Der Streber in der Mercedes A-Klasse

Der Streber in der Mercedes A-Klasse

Denkt man an einen Streber, kommt einem automatisch eine Person in den Sinn, welche nicht den gängigen Schönheitsidealen entspricht. Eine Hornbrille, eine Spange und eventuell noch ein paar Pickel im Gesicht. Auch wenn die Fassade vielleicht nicht ansprechend aussieht, dahinter steckt einiges an Können. Dieses Klischee erfüllte vor allem die erste Generation der A-Klasse, auch bekannt als «der Elch». Mit seinem abgeflachten Heck und biederen Aussehen war der Elch äusserlich ein Desaster. Trotz des schlechten Aussehens erkannten aber reihenweise Rentner und Pragmatiker sein Potenzial. Dass das Streber-Dasein nicht automatisch «uncool und unsexy» bedeuten muss, beweist heute die neue Mercedes A-Klasse. Sie gehört eindeutig zu den hippen Strebern, zu jenen, die alle Blicke auf sich ziehen, wenn sie in Erscheinung treten.

Ein besonderer Eyecatcher ist die Front der A-Klasse. Die Scheinwerfer sind wie Katzenaugen geformt und strahlen einen an. Beim Starten des Fahrzeugs geben sie eine kleine Lichtshow von sich und beim Fahren in der Nacht den optimalen Durchblick. Entgegenkommende Autos werden gezielt aus dem Scheinwerferkegel ausgeblendet und bei vollkommener Dunkelheit entsteht eine Art Kinoleinwand, welche die Nacht fast zum Tag werden lässt.

Die sportliche Front sowie die schnittigen Scheinwerfer machen ordentlich was her!

Einen weiteren Augenschmaus bietet der mit Glitzersteinen verzierte Kühlergrill und bei der jüngsten Generation der A-Klasse zeigt sich endlich auch das Heck von seiner schönsten Seite. Mercedes hat das schnittige Design von vorne nach hinten weitergezogen und die Heckleuchten in Pfeilspitzenform gestaltet. Die biederen Quadratleuchten des Vorgängers sind endlich passé!

Das Heck wirkt nun rassiger. Leider sind die Auspuffblenden ein billiger Fake.

Ein schnittiges Design zeigt sich auch im Innenraum. Im Cockpit fallen besonders die turbinen-ähnlichen Lüftungseinlässe auf, welche sich durch diverse Farben der Ambiente-Beleuchtung genial ins Szene setzen lassen. Die Materialien am Armaturenbrett und in den Türverkleidungen fühlen sich äusserst hochwertig an und lassen sich wie gewohnt bei Mercedes beliebig konfigurieren. Negativ fiel dafür die Abdeckung des Staufachs in der Mittelkonsole auf, welche sich beim Öffnen und Schliessen alles andere als «premium» anfühlte.

Im Cockpit herrscht dank tollen Materialien und Hightech Premium-Feeling.

Was der A-Klasse hingegen gegönnt wurde, ist mehr Innenraum. Zum direkten Vorgänger wuchs die neue A-Klasse schliesslich auch um rund zwölf Zentimeter. Der Platz auf der hinteren Sitzbank ist für Grossgewachsene für kurze Strecken okay. Auch das Kofferraumvolumen hat minim um 29 Liter zugenommen und fasst nun 370 Liter.

Ein besonderer Eyecatcher ist das freistehende Widescreen-Display.

Premiumgefühl kam hingegen wieder beim Entertainment-System auf. Wie es sich für einen Streber von heute gehört, kommt dieser nicht mehr mit einem Notizblock in die Schule, sondern mit einem Tablet. Neu zieht sich ein einziger, langer Bildschirm hinter dem Lenkrad bis hin zur Mittelkonsole. Dieser lässt sich durch direkte Berührungen, Touchpad und teilweise Spracherkennung steuern. Besonders Letztere erstaunt, da sie fast so gut wie Alexa, Siri und Co. funktioniert.

Die sportlichen Sitze sind sehr bequem, doch die Sitzposition könnte tiefer sein.

Auf das ausgesprochene Wort «Mercedes» reagierte das System blitzschnell und erfüllte Wünsche wie Klimaeinstellungen und Zieleingaben im Handumdrehen. Sogar Sitzheizung und Sitzkühlung konnten direkt via Sprachassistenten angesteuert werden. Anforderungen wie das Öffnen des Dachfensters oder das Ausschalten des überempfindlichen Spurhalteassistenten konnten jedoch nicht durch die Sprachsteuerung umgesetzt werden.

Im Verhältnis zur Aussengrösse ist die etwas praktischer gewordene A-Klasse nach wie vor kein Raumwunder.

Allgemein lässt sich die A-Klasse, Achtung Flachwitz, 1A personalisieren. Sitzpositionen und Spiegeleinstellungen können gespeichert, Benutzerprofile angelegt und der Fahrmodus nach Belieben justiert (bsp. Lenkung in Komfort und Fahrwerk in Sport) werden. Obwohl die A-Klasse während der ganzen Testwoche zu 95% im Komfort oder Eco-Modus gefahren wurde, verbrauchte sie 7,8 l/100 km. Ein zu hoher Verbrauch angesichts dessen, dass der sehr sportliche und kompakte Mercedes nie wirklich an seine Grenzen gebracht wurde.

Ein kräftiger Motor, bissige Bremsen sowie ein agiles Handling sorgen für tollen Fahrspass im kleinsten Stern.

