Es hat lange gedauert, bis Nissan die zweite Generation des Juke auf die Strasse brachte. Obwohl Generation eins nun wahrlich nicht jeden Geschmack traf, hat er sich gut verkauft. Der Nachfolger will nun mit einem moderneren, aber immer noch aufsehenerregendem Design an den Erfolg anknüpfen. Während die Japaner vieles verbessert und richtig gemacht haben, sorgt der Antrieb leider für lange Gesichter.
Obwohl das Design immer noch sehr eigenständig und auffällig ist, wirkt es geglätteter als beim Vorgänger. Die Front wird immer noch von runden Scheinwerfern geprägt, die aber dezenter ausfallen und darüber hinaus das X-förmige Design der Front wieder aufgreifen. Grosse Räder und eine niedrige Dachlinie sorgen für eine sportliche Silhouette. Die Fensterflächen sind klein, der hintere Türgriff getarnt und das Heck knackig mit ähnlichen Elementen wie beim Nissan Micra. Dach, Aussenspiegel sowie Teile der Stossfänger können in Kontrastfarben geordert werden.
Mehr Farbe & Qualität
Leider steht der Testwagen mit seinen schwarzen Sitzen und den grauen Zierelementen nicht für das, was der Juke alles könnte. Allerdings gibt der Zubehörkatalog einiges her, sodass man nicht mit Schwarz-Grau vorlieb nehmen muss. Qualitativ hat Nissan sowohl bei den Materialien, als auch bei der Ergonomie grosse Fortschritte gemacht. Ein Genuss ist auch das Bose-Sound-System, welches mit Lautsprechern in den Kopfstützen für einen grandiosen Raumklang sorgt.
Nervig ist dafür die schlampig verarbeitete Mittelarmlehne, welche nicht fest verankert ist und während der Fahrt mit lauten Knarzgeräuschen auf sich aufmerksam macht. Bei der groben Lehnenverstellung der Sitze hat Nissan ebenfalls gespart. Dafür stimmen die guten Platzverhältnisse sowie der geräumige Kofferraum mit doppeltem Boden einen wieder freundlicher.
Keine Antriebsauswahl
Was Nissan an optischer Vielfalt zur Verfügung stellt, geht leider auf technischer Seite verloren. Als Antrieb ist einzig ein Dreizylinder-Turbobenziner mit 86 kW erhältlich. Im Testwagen ist das optionale 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe verbaut, eine 6-Gang-Handschaltung wäre ebenfalls verfügbar. Diesel? Allrad? Gibt es im Vergleich zum Vorgänger nicht mehr. Ein moderner Hybrid-Antrieb ist vorerst ebenfalls nicht in Sicht. Mehr Vielfalt wäre aus meiner Sicht nicht nur wünschenswert, sondern auch notwendig, da das Einliter-Aggregat schnell an seine Grenzen kommt. Immerhin ist der kleine Motor angenehm laufruhig.
Autobahneinfahrten ziehen sich, Bergaufpassagen machen wenig Spass und spontane Überholmanöver sind mangels Leistung ebenfalls schwierig. Das liegt aber nicht nur am Motor, sondern auch am trägen Getriebe, welches oft zu spät runterschaltet und auch im Sportmodus keine zackigen Schaltvorgänge ermöglicht. Schaltpaddels fehlen ebenfalls. Das ist alles insofern schade, da Nissan bei der Fahrwerksabstimmung klar die sportliche Schiene gewählt hat. Nichtsdestotrotz ist der Juke nicht unkomfortabel oder gar rumpelig.
Die Lenkung reagiert für Nissan-Verhältnisse erfreulich direkt, die Dämpfer sind straff und das Feedback gross. Bei schnellen Kurvenfahrten kommt das Fahrwerk nicht an seine Grenzen, dennoch greift das ESP spürbar ein. Irgendwie will Nissan Fahrspass vermitteln, geht aber beim Motoren-Angebot und dem ESP-Setup alles andere als konsequent vor. Schade. Wer generell Freude am Autofahren hat, sollte unbedingt die Handschaltung bevorzugen, damit wird das Auto einen Tick dynamischer sein.
