Kia Sorento: Like a Boss

Vermenschlicht und überspitzt ausgedrückt ist der Kia Sorento der Angestellte, der unten anfängt, sich geduldig hoch arbeitet und schliesslich die Führung übernimmt. Weg von schmuddeligen Arbeitsklamotten hin zum Anzug könnte man sagen. Doch vertraut man den Fahrmodi, geht der Sorento immer noch gerne in den Dreck. Der grosse Koreaner bietet nicht nur ein gelungenes Package an Ausstattung, sondern verwöhnt obendrein mit einem äusserst gediegenen Fahrverhalten und kräftigem Dieselmotor. Das Haar in der Suppe muss man in diesem Auto suchen!

Das Design widerspiegelt den Werdegang des Sorento. Der schwarze Grill verströmt dezente Sportlichkeit und wirkt weniger aufdringlich als ein verchromter. Die Scheinwerfer sind schmal, blicken aggressiv und verfügen über ein Tagfahrlicht, das sich von der Masse abhebt. Die Seitenlinie ist ruhig und gestreckt, lediglich die unten silberne C-Säule lockert das Profil auf. Hinten dann wiederum sehr eigenständig mit kleinen vertikalen Lichtern und grossem Sorento-Schriftzug.

2020 Kia Sorento
Gestreckte Silhouette mit markanter C-Säule.

Niemand sagt Premium, aber alles ist premium

Das Cockpit ist für Kia ein gewaltiger Sprung nach oben. Shift-by-Wire Schaltung, extrem hochwertige Zierelemente und Schaltpaddels sowie ein moderner, aufgeräumter Look. Die Qualität ist nicht nur sehr gut, sie ist sogar exzellent. Niemand spricht hier von Premium, dafür sticht der Sorento viele Möchtegern- und sogar wahre Premium-Vertreter.

2020 Kia Sorento
Durchgestyltes, sehr hochwertiges und ergonomisches Cockpit.

Raum für alles

Nicht minder luxuriös ist sein Raumangebot. Dass man vorne fürstlich auf beheizten und belüfteten Nappaleder-Sitzen reist, versteht sich beinahe von selber. Doch auch die Fond-Insassen können sich so richtig ausbreiten. Rückbank sowie Lehne sind verstellbar. In der optionalen Reihe drei wird es für Erwachsene zwar ungemütlich, doch für Kinder reicht es. Sind die hintersten Sitze unten, bietet der gigantische Kofferraum Platz für einen halben Haushalt.

2020 Kia Sorento
Gigantische Platzverhältnisse im Fond.

Lang lebe der Diesel

Zwar wird der Sorento auch als Hybrid und Plug-in-Hybrid angeboten, doch zum Test steht der Sorento mit Dieselmotor bereit. Dabei wird mir wieder einmal klar, wie sehr ein Diesel in Zeiten des Hybrid-Wahns und der Diesel-Abkehr zu einem grossen SUV passt. Völlig geschmeidig und frei von jeglicher Anfahrschwäche setzt sich der Sorento in Bewegung, der Motor bleibt akustisch angenehm im Hintergrund. Dank des üppigen Drehmoments verfügt der Sorento über genügend Leistungsreserven für Zwischensprints oder sportliche Bergaufpassagen.

2020 Kia Sorento
Markantes Scheinwerfer-Design und dezenter Kühlergrill. Gefällt!

Sportlich? Tatsächlich kann der grosse Brocken zügig bewegt werden, ohne dass Unruhe in die Fuhre kommt. Sein Fahrwerk ist nicht adaptiv, findet aber einen guten Mix aus Komfort und Sportlichkeit. Das Doppelkupplungsgetriebe reagiert spontan und schaltet zügig. Insgesamt sympathisch finde ich, dass der Sorento ausserhalb des Eco-Modus nicht so konsequent auf Sparsamkeit getrimmt ist.

2020 Kia Sorento
Tricky und edle Ambientebeleuchtung.

Der Langstrecken-König

Prädestiniert ist das SUV natürlich auf längeren Strecken. Zwar fehlt eine Massagefunktion als besonderes Tüpfchen auf dem i, aber wenn man sich den Preis in Erinnerung ruft, reist man hier dennoch in erster Klasse zum Preis der Zweiten.

