Mercedes A-Klasse Motorsport Edition

Mercedes A-Klasse Motorsport Edition: Schein oder sein?

Fett sieht sie aus, die Motorsport Edition der gelifteten Mercedes A-Klasse. Zwar gibt es diese spezielle Edition, die zum Marktstart lanciert wurde, schon nicht mehr, aber das ist nicht weiter tragisch. Bis auf die Farbe lässt sich die A-Klasse genauso konfigurieren und das doch sehr eigenartige Grün ist bestimmt nicht jedermanns Sache. Mich stört es nicht, weil ich als Farbenblinder es als Grau wahrnehme… Das Facelift der A-Klasse kommt mit bewährten Qualitäten, wurde jedoch an einigen Punkten überarbeiten. Die A-Klasse ist zweifellos ein spassiges Auto, allerdings verfügt es über einen gröbere Makel.

Die einzigen speziellen Merkmale der Motorsport Edition sind die grünen Akzente innen und aussen sowie die Lackierung in Matt Grau. Ansonsten kann man sich die A-Klasse auch ohne Sonderedition so aufpimpen. Eigentlich erstaunlich, denn mit AMG-Kit und Spoiler ist die kleine A-Klasse für einen Mercedes ungewohnt prollig, aber irgendwie passt es trotzdem… Es geht natürlich auch etwas zurückhaltender, aber gerade die böse Optik hat in meinen Augen ihren Reiz. Im Rahmen des Facelifts haben sich nur Details geändert. Ohne Spoiler finde ich aber, sieht das Heck viel zu brav aus im Vergleich zur bösen Front. Ansonsten gibt’s nicht zu bemängeln, die A-Klasse ist nach wie vor ein heisses Gerät in der Kompaktklasse.

Mercedes A-Klasse Motorsport Edition
Der Spoiler wertet das Heck enorm auf.

Im Interieur ist praktisch alles beim Alten geblieben und das heisst hier jedoch nichts Gutes. Die Platzverhältnisse sind echt schlecht und mancher Kleinwagen bietet deutlich mehr Raum als die beengte A-Klasse. Die Wertigkeit ist zweifellos hoch, jedoch setzt Mercedes die Preise so hoch an, dass man sich dann noch etwas mehr Noblesse wünscht. Vor allem die Knopfwüste in der Mittelkonsole ist unschön gelöst und hätte beim Facelift überarbeitet werden können.

Mercedes A-Klasse Motorsport Edition
Das Design der A-Klasse ist nicht ruhig, sondern wild.

Stattdessen wurden die Instrumente überarbeitet, die sind jetzt aber noch schlechter ablesbar als früher. Well done. Immerhin gibt es einen digitalen Tacho. Ebenfalls geblieben sind die lässigen und bequemen Integralsitze, die neu über eine justierbare Beinauflage verfügen. Hier wurde wenigstens der richtige Feinschliff angewandt. Das Comand Online System ist in seiner Bedienung nicht ganz einfach, ausserdem ist es viel zu teuer. Was soll ich sagen: Die A-Klasse bietet ein durchaus cooles, aber enges Interieur, das den Preis des Autos nicht ganz wert ist.

Mercedes A-Klasse Motorsport Edition
Sportliche, aber schlecht ablesbare Instrumente.

Eines vorneweg, die A-Klasse macht viel Laune beim Fahren. Sie wird ihrer Optik gerecht und endlich klingt das Auto auch anständig. Während der starke Benziner früher gequält jaulte, röhrt die geliftete A-Klasse munter in die Umwelt. Gut so! Ganz neu ist, dass der stärkste Motor mit einem manuellen Getriebe kombiniert werden kann. Dieses hat mich bei der Präsentation der A-Klasse vollends überzeugt und nachdem ich nun die Krücke zu einem Doppelkupplungsgetriebe gefahren bin, kann ich nur noch sagen: Kauft die A-Klasse – zumindest die Top-Motorisierung – mit Handschaltung. Ein Mercedes mit Handschaltung wirkt zwar auf den ersten Blick unpassend, aber die A-Klasse ist hier die grosse Ausnahme. Der Motor ist enorm elastisch und mit Handschaltung kann das volle Potenzial des Autos ausgereizt werden.

