Opel Adam Rocks: Der Adam für Kerle?

Opel Adam Rocks: Der Adam für Kerle?

Ich bin eigentlich überhaupt nicht der Typ, der Autos den Geschlechtern zuteilt – obwohl es wirklich Exemplare gibt, wo sich das «Frauenauto» aufdrängt. Der Klassiker Fiat 500 beispielsweise, aber auch der Opel Adam, der bereits meine Bekanntschaft gemacht hat. Und wir sind durchaus gute Kollegen geworden, Adam und ich, denn er fährt sich echt knackig und macht Laune, der kleine Racker. Jetzt hat er ein halbstarkes Brüderchen bekommen, das nennt sich Adam Rocks und macht mit Offroad-Look auf Crossover und mit Stoff-Faltdach auf hip. Macht ihn das jetzt auch männlicher? Der Adam Rocks fährt sich zwar besser als der Adam im Test, das liegt aber am, moderneren Antrieb, der mittlerweile auch für den normalen Adam zu haben ist. Wo liegt also der Reiz des Brüderchen Rocks? Auf zur Spurensuche.

Ich möchte dafür nicht meine Hand ins Feuer legen, wage aber zu behaupten, dass der Adam Rocks der zur Zeit kleinste, auf dem Markt erhältliche Crossover ist. Durch seine robuste Aussenschale – der Plastikbeplankung und dem Unterfahrschutz vorne und hinten – ist der Adam Rocks sechs cm länger als der normale Adam. Trotzdem: Auch der Rocks ist immer noch ein Knirps.

Opel Adam Rocks
Keiner zu klein, ein Crossover zu sein.

Sein Fahrwerk wurde um 15 mm höher gelegt. Insgesamt lässt das den Adam Rocks präsenter und ein bisschen wuchtiger auf der Strasse stehen. Ich dachte, so richtig cool macht den Adam Rocks das Stoff-Faltdach, aber kürzlich gab Opel bekannt, dass auch ein Adam Cabrio kommen wird, also ein normaler Adam mit Stoff-Faltdach. Somit liegt der Reiz des Adam Rocks lediglich an seiner Offroad-Optik. Das Faltdach öffnet übrigens kaum weiter als ein Panoramaschiebedach. Kein Vergleich zur Citroën DS3, wo man das Dach bis hinter die C-Säule öffnen kann. Wie der normale Adam auch, lässt sich der Rocks bis ins letzte Detail individualisieren: das Zubehör, die Dekore im Innenraum, Felgen, Spiegel, Grillspange, 16 Lackfarben, und so weiter, und so fort.

Opel Adam Rocks
Die Grillspange des Testwagens ist in Carbon-Optik gehalten.

Der Innenraum hat sich gegenüber dem normalen Adam nicht verändert. Nach wie vor lobenswert sind die bequemen Sitze und das üppige Platzangebot vorne sowie das IntelliLink Infotainmentsystem, welches Apps wie Navigation oder Webradio auf das Smartphone outsourct. Via Bluetooth kann man, sofern man ein iPhone besitzt, via IntelliLink sogar Siri steuern. Sobald man das Smartphone via USB anschliesst, lassen sich dessen Apps für Navigation und Webradio vom Smartphone auf dem IntelliLink nutzen. Diese Technik macht das IntelliLink mit 550 Franken sehr günstig.

Opel Adam Rocks
Die Öffnung des Faltdaches ist nicht besonders gross.

Dumm nur, dass es im Test mit dem iPhone 6 nicht funktioniert hat. Warum, weiss ich nicht. Weniger schön ist das pixelige Fahrerinformationsdisplay und das Platzangebot hinten. Kein vernünftig gebauter, erwachsener Mensch kann hinten sitzen. Auch in den Handtaschenraum (in der Preisliste als Kofferraum bezeichnet) passt mit einem Volumen von 170 l kein grosser Einkauf, geschweige denn ein sperriger Gegenstand, hinein.

Opel Adam Rocks
Das Konzept vom IntelliLink ist super, aber im Test hat es mit dem iPhone 6 nicht geklappt.

Während unter der Haube des Adams im letzten Jahr ein angestaubter 1,4-Liter Sauger seinen Dienst verrichtete, kommt der Rocks mit dem brandneuen 1,0-Liter Dreizylinder Turbo. Das aufgeweckte Motörchen macht aus dem Adam Rocks ein äusserst lebendiges, quirliges Auto. Der kleine Turbobenziner ist beim Start und bei niedrigen Drehzahlen zwar etwas rappelig, mag es aber, gedreht zu werden und das Beste ist: Der Schub nimmt spürbar zu, ab 4000 Umdrehungen zieht der Rocks richtig durch. Dabei wird der Sound sogar ziemlich sportlich. Like! Das hat Opel wirklich gut gemacht.

Opel Adam Rocks
Markanter Unterfahrschutz.

Ein Wermutstropfen ist der Testverbrauch von rund 7,0 l/100 km, der einiges über dem versprochenen Wert von 5,1 l/100 km liegt. Ebenfalls neu ist das manuelle 6-Gang Getriebe, das knackig und präzise zu schalten ist, weitaus besser als die übrigen, hakeligen Getriebe von Opel. Aber auch diese Technik macht den Adam Rocks nicht begehrenswerter, die neuen Motoren und das Getriebe sind selbstverständlich auch für den normalen Adam verfügbar. Dem Adam Rocks kann durchaus ein sportliches Fahrverhalten attestiert werden. Nebst dem gelungenen Antrieb ist nämlich auch die Lenkung präzise und gibt gute Rückmeldung.

Opel Adam Rocks
Der Kofferraum ist sehr klein.

