Mazda CX-5

Mazda CX-5: Der heimliche Streber

Ich werde hin und wieder gefragt, nach welchen Kriterien ich meine Testautos eigentlich aussuche. Nun, mein Blog soll ja die ganze Bandbreite abdecken. Von faszinierend bis langweilig, von gross bis klein, von der Rakete bis zur Schneckenpost, von verschwenderisch bis zur Ökokiste soll markenübergreifend möglichst alles dabei sein. Dazu gibt es Autos, die in meine ganz persönliche Haben-Will Kategorie fallen. Der kommende Mazda MX-5 befindet sich beispielsweise in dieser Kategorie. Und der CX-5? Der ist in meinen Augen eher so ein Pflichttest. Verkauft sich sehr gut, aber bin ich noch nie gefahren. Da muss ich mir im Rahmen des Facelifts mal anschauen, was das Teil so drauf hat. Und noch während ich diese Zeilen tippe, muss ich um Vergebung bitten. Denn diese abschätzig-arrogante Bezeichnung «das Teil» verdient der japanische Bestseller hinten und vorne nicht. Der CX-5 ist auf unauffällige Art und Weise richtig gut!

Es fängt bei der Farbe an. Ich achte sehr darauf, welche Farben meine Testautos tragen und rege mich immer fürchterlich auf, wenn man mir einen ach so modischen, weissen Wagen mitgibt. Oder noch besser: Grau. Bisher so gewesen mit dem Mazda 6 und 3. Mit dem CX-5 habe ich nun endlich meine Wunschfarbe bekommen. Noch selten hat mir ein Rot so dermassen gut gefallen wie das Soul Red von Mazda.

Mazda CX-5
Die LED-Scheinwerfer mit dem Tagfahrlicht wie Bauklötzchen verraten den neuen CX-5.

Okay, ich mutiere da gerade zum Tagträumer. Natürlich sagt die Farbe objektiv nichts über das Auto aus. Der CX-5 wurde lediglich gaaaanz fein geschminkt. Neue Lampen vorne und hinten, überarbeiteter Kühlergrill, fertig ist der «neue» CX-5. Aber Mazda hat eigentlich recht. Das SUV schaut nach wie vor sehr gut aus. Sportlich-schnittig, aber auf eine dezente Art. Lediglich zwei Dinge stören das harmonische Gesamtbild. Erstens sind die Radkästen zu gross ausgefallen. Selbst die 19-Zöller wirken da drin irgendwie verloren. Ausserdem fügt sich das hinterste Fensterchen sehr unschön in die Fensterlinie ein. Der Übergang ist sehr grob.

Mazda CX-5
Links eine Plastikumrahmung, rechts ein getönter Rahmen. Diese Folge von unterschiedlichem Schwarz stört die Fensterlinie.

Den Innenraum kann ich im Vergleich zum Vorgänger nicht beurteilen, da ich ihn schlicht nicht kenne. So, wie sich der CX-5 jetzt präsentiert, kann man Mazda aber kaum etwas vorwerfen. Alle neuen Mazdas sehen sich innen sehr ähnlich: Aufgeräumte Mittelkonsole mit darauf thronenden Touchscreen. Bedient wird das Infotainment via Dreh-Drück-Regler oder über den Touchscreen, die Bedienung ist selbsterklärend und die Animationen sind schön fliessend. Schade jedoch, dass das Navi ab und an plötzlich die Position «verliert» (beispielsweise Offroad anstatt auf der Autobahn) und eine neue Route berechnen möchte, was gar nicht notwendig wäre.

Mazda CX-5
Aufgeräumtes, edles und hochwertiges Interieur.

Überzeugend ist dafür die enorm hohe Verarbeitungsqualität. Das ganze Auto fühlt sich so solide und massiv an, dass der CX-5 eher mit den Deutschen zu vergleichen ist. Seinen japanischen Konkurrenten fährt er in dieser Kategorie ganz klar davon. Nicht tragisch, aber doch schade finde ich, dass dem CX-5 der zentrale Drehzahlmesser mit integriertem Digitaltacho aus dem 3er vorenthalten bleibt. Und wenn der Nörgelmodus schon an ist, dann wäre ein farbiges, hochauflösendes Infodisplay ebenfalls wünschenswert. Das Jetzige wirkt sehr altbacken. Ausserdem ist die Fussstütze für den linken Fuss zu steil.

Mazda CX-5
Schade, steht kein digitaler Tacho zur Verfügung. Das kleine Infodisplay passt nicht in den modernen CX-5.

Alles Dinge, über die man hinwegsehen kann, aber da kommt leider noch etwas: Bei basslastigen Songs vibriert irgendetwas an oder in der Fahrertüre. Das ist sehr störend und ich hoffe, der Testwagen ist diesbezüglich eine Ausnahme, denn das geht gar nicht. So, damit sind die Schwächen vom Innenraum aufgezählt, aber das Lob ist noch nicht fertig. Die Sitze sind nämlich äusserst bequem und spendieren erst noch guten Seitenhalt, was in einem SUV nicht selbstverständlich ist. Im Testwagen sind sie fast weiss, was zwar klasse aussieht, jedoch auch sehr heikel ist. Die Platzverhältnisse im Fond und im Kofferraum sind klassenüblich.