Mercedes A-Klasse Motorsport Edition
Das grüne Muster auf den Sportsitzen gehört zur Motorsport Edition.

Wird das erstaunlich rigorose ESP deaktiviert, kann man das vorzügliche Handling der A-Klasse in vollen Zügen geniessen. Das Fahrwerk ist straff und lässt kaum Seitenneigung zu, die Lenkung reagiert empfindlich und präzise. Auch beim Anbremsen macht die A-Klasse keine halben Sachen, die Bremsanlage packt kräftig zu. Dann geht es ans Herausbeschleunigen – und das Getriebe beginnt zu nerven.

Mercedes A-Klasse Motorsport Edition
Bequeme Sitze auch hinten, aber wenig Platz.

Ich könnte schwören, dass es vor dem Facelift einen manuellen Modus gab, der jetzt verschwunden ist. Zwar gibt es Schaltpaddels, doch das Getriebe übernimmt nach einer gewissen Zeit wieder die Kontrolle. Ausserdem lässt es die Gänge nicht voll ausdrehen, sodass es genau dann schaltet, bevor man selber schaltet. Was passiert? Das Getriebe wechselt (ohne mein Einverständnis) vom zweiten in den dritten Gang, ich ziehe das Paddle, das Getriebe schaltet nochmals und ich befinde mich ungewollt im vierten Gang. Um den gewünschten Schub zu bekommen, muss ich manuell wieder runterschalten – extrem mühsam.

Mercedes A-Klasse Motorsport Edition
So, wie die A-Klasse dasteht, traut man ihr auch noch mehr Leistung zu.

Der Automatikmodus ist nicht besser. Das Getriebe schaltet einfach nicht wie gewünscht, es bleibt entweder zu lange in einem niedrigen Gang, oder wartet zu lange mit dem Herunterschalten. Doch nicht nur beim sportlichen Fahren, auch im Alltag habe ich mit dem Getriebe zu kämpfen. Häufig schaltet es beim Bremsen mehrere Gänge runter, obwohl es gar nicht nötig wäre. Die A-Klasse hat wohl das Gefühl, ich sei ständig im Race-Modus. Und wenn ich es dann doch einmal eilig habe, dann dauert es echt lange, bis der gewünschte Gang endlich mal drin ist.

Mercedes A-Klasse Motorsport Edition
Den bösen Blick hat sie drauf.

Warum ich so derb auf dem Getriebe rumreite? Weil es sonst kaum etwas gibt, woran ich mich festbeissen kann. Klar, die A-Klasse ist eng, aber das weiss man und ist von Mercedes auch nicht anders gewollt. Die optisch freche A-Klasse bietet ein tolles, sportliches Fahrgefühl, welches vom Getriebe ausgebremst wird. Doppelt bitter finde ich, dass der fett ausgestattete Testwagen nur ganz knapp keine 70’000 Franken kostet. Bei so einem Preis dulde ich einfach keine derartigen Macken.

Mercedes A-Klasse Motorsport Edition
Die Lüftungsdüsen sehen nicht nur cool aus, sondern fühlen sich auch buchstäblich so an.

Dabei zeigt Mercedes bei den Assistenzsystemen, dass sie es können. Ok, der Notbremsassistent hat beim sportlichen Fahren das eine oder andere Mal Alarm geschlagen, aber im Alltagsbetrieb arbeiten die Assistenzsysteme zuverlässig, zurückhaltend und fehlerfrei. Da merkt man, dass viel Entwicklungsarbeit dahintersteckt. Da verstehe ich einfach nicht, wie das Getriebe – notabene beim Facelift-Modell – immer noch so aneckt?

Mercedes A-Klasse Motorsport Edition
Ist das jetzt ein AMG oder nicht? Die Abgasanlage verrät es.