Viel Technik an Bord
Versöhnlicher ist die Auswahl an Assistenzsystemen. Das ProPilot genannte System verhilft dem Juke zum verlässlichen semi-autonomen Fahren auf der Autobahn inklusive Stop & Go. Selbstständiges Parkieren liegt zwar nicht drin, dafür ist eine gestochen scharfe 360°-Kamera an Bord. Auch der flink reagierende Fernlichtassistent und der zuverlässige Tot-Winkel-Warner sammeln Pluspunkte. Aus der Reihe tanzt lediglich der Notbremsassistent, der einen zu früh anpiepst. Ähnlich wie beim ESP ist Nissan hier übervorsichtig.
Viel Auto fürs Geld
Beim Preis geht Nissan in die Offensive. Der technisch voll ausgerüstete Testwagen kostet nur rund 32’000 Franken. Für dieses Geld bekommt man einen technologisch fortschrittlichen Crossover mit hoher Alltagstauglichkeit und hohem Grad an Individualisierung. Allerdings muss man auf einen starken Motor sowie auf Allradantrieb verzichten. Wer allerdings sowieo eher etwas fürs Auge sucht und aus der Masse herausstechen möchte, findet mit dem Juke das Richtige, ohne sich in einer Enzyklopädie-artigen Preisliste zu verlieren.
Alltag
Trotz stylischem Design und kompakten Abmessungen bietet der Juke sämtlichen Mitreisenden genügend Freiraum – abgesehen vom Mittelsitz hinten. Der Kofferraum ist ebenfalls gross genug und verfügt über einen doppelten Boden. Durch den Verzicht auf Allradantrieb ist der Crossover zudem handlich.
Fahrdynamik
Das knackige Fahrwerk und das niedrige Leergewicht verhelfen dem Juke zu einem verbindlichen und spassigen Handling, welches deutlich besser als bei allen anderen SUVs der Marke ist. Leider verfügt der Motor nicht über viel Kraft und das Doppelkupplungsgetriebe bremst den Wagen zusätzlich aus. Das übervorsichtige ESP ist dem Fahrspass ebenfalls nicht zuträglich.
Umwelt
Eigentlich sind 6,9 l/100 km als Verbrauchswert nicht viel, aber so ein Mini-Motörchen müsste meiner Meinung nach noch weniger Verbrauch ermöglichen – tut es aber nicht, da es aufgrund der Schweizer Topografie dauernd gefordert werden muss.
Ausstrahlung
Juke 2.0 verfügt über ein eigenständiges, weitgehend personalisierbares Design, welches nicht mehr wie ein Unfall wirkt. Geht doch!
Fazit
+ Eigenständiges, personalisierbares Design
+ Bequeme Sportsitze vorne, einwandfreie Ergonomie
+ Im Verhältnis zur Grösse gutes Platzangebot
+ Hochwertige Materialien, viel Gestaltungsspielraum
+ Fahrmodi mit grosser Spreizung
+ Knackiges Handling
+ Tolles Bose-Soundsystem
+ Laufruhiger Dreizylinder
+ Zahlreiche Assistenzsysteme erhältlich
+ Super Preis-Leistungs-Verhältnis
– Dauernd knorzende Mittelarmlehne
– Träges und ausbremsendes Doppelkupplungsgetriebe
– Zu empfindlicher Notbremsassistent
– Wirkt schnell untermotorisiert
– Keine Antriebsauswahl
Mängel am Testwagen
– Keine Mängel
Steckbrief
Marke / Modell | Nissan Juke |
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Preis Basismodell / Testwagen | 21 490 CHF / 31 980 CHF |
Antrieb | Benzin, Frontantrieb |
Hubraum / Zylinder | 999 ccm / R3 |
Motoranordnung / Motorkonzept | Frontmotor / Turbomotor |
Getriebe | 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe |
Max. Leistung | 86 kW bei 5250 r/min |
Max. Drehmoment | 200 Nm bei 1750 - 3750 Nm |
Beschleunigung 0–100 km/h | 11,1 s |
Vmax | 180 km/h |
WLTP-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz | 6,5 l/100 km / 148 g/km / B |
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz | 6,9 l/100 km / 157 g/km / +6% |
Länge / Breite / Höhe | 4,21 m / 1,80 m / 1,59 m |
Leergewicht | 1300 kg |
Kofferraumvolumen | 455 - 1305 l |
Bilder: Koray Adigüzel