Tazzari Zero: Das elektrische Gokart

Tazzari Zero: Das elektrische Gokart

Bereits der Name Tazzari Zero lässt vermuten, dass es sich bei diesem Vehikel um ein Elektroauto handelt. Konkret steckt hinter dem Namen ein kleiner Stromer der italienischen Firma Tazzari, welche bisher hauptsächlich Alu-Rahmen für Karosserien hergestellt hat. Die Erfahrung mit diesem Leichtmetall wollten die Italiener nun aber nutzen, um einen knapp 550 Kilo schweren Elektroflitzer herzustellen. Der Wagen macht Spass ohne Ende, doch er wirkt noch nicht ganz ausgereift.

Der Tazzari Zero hat ein extrem eigenwilliges Design. Die Abmessungen sind in etwa dieselben wie bei einem Smart und trotzdem wirkt er ein bisschen wie ein Mikro-SUV. Die Front wirkt sehr grimmig, die Karosserie als Ganzes kantig und rustikal. Dennoch ist das bevorzugte Revier klar die City oder die Überlandstrasse.
Das Interieur lässt am Anfang nicht gerade Wohlfühlambiente aufkommen. Plastik, soweit das Auge reicht und ein riesiger, roter Knopf (Not-Aus-Schalter), wo bei konventionellen Autos der Schaltknüppel steht, sowie straffe Sitze mit wenig Seitenhalt wirken nicht sehr gemütlich. Hinter dem sehr kleinen Lenkrad befinden sich keine Instrumente, alle wichtigen Informationen werden auf der Mittelkonsole mit Sensortasten abgelesen. Der Tazzari bietet ein paar wenige Ablagefächer – aber kein Handschuhfach – sowie 180 Liter Kofferraumvolumen.

Angetrieben wird der kleine Öko-Italiener von einem 15 kW (20 PS) E-Motor, der an der Hinterachse (ja, der Zwerg fährt mit Heckantrieb!) montiert ist. Die Akkus befinden sich unter den Sitzen und dem Mitteltunnel, wodurch vorne eine grosszügige Knautschzone realisiert werden konnte. Auf dem Papier klingt die Leistung wie ein Witz, aber bei 542 Kilo Leergewicht hat der E-Motor leichtes Spiel. Der Schub ist zwar nicht enorm, aber doch deutlich spürbar. Der Wagen lässt sich somit recht flott bewegen und da er unschlagbar handlich ist, kommt schnell grosse Fahrfreude auf. Jedoch wird diese Freude durch das Fahrwerk getrübt, welches dermassen hart “federt”, dass die Insassen regelrecht durchgeschüttelt werden. Ausserdem ist die Spurhaltung sehr instabil, ein Tribut an das Fahrwerk, den kurzen Radstand und die breite Spur. Dafür kommt wahres Gokart-Feeling auf und schmale Kurven können mit hohem Tempo durchfahren werden, wobei man dann den mangelnden Seitenhalt vermisst. Besonders negativ aufgefallen ist die zu schwache Lüftung, welche nicht in der Lage ist, beschlagene Scheiben zu entfeuchten.
Dem Fahrer stehen ganze vier Fahrmodi zur Verfügung: Economy mit beschränkter Leistung, damit eine möglichst hohe Reichweite erzielt werden kann. Standard mit normaler Gasannahme, ohne die Reichweite dabei allzu sehr einzuschränken. Last but not least, Rain, verbessert die Traktion bei schlechter Witterung. Race mit maximaler Leistung und verschärfter Gasannahme. Im Race Modus liegt die Höchstgeschwindigkeit bei 105 km/h, bei den anderen Fahrmodi bei 85 km/h. Im Tazzari Zero fehlen jegliche Fahrerhilfen. Techniken der Neuzeit wie ABS, Servolenkung, Traktionskontrolle oder ESP sucht man vergebens, sogar Airbags fehlen. Deshalb ist das Wohlfühlbefinden anfangs nicht ganz so hoch, doch mit der Zeit gewöhnt man sich ans Auto und die Bedenken schwinden langsam.

Der Tazzari Zero kostet serienmässig knapp 35’000 CHF. Dies ist sehr viel Geld für ein winziges Auto, das nicht ganz ausgereift ist und bloss für ein paar Spassfahrten taugt. Der hohe Preis hängt damit zusammen, dass dieses Auto bloss in Kleinserie gefertigt wird. Der Akku kostet 7500 CHF, er macht also nicht den Löwenanteil aus. Zudem finden sich in der Aufpreisliste nette Extras wie Panoramadach, Klimaanlage oder Parksensoren, welche den Preis rasch auf über 40’000 CHF treiben.
Der Tazzari wird somit sehr exklusiv bleiben und nur diejenigen begeistern, welche zu 110% auf den Elektroantrieb setzen und auffallen möchten. Für alle, die noch mehr auffallen möchten, gibt es sogar eine Cabrio-Version. Schweizer Importeur ist ivolt, falls jemand ein Fahrerlebnis der anderen Art wünscht.

(Bilder: Koray Adigüzel)

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