Wählt das manuelle Getriebe und die A-Klasse ist für alle, die keinen übermässigen Platzbedarf haben, vollkommen empfehlenswert. Gut möglich, dass das Automatikgetriebe mit anderen Motorisierungen besser harmoniert, das muss man ausprobieren. Aber bei der sportlichsten Variante führt meiner Meinung nach kein Weg am Handschalter vorbei. Die A-Klasse ist ein cooles Gerät und sie findet trotz des happigen Preises ihre Käufer, das sieht man auf der Strasse. Normalerweise ist ein Mercedes-Testwagen stets ein Grund zum Feiern, denn bis auf den Preis gibt es nur selten etwas zu meckern. Die A-Klasse ist da eine Ausnahme. Es ist denkbar, dass das 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe eine Altlast von Mercedes ist. Die neuen 9-Gang-Automatikgetriebe in den grösseren Modellen zeigen nämlich, dass Mercedes das perfekte Getriebe konstruieren kann. Spätestens die ganz neue A-Klasse sollte diesen Mangel dann behoben haben und ich werde wieder dastehen und bis auf den Preis (fast) nichts kritisieren können.

Alltag 3.5 Stars

Die beengten Platzverhältnisse machen aus der A-Klasse nicht gerade den besten Alltagswagen. Ausserdem ist die Übersicht ziemlich schlecht. Die Assistenzsysteme arbeiten fehlerfrei.

Fahrdynamik 4.5 Stars

Fahrdynamisch ist die A-Klasse ganz stark. Das präzise Handling, das straffe AMG-Sportfahrwerk und der Allradantrieb sorgen dafür, dass auf Bergstrassen viel Fahrspass aufkommt. Aber: Mit manuellem Getriebe wäre alles noch besser, da das Automatikgetriebe verzögert schaltet und immer wieder dazwischenfunkt. Ein rein manueller Modus fehlt.

Umwelt 3.0 Stars

Zugegeben, die A-Klasse wurde schon das eine oder andere Mal sportlich gefahren. Aber gleich 9,8 l/100 km Testverbrauch? Das ist einfach zu viel.

Ausstrahlung 4.5 Stars

Abgesehen von den grünen Akzenten ist die A-Klasse optisch sehr aggressiv gezeichnet. Das Heck würde ohne Spoiler ziemlich brav aussehen, weshalb ich ihn unbedingt empfehle, wenn man sich schon für das AMG-Kit entscheidet.

Fazit 4.0 Stars

+ Cooles, aggressives Design
+ Präzises Handling
+ Knackiges Fahrwerk
+ Starker Motor, guter Sound
+ Lässige, bequeme Sportsitze
+ Perfekte Ergonomie
+ Viele zuverlässige Assistenzsysteme verfügbar
+ Gutes LED-Licht

– Sehr teuer
– Hoher Verbrauch
– Schlechte Platzverhältnisse, vor allem hinten
– Getriebe schaltet nicht passend

Mängel am Testwagen

– Keine Mängel

Steckbrief

Marke / ModellMercedes A-Klasse
Preis Basismodell / Testwagen30 600 CHF / 69 260 CHF
AntriebBenzin, Allradantrieb
Hubraum / Zylinder1991 ccm / R4
Motoranordnung / MotorkonzeptFrontmotor / Turbomotor
Getriebe7-Gang Doppelkupplungsgetriebe
Max. Leistung160 kW bei 5500 r/min
Max. Drehmoment350 Nm bei 1200 - 4000 r/min
Beschleunigung 0 - 100 km/h6,3 s
Vmax240 km/h
NEFZ-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz6,7 l/100 km / 156 g/km / F
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz9,8 l/100 km / 228 g/km / +46%
Länge / Breite / Höhe4,30 m / 1,78 m / 1,43 m
Leergewicht1505 kg
Kofferraumvolumen341 - 1157 l

Bilder: Koray Adigüzel

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