Hemdsärmliger Sportler: Subaru WRX STi

Er kostet 500 Franken Aufpreis, ohne irgendwelchen praktischen Nutzen zu bieten. Er polarisiert und reizt die Gemüter. Er behindert die Sicht nach hinten. Und trotzdem: Der monströse, liebevoll «Frittentheke» genannte Heckspoiler gehört zum WRX STi, wie der symmetrische Allradantrieb zu Subaru gehört. Es ist sein Markenzeichen, seine Identität, sein Stolz – ein WRX STi ohne Heckspoiler ist in meinen Augen kein echter WRX STi. Hätte Subaru mir einen Testwagen ohne Spoiler versprochen, ich hätte ihn nicht angenommen. 😉
Das zweite schlagkräftige, jedoch im Basispreis inbegriffene Argument, ist der altbekannte 2,5-Liter Boxermotor. Mit seinem grummelnden, unverkennbaren Boxer-Sound macht er dem stärksten Subaru ordentlich Feuer unter dem Hintern. Eines vorneweg: Es gibt weitaus modernere, zeitgemässere Autos mit demselben Spasspotential wie jenes vom WRX STi. Aber genau deswegen, weil der charismatische Japaner so anders und auf seine Weise hart, aber doch herzlich ist, muss man ihn mögen – und zwar mit Heckspoiler.

Die Designer von Subaru haben es geschafft, der Front ein unverwechselbares Gesicht mit mächtigem Kühlerschlund auf der Motorhaube und markanten Scheinwerfern zu gestalten. Doch die Lust am Designen muss beim Heck vergangen sein. Wäre der Heckspoiler nicht, die Rally-Legende wäre kaum als WRX STi, geschweige denn als Subaru zu erkennen. Die Rücklichter bringen keinen Wiedererkennungswert, im Gegenteil, sie sind ein Abklatsch der Rücklichter der Mercedes A-Klasse… einfach eine Nummer kleiner.

Die Form der Rücklichter sehen jenen der Mercedes A-Klasse sehr ähnlich.
Die Form der Rücklichter sehen jenen der Mercedes A-Klasse sehr ähnlich.

Hinter dem vorderen Kotflügel finden sich Lüftungsschlitze und ein STi Schriftzug, das Heck macht mit vier Endrohren auf sich aufmerksam. Alles in allem feine Sportzutaten (der Spoiler ist natürlich das Tüpfchen auf dem i), aber ein eigenständigeres Heck mit Erinnerungspotential fände ich dennoch schön.
Das Interieur lässt indes keine Herzen höher schlagen. Es besticht durch Schlichtheit, alles ist Schwarz in Schwarz gehalten, ein paar Details stechen in Rot hervor. Die Sportsitze sind zwar bequem, doch der Seitenhalt dürfte ausgeprägter sein. Recaro-Schalensitze würden gut zum harten Charakter vom Subaru passen.

Schade, leuchtet der böse LED-Bogen nur mit dem Abblendlicht. Tagfahrlicht sind zwei hässliche Halogen-Spots unten.
Schade, leuchtet der böse LED-Bogen nur mit dem Abblendlicht. Tagfahrlicht sind zwei hässliche Halogen-Spots unten.

In der günstigeren Sport Variante (Luxury ist die hochwertigere) fühlt sich der WRX STi recht nackt an im Vergleich zu den fein ausgestatteten Autos, welche die Konkurrenz bietet. Weder Navi, noch klangstarkes Soundsystem oder eine Rückfahrkamera sind an Bord. Dafür dominiert im luftigen Innenraum Kunststoff, und auch wenn die Verarbeitung solide ist: Emotionen sucht man dennoch vergebens. Dafür bietet der WRX STi familientaugliche Platzverhältnisse im Fond und mit 460 Litern Volumen auch einen üppig dimensionierten Kofferraum.

Subaru WRX STi
Der Spoiler ist stets präsent.