Mazda CX-5
Ebene Ladefläche.

Unter der Haube sitzt ein Triebwerk, was es vor dem Facelift nicht gegeben hat: Ein 2,5-Liter Benziner, der – wie bei Mazda üblich – ohne Zwangsbeatmung auskommt. So ein Aggregat findet sich heutzutage nur noch höchst selten. Der Benziner leistet stramme 141 kW und da der CX-5 für seine Grösse mit 1580 Kilo relativ leicht ist, geht es auf Wunsch ziemlich zügig voran. Auf der Seite der Dieselmotoren leistet der potenteste Vertreter 129 kW und man muss kein Genie sein, um festzustellen, dass der Diesel bei ähnlichen Fahrleistungen weitaus vernünftiger ist als der grosse Benziner. Aber die Souveränität ist es, was für den Benziner spricht. Mit einem Asprechverhalten, wie es nur von einem Saugmotor kommen kann, legt der Mazda los und überzeugt vor allem vom Drehzahlkeller bis in den mittleren Drehzahlbereich. Oben heraus bleibt der erwartete Zusatzschub leider aus, ausserdem wird der Motor dann lauter, ohne wirklich sportlich zu klingen. Der CX-5 ist der Cruiser schlechthin. Beim gemütlichen Dahingleiten ist vom Motor nämlich kaum etwas zu hören. Aber auch auf der Autobahn herrscht eine Stille an Bord, wie man es nur von teureren Fahrzeugen kennt. Die Schalldämmung in diesem Auto ist grandios. Störend ist lediglich das übereifrige Getriebe auf der Autobahn, welches bereits bei der kleinsten Anstrengung ein bis zwei Gänge runterschaltet, anstatt einfach im sechsten Gang zu bleiben.

Mazda CX-5
Cool: Auch die hinteren Seitenscheiben lässt sich komplett versenken.

Anyway, der CX-5 ist fast schon eine fahrende Festung, denn rundum wachen Sensoren und Kameras über das Fahrgeschehen. Ich erspare euch die Aufzählung, aber es ist ziemlich alles an Bord, was heute aktuell und legal ist, sogar ein Rückfahr-Notbremsassistent, der eine Kollision im Rückwärtsgang vermeidet (Kinder!). Besonders erwähnenswert sind für mich zwei Dinge. Erstens: Bis auf den Abstandstempomat sind alle Systeme in der höchsten Ausstattungslinie inklusive. Viele andere Hersteller lassen sich die Technik gerne extra bezahlen. Zweitens: Auch bei Nacht, Wind und Regen zickte keines der Systeme herum. Als ob strahlender Sonnenschein herrschte, pfügte sich der CX-5 durch die regnerische Nacht. Manch andere Tot-Winkel-Warner oder Abstandsradare haben bei schlechten Bedingungen bereits das Handtuch geworfen.

Mazda CX-5
In diesen Radkästen würden sogar 21-Zöller Platz finden…

Diese Lockerheit und Souveränität, die das Auto ausstrahlt, überträgt sich auch auf mich. Tiefentspannt gondle ich dahin und geniesse die Ruhe an Bord. Hektik ist im CX-5 nämlich fehl am Platz, da sträubt sich der ruhige Japaner dagegen. Es gibt zwar einen Sport-Modus, aber der bringt’s nicht wirklich, da das Getriebe im Sport-Modus kaum Drehzahlen unter 3000 Umdrehungen zulässt und nur Unruhe ins Auto bringt. Schaltwippen, um den Missstand zu beheben, bietet Mazda leider nicht an und Gangwechsel via Schalthebel sind einfach nur mühsam. Dazu kommt, dass das gesamte Auto wirklich unsportlich ist. Der Motor verliert oben heraus die Puste, die Lenkung ist synthetisch und wirkt wie durch Watte gedämpft und die Tendenz zum Untersteuern hoch. Es ist nicht so, dass der CX-5 auf einer Passstrasse zum schwankenden Frachtschiff mutiert, aber man merkt schnell, wo die Grenzen liegen. Darum hätte Mazda den Sport-Modus besser durch einen Eco-Modus ersetzt. Ich bin mir sicher, dass sparen mit dem CX-5 aufgrund seines Saugmotors einfacher ist, als mit den Turbomotoren der Konkurrenz. Mein Testverbrauch lag bei 8,0 l/100 km, der Normverbrauch wird mit 7,2 l/100 km angegeben.

Mazda CX-5
Aus dieser Perspektive lässt sich der Neue nicht vom Alten unterscheiden. Schaut aber immer noch gut aus.

