ordnung. Eine Start-Stopp-Automatik sollte Lexus jedoch anbieten. Trotzdem lohnt sich der Hybrid aufgrund des niedrigeren Preises gleich doppelt.

Ausstrahlung 

Als F Sport sieht der NX ein bisschen aus wie ein Krieger. Man muss das Design nicht unbedingt mögen, aber er hebt sich deutlich von der Masse ab.

Fazit 

+ Extrem ruhiges Fahrverhalten
+ Hoher Fahrkomfort
+ Hochwertige Materialien und schöne Verarbeitung
+ Unauffälliges Automatikgetriebe
+ Geräumiger Innenraum
+ Bequeme Sportsitze, perfekte Ergonomie
+ Umfangreiche Ausstattung, fairer Preis
+ Cooles Design

– Miserable Fahrdynamik
– Gefühllose Lenkung
– Unübersichtliches Interieur
– Übervorsichtiger Radartempomat

Steckbrief

Marke / ModellLexus NX 200t F Sport
Preis Basismodell / Testwagen52 500 CHF / 75 440 CHF
AntriebBenzin, Allradantrieb
Hubraum / Zylinder1998 ccm / R4
Motoranordnung / MotorkonzeptFrontmotor / Turbomotor
Getriebe6-Gang Automatikgetriebe
Max. Leistung175 kW bei 4800 - 5600 r/min
Max. Drehmoment350 Nm bei 1650 - 4000 r/min
Beschleu­nigung 0–100 km/h7,1 s
Vmax200 km/h (elektronisch abgeregelt)
NEFZ-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz8,1 l/100 km / 187 g/km / G
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz8,7 l/100 km / 201 g/km / +7%
Länge / Breite / Höhe4,63 m / 1,85 m / 1,65 m
Leergewicht1875 kg
Koffer­raum­volumen580 - 1625 l

(Bilder: Koray Adigüzel)

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