Der Aspekt «familientauglich» rückt jedoch in den Hintergrund, wenn der 2,5-Liter Boxermotor mit Turboaufladung grummelnd zum Leben erwacht. Der Sound von Subaru Boxermotoren ist einfach unverkennbar! Der Motor ist zwar keine Neuentwicklung, beeindruckt aber dennoch mit 407 Newtonmeter Drehmoment und 221 kW Leistung. Die Kehrseite der Medaille ist der Verbrauch, der bereits auf dem Prüfstand mit 10,4 l/100 km für heutige Verhältnisse viel zu hoch ausfällt. Aber die Erfahrung zeigt, dass bei hohen Verbrauchsangaben die Diskrepanz zwischen Prüfstand und Realität nicht allzu gross ist…

Ein richtiges Prachtstück, dieses Flügelwerk.
Ein richtiges Prachtstück, dieses Flügelwerk.

Anyway, der Verbrauch rückt erstmal in den Hintergrund, denn mein Tank ist voll und ich voller Vorfreude! Obwohl das Doppelkupplungsgetriebe heuer in vielen Autos Einzug gehalten hat, wehrt sich der Subaru erfolgreich dagegen. Ein hartes, knackiges 6-Gang-Getriebe, das von Hand bedient werden möchte, ist die einzige Wahl, die der WRX STi seinen Piloten stellt. Meine Vorfreude wird jedoch schon nach wenigen Kilometern im wahrsten Sinne des Wortes ausgebremst. Eine Reifenpanne zwingt mich, das Reserverad aufzuziehen und die ersten drei Testtage vorsichtig und mit max. Tempo 80 durch die Gegend zu gondeln.

Subaru WRX STi
Es ist so leer um den (billigen) Rückspiegel herum: Nicht mal einen Regensensor hat der WRX STi an Bord.

Der einzige Vorteil dieser Aktion ist, dass der Durchschnittsverbrauch gemäss Bordcomputer auf 8,0 l/100 km sinkt. Nachdem der Reifen ersetzt worden ist, darf der WRX STi endlich zeigen, was in ihm steckt.  Das Ansprechverhalten des Boxermotors lässt sich mit den drei Modi Intelligent (I), Sport (S) und Sport Sharp (S#) variieren. Insbesondere im S# Modus reagiert der Motor äusserst bissig auf jeden Gasbefehl und dreht gierig bis auf knapp 7000 Umdrehungen, wobei der Schub linear und ohne plötzlichen Turbo-Punch aufgebaut wird. Der Sound ist dabei sportlich-knurrig und angenehm anzuhören, allerdings besteht auch noch Luft nach oben – die Tuner wird es freuen.

Subaru WRX STi
Mächtige Lufthutze – auch Briefkasten genannt.

Eine Besonderheit des WRX STi ist das Driver’s Control Center Differential (DCCD), womit die Drehmomentverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse automatisch zwischen drei oder manuell zwischen fünf Modi angepasst werden kann. So lässt sich das Setup des Autos entweder für losen Untergrund, mehr Traktion, oder mehr Agilität anpassen.

Subaru WRX STi
Setup für das DCCD und den Motor.

Trotz wirklich straffem Fahrwerk und konfigurierbarem Allradantrieb habe ich dem WRX STi in schnell gefahren Kurven nicht zu 100% vertraut. Ob das an den ganz neuen Winterreifen lag? Oder ob das noch Nachwehen vom GT-R Test sind? («Dank dem GT-R werde ich jetzt wohl für den Rest meines Lebens kein Auto mehr als schnell genug empfinden…») Ich weiss es nicht… Mir war die Lenkung, obwohl präzise, zu leichtgängig und hat in Kurven zu wenig Rückmeldung gegeben; das gerne benutzte Gefühl «Fahren wie auf Schienen» stellte sich bei mir im Subaru nicht ganz ein.

Subaru WRX STi
Das Interieur versprüht im Gegensatz zum Aussendesign keinen Charme.

Nichtsdestotrotz bietet der WRX STi dank direktem Ansprechverhalten in jeder Hinsicht jede Menge ehrlichen Fahrspass, der allerdings teuer bezahlt werden muss. Im Test verlangte der hungrige Japaner nämlich 10,5 l/100 km – das ist ist zwar nur 0,1 Liter mehr als angegeben (Reserverad sei Dank), aber immer noch eine ganze Menge Sprit – 98er Super Plus, notabene.

