Peugeot RCZ R

Peugeot RCZ R: Hart und verwegen

Ob es Gruppendruck ist? So gut wie jeder Hersteller hat ein Sportprogramm im Angebot, also zieht auch Peugeot nach. Und da der RCZ für ein Fitnessprogramm geradezu prädestiniert ist, schicken die Franzosen ihn jetzt auch als RCZ R auf die Strasse: Mit erstaunlichen 199 kW Leistung, die aus einem 1.6 Liter Turbobenziner gepresst werden und die Vorderachse befallen. Zugegeben, ich war anfangs ob des kleinen Hubraums doch etwas skeptisch, was die Kraftentfaltung anbelangt. Nach den ersten Kilometern war die Skepsis allerdings schnell verflogen. Und das Beste ist: Der Gang zur Tankstelle ist nicht zu fürchten.

Aber irgendetwas scheint komisch, wenn man den Peugeot RCZ R betrachtet. Nein, es ist garantiert nicht die Linienführung, denn was die angeht, gibt es für mich nur ein Urteil: Es existiert kein anderes Auto in der Kompaktklasse, welches so knackig und scharf gezeichnet ist. Als meine Augen diese perfekte Erscheinung zum ersten Mal gesehen haben, hat mein Herz umgehend einen Freudensprung hingelegt. Was für traumhafte Kurven! Und das geschwungene Dach erst. Ich hatte tatsächlich das Bedürfnis, den RCZ R zu streicheln, wollte diese schwungvolle Konstruktion spüren. Neben dem RCZ hat kein geringerer als die legendäre Dodge Viper ebenfalls eine solch geschwungene Dachkonstruktion vorzuweisen. Der RCZ R hat so viel Sexappeal, da verblasst so manche hübsche Frau daneben. Was also irritiert das Auge? Es ist das Markenlogo. Peugeot baut so einen Sportwagen? Das ist vielen nicht bewusst. Wobei der RCZ und auch der RCZ R gar nicht von Peugeot selbst, sondern von der Österreichischen Firma Magna Steyr in einer eigens dafür vorgesehenen Produktionshalle gebaut werden.
Im Interieur wird man von stylischen Schalensitzen empfangen, die super Halt geben, jedoch nicht zu hart und eng sind. Besser kann man es kaum noch machen. Das Armaturenbrett und die Türen sind schön mit Leder verkleidet, was sehr hochwertig erscheint, genauso, wie die R-Plakette auf dem Mitteltunnel. Wie in Sportmodellen üblich, ziehen sich rote Kontrastnähte durch den gesamten Innenraum, der aufgrund des dominanten Schwarz und den kleinen Fenstern stets düster wirkt. Extrem düster sind die Aussichten, wenn man die zwei Notsitze im Fond betrachtet. Wer grösser als ein Säugling ist, findet in dieser Höhle schlichtweg keinen Platz. Da wäre Peugeot besser konsequent gewesen und hätte die Rückbank komplett rausgeschmissen. Von mir aus hätten sie einen Überrollkäfig montieren können, der würde im RCZ R wenigstens mehr Sinn ergeben, als die beiden Babysitze. Erstaunlich gross ist dafür der Kofferraum, der in der Normalstellung 321 Liter fasst und genügend Gepäck für zwei Personen aufnehmen kann.

Tief grummelnd verkündet der 1.6 Liter Benziner beim Start seine Dienstbereitschaft. Die Kupplung ist ziemlich hart und das Getriebe kurz und knackig abgestuft – so, und nicht anders muss das in einem Auto von diesem Format sein. Der kleine, aber kräftige Motor lässt praktisch übers gesamte Drehzahlband 330 Nm an der Vorderachse wüten und entwickelt beachtliche 199 kW Leistung. Und das Geilste von allem: Der Motor ist so richtig drehgeil. Bis kurz vor 2000 Umdrehungen steckt der RCZ R zwar in einem kleinen Turboloch, aber darüber wirds explosiv. Gierig dreht der Motor hoch und beim Schalten baut der Turbo mit einem wütenden Fauchen seinen Druck ab, um dem Motor gleich erneut Feuer unterm Hintern zu entfachen. Traktionsprobleme kennt der RCZ R nicht, allerdings zerrt er bei Vollgas ziemlich an der Lenkung – schade, gibt es den RCZ R nicht mit Heckantrieb! Ebenfalls weniger schön ist der Sound Symposer, der einen etwas gar künstlichen Motorensound im Innenraum generiert. Besonders lästig ist das bei gleichmässiger Autobahnfahrt, da dann permanent ein dumpfes, künstlicher Motorengeräusch dröhnt. Wenn schon so einen Symposer, dann bitte mit Abschaltmöglichkeit.
Die Autobahn ist sowieso nicht das bevorzugte Revier des RCZ R. Das Fahrwerk ist so hart, dass man bei Unebenheiten auf der Strasse im Auto regelrecht auf und ab hüpft und aufgrund des kurz abgestuften Getriebes, ist die Drehzahl recht hoch. Richtig interessant wird es im RCZ R erst auf einer Passstrecke. Dort fällt der Motor sicher nie ins Turboloch und dank dem Torsen Sperrdifferential an der Vorderachse ist Untersteuern auch kein Thema. In Kurven kommen dem RCZ R auch das tiefergelegte Sportfahrwerk und die präzise Lenkung zu Gute. Den Spass komplettieren die bissigen Bremsen mit wuchtigen 380 mm Scheibendurchmesser vorne (gleich gross wie beim Jaguar F-Type), womit der Peugeot sehr genau und kräftig gebremst werden kann.
Der Peugeot RCZ R ist eine reine Fahrmaschine und ausschliesslich mit manuellem Getriebe erhältlich. Es sind keinerlei Assistenzsysteme erhältlich, der Luxus beschränkt sich auf die Lederausstattung und die Zwei-Zonen-Klimaanlage. So kann sich auch das Leergewicht von 1355 Kilo sehen lassen. Dank des geringeren Leergewichts als beim normalen RCZ, ist der R auf dem Papier sogar sparsamer als seine schwächeren Brüder. Lediglich 6.3 l/100 km gibt Peugeot für den RCZ R an. Erstaunlicherweise begnügte sich mein Testflitzer mit 7.6 l/100 km, obwohl er hart rangenommen wurde. Chapeau!

