Renault Scenic: Reisen mit Stil

Renault Scenic: Reisen mit Stil

Ist der neue Renault Scenic überhaupt noch ein Van? Schon beim Espace hat Renault einen Richtungswechsel eingeschlagen und auch der Scenic fällt in den dehnbaren Bereich der Crossover. Trotzdem bietet er viel Platz und Praktikabilität, sodass er für Familien mit bis zu zwei Kindern die erste Wahl sein dürfte. Der Grand Scenic, der die Lücke zwischen dem normalen Scenic und dem Espace schliesst, ist eher ein klassischer Van. Doch auch wenn nicht die gesamte Familie an Bord ist, überzeugt der Scenic, man muss nur einen Punkt beachten…

Zugegeben, für ein Auto, bei dem vor allem die praktischen Werte zählen, sieht der Scenic ganz schön gut aus. Die schnittige Front geht in die markante Fensterlinie mit ihrem Knick über und die grossen 20-Zöller verleihen dem Scenic eine kräftige Statur. Die grossen und schmalen Räder sehen nicht nur gut aus, sondern sollen auch den Rollwiderstand reduzieren. Beim Heck geht der Scenic eigene Wege, während der Grand Scenic sich deutlich am Espace orientiert. Beiden gemein ist, dass ihnen leuchtende Farben wie Orange oder Rot gut stehen.

Renault Scenic
Von vorne wirkt der Scenic mit der schnittigen Front und den grossen Rädern fast schon sportlich.

Wohl viel wichtiger als die Fahrdynamik ist der Innenraum. Der ist im Scenic angenehm wohnlich gestaltet. Die bequemen Sitze bieten eine erhöhte Position und die grosse Windschutzscheibe und die geteilte A-Säule verschaffen einen perfekten Überblick über das Verkehrsgeschehen. Das Handschuhfach, welches Renault kurzerhand in eine Schublade umgewandelt hat, fasst mehr Kram als alle Ablageflächen zusammen in manch anderem Kompaktwagen. Zusätzlich kommt aber noch ein grosses Staufach in der verschiebbaren Mittelkonsole, die vorne zwei Cupholder und ein zusätzliches Fach beinhaltet. Wird die Mittelkonsole nach vorne geschoben, werden die Cupholder nicht mehr brauchbar, aber das Ablagefach auch nicht mehr sichtbar – ein echtes Geheimfach also.

Renault Scenic & Grand Scenic
Hinten unterscheiden sich die Beiden deutlich.

Ebenfalls verschiebbar ist die Rückbank und zwar im Format 60:40, der Scenic verfügt also nicht über einzelne Sitze. Das gilt übrigens auch für den Grand Scenic. Beim Scenic empfiehlt es sich, die Sitze stets ganz hinten zu lassen, denn der Kofferraum fasst auch so mehr als genug. Werden die Sitze nach vorne geschoben, wird die Beinfreiheit sehr knapp. Überhaupt ist der Fond im Scenic aufgrund der nochmals erhöhten Sitzposition gegenüber den Vordersitzen nicht besonders luftig. Im Grand Scenic ist spürbar mehr Platz vorhanden. Dafür wurde an die kleinen Passagiere gedacht, denn der Scenic bietet nicht nur viele Ablageflächen und Klapptische mit Halterungen, sondern auch zwei USB Ports für das Aufladen der Gadgets. So sollten die Kids während der Fahrt versorgt sein.

Renault Scenic & Grand Scenic
Der Grand Scenic ist auf den ersten Blick deutlich grösser.

Für mehr Platz und Flexibilität empfiehlt sich der Grand Scenic. Nebst dem grosszügiger bemessenen Fond gibt es bei ihm optional eine dritte Sitzreihe, wobei die hintersten Sitze wirklich nur für Kinder zumutbar sind, der Raum ist schon arg knapp. Highlight im Grand Scenic ist die bis zu 2,85 Meter lange Ladefläche, wenn alle Sitze inklusive dem Beifahrersitz umgeklappt sind. Bei beiden Modellen ist es möglich, die Sitze vom Kofferraum, oder vom Touchscreen aus mittels einem Knopfdruck umzulegen, selbst wenn die Kopfstützen oben sind. Ebenfalls praktisch ist es, sich über das Infotainmentsystem mehrere Fahrprofile anzulegen. So sind über einen Klick nicht nur der Sitz korrekt eingestellt, sondern das Auto wählt das favorisierte Fahrprogramm, die gewünschte Ambientebeleuchtung, den Lieblingsradiosender und wenn gewollt sogar das Massageprogramm. Ein Muss, wenn das Auto von mehreren Leuten gefahren wird.

Renault Scenic
Die Personalisierung ist eine coole Sache. Die Bedienung geht leicht von der Hand.

So, und weil man im Scenic halt noch nicht wohnt, sondern fährt, spielt das Fahrverhalten eben doch nicht so eine untergeordnete Rolle. Es erscheint vielleicht etwas lapidar, aber ich empfehle die Top-Motorisierung, den 118 kW starken Diesel, den es nur in Verbindung mit Doppelkupplungsgetriebe gibt. Der Grund dafür ist einfach: Ich bin den 96 kW Diesel gefahren, und der macht seine Sache ganz gut, vor allem ist er im Test mit einem Verbrauch von 5,7 l/100 km sehr sparsam gewesen – obwohl der Testwagen bei der Übernahme gerade mal 500 Kilometer auf der Uhr hatte.

Renault Scenic
Auch für grosse Teddys reicht der Platz, für riesige Teddys hingegen nicht.