Eigentlich ist der Mazda CX-5 kein SUV sondern ein CUV, ein Comfort Utilitiy Vehicle. Diese Bezeichnung habe ich jetzt selber kreiert, aber es würde mich nicht wundern, wenn demnächst ein Auto offiziell als CUV bezeichnet wird… Fahrdynamische Qualitäten hat Mazda dem CX-5 nicht auf den Weg gegeben, da sind 6er und 3er deutlich fahraktiver. Auch macht Mazda keinen Hehl daraus, dass der CX-5 trotz Allradantrieb ein reines Strassenauto ist, denn er hat nicht mal eine Bergabfahrhilfe an Bord und Angaben zu Bodenfreiheit oder Böschungswinkel sucht man in den technischen Daten vergebens. Dafür hat sich Mazda dem Komfort und der Ausstattung gewidmet, was den potentiellen Kunden sowieso mehr interessiert als Geländegängigkeit oder Kurvengeschwindigkeiten. Das sehr ruhige und komfortable Fahrverhalten, die hochwertige Verarbeitung und die Assistenzarmada bleiben in positiver Erinnerung. Wie ein Basis CX-5 für 27’900 Franken aussieht will ich lieber nicht wissen, aber mein Testwagen für 46’478 Franken ist ein verdammt gutes Angebot. Ich sage euch was: Wer unbedingt zwischen zehn Sitzbezügen und zehn Felgensätzen entscheiden will, darf gerne 15 Riesen mehr in die Hand nehmen und die Deutsche Premiumkonkurrenz konsultieren. Allen anderen lege ich den CX-5 wärmstens ans Herz.

Mazda CX-5
Was Technik und Materialanmutung betrifft, fährt er der Konkurrenz aus dem eigenen Land davon.

Alltag 

Der CX-5 ist ein wunderbarer Begleiter für den Alltag. Geräumig, ruhig und auf eine positive Art unauffällig. Obwohl er vollbepackt mit Assistenzsystemen ist, gibt er nur höchst selten einen Fehlalarm von sich. Die Rückbank ist zudem im Verhältnis von 40:20:40 teilbar und das Rollo schwingt praktischerweise mit dem Kofferraumdeckel nach oben.

Fahrdynamik 

Okay, auch wer gerne engagiert um Kurven fährt ist bei den Deutschen besser bedient. Aber warum soll man Freude am Fahren haben und sich dann ein SUV kaufen? Eben. Daher passt die Einstellung «Komfort vor Sportlichkeit» von Mazda ganz gut. Obwohl der CX-5 verhältnismässig leicht ist, spürt man diesen Vorteil in den Kurven nicht. Der Sport-Modus ist unter dem Strich ziemlich obsolet.

Umwelt 

Ein 2,5-Liter Benziner kann einfach konstruktionsbedingt nicht in den besten Effizienzklassen mitspielen. Der Normverbrauch von 7,2 l/100 km ist daher in Ordnung, der Testverbrauch von 8,0 l/100 km angesichts mehreren zügigen Abschnitten auch. Wer wirklich nur easy im Verkehr mitschwimmt, kann mit 7,5 Litern oder weniger rechnen.

Ausstrahlung 

Details, wie die zu grossen Radkästen oder das kleine Seitenfenster hinten, stören zwar, aber das Gesamtbild trüben sie kaum. Der CX-5 ist sehr knackig gezeichnet und ein optischer Leckerbissen, insbesondere in diesem kräftigen Soul Red.

Fazit 

+ Geräumiger Innenraum
+ Schickes Design
+ Sehr viele Assistenzsysteme erhältlich
+ Assistenzsysteme funktionieren sehr zuverlässig
+ Komfortables Fahrwerk
+ Sehr bequeme Sitze
+ Hohe Materialanmutung und Verarbeitungsqualität
+ Effektive Geräuschdämmung
+ Intuitives und schönes Infotainmentsystem (Bedienung über Dreh-Drücker oder Touchscreen)
+ Hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis

– Getriebe schaltet auf der Autobahn sehr schnell runter
– Diffuse Lenkung
– Mässige Fahrdynamik
– Störende Vibrationen in der Fahrertüre bei basslastigen Songs (liegt wahrscheinlich am Testwagen)

Marke / ModellMazda CX-5
Preis Basis­modell / Testwagen27'900 CHF / 46'478 CHF
AntriebBenzin, Allradantrieb
Hubraum / Zylinder2488 ccm / R4
Motoranordnung / MotorkonzeptFrontmotor / Saugmotor
Getriebe6-Gang Automatikgetriebe
Max. Leistung141 kW bei 5700 r/min
Max. Drehmoment256 Nm bei 4000 r/min
Beschleu­nigung 0–100 km/h8,0 s
Vmax194 km/h
NEFZ-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz7,2 l/100 km / 165 g/km / F
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz8,0 l/100 km / 183 g/km / +11%
Länge / Breite / Höhe4,54 m / 1,84 m / 1,71 m
Leergewicht1581 kg
Koffer­raum­volumen463 - 1620 l

(Bilder: Koray Adigüzel)

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