Opel Corsa OPC

Opel Corsa OPC: Rasender Extremist

Der Opel Corsa hat mich im Test nicht sonderlich beeindruckt, es ist ein etwas schaler Nachgeschmack geblieben. Jetzt tritt er als OPC zum Test an und kriegt seine zweite Chance. Der OPC nimmt einige Schwächen vom normalen Corsa mit, zudem sind zwei Ausstattungsmerkmale für den OPC nicht erhältlich. Keine guten Voraussetzungen. Dafür hat man das Gefühl, der Corsa OPC sei in den Kessel voller Zaubertrank gefallen. Der Turbomotor leistet beachtliche 152 kW, das mechanische Sperrdifferential und Michelin Pilot Super Sport Reifen sorgen dafür, dass die Kraft auch in Vortrieb umgewandelt wird. Na, dann wollen wir doch mal sehen, wie weit der Corsa OPC gehen kann…

Zum Glück gibt es den OPC nur als Dreitürer, sonst würde Opel wahrscheinlich auch bei ihm auf manuelle Fensterkurbeln im Fond setzen. Als OPC sieht der Corsa schon deutlich schärfer aus als mein ehemaliger, 5-türiger Testkandidat. Vor allem die Seitenlinie und das Heck sehen viel knackiger aus, die zweiflutige Abgasanlage von Remus sieht gut aus und weckt auch akustische Erwartungen. Was weniger schön ist, ist der Übergang von der Vordertüre zum hinteren Seitenfenster. Die Türe sieht aus, als wäre sie nachträglich eingebaut, so dass der Corsa nicht wie aus einem Guss wirkt.

Opel Corsa OPC
Kein schöner Übergang in der Fensterlinie.

Der Innenraum entlockt auch keine Freudenschreie. Die optionalen Recaro Schalensitze sind natürlich toll, Alu-Pedale und das abgeflachte Lenkrad machen ebenso was her. Doch ansonsten ist auch der OPC in erster Linie ein Corsa und da hat Opel einfach Nachholbedarf. Die Haltegriffe am Dach spicken ungedämpft wieder zurück, die Sonnenblenden fühlen sich billig an und sind obendrein ohne Spiegel (Beifahrerseite), resp. ohne Beleuchtung (Fahrerseite) ausgerüstet. Überhaupt die Verarbeitung. In Fahrt knarzt und vibriert es immer wiedermal im Auto, zwar leise, aber dennoch wahrnehmbar. Das stört. Der Platz im Fond ist für einen Kleinwagen recht grosszügig, obwohl der Einstieg natürlich sehr unbequem ist. Das dürfte allerdings kaum jemanden stören, denn wer einen Dreitürer kauft, hat wohl andere Prioritäten. Auch der Corsa OPC hat ganz offensichtlich andere Prioritäten, als einen hübsch gemachten Innenraum…

Opel Corsa OPC
Einziges Highlight im Innenraum: Die Recaro Sitze.

Ich mag nicht lange um den heissen Brei herumreden. Nur mit dem OPC Extreme Paket für 3300 Franken ist der Corsa OPC vollständig. Wer darauf verzichten will, ist ein Warmduscher und kann den OPC gleich sein lassen. Bestandteil des Extreme Pakets sind nämlich High Performance Reifen (Michelin), Sportbremse (Brembo), ein kompromisslos hartes Fahrwerk (Koni) und ein mechanisches Sperrdifferential (Drexler). So ausgerüstet wird der Corsa OPC zum bissigsten aller Giftzwerge, denn bis auf den Audi S1 mit Allradantrieb hat niemand sonst dem hochgezüchteten Corsa etwas entgegenzusetzen.

Opel Corsa OPC
Man muss zeigen, was man hat.

Damit wird der Opel auf kurvigen Bergstrassen zur Taschenrakete. Auf der Geraden schiebt er dank sehr kurz übersetztem Getriebe jederzeit massiv an, Turboloch ist keines spürbar. Durch die Remus Auspuffanlage wird der Kleine auch akustisch gut wahrgenommen. Der Klang ist nicht überwältigend, aber er ist wenigstens echt. Doch auf der Geraden sind viele schnell, die Stunde vom Corsa OPC schlägt ab der ersten Kurve. Die Bremse beisst wunderbar dosierbar, aber bei Bedarf sehr heftig zu. Nach dem Scheitelpunkt kann fast maximal beschleunigt werden, das Sperrdifferential kümmert sich um den Rest. Es fühlt sich hervorragend an, wie das Auto in die Kurve hineingedrückt wird und keinerlei Traktionsprobleme auftreten. Auch das ESP sieht keinen Grund, um in das wilde Treiben einzugreifen. Gut so!

Opel Corsa OPC
Der Corsa OPC hat auch optisch mehr Biss.

Allerdings sind die Beschleunigungskräfte und das Sperrdifferential beim Herausbeschleunigen recht stark am Lenkrad spürbar. Das trübt die Fahrfreude jedoch keineswegs, ganz im Gegensatz zum Getriebe mit angeblich verkürzten Schaltwegen. Noch nie bin ich einen Hot Hatch gefahren, der ein schlechteres Getriebe hatte, als die brave Version. Opel sollte wirklich dringend mal einen Nachhilfekurs besuchen, um zu lernen, wie man anständige Schaltgetriebe konstruiert. Dem OPC Schaltgetriebe fehlt es an Präzision, das ganze Rührwerk fühlt sich einfach «schwabblig» an, zudem ist der Schaltknauf zu klobig. Trotzdem sei diese Schwäche verziehen. So konsequent wie Opel hat niemand einen Hot Hatch gebaut. Der Corsa OPC braucht keinen Sport Modus, er ist einfach permanent scharf und auf Angriff eingestellt. Das Ansprechverhalten ist für einen kleinen Turbomotor wirklich sehr gut und das Handling ist eine Wucht. Man muss schon wie der letzte Idiot um eine Kurve fahren, damit der Opel langsam ins Untersteuern kommt.

Opel Corsa OPC
Gegen Aufpreis ist auch ein grösserer Spoiler erhältlich.

Die extreme Performance kauft sich der Corsa OPC allerdings teuer ein. Das Fahrwerk ist hart, wirklich sehr hart. Es wird jede Unebenheit an den Fahrer durchgereicht, gröbere Schwellen oder Löcher haben ein massives Gepoltere und einen heftigen Schlag zur Folge. Bereits Bahnübergänge rütteln den Corsa ordentlich durch. Wer das nicht verträgt, lässt besser die Finger von ihm. Der nächste Punkt ist der Geräuschpegel. Insbesondere auf der Autobahn ist der Corsa OPC sehr laut, was auch an der hohen Drehzahl von fast 3500 Umdrehungen bei Tempo 130 liegt.

 

Opel Corsa OPC
Das knackige Heck mit den markanten Endrohren steht dem Corsa OPC gut.

Schuld daran ist das sehr kurz übersetzte Getriebe, denn bereits bei knapp über 50 km/h kommt der Opel mit dem 6. Gang zu Recht. Dass auf der Autobahn derselbe Gang drin ist, finde ich verkehrt, aber es unterstreicht den Performance-Anspruch von Opel: Selbst im sechsten Gang startet der Corsa OPC bei Bedarf durch. Der letzte Punkt, der buchstäblich teuer ist, ist der Verbrauch. Bereits der Normverbrauch von 7,5 l/100 km (Energieeffizienz G!) verheisst nichts Gutes und der Testverbrauch von 9,3 l/100 km zeigt, dass der OPC Motor ein äusserst trinkfester Geselle ist, wenn man ihm hin und wieder die Sporen gibt. Wer jetzt denkt, das war’s, irrt sich: Der Giftzwerg verlangt nämlich teureres Super Plus. Von nichts kommt eben nichts…

Opel Corsa OPC
Die Farbe Azurblau ist ausschliesslich für den Corsa OPC verfügbar.

Der Opel Corsa OPC ist ein fahrender Extremist. Er ist unter dem Strich kein besonders gutes Auto, denn er ist weder komfortabel, noch sparsam, noch günstig, noch hochwertig. Aber er ist schnell, verdammt schnell und extrem präzise. Er setzt das Prinzip «Hot Hatch» am konsequentesten um – immer vorausgesetzt, das OPC Extreme Paket ist inklusive. Aufgrund seiner radikalen Einstellung eignet sich der Corsa OPC nur für jene, die wirklich ab und zu die Sau raus lassen und alles aus dem Auto herausholen. Für alle anderen lohnt er sich nicht, weil dann die negativen Eigenschaften überwiegen. Wer jedoch die Performance über alles andere stellt, der sollte sich den Corsa OPC besorgen und artgerecht ausführen.

Alltag 2.5 Stars

Im Fond kann man erstaunlich gut sitzen, aber das war’s dann schon. Schade, sind Tot-Winkel-Warner und automatischer Parkassistent dem normalen Corsa vorbehalten. Der OPC ist laut, hart und durstig und somit nur für Leute mit Nehmerqualitäten geeignet.

Fahrdynamik 5.0 Stars

Fahrdynamisch ist der Corsa OPC der Grösste unter den Kleinen. So hart und konsequent ist niemand sonst, ein mechanisches Sperrdifferential hat ebenfalls niemand zu bieten.

Umwelt 2.0 Stars

Ein Verbrauch von 9,3 l/100 km geht für einen Kleinwagen einfach gar nicht, selbst wenn es sich um einen extremen Kleinwagen handelt.

Ausstrahlung 4.0 Stars

Als OPC bringt der Corsa eine gewisse optische Schärfe mit. Besonders sportlich oder chic sieht er aber nicht aus.

Fazit 4.0 Stars

+ Recaro Sitze
+ Mechanisches Sperrdifferential
+ Irre Fahrdynamik für einen Kleinwagen
+ Sehr präzises Handling
+ Gutes Ansprechverhalten
+ Bequemer Fond
+ ESP deaktivierbar
+ Sportlicher, ehrlicher Sound

– Sehr hoher Verbrauch (Super Plus)
– Teils lasche Verarbeitung
– Knarz- und Vibrationsgeräusche
– Unpräzise Schaltung
– Hoher Geräuschpegel
– Tot-Winkel-Warner und Parkassistent nicht erhältlich

Marke / ModellOpel Corsa OPC
Preis Basis­modell / Testwagen30'700 CHF / 38'990 CHF (33'141 CHF inkl. Euro-Bonus)
AntriebBenzin, Frontantrieb
Hubraum / Zylinder1598 ccm / R4
Motoranordnung / MotorkonzeptFrontmotor / Turbomotor
Getriebe6-Gang manuell
Max. Leistung152 kW bei 5800 r/min
Max. Drehmoment245 Nm bei 1900 - 5800 r/min (280 Nm Overboost)
Beschleu­nigung 0–100 km/h6,9 s
Vmax230 km/h
NEFZ-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz7,5 l/100 km / 174 g/km / G
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz9,3 l/100 km / 216 g/km / +24%
Länge / Breite / Höhe4,02 m / 1,74 m / 1,48 m
Leergewicht1278 kg
Koffer­raum­volumen280 - 1090 l

(Bilder: Koray Adigüzel)

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