Renault Fluence Z.E.: Eine solide Elektrolimousine

Renault Fluence Z.E.: Eine solide Elektrolimousine

Das Kürzel Z.E. prangt klein am Heck von dieser Renault Limousine. Dem Laien wird das nichts sagen. Ihm wird genauso wenig auffallen, dass keine Auspuffendrohre sichtbar sind. Z.E., das steht bei Renault für Zero Emissions, was bedeutet, dass Autos mit diesem Kennzeichen einen Elektromotor unter der Haube haben. Aber kann eine Limousine mit reinem Elektroantrieb und einem vergleichsweise günstigen Preis ab 30’600 CHF zuzüglich Akkumiete überzeugen und ihren Zweck erfüllen?

Von aussen betrachtet strahlt der Fluence Z.E. eine gewisse Ruhe und Gelassenheit aus. Die Linien sind schön gezeichnet und endlich haben Designer sich diesem Auto angenommen und nicht auf Teufel komm raus ein sportlich wirkendes Blechkleid entworfen. Der Fluence wirkt elegant und nicht sportlich und das ist gut so, denn sprinten ist nicht seine Disziplin. Auch auf eine Coupélinie wurde verzichtet, insgesamt wirkt das Design der Stufenhecklimousine zeitlos und schick. Ausserdem ist die Karosserie mit einem cw-Wert von 0.33 ziemlich windschlüpfrig. Die hellblauen Akzente beim Kühlergrill und den  Nebelleuchten, sowie die hellblauen Renault Logos vorne und hinten weisen darauf hin, dass hier Strom und nicht Benzin fliesst.

Auch im Interieur wurde auf Spielereien verzichtet und der Fokus auf ein ansehnliches, praktisches Innendesign gelegt. Bestes Beispiel sind die klassischen Rundinstrumente anstelle eines Displays hinter dem Lenkrad. Man muss sich allerdings vor Augen halten, dass der Fluence ein eher günstiges Auto ist und man daher keinen Luxus vorfindet. In der Basisausstattung Expression sind beispielsweise nicht einmal Schaltknüppel und Lenkrad von Leder umgeben. In der zweiten Ausstattungslinie Dynamique (1500 CHF) gibt es dann ein paar Annehmlichkeiten, wie ein automatisch abblendender Innenspiegel, eine Einparkhilfe hinten, ein bisschen Leder, Sonnenstoren hinten, etc. Meiner Meinung nach die empfehlenswertere Ausstattung. Schade ist aber, dass es keine Getränkehalter in der Mittelkonsole gibt und das Lenkrad nur höhenverstellbar ist. Das Interieur im Gesamten ist also nicht hochwertig, aber solide und passt zum Preis.
Einen Pluspunkt gibt es für die gute Rundumsicht, was dem schlichten Design zu verdanken ist. Die Platzverhältnisse sind vorne und hinten in Ordnung, allerdings ist der Kofferraum mit 317 Liter Fassungsvermögen keine Wucht, was am Akkupack liegt, das zwischen Rückbank und Kofferraum positioniert wurde.

So, jetzt wird der Motor gestartet und zwar nach alter Manier mit einem Schlüssel. Keyless Go und einen Startknopf sucht man auch in der Aufpreisliste vergebens. Störend ist das überhaupt nicht, es ist vielmehr ein weiteres Detail, dass der Fluence nicht in der Premium Liga spielt, sondern ein Auto für jedermann sein soll. Wie üblich in Elektrofahrzeugen erklingt ein Signalton, wenn der Motor gestartet ist. Nun rollt man vollkommen lautlos davon, Wind- und Reifengeräusche bei höherem Tempo sind nicht aufdringlich. Angetrieben wird der Fluence von einem 70 kW Elektromotor, der 226 Nm Drehmoment ab dem ersten Meter zur Verfügung stellt. Das reicht, um den 1607 Kilo schweren Wagen mit einem imposanten Antritt zu Beschleunigen. Allerdings zieht sich der Spurt auf Tempo 100 mit 13.7 Sekunden dann doch ziemlich in die Länge. Aber die Paradedisziplin ist sowieso das gemütliche Cruisen, so, wie man es von einer Limousine erwartet. Die Reichweite wird offiziell mit 185 Kilometer angegeben, bei vorsichtiger Fahrweise kann dieser Wert knapp erreicht werden.
Sobald man vom Gas geht, rekuperiert der Motor spürbar, denn man verliert schnell an Geschwindigkeit. Ich frage mich daher, ob die Bremslichter aufleuchten. Man kann die Stärke der Rekuperation nicht einstellen, dies ist ein kleiner Schwachpunkt. Einen weiteren Punktabzug gibt es für das zu harte Fahrwerk, was nicht zu diesem Auto passt. Unebenheiten werden spürbar wahrgenommen, bei einem Bahnübergang rumpelt es sogar. Es wäre daher wünschenswert, wenn mehr absorbiert werden würde.
Nichts zu bemängeln gibt es dafür an der umfangreichen und serienmässigen Sicherheitsausstattung mit ABS und Notbremsassistent, ESP, Traktionskontrolle, Front-, Seiten- und Fensterairbags sowie aktiven Kopfstützen. Ein ebenfalls schönes Detail ist, dass sich das angeschlossene Ladekabel bei verriegeltem Auto nicht abtrennen lässt. Bei vielen anderen Stromern schrillt hingegen einfach die Alarmanlage los.

Die Akkumiete wird je nach Vertragsdauer (1-5 Jahre) und Kilometer pro Jahr (10’000-20’000 km) verrechnet. Die monatlichen Kosten betragen dann zwischen 95 CHF / Monat (5 Jahre, 10’000 Kilometer pro Jahr) und 165 CHF / Monat (1 Jahr, 20’000 Kilometer / Jahr). Die Akkumiete hat laut Renault den Vorteil, dass man immer Garantie auf den Akku hat. Wenn man den Wagen verkaufen möchte, verkauft man quasi nur das Auto ohne Akku, der Zweitbesitzer schliesst dann mit Renault einen Vertrag über die Akkumiete ab. Angenommen, die Akkumiete kostet 95 CHF pro Monat für 5 Jahre – mehr als 10’000 Kilometer werden mit einem Elektroauto sowieso eher schwierig – so zahlt man in diesen 5 Jahren 5700 CHF an Akkumiete.
Der Fluence Z.E. ist somit für ein Elektroauto sehr günstig und er macht seinen Job gut, denn er bietet Komfort und emissionsloses Fahren. Ausserdem überzeugt er mit einem schlichten Design und einem fairen Preis. Wer nicht zahlreiche Assistenzsysteme beim Fahren benötigt, wird mit dem Fluence glücklich werden.
Die Renault Z.E. Familie umfasst nebst dem Fluence Z.E. auch noch den Twizy Z.E., den Kangoo Z.E. und ab Ende 2012 auch den Zoe Z.E.

(Bilder: Koray Adigüzel)

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