Peugeot on Ice

Peugeot auf dem Glatteis

Die Schweiz, eine Allradnation. Auch ich höre immer wieder mal die Frage «Isches en 4×4?», wenn ich die verschiedenen Testwagen meinem Umfeld präsentiere. Meiner Meinung nach wird der Allradantrieb überbewertet. Zweifelsohne bietet die Technik ihre Vorteile, sie kostet aber mehr, erhöht das Gewicht und somit den Verbrauch. Ausserdem zeigt meine Erfahrung, dass man sogar mit Heckantrieb durch grobes Schneetreiben kommt, wenn man nicht in der hinterletzten Berghütte wohnt. Da aber die Minderheit so denkt wie ich, hat Peugeot in der Schweiz ein kleines Handicap, da die Franzosen nur das SUV 4008 mit aktivem Allradantrieb anbieten. Ich hatte die Gelegenheit, verschiedene Peugeots auf Schnee und Eis zu testen und an der Pressekonferenz zu erfahren, wie sich Peugeot die nahe Zukunft vorstellt. Ausserdem: Ein Stelldichein mit dem neuen 308 GT.

Wie Peugeot in die Zukunft fährt

Peugeot hat sich in den letzten zwei bis drei Jahren enorm gemacht. Die Autos sind richtig fesch, die Verarbeitung auf hohem Niveau, die Preise fair. Da ist viel passiert. Mittlerweile tragen alle Peugeot Modellreihen eine 8 (108, 208, 308, etc.) und dies wird in Zukunft auch so bleiben. Die Nummern werden nicht auf 9 und weiter erhöht. Besonders schade finde ich, das es von 208 und 308 keine Cabrios mehr geben wird. Peugeot lanciert deshalb ab sofort die limitierte Sonderserie CC Swiss Collector zum Abschied von 207 CC und 307 CC.

Peugeot CC Swiss Collector
Die beiden Cabrios 207 CC und 307 CC bleiben ohne Nachfolger – leider.

Neu ist dafür bei Peugeot die sogenannte GT Line, die ab sofort eine sportliche Optik für den 508 und ab März auch für den 308 sowie den RCZ bringt. Was für die Franzosen Neuland ist, ist bei den Deutschen (S Line Sportpaket, OPC Paket, etc.) schon lange gang und gäbe. Die Motoren sind nicht besonders sportlich, die Änderungen beziehen sich lediglich auf die Optik und die Ausstattung.

Peugeot GT Line
Die GT Line bringt optischen Schwung in die Modellreihen RCZ, 308 und 508.

Peugeot möchte ausserdem mehr junge Leute zur Marke locken, insbesondere der kleine 108 mit seinen Individualisierungsmöglichkeiten und der sportliche 208 GTi sollen die junge Klientel ansprechen. Zudem werden neue, junge Markenbotschafter engagiert. Peugeot kann ausserdem guten Gewissens die sportlichen Modelle 308 GT und das kommende Topmodell des 308 (noch offen, ob GTi oder R) lancieren: Bereits heute unterbietet PSA die geforderten CO2-Richtwerte von maximal 130 g/km mit durchschnittlich 122 g/km.

Der 308 GT ist heiss

Nach der Pressekonferenz ging’s auf zum Testgelände. Als ich hörte, dass zwei 308 GT zur Verfügung stehen, habe ich mir umgehend einen geschnappt, immerhin ist es das schärfste Teil, dass Peugeot an die Veranstaltung mitgenommen hat. Alles anderen kann noch kurz warten. Als ich vor ein paar Wochen zum ersten Mal von seiner Existenz Kenntnis genommen habe, fand ich ihn ehrlich gesagt nicht wirklich anturnend. Kaum veränderte Optik zum Standard 308, ein 151 kW Benziner (wahlweise auch 132 kW Diesel erhältlich) – das reichte nicht, um mich heiss zu machen. Nun war ich aber trotzdem gespannt, wie sich das vorläufige Topmodell so macht.

Peugeot 308 GT
Der optische Auftritt vom vorläufigen Topmodell ist dezent. Die Farbe ist sehr schön.

