Toyota Yaris Hybrid: Einer für alle

Toyota Yaris Hybrid: Einer für alle

Der kleine Toyota Yaris Hybrid soll die tendenziell eher teurere Hybridtechnik nun definitiv allen zugänglich machen. Ausserdem schöpft man in der Stadt mit Hybridautos die grössten Verbrauchsvorteile aus und mit seinen kompakten Dimensionen ist der Yaris Hybrid bestens für die autounfreundliche City gerüstet. Als letzten Schliff haben die Japaner auch das Design gegenüber dem herkömmlichen Yaris etwas aufgemotzt. Ob das reicht, um im preissensiblen Kleinwagensegment zu punkten?

Die saubere Hybridversion soll sich anscheinend auf Anhieb von der konventionell angetriebenen Variante unterscheiden. Darum wurden die Frontschürze und die Scheinwerfer anders gestaltet. Der riesige, trapezförmige Grill wirkt viel aggressiver, als das Auto tatsächlich ist und bei den Heckleuchten kommen LED-Leuchten zum Einsatz. Doch der aerodynamische Feinschliff inkl. Dachspoiler haben sich gelohnt, denn der Yaris Hybrid kämpft mit einem cw-Wert von nur 0.29 gegen den Luftwiderstand. Als Zeichen, dass unter der Haube zwei Herzen schlummern, dürfen natürlich der obligate Hybrid-Schriftzug auf der Flanke und das bläulich unterlegte Toyota Logo vorne und hinten nicht fehlen.
Beim Aussendesign hat Toyota mit dem ausschliesslich 5-Türigen Yaris Hybrid gute Arbeit geleistet, wurde doch der Prius immer wegen seinem ungewöhnlichen Design – der Preis für einen geringen Luftwiderstandswert – kritisiert.

Innen ist der Yaris ein kleines, ansehnliches und übersichtliches Raumwunder. Dank dünnen Aussenblechen und Sitzen bietet der Kleine deutlich mehr Platz, als man denkt. Das Raumangebot wird durch den Hybridantrieb in keiner Weise eingeschränkt. Wenn nicht gerade zwei überdurchschnittlich grosse Menschen hintereinander sitzen, haben alle wunderbar Platz und auch der Kofferraum ist mit seinen 286 Liter Volumen in dieser Klasse mehr als ausreichend. Ausserdem geniesst man gute Rundumsicht, was leider bei vielen Neuwagen keine Selbstverständlichkeit ist.
Im Interieur sind zwar viele Kunststoffe anzutreffen, diese sind aber zweifarbig und solide verarbeitet. Um den Hybridantrieb auch im Inneren zu unterstreichen, sind die Sitzpolster, die Instrumente, sowie der Gangwahlhebel mit blauen Akzenten ausgestattet. Durch das optionale Panoramadach ist es innen ausserdem immer schön hell. Mit dem optionalen Navigationssystem Touch&Go ® kann man nicht nur via Bluetooth telefonieren, sondern sich sogar exklusive Apps, beispielsweise für die Parkplatzsuche, herunterladen. Darüber hinaus kann man sich sogar eine Adresse von Google Maps an seinen Touch&Go ® Account senden. Mit dem Internetzugang vom Smartphone kann man es sich im Auto anschliessend auf sein Navi laden. Social Media lässt grüssen. Über das Premium Soundsystem kann man die persönliche Musiksammlung voll und ganz geniessen.
Etwas ungünstig finde ich die Positionierung der Knöpfe für die Fahrmodi und die Sitzheizung, diese befinden sich nämlich zwischen den Sitzen. Ungewohnte Fahrer müssen daher für die Bedienung zwangsläufig den Blick von der Strasse nehmen. Der USB- und AUX-Anschluss hätten ebenfalls einen besseren Platz als im Handschuhfach (immerhin gekühlt und beleuchtet) verdient. Ebenfalls nicht ganz praktisch sind die grossen Getränkehalter, in denen 0.5 Liter Flaschen und Dosen wild herumtanzen und beinahe rausfliegen.

