smart fortwo electric drive

Elektrischer Cityflitzer: Smart fortwo ED

Der Smart fortwo, das Stadtauto schlechthin, fährt nun endlich auch in Grossserie elektrisch durch die City. Bei einem Kleinstwagen, wie dem Smart fortwo electric drive, ergibt eine Elektrifizierung auch am meisten Sinn, mehr als beim Kompaktwagen Nissan Leaf und noch viel mehr als bei einer Reiselimousine wie dem Renault Fluence Z.E. Trotzdem wird beim Test deutlich, dass die Realität mit einem Elektroauto nicht ganz so unkompliziert ist, wie es in den Werbeprospekten dargestellt wird.

Äusserlich unterscheidet sich der Smart electric nicht von seinem Pendant mit Verbrennungsmotor. Wer gerne möchte, dass die Umwelt den Smart als elektrisch angetrieben wahrnimmt, ordert das electric drive Design Package für 905 CHF dazu. Dann leuchten die Karosserie und die Felgen in Kristallweiss, die tridion-Sicherheitszelle mit Steckdosen-Logo im sogenannten Electric Green. Aber natürlich hat man freie Wahl bei den Farbkombinationen.
Im Interieur ist ebenfalls alles unangetastet geblieben, lediglich zwei Zusatzinstrumente in der Mitte des Armaturenbretts informieren über den Akkustand und wieviel Power gerade abverlangt wird. Beeindruckt hat mich die Bedienung des Multimediasystems via Touchscreen. Es ist sehr intuitiv und die verschiedenen Funktionen sind wie einzelne Apps, welche man mit einem Klick öffnen und schliessen kann. Nur selten ist man auf Anhieb so vertraut mit dem Mediasystem eines Autos. Schade finde ich, dass praktische Details wie ein Getränkehalter oder eine Armlehne nicht zum Serienumfang gehören. Die Sitze des Smarts sind nur mässig bequem, was angesichts der geringen Reichweite aber zu verschmerzen ist.

Der fortwo ED existiert im Grund bereits seit 2007. Damals wurden mit einer ersten Kleinserie in London erste Tests durchgeführt. Zwei Jahre später wurden 2000 Autos in der Schweiz, Deutschland und Österreich abgesetzt, um Kundenerfahrungen zu sammeln. Das Feedback der Kunden und die eigenen Erkenntnisse führten zum aktuellen Smart fortwo ED.
Wie bei allen anderen Elektroautos, ist das Fahren mit dem Smart sehr entspannend. Die Beschleunigung könnte nicht linearer sein, vor allem aber ist sie für so einen Zwerg wie dem Smart erstaunlich kräftig. Es vergehen 4.8 Sekunden, bis man 60 km/h erreicht hat. Bis auf 100 km/h werden 11.5 Sekunden benötigt, aber es dauert gefühlt rund zwei Sekunden weniger. Wenn man bedenkt, dass der Vorgänger sich über 20 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 genehmigte, ist die jetzige Leistungsentfaltung beachtlich. Auch die Höchstgeschwindigkeit wurde von 100 auf 125 km/h erhöht, somit wird man auch auf der Autobahn nicht zum Verkehrshindernis. Sowohl die bessere Beschleunigung, als auch das erhöhte Spitzentempo waren Kundenwünsche. Ebenfalls von den Kunden gewünscht wurde eine erhöhte Reichweite und ein Vertriebsmodell für den Akku. Leider wurde die Reichweite im Vergleich zum Vorgänger nur um 10 Kilometer auf 145 Kilometer verbessert, dafür wurde das sale&care Vertriebsmodell entwickelt.
Man kann das Auto jetzt inkl. Akku ab 29’900 CHF kaufen oder nur das Auto ab 24’900 CHF kaufen und den Akku für 99 CHF/Monat mieten. Dafür ist die Wartung des Akkus kostenfrei, darüber hinaus ist er versichert und wird im Falle eines Defekts oder mangelnder Kapazität gratis ersetzt. Diese Sicherheit hat man nicht, wenn man den Akku mitkauft. Bei einem Weiterverkauf des Smarts würde der neue Besitzer den Vertrag einfach übernehmen und müsste sich keine Sorgen darüber machen, wie es um den Akku eines gebrauchten Elektrofahrzeuges steht. Ein Ausstieg aus dem sale&care Modell ist jederzeit möglich.
Ein ähnlich ausgestatteter und leistungsfähiger Smart mit Benzinmotor kostet übrigens ca. 5000 CHF weniger als der Smart ED mit sale&care.

