2019 Audi SQ2

Audi SQ2: Schnell und eiskalt

Audi prescht kräftig vor und zwar wortwörtlich. Im Segment der kleinen SUVs ist ein solcher Kraftbolzen wie der SQ2 bisher nicht erhältlich gewesen. Also packen die Ingolstädter die 221 kW starke Allzweckwaffe des Konzerns in das Lifestyle-SUV, peppen die Optik sowie die Preisliste auf und fertig ist der SQ2. Der macht aus objektiver Sicht nichts falsch, doch als Sportler holt er Autofans definitiv nicht ab. Dafür ist das SUV massiv zu unterkühlt, da hilft die freche rote Farbe leider nicht mehr viel. Ausserdem wird einem ab dem Preis beinahe schlecht.

Der Auftritt ist – typisch für Audis S-Modelle – dezent. Die Front wurde etwas aggressiver gestaltet, die Karosserie tiefergelegt, die Kotflügel für die breiteren Räder verbreitert und am Heck findet sich die obligate, vierflutige Auspuffanlage, die im Gegensatz zu S4, S5, und S6 tatsächlich kein Fake ist. Doch zur Auspuffanlage komme ich noch.

2019 Audi SQ2
Die Räder sind gross, die breite C-Säule kann individualisiert werden.

Plastic Fantastic

Der Innenraum macht, insbesondere bei wenig Licht, auf den ersten Blick einen tollen Eindruck. Die Leder-Sportsitze sind wertig, die Ambientebeleuchtung ist fancy und das virtual Cockpit hübsch. Doch davon darf man sich nicht täuschen lassen. Für einen Audi und dessen Preisanspruch dominiert viel zu viel Hartplastik den Innenraum: Armaturenbrett, Türen, Mittelkonsole. Ausserdem ist das aufpreispflichtige Head-up-Display lediglich via Plexiglas realisiert und das Infotainmentsystem inklusive Controlling veraltet und somit umständlich zu bedienen.

2019 Audi SQ2
Optisch zwar ansprechend, doch haptisch und technisch hinkt der SQ2 puncto Cockpit hinterher.

Aufgrund der kurzen Aussenlänge darf man vom Raumangebot nicht zu viel erwarten. Vorne ist die Welt noch in Ordnung, doch im Fond bekommen grössere Passagiere schnell Probleme, die Beine bequem zu platzieren. Immerhin ist die Kopffreiheit dank der höheren Bauweise kein Problem. Der Kofferraum entspricht dem Durchschnitt in diesem Segment und die Heckklappe arbeitet elektrisch – allerdings lässt sie sich nicht via Fernbedienung oder dem Innenraum wieder schliessen. Da frage ich mich schon, wieso ausgerechnet Audi mit Premiumanspruch an so vielen Stellen spart?

2019 Audi SQ2
Sitzriesen sitzen hinten nicht besonders entspannt.

Ein Auto wie Kimi Räikkönen

Der sorgsame Umgang mit Emotionen bescherte dem ehemaligen F1-Piloten den Spitznamen Iceman. Der SQ2 sprüht genauso vor Emotionen. Dass unter der Haube ein deutlich stärkeres Aggregat werkelt, ist gegenüber einem normalen Q2 in keinster Weise hörbar. Kein röhren und grummeln, nicht mal ein sonorer Motorsound hat Audi für nötig empfunden. Dafür arbeitet im Innenraum ein Sound Symposer der übleren Sorte, der einem künstliches 5-Zylinder-Geröhre um die Ohren haut.

2019 Audi SQ2
Sieht zwar gut aus, doch akustisch versagt die Auspuffanlage auf ganzer Linie.

Zur Ehrenrettung des SQ2 muss gesagt werden, dass er die Modellbezeichnung aus trockener Sicht verdient. Wenn es darauf ankommt, legt er vehement und ohne Anfahrschwäche los, der Motor gefällt mit Durchzug und Drehfreude. Trotz der höheren Bauart wankt und neigt sich kaum etwas, das kleine SUV schmeisst sich willig um Kurven und drückt sich dank quattro-Antrieb völlig neutral um sämtliche Biegungen. Erst sehr spät ist leichtes Untersteuern spürbar.

2019 Audi SQ2
Das jugendliche SUV versucht mit schicken Details zu punkten.

Aus objektiver Sicht kann man dem SQ2 nur wenig ankreiden. Ganz anders verhält es sich mit dem subjektiven Empfinden. Für ein sportliches Auto ist Motorsound essenziell, doch der fehlt hier gänzlich. Auch die Lenkung arbeitet zwar präzise, doch gibt wenig Feedback, man spürt die Grenze der Vorderachse erst, wenn es zu spät ist. Trotz eindeutig sportlichen Fahrleistungen kommt hier sehr wenig Fahrspass auf. Der SQ2 ist ein effizientes, schnelles SUV, doch leider so heiss wie eine Tiefkühltruhe.