Allerdings sind seine Reserven eher knapp, bei einem Überholmanöver oder bergauf wünscht man sich mehr Kraft. Und da kommt der stärkere Diesel ins Spiel. Der bietet nicht nur Leistungsreserven, sondern ist im Gegensatz zum schwächeren, der nur mit Handschaltung verfügbar ist, ausschliesslich mit Doppelkupplungsgetriebe erhältlich. Ich finde, zu einem Scenic passt ein Automatikgetriebe einfach viel besser, zumal die Handschaltung mit ihren langen Schaltwegen und der mässig präzisen Hebelführung nicht wirklich ein Genuss ist.

Renault Scenic
Die grossen Fensterflächen sorgen für ein luftiges Ambiente und eine gute Übersicht.

Dafür habe ich mit Freuden festgestellt, dass der Fernlichtassistent, der im Mégane mehr genervt als genützt hat, im Scenic einwandfrei funktioniert hat. Fürs angenehme Reisen sind zudem auch ein Abstandstempomat und ein Tot-Winkel-Warner erhältlich. Jedoch muss man gelegentlich ein bockiges Abrollen in Kauf nehmen, was auf die grossen Räder zurückzuführen ist. Auf der Autobahn spürt man gar nichts, aber überland und innerorts sind gerade kurze Stösse deutlich spürbar. Ansonsten federt der Scenic angenehm ausgewogen und verzichtet auf künstliche Sportlichkeit mit unnötig straffen Dämpfern. Grosse Ansprüche an die Fahrdynamik darf man nicht haben, aber ich denke, wer ernsthaft mit dem Gedanken spielt, sich einen Scenic zuzulegen, setzt sowieso andere Prioritäten.

Renault Scenic
Vorne sitzt man typisch französisch auf äusserst bequemen Sesseln.

Dass mir ein Auto, das so klar auf Familien-Bedürfnisse zugeschnitten ist, gefällt, hätte ich anfangs nicht gedacht. Doch Renault hat ein kluges Line-Up aufgestellt. Der kleine Scenic gefällt vor allem durch sein Konzept. Er bietet viele praktische Details, eine komfortable Sitzposition und viel Platz auf kompakter Länge. Ein Raumwunder ist er zwar nicht, aber an dieser Stelle springt der Grand Scenic ein, der für einen minimalen Aufpreis von 800 Franken das Design und die Praktikabilität übernimmt, aber spürbar mehr Raum bietet. Wer noch mehr Platz benötigt oder besonderen Wert auf eine edle Ausstattung legt, greift zum Espace. So sollte für jeden, der nach einem Van oder etwas “Van-artigem” sucht, etwas dabei sein. Erfreulich sind dabei die Preise. Der Testwagen kostet 37’650 Franken, was ziemlich wenig Geld für viel Auto ist. Renault ist diesbezüglich sehr bodenständig und das gilt auch für die Motorisierungen. Wer sich mehr Temperament wünscht, muss bei den deutschen Herstellern vorstellig werden.

Renault Scenic
Die Sportlichkeit von vorne fehlt dem Heck leider.

Alltag 

Eigentlich sollte der Scenic in dieser Disziplin die Maximalwertung holen. Eigentlich. Der Grand Scenic würde sie sich holen, aber die hohe Sitzposition im Fond sorgt dafür, dass der Platz nicht besonders grosszügig ist. Ansonsten gefallen die cleveren Details, der Platz vorne, der grosse Kofferraum und die diversen Assistenzsysteme. Ganz toll ist die Personalisierung, wodurch sich mehrere Fahrer ihre Präferenzen einstellen können.

Fahrdynamik 

Der Scenic ist nicht sportlich, aber das ist okay. Mit keiner Silbe versprechen die Franzosen ein sportliches Fahrverhalten. Dafür ist er sehr gemütlich zu fahren.

Umwelt 

Der Testverbrauch von 5,7 l/100 km ist für ein kaum eingefahrenes Auto ein sehr guter Wert. Mit mehr Kilometern und gelassener Fahrweise sind wahrscheinlich fünf Liter oder noch weniger möglich.

Ausstrahlung 

Dafür, dass der Scenic ein sehr praktisches Auto ist, sieht er ganz gut aus. Vor allem die grossen Felgen und die wellenförmige Fensterlinie holen viel aus dem Design raus. Doch die hohe Dachlinie und die kurze Motorhaube kombiniert mit der kompakten Länge schaffen Proportionen, die nicht überragend attraktiv sind.

Fazit 

+ Cooles Design für einen Van
+ Clevere Details im Innenraum
+ Sehr viele Ablageflächen
+ Grosser Kofferraum
+ Komfortables Fahrverhalten
+ Viele Assistenzsysteme erhältlich
+ Personalisierung für verschiedene Fahrer
+ Tiefer Verbrauch
+ Fairer Preis

– Hakeliges Schaltgetriebe
– Raumgefühl im Fond aufgrund sehr hoher Sitzposition nicht so toll
– Indirektes Fahrverhalten wegen leichtgängiger Lenkung

Mängel am Testwagen

– Keine Mängel

Steckbrief

Marke / ModellRenault Scenic
Preis Basismodell / Testwagen23 400 CHF / 37 650 CHF
AntriebDiesel, Frontantrieb
Hubraum / Zylinder1598 ccm / R4
Motoranordnung / MotorkonzeptFrontmotor / Turbomotor
Getriebe6-Gang manuell
Max. Leistung96 kW bei 4000 r/min
Max. Drehmoment320 Nm bei 1750 r/min
Beschleunigung 0 - 100 km/h11,4 s
Vmax194 km/h
NEFZ-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz4,5 l/100 km / 116 g/km / B
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz5,7 l/100 km / 147 g/km / +27%
Länge / Breite / Höhe4,41 m / 1,87 m / 1,65
Leergewicht1615 kg
Kofferraumvolumen506 - 1554 l

Bilder: auto-illustrierte

1 thought on “Renault Scenic: Reisen mit Stil

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