Eine Kurvenjagd macht mit ihm aber durchaus Spass, da der 2-Liter-Benziner mit 165 kW freudig am Gas hängt und ordentlich Schub generiert. Trotz der grösseren Abmessungen fühlt sich die A-Klasse aber nach wie vor kompakt und sportlich an. Eigentlich erstaunlich, da sie für einen Kompaktwagen mit 1570 Kilo ziemlichen Speck auf den Hüften hat. Das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet zügig und treffsicher durch die Gänge, trägt aber vermutlich Mitschuld am hohen Verbrauch, da ihm ein bis zwei zusätzliche Gänge nicht schaden würden. 

Pluspunkte verdient die Bedienung, die sowohl übers Touchpad, als auch übers Lenkrad oder direkt über den Touchscreen stattfindet.

Die neue A-Klasse löst sämtliche Aufgaben einwandfrei, weshalb das Image des hippen, lässigen Strebers perfekt zu ihr passt. Dieses Image lässt sich Mercedes aber ganz schön was kosten. Mit 68’399 Franken kostet der Testwagen eine schöne Stange Geld, aber hippe Produkte sind halt selten günstig. Man zeigt halt gerne, was man hat – und im Falle der neuen A-Klasse hat man eine ganze Menge!

Der Testwagen ist mit dem sportlicheren AMG-Paket ausgerüstet. Passt, wie ich finde!

Alltag 4 out of 5 stars

Die neue Mercedes A-Klasse ist softwaremässig eines der modernsten Autos, die es im Moment auf dem Markt gibt. Seine Sprachfunktion ist nahezu so gut wie die Assistenten Siri, Alexa und Co.. Beim Fahren ist die Sprachfunktion ein genialer Begleiter, da der Lenker seinen Blick nicht von der Strasse nehmen muss. Auch die anderen Assistenten wie Totwinkel-, Fernlichtassistent etc., leisten gute Arbeit. Einzig der Spurhalteassistent ist aggressiv und nervt mit heftigen Vibrationen. Das Raumgefühl in der A-Klasse ist nicht üppig, aber besser als beim Vorgänger.

Fahrdynamik 5 out of 5 stars

Die A-Klasse ist für einen Kompaktwagen kein Leichtgewicht, kann aber ihren Zusatzspeck bravourös kaschieren. Das Automatikgetriebe schaltet zügig durch. Das Auto bietet diverse Fahrmodi, die der Fahrer nach Lust und Laune programmieren kann. Besondere Freude bereitet die A-Klasse beim sportlichen Fahren, da sie sich kaum aus der Ruhe bringen lässt. Wie auf Schienen jagt sie durch die Kurven.

Umwelt 2.5 out of 5 stars

Für einen modernen Kompaktwagen aus verbraucht die A-Klasse mit 7,8 l/100 km zu viel Benzin. Bei 165 kW kann man aber nicht von einer Übermotorisierung sprechen. Ebenfalls zu erwähnen ist, dass der Testwagen während des Tests meistens im Komfort-, oder Eco-Modus gefahren wurde.

Ausstrahlung 5 out of 5 stars

Der kleinste Mercedes ist eindeutig ein Schönling. Die Front wirkt sportlich und angriffslustig. Beim neuesten Modell ist nun endlich auch das Heck nicht mehr langweilig. Die pfeilförmigen Heckleuchten verleihen der A-Klasse den nötigen Pfupf!

Fazit 4 out of 5 stars

+ Schnittiges Aussendesign
+ Modernes Innendesign mit wunderschöner Ambiente-Beleuchtung
+ Zackiges und fehlerfrei arbeitendes Infotainment-System
+ Fast fehlerfrei arbeitender Sprachassistent
+ Dezent mithelfende Fahrassistenten (bis auf den Spurhalteassistenten)
+ Personalisierbares Fahrerprofil
+ Mehrere Fahrmodi mit spürbarer Spreizung
+ Geniales Fahrverhalten
+ Hochauflösendes Kamerasystem, welches sich auch bei Ampeln einstellt und so einen besseren Überblick bietet
+ Schnell arbeitende Heizung und Kühlung im Sitz
+ Ausgereifte LED-Lichttechnologie

– Aggressiver Spurhalteassistent
– Relativ hoher Verbrauch
– Billig wirkendes Verschlusssystem beim Fach in der Mittelkonsole
– Hoher Einstiegspreis und kostspielige Aufpreisliste

Mängel am Testwagen

– Keine Mängel

Steckbrief

Marke / ModellMercedes A250
Preis Basismodell / Motorisierung / Testwagen34 500 CHF / 45 900 CHF / 68 399 CHF
AntriebBenzin, Frontantrieb
Hubraum / Zylinder1991 ccm / R4
Motoranordnung / MotorkonzeptFrontmotor / Turbomotor
Getriebe7-Gang Doppelkupplungsgetriebe
Max. Leistung165 kW bei 5500 r/min
Max. Drehmoment350 Nm bei 1800 r/min
Beschleunigung 0 - 100 km/h6,2 s
Vmax250 km/h (elektronisch abgeregelt)
NEFZ-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz6,7 l/100 km / 156 g/km / F
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz7,8 l/100 km / 182 g/km / +16%
Länge / Breite / Höhe4,46 m / 1,80 m / 1,45 m
Leergewicht1570 kg
Kofferraumvolumen370 - 1210 l

Bilder: André Sprüngli, Koray Adigüzel

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