Autofahren mit 16

Die einen jubeln, die anderen stöhnen: In der Schweiz wird beim Astra unter dem Projektnamen Opera-3 diskutiert, ob der Lernfahrausweis künftig bereits ab 16 Jahren mit bestandener Theorieprüfung erworben werden kann. Der Anstoss dazu kommt vom TCS, da in einigen deutschen Bundesländern ebenfalls ähnliche Versuche mit Lernfahrern ab 16 Jahren stattgefunden haben. Für die stöhnende Partei kann aber bereits Entwarnung gegeben werden: Am Mindestalter für das unbegleitete Fahren, also dem Erwerb des Führerausweises auf Probe, wird nicht gerüttelt.

Dabei klingen die Argumente des TCS durchaus sinnvoll und ich begrüsse den Schritt sehr. Denn der Hauptgrund für Crashs mit involvierten Jugendlichen ist mangelnde Erfahrung und genau dieses Manko liesse sich mit zwei Jahren zusätzlicher Erfahrung in Begleitung einer Person, die mindestens 23 Jahre alt ist und sich nicht mehr in der Probezeit befindet (wie gehabt), kompensieren. Ich muss diesbezüglich dem TCS Recht geben und ausserdem noch anschliessen (mein Senf gehört schliesslich überall dazu), dass die Jungen geistig und körperlich fitter sind als die ältere Generation, was sich positiv auf Konzentrationsfähigkeit und Reaktionszeit auswirkt. Die Kritiker hingegen werfen dem TCS vor, er wolle das Autofahren bei den jungen Leuten wieder populär machen und am liebsten durch die neue Klientel gleich selber davon profitieren. Der TCS bestreitet die Vorwürfe und argumentiert ausdrücklich mit der steigenden Sicherheit auf Schweizer Strassen.
Dass der Schweizer Fahrlehrerverband SFV dagegen ist, versteht sich auch von selbst, schliesslich würde es bedeuten, dass weniger Fahrstunden absolviert würden, was weniger Umsatz bedeutet. Zwar argumentieren die Fahrlehrer, dass noch nicht genügend Reife und Verantwortungsbewusstsein vorhanden ist, doch meiner Meinung nach ist klar, dass es letzten Endes wieder einmal mehr ums Geld geht.

Auch die Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU und die Stiftung Road Cross lehnen diese Idee ab, was natürlich nicht verwunderlich ist, wenn man alle Jungen in dieselbe Schublade steckt. Denn anstatt pauschal zu behaupten, dass Junge zur Risikofahrt tendieren, sollte man das ganze wie in Deutschland doch einfach einmal ausprobieren und erst dann urteilen. Schliesslich wird niemand in Begleitung von einer “Aufsichtsperson” rasen und wer zwei Jahre Erfahrung sowie eine solide Basisausbildung der Fahrschule genossen hat, wird sicher besser gerüstet sein für den Alleingang auf die Strasse, auch wenn dies rund ein Jahr früher als sonst der Fall sein wird.

Auch in der Politik ist man geteilter Meinung. Während die Mitte eher der Meinung ist, dass die Mobilität wichtig ist und das Autofahren als Teil der Ausbildung bei Jugendlichen einfach dazugehört, sind die Linken und die Grünen eher skeptisch, da die jungen Leute tendenziell sowieso vermehrt ÖV Benutzer sind.
Fakt ist, dass im nächsten Jahr eine Anhörung aller beteiligten Parteien stattfinden wird, damit Opera-3 auf dem Verordnungsweg dereinst umgesetzt werden kann.
Ich denke, dass das Projekt scheitern wird, denn mit Panikmache à la BfU wird kein konstruktiver Beitrag geleistet. Mindestens eine Testphase hat die Idee meiner Meinung nach wirklich verdient. Schliesslich sind 16-jährige keine Kinder mehr. Und wer mit 18 Jahren nicht die nötige Reife sowie das nötige Verantwortungsbewusstsein für das Autofahren mitbringt, wird auch im Alter von 21 Jahren nicht soweit sein.

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