Mercedes Urban Hunt

Urban Hunt: Die (fast) ausweglose Flucht

Es klang, als ob man das Mercedes GLC Coupé praktisch schon auf sicher hat. Im Augmented-Reality Game Urban Hunt, welches am 30. September gleichzeitig in Zürich und in Lausanne stattgefunden hat, ging es darum, vor dem Jäger – dem GLC Coupé – zu flüchten. Zwar hat man auf einer geraden Strecke zu Fuss keine Chance gegen ein Auto, aber in der Innenstadt ist man als Fussgänger einem Auto klar überlegen. Schon wähnte ich mich am Steuer der neuen SUV-Coupés – jedoch wusste Mercedes ganz genau, wie sie einen Spieler nach dem anderen eliminieren können…

Für alle, die das Spiel nicht kennen: Mittels einer App verwandelt sich die Innenstadt von Zürich in ein Spielfeld. Man sieht, wo man sich selber aufhält, wo die Grenzen verlaufen, wo sich Power-Ups, Checkpoints, sowie Safehouses befinden und – ganz wichtig – wo der Jäger durchfährt. Der Survival Guide des Spiels, in welchem auch die verschiedenen Power Ups erklärt werden, kann hier kurz durchgelesen werden. Der Weg zum Sieg war jedoch lang und beschwerlich, Mercedes sprach von einer Spieldauer von rund zweieinhalb Stunden, schlussendlich dauerte es geschlagene dreieinhalb Stunden. Um zu Siegen, bedarf es sowohl Köpfchen, als auch Beine, sprich: Kondition. Da ich mit Letzterer nicht gerade besonders gesegnet bin, habe ich versucht, mir einen taktisch günstigen Startplatz zu sichern.

Mercedes Urban Hunt
Auf der Karte die Übersicht zu behalten, war nicht immer einfach.

Ich war bereits letztes Jahr dabei und es hat sich gezeigt, dass das Spielfeld am Rand gerne verkleinert wird, wohingegen das Zentrum sicherer scheint. Ich wollte darum an der Bahnhofstrasse starten. Jede Menge Fluchtmöglichkeiten, dafür fast kein Durchkommen für den Jäger. Na, mein Start wäre äusserst stressig verlaufen, wenn ich nicht von Mercedes den Tipp bekommen hätte, wo der erste Jäger startet: Ausgerechnet an der Bahnhofstrasse! Das fing ja schon mal sensationell an. Mein Plan war noch vor dem Start über Bord geworfen worden und ich musste von der ersten Minute an improvisieren. Schlussendlich startete ich bei der Tamedia, unweit der Haltestelle Selnau. Da das Spiel bereits um 19 Uhr startete, herrschte dort noch viel Verkehr, wovon ich mir einen gewissen Schutz versprach.

Mercedes Urban Hunt
Gemütlicher Spaziergang zum Startplatz. Da war die Welt noch in Ordnung.

Beim Start um zeigte sich schliesslich: Alleine in Zürich sind über 7000 Personen auf der Flucht, in beiden Städten zusammen über 10’000! Ob ich mit soviel Konkurrenz fertig werde? Der Startpunkt erschien mir auf jeden Fall günstig, da sich ein Safehouse in unmittelbarer Nähe befand. Ich chillte also auf gut Deutsch praktisch an Ort und Stelle, da der erste Jäger sich von mir wegbewegte. 20 Minuten später ist an der Europaallee der zweite Jäger gestartet, doch auch dieser schien anderes im Sinn zu haben, als sich in meine Richtung zu bewegen. Währenddessen wurden auch die ersten Gebiete unspielbar, doch das betraf mich alles nicht. Mein Ort war zu Beginn ein sicherer Hafen. So unterhielt ich mich mit anderen Spielern in der Nähe sowie meiner Fotografin Eliane. Ich versuchte, so gut es ging, sie ins Spiel zu integrieren, indem ich ihr stets zeigte, was gerade los war und wo die Gefahren lauerten. So wusste sie, was meine Ziele waren und wovor wir flüchteten. Ausserdem, wer weiss, könnte sie mir als Stadtzürcherin, die sich gut auskennt, sogar mal nützlich sein. 😉

Mercedes Urban Hunt
Da hatte ich noch gut lachen: Der Start ging reibungslos über die Bühne.

