SsangYong Musso: Harte Schale, weicher Kern

SsangYong Musso: Harte Schale, weicher Kern

Pick-Ups erleben aktuell auch in Europa einen ziemlichen Aufwind. Die Koreaner waren diesbezüglich Vorreiter, denn der Musso ist bereits die zweite Pick-Up-Generation und beerbt den Actyon Sports. Der Musso bieten den Insassen ein komfortables Ambiente, kann aber auch ordentlich zupacken und fühlt sich im härteren Gelände ebenso zu Hause wie auf Schnee und Asphalt. Wie es halt bei Pick-Ups so ist, ist für den Alltagseinsatz zusätzliches Zubehör empfehlenswert. Ausserdem frage ich mich, ob die Koreaner angesichts des Modellnamens Assoziationen mit einem gewissen Diktator tatsächlich wünschen…

Das koreanische Zugpferd, das bis zu drei Tonnen an den Haken nehmen kann, ist ausschliesslich als Doppelkabiner erhältlich. Das schränkt die Ladekapazität für jene Zielgruppe, die den Pick-Up als Arbeitstier nutzen möchte, etwas ein. Doch so wie der Testwagen vorfährt, nämlich mit Topausstattung, möchte man eigentlich keine Bauarbeiter oder Gärtner nach einem langen Arbeitstag einsteigen lassen.

2018 SsangYong Musso
Hier fühlt man sich schnell wohl. Guter Seitenhalt und eine Sitzlüftung sind alles andere als selbstverständlich!

Das Ambiente ist wie in einem richtigen Auto. Bequeme Ledersitze mit Heizung und Lüftung (!), intuitives Infotainmentsystem sowie Zierelemente lassen einen glatt vergessen, dass hinten noch eine Ladefläche dranhängt. Die Materialien sind wertig und die Verarbeitung sehr gut, denn während der Fahrt knarzt nichts.

2018 SsangYong Musso
Das Drehrad für die Kraftverteilung. Mit Liebe zum Detail gestaltet.

Als Antrieb steht lediglich ein Dieselmotor zur Wahl. Das 2,2-Liter Aggregat leistet 133 kW und kann die Kraft bei Bedarf an alle vier Räder leitet. Auf trockener Strasse empfiehlt sich das Fahren mit Hinterradantrieb, damit keine Reibung und Spannung im Antriebsstrang aufkommt. In Verbindung mit dem 6-Gang Automatikgetriebe ist ausserdem noch eine Geländeuntersetzung mit an Bord, die auch gröberes Terrain meistern soll.

2018 SsangYong Musso
Der Dieselmotor stammt von Mercedes, wird in Stuttgart aber nicht mehr verwendet.

Der betagte Antrieb stammt von Mercedes und ist entsprechend solide. Wirklich leise ist der Selbstzünder aber selbst im warmen Zustand nie, doch der Fahrkomfort stimmt dank des weich schaltenden Getriebes. Sehr umständlich ist dafür die altbackene Hebelführung, wo mit dem Schalthebel die Ecken der Schaltkulisse mitgefahren werden müssen. Einfach direkt von P auf D runterziehen geht nicht. Ausserdem ist zwar ein manueller Modus vorhanden, geschaltet wird aber über einen winzigen Knopf auf dem Schalthebel. Etwas mehr Benutzerfreundlichkeit wäre diesbezüglich nicht schlecht.

2018 SsangYong Musso
Mit dieser Schaltkulisse landet man hin und wieder in der verkehrten Fahrstufe.

In Fahrt merkt man, dass der Musso für den harten Einsatz konzipiert wurde. Wer alleine durch die Gegend rollt, spürt, dass die Federung recht hart ist, vor allem an der Hinterachse. Dies dürften aber alle Pick-Ups gemeinsam haben und wie mir gesagt wurde, rollt der Musso bei entsprechender Beladung ganz anders ab. Nachholbedarf besteht aber bei der Lenkung. Der Fahrer kurbelt wie ein Buschauffeur am Lenkrad, wenn man um einen Kreisel fahren möchte. Ausserdem ist die Lenkung sehr indirekt und gibt kein Feedback. Eine etwas weniger starke Abkapslung zum Fahrverhalten wäre da wünschenswert.

2018 SsangYong Musso
Offroad kann der Musso sehr gut, Kurven dafür weniger.

Wenig zu meckern gibt es dafür bei der Technik. Die Topversion fährt mit Spurhalteassistent, 360°-Kamera sowie Tot-Winkel-Warner vor. Für einen Pick-Up ist das nicht selbstverständlich. Schade finde ich aber, dass beim Licht gespart wurde. Heute kommt es eigentlich nicht mehr vor, das Xenon-Abblendlicht mit schwachem Halogen-Fernlicht kombiniert wird.

