Die Kunst des Parkierens

Es ist etwas, was man nicht umgehen kann: das Parkieren des Autos am Ende jeder Fahrt. Und wahrscheinlich gibt es so viele Stile beim Einparken, wie es Fahrstile gibt, jeder macht es ein kleines bisschen anders. Wobei die Bandbreite doch sehr gross ist, denn während Fahrer A sein Auto in einem Ruck und ohne langes Gefackel perfekt in die Lücke befördert, muss Fahrer B mehrmals zirkeln und korrigieren, bis das Auto halbwegs akzeptabel steht. Ausserdem gibt es ja noch das ewige und hartnäckige Vorurteil, dass Frauen schlechter parkieren…

Eigentlich lernt jeder in der Fahrschule, wie das Parkieren theoretisch funktioniert und man bekommt auch zigmal die Gelegenheit, das Parkieren in jeder Variation zu üben. Doch es gibt anscheinend solche, die es nie lernen. Bei der Fahrprüfung schafft man es mit Ach und Krach, den Experten mehr oder weniger zufrieden zu stellen, aber nachher im Alltag müht man sich jedes mal mit dem Parkieren ab.
Wenn ich auf der Strasse zufälligerweise jemandem begegne, der gerade dran ist, sein Auto zu parkieren, verfolge ich das Manöver mit. Aber auch bei bereits parkierten Autos habe ich teils faszinierende Entdeckungen gemacht:

  • Beim vorwärts parkieren wird viel zu wenig ausgeholt, so dass das Auto völlig schief im Feld steht und zwei Parkplätze beansprucht. Korrigieren? Nein, warum auch.
  • Wer vorwärts parkieren will, weit und breit keine anderen Autos oder Hindernisse zu sichten sind und sein Auto auch nach zweimaligem korrigieren noch nicht gerade ins Feld bringt, stellt definitiv eine Gefahr für andere dar.
  • Ein Schild: “Bitte nur vorwärts parkieren!” ist für manche Individualisten offenbar eine Aufforderung, rückwärts zu parkieren. Dasselbe Spiel gibt es natürlich auch in umgekehrter Form.
  • Einige haben anscheinend Mühe, die Länge ihres Autos richtig abzuschätzen und fahren nicht weit genug ins Feld hinein. Die Nase, resp. das Heck des Autos (je nach angewandter Parkkunst) ragt dann provokativ aus dem Feld hinaus.
  • Bei Autos, welche unerlaubt, vollkommen schräg, und/oder über das extra grosse Parkfeld für Rollstuhlfahrer herausragen, zweifle ich nicht an der Behinderung des Fahrers. Damit ist nicht die Gehbehinderung gemeint.
  • Eine bis auf das letzte Parkfeld besetzte Tiefgarage verleitet manche dazu, ihr Auto trotzdem noch irgendwo abzustellen. Alle anderen müssen dann mit grösster Vorsicht um den Fehlbaren herum fahren, was wegen den ohnehin schon engen Verhältnissen zuweilen Fingerspitzengefühl erfordert.
  • Eine persönliche Feststellung meinerseits: Je teurer der Wagen, umso schlechter, resp. arroganter sind die Parkkünste des Fahrers. Ein Porsche berechtigt keinen, zwei Parkfelder zu beanspruchen…
  • Ein Riesenspass muss es offensichtlich sein, wenn man jemanden zuparkieren kann. Doch das Vergnügen ist ganz meinerseits, wenn ich deswegen den Abschleppdienst rufen darf.
  • “Hoppla, da habe ich wohl das Auto eines anderen gestreift! Bloss weg hier, bevor es jemand merkt…” Für alle, welche diese Denkweise unterstützen: Feigheit ist keine Tugend.

Glücklicherweise bieten mittlerweile alle neuen Fahrzeuge Parkassistenten und/oder Parksensoren mit Rückfahrkamera an. Denn Parkieren erfordert räumliches Vorstellungsvermögen, womit nicht alle Menschen gesegnet sind. Der Fairness halber ist zu sagen, dass auch ich nicht mit überragenden Parkfähigkeiten beeindrucken kann, doch ich achte stets darauf, dass mein Auto so steht, dass es niemand anderes behindert.
Wie steht es nun eigentlich um die Parkkünste unserer reizenden Damen auf den Strassen? Nun, es ist in zahlreichen Studien bewiesen worden, dass Frauen zwar für ein Parkmanöver länger brauchen, als die Herren der Schöpfung, dafür führen sie das Manöver präziser aus. Und schlussendlich interessiert es alle anderen nicht, wenn das Parkieren etwas länger gedauert hat, das Auto dafür sauber in der Lücke steht. Um jetzt das angekratzte Ego der Herrschaften wiederherzustellen, hier noch eine abschliessende Beobachtung: Jedes Mal, wenn jemand in gefährlichem Tempo auf ein Parkfeld zugesteuert ist und das Auto in Rekordzeit mit chirurgischer Präzision in die Lücke bugsiert hat, ist ein Mann mit erhobenen Hauptes aus dem Auto gestiegen.

Auf der Webseite der Kunstparker finden sich übrigens Beispiele wie man nicht parkieren sollte.

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