Der Testwagen war zudem mit 18″-Felgen ausgerüstet, wodurch das Federungsverhalten eher hart ist, gleichzeitig aber für eine gute Strassenlage sorgt. Mit dem normalen Adam in Verbindung mit dem Sportfahrwerk (für den Rocks nicht erhältlich) kann er aber nicht mithalten. Wer es richtig, richtig hart möchte, muss den normalen Adam nehmen, der Rocks gefällt eher mit einer gesunden Härte, was vor allem auf der Autobahn wesentlich angenehmer ist. Ebenfalls äusserst angenehm ist der Tot-Winkel-Warner, obwohl der Adam Rocks sehr übersichtlich ist. Die Übersichtlichkeit lernt man vor allem in städtischer Umgebung sehr zu schätzen. Obwohl der Adam sich ruck zuck in eine Parklücke bugsieren lässt, übernimmt er die einfach Aufgabe mit dem automatischen Parkassistenten auf Wunsch sogar selber – und nein, dies ist kein Seitenhieb an die weibliche Leserschaft!

Opel Adam Rocks
Auch der Platz im Fond ist – überschaubar.

Der Adam Rocks ist für alles zu haben. Im Winter weiss man die Sitz- und Lenkradheizung zu schätzen, im Sommer das Faltdach. In der Stadt schätzt man die Übersichtlichkeit und die kleinen Abmessungen, Überland das lebendige und quirlige Turbomotörchen und auf der Autobahn den Tot-Winkel-Warner. Man kann es jedoch drehen und wenden wie man will, bis auf das Faltdach und die Optik bietet der Rocks keinerlei Mehrwert oder zusätzliche Qualitäten. Soll es also der normale Adam sein? Oder der Rocks? Oder das kommende Cabrio?

Opel Adam Rocks
Vorne sitzt man bequem, das Interieur ist übersichtlich.

Nicht zu vergessen: Die Adam-Familie lässt sich bis ins Detail individualisieren. Wer sich also für einen Adam entscheidet, entscheidet ohnehin mit dem Bauch und nicht dem Kopf und stört sich auch nicht an den – insbesondere für Opel – recht hohen Preisen für den Adam Rocks. Ab 21’350 gibt’s den Crossover-Dreikäsehoch, das ist ein Aufpreis von 1900 Franken gegenüber dem normalen Adam. Der Testwagen ist mit 28’220 Franken angeschrieben und wer alles, was möglich ist, in den Adam Rocks packt, knackt auch knapp die 30’000er Grenze. Ob der Adam Rocks «cooler» oder «männlicher» als der normale Adam ist? Ich weiss es nicht. Denn die Definition von «cool» oder «männlich» schwankt von Person zu Person. Er ist einfach der knallige Adam – noch ein bisschen ausgefallener. 😉

Opel Adam Rocks
Ob der Opel Adam Rocks rockt, liegt im Auge des Betrachters.

Alltag 

Der Adam ist wendig, übersichtlich und fühlt sich auch auf der Autobahn zu Hause. Sein grösstes Manko sind die extrem bescheidenen Platzverhältnisse hinter der B-Säule. Mehr als zwei Personen oder sperrige Gegenstände sind überhaupt nicht das Ding vom Adam Rocks.

Fahrdynamik 

Der Adam Rocks macht jenseits des Ortsschildes Laune. Sein 1,0-Liter Turbobenziner ist drehfreudig, das 6-Gang Getriebe knackiger als in anderen Opel-Modellen. Mit der präzisen Lenkung lässt sich der Adam Rocks gerne auch um enge Kurven wirbeln, das Fahrwerk ist trotz der Höherlegung noch sportlich straff.

Umwelt 

7,0 Liter Verbrauch sind für ein so kleines Auto wie dem Adam hart an der Grenze des Akzeptablen. Er verleitet eben zum Ausdrehen, wodurch der Verbrauch ansteigt.

Ausstrahlung 

Der ausschliesslich als Dreitürer erhältliche Adam Rocks hebt sich optisch stark von der Masse der Kleinwagen ab. Er wirkt knuffig, aber trotzdem nicht wie ein harmloses Spielzeug. Ein so kleines Auto, gepaart mit Offroad-Look und offenem Dach – da steht Opel (bis jetzt) ohne Konkurrenz da

Fazit 

+ Drehfreudiger und lebendiger Motor
+ Präzise Lenkung
+ Straffes, sportliches Fahrwerk (nicht zu derb)
+ Gute Verarbeitungsqualität
+ Endlose Möglichkeiten zur Individualisierung
+ Gute Übersicht
+ Bequeme Sitze vorne
+ Ausgefallenes, einzigartiges Design

– Ziemlich teuer
– Hoher Verbrauch
– Sehr enger Fond
– Sehr kleiner Kofferraum
– Anbindung vom iPhone 6 hat nicht geklappt

Steckbrief

Marke / ModellOpel Adam Rocks
Preis Basis­modell / Testwagen21'350 CHF / 28'220 CHF
AntriebBenzin, Frontantrieb
Hubraum / Zylinder999 ccm / R3
Getriebe6-Gang manuell
Max. Leistung85 kW bei 6000 r/min
Max. Drehmoment170 Nm bei 1800 r/min
Beschleu­nigung 0–100 km/h9,9 s
Vmax196 km/h
NEFZ-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz5,1 l/100 km / 119 g/km / C
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz7,0 l/100 km / 163 g/km / +37%
Länge / Breite / Höhe3,75 m / 1,72 m / 1,49 m
Leergewicht1210 kg
Koffer­raum­volumen170 - 663 l

(Bilder: Koray Adigüzel)

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