Während dem Test hatte der Smart mit sehr tiefen Temperaturen zu kämpfen. Die Reichweite schrumpfte auf 105 Kilometer, obwohl ich so ökologisch fuhr, dass die Eco-Anzeige im Bordcomputer auf 100% stieg und dort verblieb. Dafür hielt sich der Stromverbrauch mit 16 kWh/100 km (Werksangabe: 15.1 kWh/100 km) in Grenzen. Via Schaltwippen kann man den Grad der Rekuperation zwischen 3 Stufen regeln: D- (segeln), D (leicht rekuperieren) und D+ (stark rekuperieren). Während man anfangs noch überlegt, wie die Rekuperation am besten zu bedienen ist, betätigt man mit der Zeit die Schaltwippen automatisch, genauso, wie man bei einer Handschaltung nicht überlegt, welcher Gang jetzt eingelegt werden muss.
Bei einer sportlichen Fahrweise mit einem Stromverbrauch von rund 24 kWh/100 km sank die Reichweite auf mickrige 75 Kilometer. Ich habe selber erlebt, wie ich unterwegs – bei Bekannten zu Hause und am Arbeitsplatz – ständig auf der Suche nach einer Steckdose war. Die Ladezeit ist erst ab einer Stromstärke von 16A befriedigend, bei einer gewöhnlichen Haushaltssteckdose mit 8A dauert es geschlagene 11 Stunden.
Punkten kann der Smart ED mit seiner Umweltbilanz, denn selbst wenn man mit dem normalen, schweizerischen Strommix lädt (siehe auch Zero Emission Lüge), stösst man indirekt pro Kilometer bloss 23 Gramm COfrei . Mein durchschnittlicher Stromverbrauch pendelte sich bei 19.1 kW/h/100 km ein.

Der Smart fortwo ED ist grundsätzlich das richtige Auto für einen Elektroantrieb. Die Umsetzung funktioniert tadellos, obwohl der Wagen rund 175 Kilo Akku – Leergewicht 900 Kilo – mit sich herumschleppt. Das Fahrgefühl ist sehr gut, es scheitert einfach wieder einmal an der eingeschränkten Reichweite. Bevor nicht im Umkreis von weniger als 100 Kilometer mindestens eine Schnellladesäule steht, mit welcher der Akku innert einer Stunde wieder aufgeladen werden kann, besteht nach wie vor die Angst im Hinterkopf, ohne Strom liegen zu bleiben.

Alltag ★★☆☆☆

Obwohl auch eine Reichweite von ca. 100 Kilometer für die City reicht, liegt bereits ein kleiner Ausflug nicht mehr drin, wenn am Ziel keine Lademöglichkeit besteht. Die Ladezeit wiederum dauert an einer gewöhnlichen Steckdose (8A) mit 11 Stunden zu lange. Schnellladesäulen sind kaum vorhanden.

Fahrdynamik ★★★☆☆

Der Smart ED ist – auf Kosten der Reichweite – flott unterwegs, das sportliche Gefühl wird vom harten Fahrwerk verstärkt. Allerdings ist die Bremse nicht so leicht zu dosieren und in schnellen Kurven spürt man die Fliehkraft recht deutlich.

Umwelt ★★★★★

Der Stromverbrauch im Winter ist mit 19.1 kWh/100 km gering und selbst beim Laden mit gewöhnlichem Schweizer Strommix werden pro Kilometer nur 23 Gramm CO2 freigesetzt.

Ausstrahlung ★★★★☆

Im Electric Drive Design Package mit dem Electric Drive Schriftzug sieht der Smart schon ganz schick aus, vor allem aber, ist er das richtige Auto für einen Elektroantrieb.

Fazit ★★★☆☆

+ Starke Beschleunigung
+ Gute Sicherheitsausstattung serienmässig dabei
+ Ändern der Rekuperation via Schaltwippen
+ Symphatisches und gut funktionierendes Multimediasystem
+ sale&care Vertriebsmodell

– Geringe Reichweite
– Lange Ladezeiten, wenn keine Schnellladesäule verfügbar ist
– Kleiner Kofferraum
– Sitze nur mässig bequem
– Praktische Dinge (Armlehne, Becherhalter, LED-Tagfahrlicht) nur gegen Aufpreis erhältlich
– Hoher Grundpreis

(Bilder: Daimler)

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