Opel Insignia

Opel Insignia: Business Klasse zum Economy Preis

Opels Flaggschiff Insignia wurde einer Kosmetikkur unterzogen. Aber das Facelift hört nicht bei den optischen Retuschen auf, auch unter dem Blech und im Interieur wurden einige Verbesserungen vorgenommen. So gibt es beispielsweise neue Motoren und ein völlig neues Infotainment-System mit einem Touchpad. Beim Studieren der Unterlagen zu meinem Testwagen ist mir aber vor allem ein besonders dickes Plus aufgefallen: Der Preis.

Da der Opel Insignia bereits vor dem Facelift mit einem gelungenen und zeitlosen Design gesegnet wurde, sind die optischen Änderungen nur minimal. Die Front wirkt nun mit neuem Kühlergrill präsenter und kräftiger, das Heck dank der durchgehenden Chromspange optisch breiter. Neu im Programm ist der Insignia Country Tourer, der als Offroad-Kombi mit Unterfahrschutz und leicht erhöhter Bodenfreiheit neue Kundenkreise erschliessen soll – schliesslich muss jede Lücke besetzt werden. Nach wie vor gibt es den Insignia als Fliesshecklimousine (5-Türer, wie im Test), Stufenhecklimousine (4-Türer) und Sports Tourer (Kombi).
Im Innenraum fällt sofort das neue Mediasystem mit dem Touchpad auf. Das kleine Display wich einem grösseren, hochaufgelösten Touchscreen, der entweder direkt oder via Touchpad bedient werden kann. Letzteres erkennt Gesten und Bewegungen, wie wir es von den Smartphones her gewohnt sind, so dass sich das neue Mediasystem äusserst intuitiv bedienen lässt. Das Touchpad will sogar hingekritzelte Buchstaben erkennen, was bei mir im Test allerdings nicht so gut geklappt hat. Mit der Eingabe via Touchscreen-Tastatur war ich jedenfalls viel schneller. Auch zwischen den analogen Instrumenten findet sich ein grosses Display, welches nebst einem digitalen Tacho auch Infos zu Musik, Navigation oder Telefon einblenden kann. Darüber hinaus können diverse Einstellungen mit den Lenkradtasten direkt an diesem Display vorgenommen werden.
Die Vordersitze sind sehr bequem und umschliessen einen gut, des weiteren verfügen sie in Zusammenhang mit der Brandy-Lederaussattung, die sehr edel aussieht, sogar über Sitzheizung- und Ventilation. Allerdings hat der Beifahrer keine Armlehne zur Verfügung. Im Fond ist zudem wegen des abfallenden Daches die Kopffreiheit eingeschränkt. Der Kofferraum hingegen steht mit einem Volumen von 530 – 1470 Liter dem des Sports Tourers kaum nach.

Der Testwagen war mit dem neuen 1.6 Liter Turbobenziner motorisiert, der letztes Jahr im Cascada Premiere feierte. Des weiteren sind noch ein 1.4 Liter Benziner, der vom Mokka bekannt ist, und ein 2.0 Liter Benziner mit Allradantrieb verfügbar. Für die Dieselfraktion stehen vier Aggregate von 103 bis 143 kW zur Verfügung, von denen der Sparsamste mit nur 3.7 l/100 km auskommen soll. Der Benziner im Test war an ein Automatikgetriebe gekoppelt, womit die Start-Stopp-Automatik entfällt und der Verbrauch sich auf 6.6 l/100 km beläuft. Für dieses Futter mobilisiert der Motor 125 kW und 260 Nm Drehmoment. Obwohl sich die Zahlen nicht schlecht lesen, fühlt sich die Beschleunigung zäh an. Das Automatikgetriebe schaltet eher zögerlich und der Motor dreht nur widerwillig hoch. Dazu kommt, dass der bei ruhiger Fahrt sehr leise Motor bei starker Beschleunigung angestrengt und unsportlich klingt, fast, wie mit einem stufenlosen Getriebe. Der Griff zu den (aufpreispflichtigen!) Schaltwippen ändert nicht viel, ausser, dass man die volle Kontrolle über das Getriebe hat. Die Beschleunigung fühlt sich dennoch lahm an, was sicher auch dem hohen Gewicht von fast 1.8 Tonnen zu verschulden ist.
Dieses träge Verhalten ist schade, denn die Lenkung ist zielgenau und vermittelt ein gutes Gefühl, das Fahrwerk ist ausgewogen und steht einer sportlichen Fahrt nicht im Weg. Auf Wunsch ist auch noch ein Adaptivfahrwerk erhältlich. Um dessen Potential auszuschöpfen, würde ich allerdings das manuelle Getriebe empfehlen. Die Motoren-Getriebe Kombination im Test machte unterm Strich eindeutig keine sportliche Figur, der Verbrauch hingegen schon: satte 8.5 l/100 km genehmigte sich der Insignia, eindeutig zu viel.
Für echten Business Komfort sorgen die zahlreichen Assistenzsysteme: Abstandstempomat, Verkehrszeichenerkennung, Spurhalteassistent, Tot-Winkel-Warner, alles ist erhältlich und der Aufpreis dafür ist verhältnismässig gering. Fragwürdig empfinde ich lediglich den Einparkassistenten, der zwar angibt, wie das Lenkrad einzuschlagen ist, es man aber schlussendlich trotzdem selber drehen muss. Dabei sollte man doch während dem Parkmanöver auf die Spiegel und das Bild der Rückfahrkamera achten…