Der Yaris Hybrid will im Sparen ganz gross sein: Nur 3.5 Liter/100 km, resp. 3.7 Liter/100 km (in den höheren Ausstattungslinien, wie getestet) und 79 Gramm CO2 Emissionen pro Kilometer lautet die Werksangabe. Der Hybrid wiegt übrigens mit 1235 Kilo knapp 100 Kilo mehr als der konventionelle Yaris. Um es nicht unnötig spannend zu machen: Der vom Bordcomputer berechnete Verbrauch ist mit 4.2 Liter nahe dran – allerdings nur, wenn ich Autobahnen konsequent aus dem Weg gegangen bin. Bei Fahrten mit Autobahnanteil kam ich auf 4.8 Liter. Bei hohen Geschwindigkeiten schwinden leider die Vorzüge des Hybridantriebs, aber anyway, mit dem Yaris Hybrid erreicht man so 800 Kilometer Reichweite und der Besuch an der Zapfsäule steht erfreulich selten an, zumal er weniger ein Langstreckenauto ist.
Der kleinste Teilzeitstromer erreicht eine maximale Systemleistung von 100 PS. Der Schub nach vorne hält sich damit selbst bei Vollgas in Grenzen (11.8 Sekunden von 1 auf 100 km/h), aber das damit verbundene laute Motorengehäule und das Vermiesen der persönlichen Ökobilanz, die man während der Fahrt am Touchscreen live mitverfolgen kann, sollten einen sowieso davon abhalten, am Limit zu fahren. Durch den Einsatz eines Planetengetriebes muss man sich daran gewöhnen, dass das Motorengeräusch mit dem Abrufen der Leistung und nicht primär mit dem Tempo zusammenhängt. Für technisch versierte Leser wird hier der Hybridantrieb – insbesondere die Funktionsweise eines Planetengetriebes, wie es auch beim Chevrolet Volt zum Einsatz kommt – sehr detailliert erläutert.
Anstelle eines Drehzahlmessers ist dafür ein Ecometer vorhanden, welches anzeigt, ob man gerade ökologisch, sprich mit sanftem Gasfuss, oder sportlich fährt. Ebenfalls angezeigt wird, ob die Batterie geladen wird und ob man gerade rein elektrisch fährt. Schade finde ich, dass der Elektromotor zu schwach ist, um den Yaris alleine auf 50 km/h zu beschleunigen. Selbst im erzwungenen Elektromodus (EV-Mode) springt der Benziner an. Dafür kann man aber mit bis zu 60 km/h leise über die Strasse gleiten, sofern nicht plötzlich mehr Leistung verlangt wird. Das Ecometer und die Anzeige, ob man gerade elektrisch fährt, animieren einen dazu, das Gaspedal vorsichtig und sorgfältig zu bedienen, damit der Benziner still bleibt. Als Unterstützung steht der Eco-Mode zur Verfügung, der Nebenaggregate auf Sparflamme schaltet und das Gaspedal weniger feinfühlig reagieren lässt. Elektronische Helferlein wie Bremsassistent, ESP (bei Toyota VSC), Traktionskontrolle, Berganfahrhilfe und Tempomat sind mit an Bord. Mit sieben serienmässigen Airbags ist man darüber hinaus im Falle eines Crashes gut geschützt. Leider bietet Toyota keine City-Notbremse an, welche bestens zum Yaris Hybrid passen würde.
Bei konstanter Fahrweise bleibt der Benziner angenehm zurückhaltend. Beim Bremsen wird soweit möglich mit dem Elektromotor gebremst und rekuperiert, erst bei stärkerem Bremsen kommen die Scheibenbremsen zum Einsatz. Das Fahrwerk ist ausgewogen und mit einem sportlichen Touch abgestimmt, der Yaris neigt sich nur leicht in die Kurve. Dafür werden auf der Autobahn Unebenheiten recht deutlich weitergegeben, aber das ist wie erwähnt nicht das bevorzugte Revier. Die Lenkung reagiert angenehm direkt, aber der Wendekreis ist mit 11.8 Meter für ein Stadtauto doch etwas gross geraten.

Kritische Stimmen behaupten, der Hybridantrieb lohnt sich bei so kleinen Autos doch nicht. Deshalb hier ein kleiner mathematischer Exkurs: Der Yaris “Sol Premium” mit 1.3 Liter Benziner (5.6 Liter / 100 km) und Automatikgetriebe kostet mit optionalem Dachspoiler und LED-Tagfahrlicht (beim Hybrid beides serienmässig an Bord) 27’820 CHF. Der Yaris Hybrid Sol Premium kostet 28’900 CHF, was 1080 CHF Aufpreis für die Hybridtechnik entspricht. Somit ist klar, dass sich der Yaris Hybrid ziemlich schnell amortisiert. Ausserdem gibt es fünf Jahre Garantie auf den zuverlässigen Hybridantrieb.
Kommt dazu, dass der kleinste Hybrid zur Zeit keine direkte Konkurrenz zu befürchten hat. Auch wenn das dynamische Design mehr Sportlichkeit verspricht, als tatsächlich drin steckt, ist der Yaris Hybrid ein echter Geheimtipp.

(Bilder: Koray Adigüzel)

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