2018 SsangYong Musso
Ohne Abdeckung ist die Ladefläche nur eingeschränkt nutzbar.

Wer des öfteren unbefestigtes Terrain unter die Räder nimmt oder schwere Lasten transportieren muss, ist mit dem Musso richtig bedient. Laut Hersteller leitet sich sein Name vom koreanischen Wort für Nashorn ab, ein Tier, das für seine Stärke bekannt ist. In Europa liegt allerdings der Bezug zum ehemaligen italienischen Diktator Mussolini näher…

2018 SsangYong Musso
Für die hinteren Passagiere steht genügend Bein- und Kopffreiheit zur Verfügung.

Nichtsdestotrotz bekommt man ein fähiges Arbeitstier fürs Geld. Die Topversion schlägt mit 45’440 Franken zu Buche, wer aber auf gewisse Luxus-Features (fürs Pick-Up-Segment) verzichten kann, fährt deutlich günstiger. Mit einer Investition in ein Rollo oder gar einen Aufbau für die Ladefläche wird der Musso auch alltagstauglich, sodass alltägliche Besorgungen nicht immer auf die Rückbank verfrachtet werden müssen.

2018 SsangYong Musso
Der Musso ist vor allem für Leute mit grossen Transport-Aufgaben interessant. Als vollwertiger Auto-Ersatz taugt er nicht.

Alltag 

Ohne Abdeckung für die Ladefläche ist der Pick-Up im Alltag umständlich. Sein Leiterrahmen sorgt zwar für eine hohe Karosseriesteifigkeit und eine hohe Nutzlast, dafür leider der Fahrkomfort darunter.

Fahrdynamik 

Je nach Ausstattung oder Anforderungen ist der Musso zwar ungemein praktisch und vielseitig, aber eines ist er überhaupt nicht: sportlich. Enorme Seitenneigung sowie eine sehr indirekte Lenkung sorgen automatisch dafür, dass man Kurven langsam angeht.

Umwelt 

9,3 l/100 km sind als Testverbrauch nicht wenig, zumal der Musso im Test stets leer und nur mit Fahrer bewegt wurde. Hier zeigt sich, dass die Mercedes-Technik von früher eben mittlerweile überholt ist.

Ausstrahlung 

Besonders viel gestalterischer Spielraum besteht bei einem Pick-Up nicht. Mit den schicken 20-Zöllern und der ausdrucksstarken Front werden ihm aber ein Markengesicht und ein Charakter verliehen.

Fazit 

+ Gutes Preis-/Leistungsverhältnis
+ Sehr bequeme Sitze mit erstaunlich gutem Seitenhalt
+ Üppige Ausstattung
+ Materialanmutung und Verarbeitung auf hohem Niveau
+ Zuschaltbarer Allradantreb mit Geländeuntersetzung für hartes Terrain
+ Hohe Karosseriesteifigkeit
+ Hohe Nutzlast
+ Hohe Anhängelast
+ Diverse Assistenzsysteme verfügbar
+ Diverse Zubehörangebote

– Erhöhter Verbrauch
– Sehr indirekte Lenkung, schwammiges Handling
– Ohne Beladung recht harte Federung
– Halogen-Fernlicht mit Xenon-Abblendlicht
– Rauer Dieselmotor

Mängel am Testwagen

– Keine Mängel

Steckbrief

Marke / ModellSsangYong Musso
Preis Basismodell / Testwagen29 900 CHF / 45 440 CHF
AntriebDiesel, Allradantrieb
Hubraum / Zylinder2157 ccm / R4
Motoranordnung / MotorkonzeptFrontmotor / Turbomotor
Getriebe6-Gang Automatikgetriebe
Max. Leistung133 kW bei 4000 r/min
Max. Drehmoment400 Nm bei 1400 - 2800 r/min
Vmax185 km/h
Beschleu­nigung 0–100 km/h11,0 s
NEFZ-Verbrauch / CO2 Emissionen8,6 l/100 km / 226 g/km
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz9,3 l/100 km / 244 g/km / +8%
Länge / Breite / Höhe5,10 m / 1,95 m / 1,84 m
Leergewicht2267 kg
Nutzlast613 kg
Max. Anhängelast (gebremst)3000 kg

Bilder: Koray Adigüzel

Deine Meinung hinterlassen

%d bloggers like this: