Eiskalt erwischt

Streikende Batterien, gefrorene Scheiben und folglich Gucklochfahrer, dreckige Karosserien, mühsames Vorwärtskommen – eindeutige Symptome für den Wintereinbruch auf den Strassen.
Schnee ist nichts neues, er fällt jedes Jahr ungefähr zur selben Zeit. Trotzdem: Kaum sind die Strassen weiss und die Leitlinien möglicherweise nicht mehr erkennbar, rutscht manchen das Herz in die Hose, was dazu führt, dass man die Schleicher mit einem Mofa überholen könnte. Dann gibt es solche, die sich nicht von der weissen Pracht beeindrucken lassen, sie fahren einfach, wie sie immer fahren, da es bisher schliesslich auch immer gut gegangen ist. Und dann gibt es die dritte Sorte, diejenigen, welche bei Schnee und Eis so richtig auftauen und ihren Wagen mit vollem Körpereinsatz über die rutschigen Strassen manövrieren und dabei gerne mal ihre eigenen Grenzen auszuloten versuchen.

Widrige Wetterverhältnisse setzen Mensch und Maschine zu, wobei nicht immer klar ist, ob die Maschine vom Mensch oder der Mensch von der Maschine ausgebremst wird. Zweifelsohne ist das Fahren auf schneebedeckten Strassen anspruchsvoller als auf sauberen Strassen, aber in den Medien findet man vor dem Wintereinbruch reihenweise Tipps, damit es einen nicht eiskalt erwischt. Da ich so gütig bin, erwähne ich auch noch einige Tipps und Fakten.

  • Winterreifen bieten ein besseres Fahrverhalten als Ganzjahresreifen. Sommerreifen in den Wintermonaten sind in der kalten Schweiz ein Tabu.
  • Wer keine Garage hat, kann sein Auto zudecken, so bleibt einem das lästige Eiskratzen erspart. Simpel, aber effektiv…
  • Die Scheiben sollten gereinigt werden, denn eine saubere Scheibe beschlägt weniger schnell als eine dreckige.
  • Möglichst konstant fahren. Insbesondere in den Kurven nicht bremsen!
  • Sanft fahren. Pedale wenn möglich nur antippen und die Lenkung feinfühlig bewegen.
  • Mit angepasstem (sprich: langsamem!) Tempo fahren. Der Bremsweg ist auf Schnee dreimal länger!
  • Sich auf sich selbst verlassen. Kein Allrad- und ESP-System der Welt kann die Grenzen der Physik aushebeln.

Ebenfalls ein Klassiker: das Feststecken! Insbesondere an einer Steigung ist es für den Betroffenen ein Ärgernis und für Zeugen eine amüsante Darbietung. Getriebeunabhängig gilt: Elektronik, also Traktions- und Stabilitätskonstrolle (TCS und ESP, je nach Hersteller anders bezeichnet) ausschalten, denn die Helferchen verhindern bei durchdrehenden Reifen ein Vorwärtskommen. Wer diese Knöpfe noch nie benutzt hat, sollte also danach Ausschau halten, bevor es zum Ernstfall kommt.
Ein wenig zurückfahren kann ebenfalls hilfreich sein. Beim Anfahren gilt: laaangsam Gasgeben. Bei Handschaltung am besten konstant Gas geben und vorsichtig mit der Kupplung arbeiten. Bei Automatikgetriebe einfach das Gaspedal antippen. Hilft kein Gasgeben mehr, dann muss der Schnee rund um die Reifen entfernt werden. Ebenfalls hilfreich ist eine kleine Matte, die vor einem Antriebsrad gesetzt wird, damit ein Reifen wieder Haftung hat.

So, genug doziert. Schaltet das ESP aus und tobt euch auf einem leeren Parkplatz aus. 😉 Ansonsten gilt es, die weisse Pracht zu geniessen. Hoffen wir, dass Mensch und Maschine den Winter heil überstehen.

1 thought on “Eiskalt erwischt

  1. Schöner Artikel! Eine der größten Gefahren im Winter ist mitunter auch die eigene Unsicherheit bzw. Angst. Wer selbstbewusst in die kalte Jahreszeit startet, fühlt sich auch sicherer hinter dem Steuer und begeht höchstwahrscheinlich weniger Fahrfehler

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