Suzuki Swift Sport: Weniger ist mehr

Erst kürzlich hat eine Auswertung ergeben, dass die Schweizer Neuwagenzulassungen im Schnitt 132 kW stark sind. Da kann der Suzuki Swift Sport mit seinen auf den ersten Blick mageren 103 kW nicht mithalten. Überhaupt scheint der Namenszusatz Sport ziemlich lächerlich zu wirken, denn selbst im Kleinwagensegment verfügen die Hot Hatches über die Anderthalbfache Leistung des knallgelben Japaners. Ein schlechter Witz also? Nein, ganz und gar nicht! Der Swift Sport erdet einen nicht nur, sondern zeigt höchst beeindruckend, dass man auch für wenig Geld und vergleichsweise wenig Leistung einen Heidenspass hinter dem Steuer haben kann!

Kommt der kleine Racker wie der Testwagen in Gelb daher, so sieht man aus einem Kilometer Entfernung, dass es sich um einen Swift Sport handelt! In einer anderen Farbe ist das Erscheinungsbild schon dezenter, doch der grössere Kühlergrill, das dezente Bodykit im Carbon-Look sowie die Doppelrohr-Auspuffanlage sorgen dennoch für deutliche Unterschiede zum Basismodell. Nette Details: Der Boosterjet-Schriftzug auf der Spoilerlippe sowie der Swift Sport Schriftzug auf den Felgen. Was die Coolness des Mini-Sportlers weiter steigern würde, wäre eine geringere Bodenfreiheit. Aber das lässt sich ja auch nach dem Kauf vergleichsweise einfach und günstig regeln.

2018 Suzuki Swift Sport
Die abfallende Dachlinie und die ansteigende Fensterlinie bilden eine sportliche Seitenansicht.

Eine Etage zu hoch

Auch im Innenraum haben es die Japaner nicht so mit der Höhe. Die Integralsitze stützen zwar perfekt und sind obendrein sehr bequem, doch sie sind viel zu hoch montiert. Man sitzt leider wie in einem Kompakt-SUV, was sich nicht sonderlich sportlich anfühlt. Etwas mehr Sportlichkeit strahlen dafür die Instrumente mit Zeigern auf sechs Uhr sowie Öltemperatur- und Ladedruckanzeige aus. Ebenfalls an Sportlichkeit dachten die Innenraumdesigner wohl bei den roten Zierelementen, nur beisst sich das mit der gelben Aussenfarbe.

2018 Suzuki Swift Sport
Liebe zum Detail #1…

Aber der Swift Sport wurde nicht für eine Modeschau entwickelt, sondern um einer breiten Zielgruppe Fahrspass zu ermöglichen. Und der Wow-Effekt stellt sich ziemlich schnell ein! Nur gerade 1074 Kilo wiegt das Leichtgewicht, was dafür sorgt, dass sich der gelbe Racker deutlich stärker anfühlt, als er auf dem Papier ist! Mit einer Leichtigkeit zieht der kompakte Sportler davon, die Gänge wollen durchaus mit Nachdruck durch die Gassen geschoben werden. So muss das sein!

2018 Suzuki Swift Sport
…und Liebe zum Detail #2.

Authentisches Fahrgefühl

Ebenfalls toll: Der Verzicht auf einen Sport-Modus oder künstlichen Motorsound. Der kleine Japaner ist einfach so wie er ist, da gibt es nicht zu verstellen. Die Lenkung ist sehr leichtgängig, aber auf eine angenehme Art, da ausreichend direkt und präzise. Passt zum kleinen Auto. Der Motor knurrt bei höheren Drehzahlen auf eine ganz authentische Weise in den Innenraum, jedenfalls ein viel schönerer Klang als diese furchtbaren Sound Symposer, die so in Mode sind. Was dann aus der Doppelrohr-Auspuffanlage entweicht, ist leider ziemlich dezent, aber man kann halt nicht alles haben.

2018 Suzuki Swift Sport
Die Auspuffanlage verspricht mehr Action, als tatsächlich zu hören ist.

Was dafür über den Auspuffsound hinwegtröstet ist das Kurvenräubern. Übermotorisierte Krawallbrüder nutzen dafür häufig Allradantrieb, Sperrdifferential, Torque Vectoring und die dicken Dinger mittlerweile gerne auch eine aktive Wankstabilisierung, um die Fuhre in der Spur zu halten. Das ganze Zeugs braucht der Swift Sport nicht. Seine Waffen sind geringes Gewicht und eine vernünftige Reifengrösse. Völlig unbeirrt zieht der Kleine um die Kurven – nicht ganz ohne Seitenneigung – aber dennoch sehr stabil mit einem Grenzbereich auf hohem Niveau.

2018 Suzuki Swift Sport
Übersichtliches und gut verarbeitetes Cockpit. Man muss allerdings mit viel Hartplastik leben.

Spassgefährt ohne Reue

Was bei weniger brutalen Autos immer wieder eine Freude ist: Ohne ESP und Vollgas bis ans Limit zu gehen. Das heisst nicht, das Auto zu vergewaltigen, sondern einfach das Tempo stets zu steigern, bis das Auto in einer Kurve kapituliert und anfängt zu untersteuern. Im Swift kann man sich bedenkenlos an sein Limit oder an jenes des Autos herantasten, denn er bleibt stets gutmütig und berechenbar. Ausserdem kann man mit ihm auch auf öffentlichen Strassen so richtig die Sau rauslassen, ohne dass man auf direktem Weg in den Knast fährt.

