Selbst als Nicht-SUV-Fan sollte man dem F-Pace dankbar sein für seine Existenz. Er ist nämlich das Absatz-Zugpferd der Briten und ohne ihn würde Jaguar heute vielleicht vor massiven Problemen stehen. Die Story kennt man bereits von Porsche mit dem Cayenne. Damit der F-Pace das Zugpferd bleibt, wurde er nicht nur einer Schönheits-Kur, sondern auch einer technischen Auffrischung unterzogen. Die offenbart auch unter der Haube spannende Neuerungen!
Mit seinem bulligen Design konnte der F-Pace schon immer punkten, weshalb das Facelift optisch nicht besonders tief geht. Neue Schürzen verleihen ihm mehr Biss und neue Lichter sorgen für die korrekte Marken-Ausstrahlung. Nicht fehlen dürfen natürlich die optionale R-Dynamic Line sowie das Black Pack, beim Testwagen beides an Bord.
Fühlbarer Aufstieg
Im Innenraum hat der F-Pace dieselbe Transformation durchgemacht wie der kürzlich getestete XF Sportbrake. Viel Kunststoff wurde im Zuge der Überarbeitung aus dem Cockpit verbannt, dafür halten das blitzschnelle Infotainmensystem, viel Leder und schicke Bedienelemente Einzug und das alles in einer sehr hochstehenden Qualität.
Optional sind sogar Schalensitze verfügbar, wie sie im Testwagen verbaut sind. Es mag anfangs ungewohnt sein, in einem hohen SUV in einem packenden Schalensitz zu fahren, doch die Vorteile überwiegen: Perfekte Ergonomie, starker Halt und doch hoher Langstrecken-Komfort. Darüber hinaus sind die Sitze bemerkenswert schlank, sodass sie im ohnehin geräumigen Fond noch etwas mehr Beinfreiheit generieren. Überhaupt kann der F-Pace mit dem kubischen Kofferraum sowie der Anhängelast von bis zu 2400 Kilo mit praktischen Werten glänzen.
Neuer Sechszylinder im Angebot
Leider haben die selber entwickelten Jaguar Ingenium Motoren bislang einen eher durchzogenen Ruf. Der Grund: Es handelte sich stets um Vierzylinder. Motorsound und Laufkultur sind nicht wirklich die Stärke dieser Motoren-Gattung. Doch nun hat Jaguar abgesehen vom Kompressor-V8 im F-Type und in der SVR-Variante endlich wieder einen tollen Motor im Angebot: Einen Reihensechser-Turbo mit elektrischem Verdichter und Mild-Hybrid-Technologie.
Im standardmässigen Comfort-Modus bleibt der Brite ruhig und zurückhaltend. Deutlich spürbar ist jedoch das spontante Ansprechverhalten des Motors bei tiefen Drehzahlen, elektrischem Verdichter sei Dank. Im Gegensatz zu manch anderem Konkurrenten ist der Jaguar nicht so weich, es fehlt ihm dafür auch ein Luftfahrwerk. Was er nebst dem Comfort-Modus auch noch zu bietet hat, sind ein sehr zugeschnürter Eco-Modus sowie eine Anfahrhilfe auf rutschigem Terrain.
Der richtige Mix
So richtig fahraktiv wird der Brite im Dynamic-Modus. Der seidenweich laufende Reihensechser betört dabei mit sonorem und sehr schönem Sound, da ist nichts künstlich. Laut ist er nicht, aber nur schon authentischer Sound ist heute leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Das Triebwerk ist darüber hinaus sehr drehfreudig und erinnert mit seinem schnellen Ansprechverhalten und der gleichmässigen Leistungsentfaltung sogar an die alten V6-Kompressormotoren!
Als P400 ist der Testwagen die stärkste Variante unterhalb des V8-Kompressorbiests SVR. Das bedeutet, dass der Testwagen als kein dediziertes Sportmodell sich zwar schön dynamisch fahren lässt, aber keine extreme Härte oder Aggression an den Tag legt, wie es bei manchen übermotorisierten SUVs der Fall ist. Stattdessen gefällt der F-Pace mit einer sehr direkten Lenkung, dem tollen Motor und willigem Kurvenverhalten, jedoch ohne gleich jegliche Karosseriebewegungen eliminieren zu wollen. So spürt man zwar immer noch Wankbewegungen, dafür spürt man auch eher die Grenze und kann den Dynamic-Modus auch längere Zeit geniessen, ohne dass das Auto einem dauernd Schläge austeilt.
