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Über Staus, Engpässe und stockenden Verkehr

Jeder kennt sie, jeder hasst sie und jeder gibt Anderen dafür die Schuld. Die Rede ist von der Blechlawine. Am liebsten würde man sie für immer verbannen, doch dafür fehlen die finanziellen Mittel. Eine zweite Gotthardröhre oder ein vierspuriger Seedamm zwischen Rapperswil und Pfäffikon SZ wären halt schon eine tolle Sache. Doch wahrscheinlich werden wir erst in den Genuss einer solchen Verkehrsinfrastruktur kommen, wenn sich die Strassenauslastung verdoppelt hat, und dann stehen wir wieder vor demselben Problem.

19 Milliarden Franken hätte das Schweizer Nationalstrassennetz nötig, doch nur fünf davon fliessen tatsächlich – klar, dass man da massive Abstriche entgegen nehmen muss. Und das, obwohl sich die Fahrleistung seit 1990 verdoppelt hat. Es ist wohl jedem klar, dass es nicht wieder 20 Jahre dauern wird, bis sich die Fahrleistung erneut verdoppelt hat.
Im Jahr 2010 ist die Schweiz über 16’000 Stunden im Stau gestanden – das sind beinahe zwei Jahre! Doch abgesehen von der verlorenen Zeit muss auch noch ein weiterer Aspekt, welcher von den Autofahrern selber meist gar nicht wahrgenommen wird, berücksichtigt werden: Während der Lenker genervt stillsteht, dreht der Motor munter im Leerlauf oder knapp darüber weiter. Das sind massive Emissionen, welche freigesetzt werden. Wer eine Start-Stopp-Automatik besitzt ist davon weniger betroffen, Lenker von Autos ohne diese Technik sollten beim Stillstand den Motor abstellen. Die Umwelt und das eigene Portemonnaie werden dankbar sein.

Um die neuralgischen Verkehrsknotenpunkte und Strecken zu entlasten, ist auf der chronisch überlasteten A1 Ende 2011 ein Pilotprojekt, welches zu Stosszeiten die Umnutzung des Pannenstreifens in eine zusätzliche Fahrspur vorsieht, erfolgreich abgeschlossen worden. Im Detail wurden dafür alle 500 Meter Kameras installiert. Sobald diese ein bestimmtes Verkehrsaufkommen registrieren, wird der Pannenstreifen freigegeben. Gleichzeitig wird dann das Tempolimit auf 80 km/h limitiert, um den Verkehr flüssiger zu halten. Dieses Projekt soll nun für andere Umbauten Pate stehen. Für diverse andere überlastete Stellen ist die Nutzung des Pannenstreifens geplant.
Um die Sicherheit muss man sich diesbezüglich keine Sorgen machen, denn das Unfallrisiko sei durch diese Massnahmen sogar um 15% gesunken. Ausserdem werden in regelmässigen Abständen Einbuchtungen im Pannenstreifen zu finden sein, damit Nothalte weiterhin möglich sind. Auch die Emissionen sind laut Astra in unmittelbarer Nähe der Autobahn um 20% zurückgegangen.

Als weitere Massnahmen werden Elefantenrennen auf bestimmten Abschnitten verboten und die Autobahnvignette verteuert. Um wie viel und ab wann ist noch offen, aber letztendlich ist es einleuchtend, dass man als Autofahrer, sprich als Verursacher der Staus, auch zur Kasse gebeten wird.
Momentan sieht es also aus, als ob es im Kampf gegen die Blechlawinen ein paar kleine Lichtblicke gibt. Diese leuchten allerdings nur, solange der Verkehr in Zukunft nicht so rasant zunimmt wie bisher.

Update #1

Wie entsteht eigentlich ein Stau? Ganz am Anfang habe ich erwähnt, dass immer der Andere die Schuld trägt, man sich also niemals selber verantwortlich fühlt für die Entstehung der Blechlawine. Dies mag zwar egoistisch klingen, ist aber die Wahrheit, denn: Baustellen und Unfälle sind zwar ganz klar Faktoren, welche die Entstehung eines Staus fördern, ähnlich, wie wenn man Öl ins Feuer giesst. Doch letztendlich ist es, wie könnte es auch anders sein, der Mensch, welcher den Stau auslöst. Das Perfide dabei ist, dass der Stauverursacher längst über alle Berge ist, wenn sich hinter ihm der Verkehr zu stauen beginnt. Man merkt also nicht einmal, dass man einen Fehler begangen hat und bestraft wird man sowieso nicht.
Stau entsteht, wenn einer zu stark abbremst. Dieses zum Teil unnötige Bremsmanöver löst den verhängnisvollen Dominoeffekt nach hinten aus, dass immer stärker gebremst wird, bis der Verkehr irgendwann tatsächlich zum stehen kommt. Unter Video findet sich eine schöne Veranschaulichung dieses Phänomens.

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