2018 Suzuki Swift Sport
Die Sitze bieten mehr Seitenhalt, als man ihnen ansieht! Leider viel zu hoch montiert.

Als Tüpfchen auf dem i kommt hinzu, dass die Spassgranate kein Verzichtauto ist. Mit sehr schneller Sitzheizung, schnellem und simplem Infotainment, Rückfahrkamera, Voll-LED-Scheinwerfern, sowie Abstandstempomat und aktiver Spurführung ist der Japaner sehr gut ausgestattet. Störend sind einzig die defensive Haltung der Assistenzsysteme. Der Abstandstempomant bremst schon sehr früh ab und der Notbremsassistent reagiert auch in entspannten Situationen zuweilen hysterisch. Das passt leider nicht so zum erstaunlich temperamentvollen Fahrverhalten.

2018 Suzuki Swift Sport
Wer nicht allzu gross ist, haltet es auch im Fond ganz gut aus.

Typisch japanisch ist dafür die Preisgestaltung. Sämtliche oben aufgeführten Annehmlichkeiten sind im Serienumfang für 23’990 Franken mit enthalten. Lediglich Kleinigkeiten wie Parksensoren vorne wie hinten (wer braucht die beim Swift?), Regensensor, oder Metallic-Lackierung kosten einen geringen Aufpreis. Damit hält der Suzuki Swift sein Versprechen voll und ganz: Für wenig Geld und mit vergleichsweise wenig Leistung jede Menge Fahrspass zu bieten!

2018 Suzuki Swift Sport
Der Swift Sport ist auf seine Art faszinierend: Er zeigt, wie wenig es braucht, um ganz viel zu erreichen!

Alltag 3.5 out of 5 stars

Der Swift Sport bietet halt so viel Platz, wie ein Kleinwagen bieten kann und mit einem Kind kommt man wohl schnell an die Grenzen. Aber mit seinem Preis eignet er sich auch perfekt als spassiges Zweitauto!

Fahrdynamik 4.5 out of 5 stars

Wie oft muss es noch gepredigt werden: Gewicht ist der grösste Fahrdynamik-Killer! Dank seinem geringen Leergewicht fühlt sich der Swift deutlich stärker an und wieselt auch ohne aufwendige Technik stabil und schnell um Kurven. Gekrönt wird das ganze von einem knackigen Schaltgetriebe!

Umwelt 4 out of 5 stars

Auch hier kann es nicht oft genug gepredigt werden: Gewicht ist der grösste Verbrauchsfaktor! Selbst wer gerne sportlich fährt und ordentlich Gas gibt wie ich im Test, muss an der Tankstelle nicht bibbern: Der Testverbrauch von 6,3 l/100 km dürfte nur schwer zu toppen sein und wer sich hin und wieder zurückhält, fährt locker unter sechs Liter.

Ausstrahlung 4 out of 5 stars

Frech in Gelb oder eher zurückhaltend in Schwarz: So oder so ist der Swift Sport ein gelungener kleiner Sportler. Einzig eine Tieferlegung würde ihm nicht schaden.

Fazit 4.5 out of 5 stars

+ Sportlich-dezentes Design, freche Farbe
+ Bequeme, stark stützende Integralsitze mit sehr schneller Sitzheizung
+ Simples Infotainment
+ Authentischer Motorsound im Innenraum
+ Trotz sportlicher Auslegung ausreichend Fahrkomfort
+ Knackiges Getriebe
+ Sehr tiefes Gewicht, fühlt sich dadurch stärker an
+ Agiles und stabiles Kurvenverhalten
+ Tiefer Realverbrauch
+ Voll-LED-Licht
+ Üppige Ausstattung
+ Sehr fairer Preis

– Viel Hartplastik im Interieur
– Zu sensibler Notbremsassistent
– Zu hohe Sitzposition
– Deutliche Windgeräusche bei Autobahntempo

Mängel am Testwagen

– Keine Mängel

Steckbrief

Marke / ModellSuzuki Swift Sport
Preis Basismodell / Testwagen 23 990 CHF / 23 990 CHF
AntriebBenzin, Frontantrieb
Hubraum / Zylinder1373 ccm / R4
Motoranordnung / MotorkonzeptFrontmotor / Turbomotor
Max. Leistung103 kW bei 5500 r/min
Getriebe6-Gang manuell
Max. Drehmoment230 Nm bei 2500 - 3500 r/min
Beschleu­nigung 0–100 km/h8,1 s
Vmax210 km/h
NEFZ-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz5,6 l/100 km / 125 g/km / F
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz6,3 l/100 km / 141 g/km / +13%
Länge / Breite / Höhe3,89 m / 1,74 m / 1,48 m
Leergewicht1074 kg
Kofferraumvolumen265 - 579 l

Bilder: Koray Adigüzel

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