Obwohl der Insignia in gewisser Hinsicht nach Premium aussieht und auch Premium ist (Sitze, Assistenzsysteme, Mediasystem, Lichtsystem AFL+) nimmt der Hersteller das Wort Premium kaum in den Mund. Eine sympathische Einstellung. Alles andere als Premium ist auch die Preisliste, denn sowohl Basispreise, als auch die Optionspreise bleiben im akzeptablen Rahmen. Der Testwagen kostet nach Abzug der Prämie knapp 43’000 CHF, ausserdem sind attraktive Ausstattungspakete stark vergünstigt erhältlich. Der Insignia bietet viel Komfort und Technik, Sportlichkeit kommt – zumindest mit dem Automatikgetriebe – nicht gross in Frage. Schade, dass der Verbrauch so hoch ausfiel, das trübt das ansonsten gelungene Bild vom Insignia.

Alltag ★★★★★

Der Insignia verwöhnt mit einer umfangreichen Ausstattung zu einem fairen Preis. Abgesehen von der etwas knappen Kopffreiheit im Fond kann sich der Insignia als alltäglicher Begleiter sehen lassen.

Fahrdynamik ★★★☆☆

Lenkung und Fahrwerk sprechen leider nicht dieselbe Sprache wie Motor und Getriebe. Das Fahrwerk ist schön ausbalanciert, federt angenehm und ist in schnellen Kurven nie überfordert. Die Lenkung arbeitet präzise und mit hoher Rückmeldung.
Der Motor hingegen dreht nur ungern hoch und klingt dabei sehr gequält. Das Automatikgetriebe mag auch lieber gemütlich, bei sportlichem Fahren hat es Mühe mit der Gangwahl und es ruckelt teilweise.

Umwelt ★★★☆☆

Das die Start-Stopp-Automatik mit dem Automatikgetriebe entfällt, ist eine Sache. Aber das statt der versprochenen 6.6 l/100 km ganze 8.5 l/100 km verbrannt werden, das geht gar nicht. Wahrscheinlich sind die Diesel deutlich sparsamer unterwegs.

Ausstrahlung ★★★★☆

Der Opel Insignia hat eine ruhige, gehobene, elegante Ausstrahlung, die auf Wunsch mit dezenter Sportlichkeit aufgewertet werden kann. Eine saubere und schnörkellose Linienführung zeichnen den Insignia aus.

Fazit ★★★★☆

+ Sehr modernes und intelligentes Mediasystem
+ Sehr faires Preis-/Leistungsverhältnis
+ Ruhiger Motorlauf bei gemächlicher Fahrt
+ Erstklassiger Sitzkomfort
+ AFL+ Xenonlicht
+ Viele Assistenzsysteme verfügbar
+ Sehr aerodynamische Karosserie (Cw-Wert: 0.25)

– Knappe Kopffreiheit im Fond
– Schwacher, angestrengter Motorsound bei höheren Drehzahlen
– Etwas träge Automatik ohne S Modus
– Zu hoher Verbrauch

Steckbrief

Marke / ModellOpel Insignia Fliessheck
Preis Basismodell / Testwagen31'050 CHF / 50'850 CHF (42'674 CHF mit Prämie)
AntriebBenzin, Frontantrieb
Hubraum / Zylinder1598 ccm / R4
Getriebe6-Stufen Automatik
Max. Leistung125 kW
Max. Drehmoment260 Nm
Beschleunigung 0-100 km/h9.9 s
Vmax210 km/h
Verbrauch Werk / CO2 Emissionen / Energieeffizienz6.6 l/100 km / 155 g/km / D
Verbrauch Test / CO2 Emissionen8.5 l/100 km / 200 g/km
Länge / Breite / Höhe4.84 m / 1.86 m / 1.50 m
Leergewicht1788 kg
Kofferraum530 - 1470 l

(Bilder: GM)

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