Ich steige ein, starte den GT im wunderschönen Blau und stelle staunend fest, dass das Auto mit nur 10 km auf der Uhr geradezu jungfräulich ist. Das arme Ding, dachte ich, es gibt bestimmt Angenehmeres, als die erste Fahrt seines Lebens mit mir zu verbringen… Selbstverständlich habe ich die Fahrt im Sport Modus zurückgelegt und besonders positiv sind mir die Lenkung und das manuelle 6-Gang Getriebe aufgefallen. Die Lenkung ist ausgesprochen direkt und präzise, sie vermittelt ein herrliches Gefühl. Das Getriebe ist nicht nur sehr knackig zu schalten, auch die Schaltwege sind erstaunlich kurz. Das Fahrwerk ist ebenfalls gelungen, da es nur so straff wie nötig ist. Es sorgt für eine gute Kurvenlage, aber dennoch für einen anständigen Abrollkomfort, trotz der 18″ Felgen. Im Sport Modus sorgt ausserdem ein Sound Symposer für sportlichen Sound im Innenraum – natürlich künstlich via HiFi-Anlage generiert, aber es klingt nicht schlecht. Ausserdem ist der Sound auch von aussen knurriger als bei einem Standard 308. Der GT hat sich auch auf der Schneepiste in Kurven sehr gut geschlagen. Vielleicht gibt es im Laufe des Jahres noch einen ausführlichen Test…

Peugeot 308 GT
Der GT macht sich in Kurven sehr gut.

Was taugen Hybrid4 und Grip Control?

Den SUV 4008 bin ich nicht gefahren, da man von einem SUV mit aktivem Allradantrieb sowieso erwartet, dass er auch mit groben Steigungen zu Recht kommt. Viel interessanter fand ich, herauszufinden, wo die Grenzen der Fahrzeuge mit Hybrid4-Antrieb sowie der Fahrzeuge mit Grip Control Technik liegen. Bereits mit dem Test vom 3008 Hybrid4 habe ich mich kritisch über die Antriebsform geäussert:

«Da der E-Motor nur eine beschränkte Leistung hat, kann er bei höherem Tempo, etwa bei Traktionsverlust, nicht einfach zugeschaltet werden. Zwar kann man den Fahrmodus “4WD” erzwingen, was auf rutschigen Strassen sicher vorteilhaft ist, aber all die Vorzüge, die ein richtiges Allradsystem hat, bietet der Hybridantrieb nicht.»

Auch die Grip Control hat im Zusammenhang mit dem Test vom 2008 ihr Fett wegbekommen:

«Optional gibt es die sogenannte Grip Control, die über eine variable Drehmomentverteilung die vorderen Antriebsräder mit unterschiedlichem Drehmoment versorgen kann, je nach dem, welches Rad mehr Traktion hat. […] Allerdings gibt es die Grip Control nur in Verbindung mit den Allwetterreifen M+S, mit denen man an Performance und Bremsweg einbüsst. Denn mal ehrlich: wann würde man so eine mehrbessere Traktionskontrolle wirklich brauchen? Das Fahren auf Schnee funktioniert auch ohne die elektronische Hilfe einwandfrei und alles Andere braucht man sowieso nicht. Daher kann man getrost auf dieses Gimmick verzichten und investiert die 500 Franken besser in etwas Sinnvolleres.»

Bezüglich Grip Control relativiere ich meine Meinung – zumindest teilweise. Man kommt mit der Grip Control im Schnee tatsächlich weiter, als ohne. Für einen reinen Fronttriebler hat sich der 2008 sehr gut geschlagen, teilweise hat sogar das Anfahren an einem recht steilen Hang funktioniert, das Durchfahren ohne Anhalten hat immer geklappt. Im Vergleich zum Allradantrieb ist die Technik zudem sehr leicht und günstig (500 Franken). Während im Winter die Grip Cntrol also ein Sicherheitsplus darstellt, finde ich es nach wie vor doof, dass man im Sommer mit M+S Reifen (im Grip Control Paket enthalten) unterwegs ist, welche aufgrund ihrer Beschaffenheit den Verbrauch und Bremsweg erhöhen.

Peugeot on Ice
Die Grip Control kann das Anfahren an Orten ermöglichen, wo man ohne kapitulieren müsste.

Die Hybrid4 Fahrzeuge verhielten sich so, wie ich es erwartet habe. Beim Hang mit mittlerer Steigung war die Durchfahrt und das Anfahren kein Problem, beim sehr steilen Hang musste jedoch durchgefahren werden, ein Anfahren war dort nicht mehr möglich, weil das Drehmoment auf der Hinterachse beschränkt ist. Beide Varianten, sowohl Grip Control (erhältlich für 2008 und 3008) sowie Hybrid4 (erhältlich für 3008, 508 und 508 RXH) können im Winter dafür sorgen, dass man weiter kommt, als es mit reinem Frontantrieb möglich wäre. Trotzdem, Wunder können diese Fahrzeuge nicht vollbringen, wenn es zu steil und/oder stark vereist ist, kommt man nur mit einem aktiven Allradfahrzeug weiter.

Peugeot on Ice
Wenn man nicht anhält, erklimmt man mit Hybrid4 sogar sehr steile Hänge.

(Bilder: Koray Adigüzel, Peugeot)

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