2020 Kia Sorento
Hochwertige Nappaleder-Sitze verströmen luxuriöses Flair.

Etwas Verbesserungspotenzial besteht bei den Assistenzsystemen. Mühsam ist beispielsweise der Tempolimit-Warner, der bei jedem Motorstart erneut deaktiviert werden muss. Ansonsten blinkt die virtuelle Höchstgeschwindigkeit auf dem digitalen Cockpit oder HUD ständig, sobald man zu schnell fährt. Die aktive Spurführung eckt zwar nicht an, wirkt aber recht dominant. Sie dürfte dezenter sein. Und – ähnlich wie bei der Massagefunktion – fehlt Matrix-Licht auf der Luxus-Wunschliste.

2020 Kia Sorento
Links vom Drehschalter befinden sich die Onroad- und rechts die Offroad-Fahrprogramme.

Nicht nur für Chefs

Seinen letzten grossen Pluspunkt holt sich der Sorento beim Pricing. Für den voll ausgestatteten Testwagen rufen die Koreaner 66’700 Franken auf. Das ist kein Dumping-Preis, aber für das gebotene Qualitätsniveau, die Grösse und die Ausstattung ein Preis, der keine Fragezeichen hinterlässt. Klar, es gibt bei Kia immer noch kein Zierholz, das aus der anderen Seite des Globus stammt und 20 Stunden bearbeitet wurde. Auch mit extravaganten Leder-Wünschen ist man hier an der falschen Adresse. Doch besagte Wunschausstattungen findet man bei einschlägigen Premium-Herstellern lediglich noch mindestens eine Klasse höher. Insofern ist der Kia Sorento in seiner Klasse ein Chef, den sich nicht nur Chefs leisten können.

2020 Kia Sorento
Auch das Heck ist erfreulich eigenständig geraten.

Alltag 5 out of 5 stars

Was will man mehr? Gediegenes Fahrverhalten, gute Übersicht, Platz ohne Ende und trotz allem kein sperriges Handling- oder Manövrier-Verhalten.

Fahrdynamik 3.5 out of 5 stars

Ein Sportler ist der Sorento nicht. Dennoch darf man ihn ruhig auch mal hetzen, der Motor baut genügend Druck auf und in Kurven bleibt die Fuhre recht lange stabil, solange es man nicht übertreibt. Überzeugt hat vor allem das Getriebe mit schnellen Schaltzeiten.

Umwelt 4 out of 5 stars

Ein SUV dieser Grösse ist natürlich kein Sparwunder, aber angesichts der Masse und der gebotenen Leistung erachte ich einen Verbrauch von 7,6 l/100 km als völlig in Ordnung.

Ausstrahlung 4.5 out of 5 stars

Bieder-unauffällig ist Kia schon lange nicht mehr. Mit dem Sorento setzen die Koreaner jedoch ein optisches Ausrufezeichen. Ein SUV mit einer derart eigenständigen Note zu bauen, ist nicht einfach.

Fazit 4.5 out of 5 stars

+ Eigenständiges, nobles Design
+ Exzellente Qualität, ausnahmslos auf Premium-Niveau
+ Fürstliche Platzverhältnisse
+ Sehr bequeme Sitze mit Heizung und Lüftung
+ Angemessener Verbrauch
+ Ausgewogenes Fahrwerk
+ Üppige Ausstattung
+ Sehr grosses Assistenz-Paket
+ Sehr leises Fahrverhalten
+ Grosse Auswahl an Fahrmodi
+ Spontan reagierendes Getriebe
+ Gute Übersicht
+ Fairer Preis

– Tempolimit-Warner muss nach jedem Motorstart erneut deaktiviert werden
– Infotainment-System ohne Online-Dienste
– Kein Matrix-Licht, aktive Spurführung zu dominant

Mängel am Testwagen

– Keine Mängel

Steckbrief

Marke / ModellKia Sorento
Preis Basismodell / Testwagen49 950 CHF / 66 700 CHF
AntriebDiesel, Allradantrieb
Hubraum / Zylinder 2151 ccm / R4
Motoranordnung / MotorkonzeptFrontmotor / Turbomotor
Getriebe8-Gang Doppelkupplungsgetriebe
Max. Leistung148 kW bei 3800 r/min
Max. Drehmoment440 Nm bei 1750 - 2750 r/min
Beschleunigung 0 - 100 km/h9,2 s
Vmax202 km/h
WLTP-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz6,8 l/100 km / 179 g/km / D
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz7,6 l/100 km / 200 g/km / +12%
Länge / Breite / Höhe4,81 m / 1,90 m/ 1,70 m
Leergewicht2029 kg
Kofferraumvolumen705 - 2011 l (7-Plätzer)

Bilder: Koray Adigüzel

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