In gewisser Hinsicht wirkt der Subaru WRX STi wie aus der Zeit gefallen. Er bietet keinerlei Spritspartechnik, keinerlei Assistenzsysteme oder sonstige neumodische Komfortausstattungen. Sein Fahrverhalten ist hart, aber herzlich, sein Verbrauch ist hoch. Das einzig Moderne an ihm sind die LED-Scheinwerfer fürs Abblendlicht. Fans des WRX STi lieben ihn vielleicht genau deswegen – weil er seine ganz eigene Art pflegt und sich nicht gross darum schert, was derzeit gross in Mode ist. Er ist ein Auto, das nicht dem aktuellen Zeitgeist entspricht und dafür einen besonders starken Charakter hat – den man mag, oder eben nicht. Eine neutrale Einstellung kann man dem WRX STi gegenüber kaum haben.

Der Subaru WRX STi ist ein richtiger Kerl – zuweilen etwas ungehobelt, aber dafür mit starkem Charakter.
Der Subaru WRX STi ist ein richtiger Kerl – zuweilen etwas ungehobelt, aber dafür mit starkem Charakter.

Ich persönlich mag ihn – weil es Kerle wie ihn braucht, die ehrlichen und bezahlbaren Fahrspass bieten und nicht nur dem Diktat des Einheitsbreis und Hightech folgen. An alle Fans da draussen: Wehe, mein Auge entdeckt einen Subaru WRX STi ohne Heckspoiler – das kommt dem japanischen Heisssporn einer Kastration gleich. Möchtet ihr wegen 500 Franken kastriert werden…? Eben.

Alltag ★★★★☆

Obwohl der Subaru WRX STi mit seinem harten Kern ein waschechter Sportwagen ist, bietet er viel Platz im Fond und einen üppigen, erweiterbaren Kofferraum. Allerdings ist das Fahrwerk hart und der Verbrauch hoch.

Fahrdynamik ★★★★★

Der Boxermotor tritt bissig an, dreht sauber und gierig hoch und überzeugt mit kräftigem Durchzug. Standfeste Brembo-Bremsen, ein hartes Fahrwerk und eine präzise Lenkung sorgen für ordentliche Querdynamik. Die Lenkung ist etwas zu leichtgängig und gibt wenig Rückmeldung. Die Verbindung zur Strasse ist nicht immer zu 100% da.

Umwelt ★★☆☆☆

221 kW Leistung sind nicht wenig, ein Verbrauch von 10,5 l/100 km ebenfalls nicht. Trotz viel Leistung stimmt das Verhältnis Leistung zu Verbrauch beim Subaru nicht. Um einen Verbrauchswert in diesen Sphären zu rechtfertigen, fehlt dem WRX STi noch ein ordentliches Mehr an Power.

Ausstrahlung ★★★★☆

Eine wilde Front, Lufthutze auf der Motorhaube, Diffusor, vier Endrohre und – natürlich – der Heckspoiler sprechen eine klare Sprache. Jedoch besitzt das Heck – insbesondere die Rücklichter – zu wenig Eigenständigkeit und Wiedererkennungswert.

Fazit ★★★★☆

+ Kräftiger Motor mit linearer Beschleunigung
+ Straffes Fahrwerk für gute Kurvenlage
+ Unverkennbarer, sportlicher Sound
+ Grosszügige Platzverhältnisse
+ Bulliges, aggressive Design
+ Fairer Preis
+ Aufs Wesentliche reduziert
+ Konfigurierbarer Allradantrieb

– Hoher Verbrauch
– Einfache Materialien im Interieur
– Hoher Geräuschpegel im Innenraum
– Fehlende Rückmeldung der Lenkung

Steckbrief

Marke / ModellSubaru WRX STi Sport S
Preis Basismodell / Testwagen44'900 CHF / 46'200 CHF
AntriebBenzin, Allrad
Hubraum / Zylinder2457 ccm / R4
Getriebe6-Gang manuell
Max. Leistung221 kW bei 6000 r/min
Max. Drehmoment407 Nm bei 4000 r/min
Beschleu­nigung 0–100 km/h5,2 s
Vmax255 km/h
Verbrauch NEFZ / CO2 Emissionen / Energieeffizienz10,4 l/100 km / 242 g/km / G
Verbrauch Test / CO2 Emissionen / Differenz10,5 l/100 km / 244 g/km / + 1%
Länge / Breite / Höhe4,60 m / 1,80 m / 1,48 m
Leergewicht1615 kg
Koffer­raum­volumen460 l

(Bilder: Koray Adigüzel)

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