2019 Audi SQ2
Trotz Smartphone-Integration ist das Infotainmentsystem angestaubt. Vor allem die Bedienung ist umständlich.

Stolzer Preis

Etwas vergleichbares bietet lediglich der konzerninterne Konkurrent VW mit dem T-Roc R, ansonsten hat noch kein Hersteller ein SUV dieser Grösse auf diese Leistungsstufe gehieft. Wer ein kleines SUV mit viel Pfupf aber ohne grosses Tamtam will, könnte im SQ2 das Richtige für sich gefunden haben. Allerdings muss der Griff ins Portmonee besonders tief sein: Für den Testwagen mit einigem an Sonderausstattungen ruft Audi über 70’000 Franken auf – ein Betrag, der für dieses Segment schlicht zu hoch ist, erst recht, wenn man das veraltete Infotainmentsystem und den Einsatz von Hartplastik mit einbezieht. Die Idee vom SQ2 ist gut, aber die Umsetzung wurde nicht konsequent genug vorgenommen.

2019 Audi SQ2
Der SQ2 ist zwar schnell und sportlich, aber viel zu teuer und emotionslos.

Alltag 3.5 out of 5 stars

SUV hin oder her, aufgrund der knappen Abmessungen ist der SQ2 alles andere als ein Raumwunder. Grosse Personen sitzen hinten beengt und der Kofferraum erreicht nicht das Niveau eines Audi A3.

Fahrdynamik 4 out of 5 stars

Der Punch des Motors ist beeindruckend, dessen Harmonie mit dem Getriebe ebenfalls. Zwar kommt nur wenig Seitenneigung auf, doch das Fahrverhalten ist alles andere als mitreissend. Es fehlt an Lenkungsrückmeldung und vor allem an Motorsound. Der SQ2 spult das Sportprogramm einfach ab, ohne es zu feiern.

Umwelt 3 out of 5 stars

Für ein kleines Auto sind 9,1 Liter Testverbrauch viel, auch angesichts der hohen Leistung. Auch wer den SQ2 nicht gross fordert, wird nur schwer auf unter acht Liter kommen. Für seine Grösse ist das SUV mit knapp 1650 Kilo nämlich ein ziemlicher Wonneproppen.

Ausstrahlung 4 out of 5 stars

Der SQ2 bricht aus dem Audi-Designeinerlei aus, zeigt Kanten und Rundungen. Der leicht sportliche Touch kommt gut an, ohne aufdringlich zu wirken.

Fazit 3 out of 5 stars

+ Spannendes Design mit grosser Individualisierungs-Vielfalt
+ Bequeme und haltstarke Sportsitze
+ Kräftiger Motor mit hoher Drehfreude
+ Keine Anfahrschwäche
+ Perfekt agierendes Getriebe
+ Kaum Seitenneigung
+ Neutrales Handling, auch bei forscher Fahrweise
+ Ausreichender Fahrkomfort
+ Bandbreite an Assistenzsystemen ist gross

– Sehr hoher Preis
– Knappe Platzverhältnisse
– Hohes Gewicht
– Zu viel Hartplastik verbaut
– Lenkung mit mässiger Rückmeldung
– Motorsound nicht der Rede wert
– Erhöhter Verbrauch
– Veraltetes Infotainmentsystem

Mängel am Testwagen

– Keine Mängel

Steckbrief

Marke / ModellAudi SQ2
Preis Basismodell / Testwagen52 200 CHF / 70 760 CHF
AntriebBenzin, Allradantrieb
Hubraum / Zylinder1984 ccm / R4
Motoranordnung / Motorkonzept Frontmotor / Turbomotor
Getriebe7-Gang Doppelkupplungsgetriebe
Max. Leistung221 kW bei 5300 - 6500 r/min
Max. Drehmoment400 Nm bei 2000 - 5200 r/min
Beschleu­nigung 0–100 km/h4,8 s
Vmax250 km/h (elektronisch abgeregelt)
NEFZ-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz7,2 l/100 km / 163 g/km / G
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz9,1 l/100 km / 206 g/km / +26%
Länge / Breite / Höhe4,21 m / 1,80 m / 1,49 m
Leergewicht1642 kg
Koffer­raum­volumen355 - 1000 l

Bilder: Koray Adigüzel

1 thought on “Audi SQ2: Schnell und eiskalt”

Deine Meinung hinterlassen

%d bloggers like this: