Volvo V60 Plug-in Hybrid: Switch to Pure

Volvo V60 Plug-in Hybrid: Switch to Pure

Nach dem Volvo C30 Electric folgt nun die Zweite ökologische Entwicklung von Volvo: Der V60 Plug-in Hybrid, eine Weltpremiere, denn noch verkehrt keine Elektro- und Dieselmotorkombination, welche auch an der Steckdose aufgeladen werden kann, (darum Plug-in) auf der Strasse. Optisch ist der Plug-in Hybrid bis auf die speziellen, aerodynamisch optimierten Felgen und ein paar Zierleisten nicht von einem konventionellen V60 zu unterscheiden, also dasselbe Spiel wie beim C30 Electric. Allerdings kann man den V60 Plug-in Hybrid im Gegenzug zum C30 Electric kaufen, jedoch zum stolzen Preis von mindestens 78’600 CHF.

Fakt ist, dass dies der Preis eines Technologieträgers ist, denn der herkömmliche V60 in der höchsten Ausstattungslinie Summum kostet bloss 62’000 CHF. Und obwohl der Plug-in-Hybrid noch Sonderausstattung im Wert von ca. 5000 CHF enthält, wird man in einem Autoleben kaum 10’000 CHF amortisieren. Aber das umweltbewusste Mobilität eben kostet, ist kein neues Thema und daran soll es nicht scheitern.
Der Öko-Kombi hat einen 2.4 Liter Fünfzylinder Turbodiesel unter der Haube, der mit 440 Nm Drehmoment die Vorderachse ordentlich antreibt und bis zu 215 PS leistet. Über der Hinterachse sitzt dann der Elektromotor, welcher 200 Nm zur Verfügung stellt und bis zu 70 PS leistet. Unter dem Kofferraum befindet sich das 12 kWh leistende Akkupaket, welches das Kofferraumvolumen von 430 auf rund 300 Liter beschränkt, doch mit der umklappbaren Rückbank lassen sich dennoch sperrige Güter transportieren. Durch diese Technik wiegt der Hybridwagen indessen über zwei Tonnen.

Im Innenraum herrscht durchaus Oberklasse Feeling. Die Materialien und die Verarbeitung wirken anmutig und hochwertig, die Ergonomie stimmt, weil alles schön auf den Fahrer zugerichtet ist. Und wieder findet man eine Parallele zum C30 Electric mit dem eisblauen, stylischen Schalthebel, denn auch im Plug-in Hybrid ist der Schalthebel anders gestaltet als im herkömmlichen Modell und sogar beleuchtet. Ein weiterer Highlight ist das Display, welches die klassischen Rundinstrumente ersetzt. Auf dem Display werden gestochen scharf Drehzahl und Tempo angegeben, doch das ist nicht alles, denn die Darstellung lässt sich zwischen verschiedenen Modi, beispielsweise Elegance und Performance, wechseln. Ausserdem werden auf dem Display noch weitere, wichtige Informationen angezeigt, beispielsweise der Ladestand der Akkus oder ab wann sich der Dieselmotor im Hybridmodus zuschaltet.
Die Platzverhältnisse sind vorne wie hinten gut, ebenso der Komfort, zumal sich die vorderen Sitze auf verschiedene Arten elektrisch verstellen lassen. An einem kleinen Emblem auf der Rückbank, welches aussagt, dass man die Kopfstütze richtig einstellen soll, zeigt, wie sehr Volvo die Sicherheit am Herzen liegt.

