Die rollende Trophäe

Es ist ein Phänomen, welches in allen grösseren Ortschaften bei schönem Wetter zu beobachten ist: Junge, männliche (mit Betonung auf männlich!) Erwachsene, die mit ihren – mehr oder weniger – aufgemotzten Karren ihre Runden drehen. So kommt es nicht selten vor, dass ich im Verlauf eines Nachmittags mehrere Male demselben Auto mit demselben Typ am Steuer begegne. Fährt besagter Typ ein Cabrio, ist auf jeden Fall das Dach offen, ansonsten sind bestimmt die Fenster geöffnet und damit ihn auch ganz sicher alle wahrnehmen, unterschreitet die Musik nie einen gewissen Lärmpegel.

Ich versuche nun ein wenig über diesen Trend zu philosophieren. Hauptgrund dürfte mangelnde Aufmerksamkeit und ein mangelndes Selbstwertgefühl sein. Wahrscheinlich ist die Person, sobald sie aus dem Auto steigt, völlig unscheinbar und ist kaum mehr eines Blickes würdig. Selbstverständlich ein vollkommen inakzeptabler Zustand, welcher mit dem oben beschriebenen Verhalten kompensiert werden muss.
Grund Nummer zwei dürfte ein Mitteilungsbedürfnis der folgenden Art sein: “Schaut mal, was für eine tolle Karre ich fahre! Und schaut erst, was für einen tollen Fahrer sie hat!” Selbstverständlich ist auch eine Kombination von Grund eins und zwei möglich. Aber meistens geht es darum, seinen aus eigener Sicht prunkvollen, fahrbaren Untersatz zu präsentieren. Blicke von Passanten sind garantiert – doch sie sind keineswegs nur positiv. Häufig stelle ich eher verärgerte oder bemitleidenswerte Blicke fest. Aber vielleicht leiden die Poser neben den vorher genannten Komplexen auch noch an einer Wahrnehmungsstörung…

Auch das Fahrverhalten lässt oftmals zu wünschen übrig. Kavalierstarts, dessen hässliche Spuren oft eine lange Zeit bestehen bleiben, sind an der Tagesordnung. Dank Sportauspuffanlage klingen die gepimpten Schlitten zudem doppelt so leistungsfähig, wie sie tatsächlich sind, ganz nach dem Motto: Viel Lärm um Nichts.
Es gibt tatsächlich auch schicke Modelle, welche uns präsentiert werden, bevorzugt handelt es sich dabei um Modelle der Deutschen premium Marken und man fragt sich bisweilen, woher die jungen Herren das nötige Kleingeld her haben.

Tatsache ist, dass das Auto, insbesondere in urbanen Gegenden, als Statussymbol ausgedient hat und immer mehr an Wert verliert. Damit ist nicht der finanzielle Wert, sondern der soziale Wert gemeint, denn die Anzahl PKWs pro Kopf ist in den Städten rückläufig. Klar gibt es Leute wie mich, die schönen Autos (wobei die Schönheit ja bekanntlich im Auge des Betrachters liegt) gerne einen Blick hinterherwerfen. Trotzdem verschafft man sich mit dem Auto meistens nicht den erhofften Respekt. Wer glaubt, sich in einem getunten Wagen oder einer Luxuskarosse präsentieren zu müssen, sollte das im Hinterkopf behalten.

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