Verbindungsprobleme

Zahlreiche Studien haben ergeben, dass der Wunsch nach einem eigenen Auto bei jungen Leuten im Laufe der letzten Jahre abgenommen hat. Smartphones und Tablets sind den sogenannten Digital Natives anscheinend wichtiger als ein persönlicher, fahrbarer Untersatz. Das möchten die Autohersteller natürlich nicht auf sich sitzen lassen und entwickeln zahlreiche, schön klingende Mediasysteme (Command Online, IntelliLink, etc.), welche das Smartphone und dessen Inhalte via Verlinkung ins Auto übertragen. In dieser Idee steckt viel Potential, doch in der Praxis ist die Verlinkung eben doch nicht immer so einfach, wie ich nach zahlreichen Testwagen verschiedener Marken mittlerweile aus Erfahrung sagen kann.

Fies, wie ich bin, muss ich natürlich jedes automobile Mediasystem mit einem Extrawunsch konfrontieren, denn Musik höre ich ausschliesslich via Spotify auf meinem iPhone 4S, eine eigene Musiksammlung besitze ich nicht (mehr). Somit wären wir schon beim ersten Problem angelangt, denn nicht wenige Systeme pflegen ein eher unterkühltes Verhältnis zu Spotify. Da gibt es Fälle, bei denen die Musikwiedergabe partout nicht funktioniert, wie beispielsweise in der DS5 von Citroen, aber auch Opels brandneues IntelliLink im Adam möchte von Spotify nichts wissen. Dann gibt es Kandidaten, die mehr oder weniger zickig mit Spotify kooperieren, mir fallen da Systeme von Volvo, Mercedes, Smart und Range Rover ein. Die einen haben Startschwierigkeiten, andere pausieren die Wiedergabe zwischendurch und wiederum andere verweigern das Wechseln der Titel mittels Lenkradtasten. Spotify und Co. sollten aber auf keinen Fall vernachlässigt werden, denn der Trend geht ganz klar in Richtung Musikstreaming. Sogar der Internetgigant Google ist kürzlich auf diesen Zug aufgesprungen und bietet einen eigenen Dienst an. Einerseits kann ich das Problem nachvollziehen, da das iPhone als solches erkannt wird, wenn es via USB verbunden wird. Verständlicherweise möchte das Mediasystem dann auf die interne Musikbibliothek zugreifen. Dass es aber auch einwandfrei funktioniert, zeigen die Mediasysteme von Hyundai. Ohne einen Mucks spielen sie jede Playlist auf Spotify ab und unterstützen jegliche Funktionen, welche die App bietet. Das Mediasystem versteht, dass hier Spotify und nicht der interne Musikplayer, welcher bei den anderen dazwischenfunkt, das Sagen hat. Auch das handelsübliche JVC Autoradio, welches in meinem 10-jährigen Auto eingebaut wurde, erkennt das iPhone via USB, lässt sich aber komplett auf Spotify ein und zeigt auch die entsprechenden Playlists an. Das ist für mich ein klares Signal: Die Spotify Problematik bei einigen Herstellern müsste sich mit einfachen Mitteln lösen lassen.

Tja, was also tun? Eine oftmals von mir angewandte Alternative ist das Bluetooth-Audio-Streaming, da dass iPhone dann nicht als iPhone erkannt wird und das Mediasystem plötzlich ohne Gezicke mit Spotify harmoniert. Blöd nur, wenn das Audio-Streaming schon gar nicht erst angeboten wird. Dann bleibt nur noch der Weg via AUX, bei dem allerdings das iPhone nicht ferngesteuert werden kann. Glücklicherweise unterstützen mittlerweile fast alle Systeme das Streaming via Bluetooth. Da der iPhone Akku jedoch nicht unbedingt für seine überwältigende Ausdauer bekannt ist und das Bluetooth-Audio-Streaming doch einiges an Strom verbraucht, würde ich mein iPhone gerne via USB laden, während es streamt. Allerdings überfordert dieses Vorgehen schnell mal gewisse Mediasysteme. Schliesslich ist jetzt plötzlich eine Quelle via USB und Bluetooth vorhanden. Welche Quelle soll das Mediasystem jetzt bloss wählen? Ach, am besten gar keine… Insbesondere die Systeme von Range Rover und Volvo mochten es gar nicht, das iPhone via Bluetooth und USB am Hals zu haben.
Ich möchte an dieser Stelle keine Werbung machen, aber ich muss noch einmal die Systeme von Hyundai hervorheben. Das iPhone spielt via Spotify (USB) Musik ab, gleichzeitig ist es auch via Bluetooth verbunden, um Anrufe zu tätigen. So stelle ich mir das eigentlich vor, aber scheinbar tun sich da viele Hersteller schwer.