Beim Start befindet sich das Fahrzeug standardmässig immer im Hybrid Modus, der Diesel bleibt vorerst stumm. Nun hat man aber die Möglichkeit, zu switchen. Im Pure Modus fährt der Volvo rein elektrisch bis zu 120 km/h schnell und 50 km weit. Eine Akkuladung dauert bei 16 Ampère 3.5 Stunden, bei 6 Ampère 7.5 Stunden. In diesem Modus geniesst man die Ruhe des Elektroantriebs und ist besonders innerorts dank häufiger Rekuperation äusserst effizient unterwegs.
Im Hybridmodus ist die Elektronik auf Effizienz getrimmt, um eine Reichweite über 1000 Kilometer zu ermöglichen. Der Dieselmotor schaltet sich zu, wenn er benötigt wird, ab 120 km/h ist aber nur noch der Selbstzünder allein für den Vortrieb verantwortlich, da der Elektromotor schlichtweg nicht mehr mithalten kann. Bei einem Überholmanöver mit Kickdown ist der V60 auch im Hybrid Modus äussert agil und reagiert spontan. In diesem Modus soll der Verbrauch bei 1.9 Liter Diesel pro 100 km und der CO2-Ausstoss bei nur 49 Gramm pro Kilometer liegen, doch dieser Wert ist mit Vorsicht zu geniessen, denn in dieser Angabe sind die 50 rein elektrisch zurückgelegten Kilometer mitgerechnet. 100 Kilometer Hybridmodus sollten also rein rechnerisch einen Verbrauch von 3.8 L / 100 km ergeben, was allerdings bei einem 2.4 Liter Motor und über zwei Tonnen Gewicht kaum zu erreichen sein wird, aller Diesel-Hybrid Technik zum Trotz. Mit mindestens fünf Litern muss sicher gerechnet werden. Dieser Wert ist für ein Auto dieser Klasse immer noch beträchtlich – im positiven Sinne natürlich – aber die angegeben 1.9 Liter sind einfach sehr irreführend.
Wer es mal rasant angehen möchte, kann den Power Modus aktivieren. Diesel- und Elektromotor arbeiten jetzt mit vereinten Kräften, was insgesamt beeindruckende 640 Nm Drehmoment und eine Systemleistung von bis zu 285 PS bedeutet, der Sprint von 0 auf 100 km/h ist nach 6.2 Sekunden absolviert – ein beeindruckender Wert. Zudem reagiert die Gasannahme spontaner, doch das hohe Gewicht bleibt immer bemerkbar, die verheissungsvollen 640 Nm fühlen sich nicht so kräftig an, wie man es vielleicht gerne hätte. Wenn diesem Wagen im Power Modus die Sporen gegeben werden, wird von seinem grünen Touch wahrscheinlich nicht mehr viel übrig bleiben. Doch auch dieser Modus hat seine Daseinsberechtigung – wer ist schon nicht gerne mal auf einer einladenden Landstrasse rassig unterwegs. Wichtig ist, dass dieser Modus die Ausnahme und nicht die Gewohnheit bildet.
Als Tüpfchen auf dem i lässt sich per Knopfdruck der Allradantrieb für schwierige Bedingungen, wie sie beispielsweise im Winter vorkommen können, zuschalten. Der Dieselmotor ist dann immer präsent.

Der Volvo V60 Plug-in Hybrid ist ein durchaus gelungenes Auto mit einem interessanten und klugen Konzept. Plug-in Hybride sollen nämlich quasi die Überbrückung zur vollständigen Elektromobilität sein, indem sie dem Fahrer eine eingeschränkte Reichweite im reinen E-Modus bieten, ihm aber die Angst nehmen, auf offener Strecke liegen zu bleiben. Der V60 bietet viele Annehmlichkeiten aus der Oberklasse, er ist im Hybridmodus genügsam, im Pure Modus flüsterleise und grün wie eine Weide sowie im Power Modus sprungbereit wie eine angespannte Feder. Die Produktion beginnt im November 2012 und Volvo wird seinen Kunden auch ermöglichen, eine Ladestation, welche sauberen Strom liefert, zu Hause zu installieren. Dann muss sich der Volvo V60 Plug-in Hybrid nur noch auf dem Markt behaupten – gegen Konkurrenten wie dem Chevrolet Volt oder dem Toyota Prius Plug-in Hybrid.

(Bilder: Koray Adigüzel)

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