Interessanter denn je
Dank des neuen Reihensechsers sowie der zahlreichen Verbesserungen im Zuge des Facelifts ist der F-Pace interessanter und auch besser denn je. Er bietet einen sensationellen Spagat zwischen Langstrecken-Läufer, Lastesel und Performance-SUV. Mit einer nahezu kompletten Ausstattung klettert der Preis zwar auf rund 108’000 Franken, damit liegt er im Premium-Segment aber bei weitem noch nicht an der oberen Grenze – mit seinen Fähigkeiten aber schon.
Alltag
Der Jaguar F-Pace ist ein toller Allrounder. Er kann relativ grosse Lasten ziehen, bietet viel Platz im Innenraum, kann auch ins Gelände und bietet 360°-Kamera mit Blick unter (!) das Auto.
Fahrdynamik
Unter den SUVs war der F-Pace schon immer einer der aktiveren Sorte. Er lässt sich sportlich fahren und fühlt sich sogar hecklastig an, das geht aber nicht zu Lasten des Komforts. Besonders zu loben ist die feinfühlige und präzise Lenkung.
Umwelt
Trotz Mild-Hybrid-Technologie braucht so ein SUV mit Sechszylinder einfach seinen Saft. Im Test waren es 11,3 l/100 km. Ein Plug-in-Hybrid mit ähnlicher Leistung ist aber im Angebot.
Ausstrahlung
Das sportlich-aggressive Design passt zur Marke und unterstreichen den sportlichen Charakter des F-Pace. Ein rundum gelungenes Design, ohne zu sehr aufzufallen.
Fazit
+ Gelungenes sportliches Design
+ Sehr gutes Raumangebot
+ Sehr hohe Verarbeitungsqualität, wertige Lederausstattung
+ Modernes Infotainmentsystem im Tablet-Stil mit klarer Bedienung und Online-Diensten
+ Integral-Sportsitze als Eyecatcher mit starkem Seitenhalt und hohem Komfort
+ Hecklastiger Allradantrieb
+ Präzise Lenkung mit hohem Grad an Rückmeldung
+ Verschiedene Fahrmodi mit grosser Spreizung
+ Kerniger und drehfreudiger Sechsyzlinder mit schönem Klang
+ Schnelles, spontanes und unauffälliges Automatikgetriebe
+ Matrix-Laser-Licht optional erhältlich
– Trotz Mild-Hybrid eher hoher Verbrauch
– Grosser Wendekreis
– Kein Stau-Assistent oder sonstige High-End Assistenzsysteme wie beispielsweise Nachtsicht-Assistent
Mängel am Testwagen
– Sitzheizung nicht funktionstüchtig, Antwort von Jaguar Schweiz ausstehend.
Steckbrief
Marke / Modell | Jaguar F-Pace P400 |
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Preis Basismodell / Motorisierung / Testwagen | 62 400 CHF / 86 300 CHF / 108 320 CHF |
Hubraum / Zylinder | 2995 ccm / R6 |
Antrieb | Benzin Mild-Hybrid, Allradantrieb |
Motoranordnung / Motorkonzept | Frontmotor / Turbomotor mit elektrischem Verdichter |
Getriebe | 8-Gang Automatikgetriebe |
Max. Leistung | 294 kW bei 5500 r/min |
Max. Drehmoment | 550 Nm bei 2000 r/min |
Beschleunigung 0–100 km/h | 5,4 s |
Vmax | 250 km/h (elektronisch abgeregelt) |
WLTP-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz | 10,6 l/100 km / 238 g/km / G |
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz | 11,3 l/100 km / 254 g/km / +7% |
Länge / Breite / Höhe | 4,75 m / 1,94 m / 1,66 m |
Leergewicht | 2128 kg |
Kofferraumvolumen | 601 - 1428 l |
Bilder: Koray Adigüzel