SRT Viper: Bissiger denn je

SRT Viper: Bissiger denn je

Es gibt Autos, welche sich in den Köpfen der Menschen verewigen. 1992 (im Übrigen auch mein Jahrgang ;-)) erblickt eine Schlange namens Dodge Viper das Licht der Welt. Wer erinnert sich nicht an die Viper, welche mit ihren Trinkmanieren wohl jeden Alkoholiker in den Schatten stellte und mit ihrer ungeheuren Kraft viele andere Sportwagen mit ihren Abgasen einnebelte. Obszöne 8.4 Liter Hubraum besass der V10 Motor der Viper, dessen Ventile wohl eher Schleusen waren. Sie war der amerikanische Supersportwagen schlechthin. Doch vor zwei Jahren (nach der Finanzkrise, welche Chrysler arg mitgenommen hat) wurde sie ausgerottet – technisch nicht mehr auf dem Stand der Zeit und zu hoher Spritverbrauch waren die Gründe. Kann es das gewesen sein?

Nein, kann es nicht! SRT (Street Racing Technology), quasi das amerikanische Pendant von Mercedes-AMG oder BMW M, hat die Viper reanimiert. Deshalb hört das schöne Biest neu auf den Namen SRT Viper und nicht mehr Dodge Viper. Das Serienmodell steht bereit, sieht wunderbar giftig aus und rollt bereits 2013 zu den Händlern und auf die Strasse. Auch die überaus lange Motorhaube verheisst Gutes. Und ein Blick auf die technischen Angaben bestätigen die Vermutung: Von Downsizing ist unter der Haube keine Spur. Obwohl selbstverständlich nicht mehr derselbe Motor wie in der damaligen Viper seine Arbeit verrichtet, kann der neue V10 ebenfalls politisch unkorrekte 8.4 Liter Hubraum vorweisen. Dessen Drehmoment von 814 Nm und Leistung von 649 PS sollten dafür sorgen, dass andere Verkehrsteilnehmer die Viper vorzugsweise von Hinten betrachten werden. Ein Schlag ins Gesicht für alle Öko-Aktivisten, aber auch Unvernunft muss mal sein. Apropos unvernunft: Die Viper galt bisher als schwierig zu beherrschen, als Fahrer bedarfte es schon etwas Fingerspitzengefühl, den fetten, zum Übersteuern neigenden Arsch der Viper auf Kurs zu halten. Die SRT Viper kommt jetzt aber serienmässig mit einem elektronischen Traktions- und Stabilitätsprogramm daher, welches sich aber ganz abschalten lässt, falls man sich wie in den guten, alten Zeiten auf einen heissen Tanz mit der Schlange einlassen möchte.

Vor zwei Jahren hat Fiat den Chrysler-Konzern, zu dem auch die Marke Dodge gehört, übernommen. Man sieht der neuen Viper auch an, dass sie italienisches Blut enthält, doch sie hat auch ihre amerikanischen Gene beibehalten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn die Linienführung ist sehr geschmeidig und rassig. Man erkennt an der Front einen Hauch Ferrari und am Heck etwas Maserati. Besonders die schlitzartigen Bi-Xenon Scheinwerfer mit integriertem LED Lametta und die stark gewölbte Motorhaube sehen sehr schick aus. Charakteristische Viper Merkmale wie die Lüftungsschächte im XXL-Format hinter der Vorderachse, das gewölbte Double-Bubble-Dach, die endlos lange Motorhaube sowie die Sidepipes sind geblieben. Der Gesamteindruck ist richtig verführerisch, sie scheint potentielle Kunden und Fahrer regelrecht anziehen zu wollen.

Die grösste Veränderung hat sich allerdings im Interieur zugetragen. Während triste Plastiklandschaften das Wohlbefinden in der ehemaligen Dodge Viper trübten, präsentiert sich die SRT Viper mit einem hochwertig-sportlichen Interieur. Ergonomische Sportsitze aus Leder, Oberflächen aus Leder, Aluminium- und Chromaplikationen, digitale Instrumente und ein umfassendes Multimediasystem mit einem Harman-Kardon Soundsystem, welches den Kampf um besseren Sound gegen das V10 Ungetüm aufnimmt, finden sich im Innenraum. Am Sportlenkrad lassen sich diverse Fahrparameter einstellen und das Multimediasystem bedienen.
Als hübsches Detail sind die Signets der Nordschleife (Beifahrertür) und vom Laguna Seco (Mittelkonsole) eingraviert. Grund? Die Viper legte dort Bestzeiten hin. Ausserdem steht dem Beifahrer an der rechten Seite der Mittelkonsole ein massiver Haltebügel zur Verfügung, um den Schlangenritt angenehmer zu überstehen.

Abgesehen vom Motor, und selbst der wurde gründlich überarbeitet, hat die neue Schlange technisch nicht mehr viel mit ihrer Vorgängerin gemeinsam. Durch radikalen Leichtbau muss die Viper nur 1415 Kilo Leergewicht mit sich herumschleppen, da hat der V10 Dampfhammer mit einem Leistungsgewicht von nur 2.18 PS/kg buchstäblich leichtes Spiel. Ein Sprint von 0-100 km/h in weniger als vier Sekunden erscheint als sehr wahrscheinlich. Leider schweigen die Amis noch bezüglich Beschleunigung, V-Max und, besonders interessant, den Verbrauch. Dieser dürfte dank der Motorüberarbeitung und dem geringeren Gewicht positiver ausfallen als beim Vorgänger, er wird aber immer noch überdurchschnittlich hoch sein.
Verwalten lässt sich die Kraft ausschliesslich von einem manuellen Sechsganggetriebe mit extra kurzen Schaltwegen. Ein Sperrdifferenzial an der Hinterachse hat den undankbaren Job, für Traktion zu sorgen, wenn der Viper Pilot alle 649 Pferde loslässt.
Um die Insassen in diesem Biest zu schützen wurden der Gitterrohrramen rund um die Fahrgastzelle versteift. Das Fahrwerk wurde komplett neu abgestimmt und lässt sich auf Wunsch auch elektronisch feinabstimmen. Gegen die Urgewalt des Motors arbeitet eine Brembo Vierkolben-Hochleistungsbremsanlage im Format von Gullydeckeln.

Es ist definitiv eine kluge Entscheidung gewesen, der Viper eine neue Chance zu geben. Zahlreiche Fans weltweit frohlocken über die neue Schlange. Als Zeichen für einen Neuanfang wurde erneut das Logo angepasst und sieht nun aggressiver aus denn je. Eine noch leistungsfähigere GTS-Version mit umfangreicherer Sportausstattung wird es als besonderes Zückerchen auch noch geben, aber hier hüllen sich die Herren von SRT noch in Schweigen.
Auch zum Preis wurden noch keine Angaben gemacht, aber es wird sicherlich ein Kampfpreis und mit dem der Corvette ZR1 (ab 111’600 $) vergleichbar sein. Ein wahres Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass die Viper so manchen Lamborghini, welcher das Doppelte kostet, vernaschen wird. Bahn frei für die bissigste und giftigste Schlange der Welt!

(Bilder: Diverse Quellen)

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