Nach einer knappen halben Stunde wurde es das erste Mal brenzlig, als gleichzeitig ein Sturm in meine Richtung zog und auch ein Jäger sich auf mich zubewegte. Doch was ist schon «brenzlig», wenn rund 100 Meter weiter das Safehouse vorzufinden war. Ich joggte kurz darauf zu und gönnte mir vier Minuten Ruhe. Schliesslich war ich bereits über eine halbe Stunde damit beschäftigt gewesen, in der App das Spiel zu analysieren und konnte währenddessen nicht einmal absitzen! Eine Pause kam da wie gerufen. Nachdem der vierminütige Schutz abgelaufen war, waren glücklicherweise sowohl Sturm, als auch Jäger über alle Berge und ich beschloss, einen ruhigen Spaziergang in Richtung des nächsten Safehouses – dem Neo in der Europaallee — zu machen, damit ich im Falle des Falles wieder Schutz suchen konnte. Mittlerweile waren nämlich drei Jäger auf der Jagd.

Mercedes Urban Hunt
Die Karte wurde laufend analysiert. Plötzliches Wegrennen war vor allem im späteren Verlauf keine Seltenheit.

Auf dem Weg versuchte ich zweimal, ein Gesundheits Power-Up aufzusammeln, doch entweder hatte das Spiel einen Hänger, oder ich war schlicht zu blöd, um mir das Power-Up anzueignen. Ich wollte schon nach einem dritten Power-Up Ausschau halten, als erneut so ein nerviger Sturm aufzog und mich das erste Mal wirklich zwang, meine Beine in die Hand zu nehmen. Ich konnte dem Sturm aber unbeschadet ausweichen und machte mich, wie geplant, auf den Weg zum nächsten Safehouse. Dies war jedoch kein Spaziergang wie erhofft, da ein Jäger gefährlich nahe kam. Kurz vor dem Safehouse an der Europaallee konnte ich ganz kurz verschnaufen, bis mich ein Sturm zwang, im Safehouse Zuflucht zu suchen. Ein Zuckerschlecken wie beim ersten Safehouse war diese Etappe nicht mehr, aber ich verfügte immerhin noch über 100% Lebenspunkte.

Mercedes Urban Hunt
Je länger das Spiel andauerte, desto eher war ich Bewegung.

Nach der zweiten Verschnaufpause begab ich mich an den südwestlichen Teil des Spielfelds, Richtung Badenerstrasse. Da das Gebiet dort bereits eingegrenzt worden war, erhoffte ich mir, dass die Jäger eher in der Mitte auf Pirsch sind, wo es mehr Beute zu finden gab. Unterwegs machte ich Halt an einem Checkpoint, an dem ich endlich mein lang ersehntes Health-Pack erhielt und mich zudem auf einer Bank ausruhen konnte, da es gerade ziemlich ruhig um mich herum war. Mehr als fünf Minuten Ruhe wurden mir jedoch nicht zugeteilt, da ein Sturm mich dazu nötigte, wieder weiter zu rennen. Als der Sturm an mir vorbeigezogen war, musste ich mich mit einem Blick auf die Karte neu orientieren. Doch kaum war ich vom Sturm geflüchtet, kam schon das nächste Unheil auf mich zu: Ein Jäger.

Mercedes Urban Hunt
Wenn andere Spieler ruhig in dieselbe Richtung liefen, war dies ein gutes Zeichen.