Der Peugeot RCZ R scheint auf den ersten Blick mit einem Preis ab 51’900 CHF ziemlich teuer, allerdings ist in diesem Preis praktisch eine Komplettausstattung inklusive, ausserdem ist der Fahrspass für diesen Preis wirklich immens. Aus meiner Sicht ist der RCZ R zudem um ein vielfaches schöner und emotionsgeladener, als der unterkühlte Audi TT. Kein anderer Peugeot verkörpert so sehr den Slogan Motion & Emotion, wie es der RCZ R tut.

Alltag ★★☆☆☆

Auch wenn der RCZ R formal ein 2+2 Plätzer ist, so kann man die Rücksitze getrost vergessen. Er ist ein Zweisitzer mit einem Kofferraumvolumen, das zwei Personen gerecht wird. Mehr passt nicht hinein. Das Fahrwerk ist sehr hart, was wahrscheinlich nicht jeder verträgt. Erstaunlicherweise ist der kleine Flitzer aber sehr übersichtlich.

Fahrdynamik ★★★★★

Das Zerren am Lenkrad ist der einzige Wermutstropfen vom RCZ R. Ansonsten legt er sich ansatzlos ins Zeug, dreht gierig hoch, bremst bissig und lässt sich hochpräzise fahren. Dank dem Torsen Sperrdifferential an der Vorderachse und dem sehr straffen Fahrwerk sind auch hohe Kurvengeschwindigkeiten absolut kein Problem.

 Umwelt ★★★★☆

Lediglich 6.3 l/100 km soll der RCZ R verbrauchen, das Ganze ist dank Euro 6 Abgasnorm erst noch schön sauber. Obwohl ich den RCZ R manchmal heftig gefordert habe, begnügte er sich mit respektablen 7.6 l/100 km. Im Verhältnis zur Leistung ein echt guter Wert.

Ausstrahlung ★★★★★

Ich habe den RCZ R gestreichelt. Gestreichelt! Ein Auto! Ich glaube, mehr braucht es dazu nicht zu sagen… Ein Design zum reinbeissen.

Fazit ★★★★★

+ Atemberaubend knackiges Design
+ Sehr übersichtliche Karosserie
+ Hohe Verarbeitungsqualität
+ Grosszügige Serienausstattung
+ Verhältnismässig grosser Kofferraum
+ Sehr hohe Fahrdynamik
+ Drehgeiler Motor
+ Angesichts der Leistung bescheidener Verbrauch

– Unnötige Rücksitze
– Teils nerviger Sound Symposer
– Zerren am Lenkrad bei Vollgas

Steckbrief

Marke / ModellPeugeot RCZ R
Preis Basismodell / Testwagen51'900 CHF / 53'350 CHF
AntriebBenzin, Frontantrieb
Hubraum / Zylinder1598 ccm / R4
Getriebe6-Gang manuell
Max. Leistung199 kW bei 6000 r/min
Max. Drehmoment330 Nm bei 1900 - 5500 r/min
Beschleunigung 0-100 km/h5.9 s
Vmax250 km/h
Verbrauch Werk / CO2 Emissionen / Energieeffizienz6.3 l/100 km / 145 g/km / E
Verbrauch Test / CO2 Emissionen7.6 l/100 km / 175 g/km
Länge / Breite / Höhe4.29 m / 1.85 m / 1.35 m
Leergewicht1355 kg
Kofferraum321 - 760 l

(Bilder: Koray Adigüzel)

3 thoughts on “Peugeot RCZ R: Hart und verwegen

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