In der Mercedes A-Klasse traute ich meinen Augen kaum. Einerseits muss ich Mercedes positiv hervorheben, denn kaum ein anderer Hersteller bietet die Möglichkeit, via Lenkradtasten und einem Display zwischen den Instrumenten, einen Kontakt auszuwählen. Bei anderen Systemen muss man am Touchscreen herumfummeln, um jemanden anzurufen – Stichwort Unaufmerksamkeit. Abhilfe schaffen sollte hier eigentlich die Spracherkennung, aber versucht doch mal, einer Spracherkennung zu sagen, sie solle bitte einen gewissen Koray Adigüzel anrufen… Auch Siri tut sich mit meinem Namen schwer. Hinzu kommt, dass es für uns Schweizer mühsam ist, hochdeutsche Befehle an einem System mit Spracherkennung zu diktieren.
Aber zurück zur A-Klasse, in der ich bequem und sicher einen Kontakt auswählen konnte. Natürlich war mein iPhone mit dem Bluetooth-Audio-Streaming beschäftigt, aber da erschien von der A-Klasse doch tatsächlich die Meldung, ich müsse die Musikwiedergabe unterbrechen! Pausieren reichte nicht aus, nein, ich musste umständlich ins Untermenü Telefonieren navigieren, um den Bluetooth-Kanal quasi von der Musik aufs Telefonieren umzuschalten. Ein absolutes No-Go!
Ebenfalls enttäuschend war, als ich als gelernter Informatiker beim Aufbauen einer Internetverbindung via iPhone in der A-Klasse scheiterte, obwohl ich mehrere Minuten lang testete und auch die Bedienungsanleitung konsultierte. Kein Mensch möchte ein solches Gefummel, das sollte auf Anhieb funktionieren, wenn es schon angeboten wird.

Ebenfalls keine Wohltat sind eine Tastenflut wie bei Opel oder ineinander verschachtelte Menüs mit zig Untermenüs, wie beispielsweise bei Volvo. Insbesondere ältere Semester könnten da nur schon bei der Bluetooth Anbindung ins Schwitzen kommen. Vorbildlicher sind Systeme wie jene von Smart, Chevrolet oder auch Opels IntelliLink, welche in der Bedienung ähnlich aufgebaut sind wie ein Smartphone mit installierten Apps.
Als iPhone User frage ich mich ausserdem, wie die Situation mit den Konkurrenzprodukten Android oder Windows Phone aussieht. Ich habe das Gefühl, dass die Anbindung via iPhone, insbesondere die Sprachsteuerung Siri, bevorzugt wird, dabei sollte aber beachtet werden, dass das iPhone nicht das Mass aller Dinge ist.

Die Autohersteller möchten gerne das digitale Zeitalter und damit Social Media in ihre Autos holen. Das funktioniert allerdings nur bedingt. Eine mögliche Ursache liegt sicher darin, dass sich die Smartphones sehr viel schneller als die Autos entwickeln. Dass sich nicht jedes Smartphone gleich verhält, vereinfacht die Angelegenheit auch nicht. Trotzdem sind das keine Entschuldigungen für die derzeitigen Defizite. Die Autohersteller sind mit ihren Ideen auf dem richtigen Weg, jetzt muss “nur noch” die Theorie einwandfrei in die Praxis übertragen werden.

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