Ich überlegte fieberhaft, wohin ich flüchten sollte, als sich der Radius des Jägers plötzlich vergrösserte und ich erfasst wurde. Fuck, das ist unfair! Ich rannte um mein virtuelles Leben, während das Handy in meiner Hand nonstop vibrierte und meine Lebensenergie dahinschmolz! Mir blieb nichts anderes übrig, als zu pokern: Ich nahm die Abzweigung nach rechts und betete, dass der Jäger links oder geradeaus gehen würde. Meine Gebete wurden erhört, ich entkam den Fängen des Jägers und wurde vom Spiel mit einer virtuellen Medaille belohnt. Trotzdem: Der Jäger hat massiven Schaden angerichtet, ich hatte nach der Attacke noch 54% Energie übrig, die ich mit dem Health-Pack gleich auf 74% aufstockte.

Mercedes Urban Hunt
Ja, das Spiel war anstrengend…

Ziemlich ausser Atem befand ich mich nun dafür an meinem Ziel an der südlichen Grenze. Allerdings war der Ort gar nicht so sicher wie erhofft, denn ein weiterer Jäger kam in meine Richtung. Ich rannte im zickzack, drehte einmal abrupt um und bin dem Jäger so ganz knapp ausgewichen, nur um in eine doofe Falle eines anderen Spielers zu treten, die meine Energie zurück auf 54% schrumpfen lies! Meine Lust auf diesen Bereich der Karte ist vergangen, dieser Ort bringt mir nur Pech. Ich bewegte mich daher Richtung Langstrasse, als abermals ein Jäger von hinten zu nahe kam.

Mercedes Urban Hunt
…und hinterliess deutliche Spuren, wie unschwer zu erkennen ist.

Da ihre Radien mittlerweile riesig (rund 250 Meter) waren, konnten sie auch Schaden anrichten, wenn sie zwei bis drei Querstrassen weiter waren. Ich sprintete los, flüchtete nach rechts und fand mich in einem Innenhof wieder. Verzweifelt blickte ich mich um, doch der einzige Ausweg war jener, der zurück auf die Strasse führte, in die Fänge des Jägers. Ich fühlte mich wie ein Tier in der Falle und dachte, dass mein letztes Stündlein geschlagen hatte, als Eliane plötzlich schrie, dass hier der Hinterausgang einer Migros-Filiale lag. Die Sensor-Türen waren Gott sie Dank noch geöffnet, sodass ich durch die Migros flüchtete, wo Mitarbeiter, die mit Aufräumen beschäftigt waren, mich wie ein Alien anschauten. Als ich auf der anderen Seite wieder draussen war, war der Jäger weg. Eliane, meine Retterin!

Mercedes Urban Hunt
Wer von uns beiden wohl mehr mitmachen musste? Ich als gejagter, oder sie als Fotografin, die mir auf den Fersen blieben musste?

Die Freude wähnte jedoch nicht lange, denn mittlerweile waren Stürme an der Tages-, äh Nachtordnung und ich konnte es mir kaum noch leisten, nicht zu rennen. Als ich zum x-ten Mal vor einem Jäger davonrannte, sprintete ich in eine Gasse, die sich jedoch als Sackgasse herausstellte, da ein Tor den Weg versperrte. Ein anderer Spieler befand sich in derselben ausweglosen Situation. Wir starrten wie gebannt auf die Karte, als wir feststellten, dass wir nur haarscharf nicht im Radius des Jägers festsassen. Dem Mitspieler wurde das zu brenzlig, weshalb er begann, über das Tor zu klettern. Meine begrenzte Sportlichkeit würde eine solche Kletteraktion nicht zulassen, doch ich hatte doppelt Glück: Das Tor war gar nicht verschlossen, es öffnete sich von alleine, als er sich mit seinem Gewicht dranhängte. Ausserdem bewegte sich der Jäger von uns weg. Ich und der andere Mitspieler wünschten uns gegenseitiges Glück. Er setzte den Weg in der Gasse fort, ich kehrte zurück auf die Strasse.

