Smart Fortwo Turbo DCT: Es kommt doch auf die „Grösse” an

Smart Fortwo Turbo DCT: Es kommt doch auf die „Grösse” an

Der neue Smart Fortwo ist für mich bis jetzt einfach noch nicht komplett gewesen, es fehlte nämlich: ein Automatikgetriebe. Und zwar ein anständiges, nicht eines mit ewigen Schaltzeiten wie beim Vorgänger. Darum bin ich den neuen Smart bisher auch nicht gefahren. Jetzt hatte ich aber das Vergnügen, mit dem 66 kW Dreizylinder Turbo mit Doppelkupplungsgetriebe zu fahren. Es hat sich gezeigt: Weniger Grösse sorgt für grösseren Fahrspass.

Der Smart sah ja bis zur aktuellen Generation immer mehr oder weniger gleich aus: Sehr kurze, steile Motorhaube, die bündig mit der Windschutzscheibe abschliesst, dazu ein sehr kurzer, hoher und schmaler Aufbau. Als ich den neuen Smart damals das allererste Mal gesehen habe, waren mir fast die Augen aus dem Kopf gefallen. Mein Gott, was haben die Designer nur gemacht? Der hat ja plötzlich eine «richtige» Motorhaube?! Geht ja gar nicht. Potthässlich habe ihn gefunden, wirklich abscheulich. Und dann habe ich ihn wieder einmal auf einem Bild gesehen. Und wieder einmal. Und noch einmal. Schliesslich habe ich ihn in Genf live gesehen. Wisst ihr was? Ich finde ihn mittlerweile richtig schick. Mit jedem mal anschauen hat er mir besser gefallen. Jetzt finde ich, er sieht richtig cool aus, da er auch breiter geworden ist und somit nicht mehr ganz so hochbeinig dasteht.

 

Smart Fortwo
Der Smart ist breiter und wirkt somit weniger hochbeinig. Wobei “breit” halt relativ zu betrachten ist…

Auch im Interieur hat sich viel gemacht im Vergleich zum Vorgänger. Der hatte so eine komische Schwelle am unteren Ende des Armaturenbretts, was besonders für langbeinige wie mich mühsam war. Die ist jetzt komplett weg und da der Smart innen in der Breite deutlich mehr Platz bietet, sitzt man ganz gut auf den Integralsitzen von Renault. Moment, Renault? Ja, genau. Der neue Smart wurde – vor allem wegen des Forfour – in Kooperation mit dem Twingo entwickelt. Der Forfour und der Twingo sind somit technisch gesehen Geschwister. Aber auch im Fortwo stecken Sitze, Fensterheber, Spiegelverstellung und Türverkleidung aus dem Renault Regal.

Smart Fortwo
Das orange Armaturenbrett spiegelt bei direkter Sonneneinstrahlung sehr stark in der Windschutzscheibe.

Egal, das Zeugs tut seinen Dienst. Störender finde ich, dass sich das Lenkrad nicht in der Tiefe verstellen lässt. Ebenfalls nicht so toll sind der Gurt, da er je nach Statur in den Hals einschneidet sowie die raue Stoffverkleidung bei den Armauflagen in den Türen. Dieselbe Stoffverkleidung findet sich auch am Armaturenbrett wieder. Dort stört jedoch nicht die Beschaffenheit, sondern die Farbe. Hellblau oder Orange sehen zwar mega poppig aus, aber bei direkter Sonneneinstrahlung spiegelt sich der Stoff sehr stark in der Windschutzscheibe. Besser klassisches Schwarz wählen. Die Verarbeitung ist im Smart leider nicht so toll, wie man es von Daimler eigentlich erwartet. Vor allem die Verkleidungen dürften sorgfältiger eingepasst sein.

Smart Fortwo
Die Sitze sind bequem, der Gurt schneidet jedoch in den Hals.

Ganz grosses Thema beim Smart ist auch die Connectivity. Via MirrorLink (funktioniert nur mit Android) werden spezifische Smartphone Apps aufs Infotainment gespiegelt, sodass man beispielsweise Internetradio hören kann. Es gibt auch eine Radarwarnung-App namens Coyote, aber psst… Man erkennt im Google Play Store, ob die App MirrorLink tauglich ist. Leider muss man sich als Hersteller zwischen MirrorLink (Android) und Apple CarPlay (iOS) entscheiden, so dass die iPhone User in der Schweiz leer ausgehen. Zwar bietet Smart für die iPhone Fraktion eine iPhone Halterung anstelle des integrierten Infotainmentsystems an, doch es gibt ein grosses Aber: in der Schweiz, quasi als Goodie, ist das Infotainment serienmässig dabei. Im Grunde nicht tragisch, man kann einfach keine Apps, wie zum Beispiel die Coyote Radarwarnung (die hätte ich schon gerne…) direkt aufs Infotainment spiegeln.

Smart Fortwo
Via MirrorLink lassen sich spezifische Apps ins Auto spiegeln. Das Navi ist fest installiert.

So, Zeit zu fahren! Endlich, endlich kriegt der Smart ein cooles Getriebe mit auf den Weg. Ich finde, insbesondere so ein Stadtauto fährt man doch mit einem Automatikgetriebe; die ewige Schalterei in der City nervt mit der Zeit. Mit dem neuen 6-Gang Doppelkupplungsgetriebe (twinamic nennt es Smart) kann man ganz entspannt durch die City cruisen. Das Getriebe arbeitet nämlich so, wie ein gutes Getriebe arbeiten sollte: Unauffällig und komfortabel. Egal, ob flottes Beschleunigen, gemütliches Gleiten oder runterbremsen, da gibt es nie ein Geruckel oder einen unlogischen Schaltvorgang. Alles passt. Für sportliche Naturen steht neben dem Eco Modus auch noch der Sport Modus bereit. Da fährt sich der Kleine natürlich agiler. Unbedingt zu empfehlen ist das Sport-Pack, damit die Schaltwippen mit an Bord sind. Nur so ist maximaler Fahrspass garantiert, denn auch in der Stadt macht es Laune, selber durch die Gänge zu switchen, da das Getriebe augenblicklich auf Schaltbefehle reagiert und der Dreizylinder im Heck beim Runterschalten fröhlich vor sich hin schnaubt. Der einzige Kritikpunkt ist die spürbare Anfahrschwäche. Das Ganze verschärft sich, wenn die Start-Stopp-Automatik aktiv ist. Bis der Smart da wieder in die Gänge kommt, ist eine vermeintlich passende Lücke an einer Kreuzung ohne Vortritt längst wieder zu knapp.

Smart Fortwo
Den Diamant-Grill kennt man von Mercedes.

Nebst der Dynamik ist der ganz grosse Vorteil vom Smart seine Wendigkeit. Man kann den Fortwo fast auf der Stelle wenden und so auf einer normal breiten Strasse einfach eine 180° Drehung durchführen. Das Parkieren gelingt natürlich im Handumdrehen, zumal auf Wunsch sogar noch eine Rückfahrkamera an Bord ist. Leider ist der Smart nämlich gar nicht so übersichtlich, denn die B-Säule ist enorm dick. Das stört auch bei mehreren parallelen Spuren oder auf der Autobahn, da man den toten Winkel nicht gut einsehen kann. Das Revier vom Smart endet nämlich keineswegs bereits an der Stadtgrenze, auch jenseits des Ortsschildes macht der Smart jede Menge Spass. Die Lenkung ist angenehm direkt und das Fahrwerk straff, sodass auch kurvige, vor allem enge Landstrassen zum Geheimtipp werden. Gegenverkehr? Egal. Der Smart ist so klein, man kann sich überall an jedem vorbeiquetschen. Auch ausserorts empfiehlt sich natürlich wieder der Griff zu den Schaltpaddels, um sportlich unterwegs zu sein.

Smart Fortwo
Nach wie vor misst der Smart kurze und knackige 2,69 Meter in der Länge.

Auf der Autobahn verfügt der Smart über ein besonderes Assistenzsystem: Den Seitenwind-Assistenten. Da der Smart auf der Autobahn aufgrund seines extrem kurzen Radstandes von Natur aus eher unruhig ist, korrigiert er automatisch Verschiebungen, die durch starken Seitenwind auftreten. Bis Tempo 100 bleibt er angenehm ruhig, darüber hinaus wird es dann ziemlich laut. Die Höchstgeschwindigkeit von 155 km/h ist witzig zu fahren, aber lange möchte man das nicht mitmachen. Ziemlich überflüssig finde ich den Spurhalteassistenten, der nervig wie ein Wecker vor sich hinpiepst, sobald man eine Linie überfahren hat. Besser weglassen. Verbrauchen sollte der Smart mit dem Automatikgetriebe lediglich 4,1 l/100 km, bei den – zugegeben – ziemlich sportlich gefahrenen Testrunden meldete der Bordcomputer Werte zwischen 5,3 und 7,5 l/100 km. Aber das ist halt, weil der Winzling eine ungeahnte Fahrfreude bietet.

Smart Fortwo
Die Bestimmungen zum Fussgängerschutz erfordern eine “richtige” Motorhaube .

Ihr wollte den Fahrspass auch erleben? Keine Sorge, das Automatikgetriebe ist ab sofort erhältlich. Ganz günstig wird es allerdings nicht, denn der Smart Fortwo kostet mit Turbomotor und Automatikgetriebe mindestens 16’990 Franken. Trotz mehr Gewicht verbraucht der Smart mit dem Automatikgetriebe auf dem Papier 0,1 Liter weniger. Ich behaupte, dass es in real eher für einen höheren Verbrauch sorgt – weil der Griff zur linken Schaltwippe einfach zu verführerisch ist.

Marke / ModellSmart fortwo Turbo twinamic
Preis ab16'990 CHF
AntriebBenzin, Heckantrieb
Hubraum / Zylinder898 ccm / R3
Motoranordnung / MotorkonzeptHeckmotor / Turbomotor
Getriebe6-Gang Doppelkupplungsgetriebe
Max. Leistung66 kW bei 5500 r/min
Max. Drehmoment135 Nm bei 2500 r/min
Beschleu­nigung 0–100 km/h11,3 s
Vmax155 km/h
NEFZ-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz4,1 l/100 km / 96 g/km / C
Länge / Breite / Höhe2,69 m / 1,66 m / 1,55 m
Leergewicht940 kg
Koffer­raum­volumen260 - 350 l

(Bilder: Smart)

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