Mercedes Urban Hunt
In Sichtweite war der Jäger nie – ein erheblicher Stressfaktor war er trotzdem… (Bild: Harold Cunningham)

Die App zeigte an, dass schon ziemlich viele Spieler ausgeschieden waren, während ich mit zwei weiteren Medaillen belohnt wurde: Ich bin schon über zwei Stunden im Spiel und über fünf Kilometer gerannt. Schön, schön! Jedoch wusste ich kaum mehr, wohin ich vor den Stürmen und Jägern flüchten sollte und versuchte, mich in Nebenstrassen aufzuhalten, als ich in eine weitere Falle trat. Minus 20% Energie, ich hatte also noch wenig ermutigende 34% übrig und weit und breit war kein Health-Pack in Sicht. Nicht nur meine Spielenergie, auch meine echte Energie liess nach. Joggen wurde anstrengend und bei jedem Sprint dachte ich, dass ich beim nächsten Mal wahrscheinlich zusammenklappen würde.

Mercedes Urban Hunt
Eine virtuelle Belohnung für meine Ausdauer.

Ich bewegte mich wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Strassen und dass ich völlig ausser Atem war, war für mein klares Denken nicht gerade förderlich. Mein nächster Blick auf die App zeigte mir – nichts! Alles war von einem roten Schleier durchzogen und ich dachte erst, die App habe ein Problem, als mir klar wurde, dass irgendein Idiot eine Nebelbombe gezündet hatte, sodass ich nichts mehr sehen konnte. Auf einmal rannten andere Spieler an mir vorbei und noch während ich überlegte, ob ich mich ihnen anschliessen soll, hatte ich meine Antwort: Verdammte Scheisse, ja! Mein iPhone begann zu vibrieren, ich konnte aber aufgrund der perfiden Nebelbombe weder sehen, was mir Schaden zufügte, noch, wo die Gefahr war und in welche Richtung sie sich bewegte.

Mercedes Urban Hunt
Die Stürme waren unberechenbarer als die Jäger, da sie ohne Vorwarnung auftauchten.

Ich rannte, ohne zu wissen wohin ich gehen soll, als ich auf der App die Situation plötzlich wieder erkennen konnte – aber was ich sehen konnte, war niederschmetternd. Zwar standen mir praktisch alle Himmelsrichtungen als Fluchtweg offen, doch meine Energie betrug noch 20% und wurde rasant abgezogen, denn: Ich befand mich gleichzeitig (!) im Radius eines Jägers und eines Sturms, die sich in gegenläufigen Richtungen fortbewegten. Mir standen zwei Möglichkeiten offen, eine verlockender als die andere: Entweder ich rannte mit dem Sturm mit und flüchtete vor dem Jäger oder ich flüchtete vor dem Sturm und rannte mit dem Jäger mit.

Mercedes Urban Hunt
Das wars: Nach dem Game war ich fix und fertig.

Die Situation war hoffnungslos, weshalb ich einfach stehen blieb und nach rund zweieinhalb Stunden Spielzeit meinem bevorstehenden Abgang ins Auge blickte. Wie die App mir anschliessend mitteilte, belegte ich den 2040. Rang. Keine Meisterleistung, aber angesichts über 10’000 Mitspielern auch nicht schlecht. Gut möglich, dass Mercedes, nachdem das Spiel bereits zwei mal ein voller Erfolg war, die Jagd nächstes Jahr erneut durchführt. Ich sollte vielleicht zusehen, dass ich meine Kondition bis dahin verbessere. Jetzt brauche ich aber erstmal eine Zigarette. Die habe ich mir nach dieser schweisstreibenden Hetzjagd verdient!

Mercedes Urban Hunt
Die schwer verdiente Zigarette danach. Nächstes Jahr bin ich besser! (Und fitter… vielleicht)

Die Sieger und ein Video finden sich auf der Website vom Game. Die Sieger haben sich ihre Preise wahrlich verdient: Sie mussten rund dreieinhalb Stunden durchhalten.

Bilder: Eliane Dürst

Deine Meinung hinterlassen

%d bloggers like this: