Hypermiling mit Felix Egolf

Hypermiling mit Felix Egolf

Hypermiling ist eine extreme Form des wirtschaftlichen Fahrens, die allerdings für den Normalfahrer nicht so praktisch ist, da der Aufwand, um enorm wenig Treibstoff zu verbrauchen, sehr hoch ist. Trotzdem ist es beeindruckend, zu sehen, mit welchen Tricks Hypermiler Felix Egolf jeweils die NEFZ-Verbrauchswerte um 20-30 % unterbieten kann. Ich und Felix sind je eine 155 km lange Route gefahren, wobei ich mich am Eco-Driving und Felix sich am Hypermiling orientiert hat. Was dabei herausgekommen ist, erstaunt durchaus. Testauto: Das Citroën DS3 Racing Cabrio, ein Auto, das eigentlich überhaupt nicht dazu animiert, sparsam zu fahren. Normverbrauch: 6,4 l/100 km.
Hinweis: Alle ermittelten Werte basieren auf den Angaben des Bordcomputers.

Zuerst kommt meine Eco-Driving Runde

Damit ich nicht mehr oder weniger bewusst Felix’ Tricks appliziere, besteht er darauf, dass ich zuerst fahre. Nun denn – als Autoblogger kenne ich die gängigsten Tricks, um sparsam zu fahren. Allerdings möchte ich während meiner Fahrt nicht auf Komfort verzichten, weshalb Radio und Klimaanlage während der Fahrt aktiviert bleiben. Die Route führt zunächst über eine längere Autobahnstrecke, wo ich keine Zeit verlieren möchte, darum fahre ich so schnell, wie ich darf – 120 oder 100 km/h. Ich bin mir der Tatsache durchaus bewusst, dass bei Geschwindigkeiten über 100 km/h der Verbrauch exponentiell ansteigt und der optimale Wirkungsgrad von Verbrennungsmotoren bei Geschwindigkeiten zwischen 80 und 90 km/h liegt. Trotzdem, ich repräsentiere den Otto Normalfahrer und der will auch nicht “unnötig” langsamer fahren. Auf der Autobahn gibt es nur zwei Möglichkeiten, um Benzin zu sparen, nämlich a) das Tempo drosseln und b) möglichst gleichmässig fahren. Ich benutze dazu den Tempomat und nehme ihn nur dann raus, wenn es sich nicht vermeiden lässt.

Nach der Autobahnetappe folgt eine längere Überland-Runde, die durch mehrere Ortschaften und auch über zwei kleine Pässe führt. Um da Sprit zu sparen, nutze ich die Kraft der DS3, beschleunige zügig und schalte schnell in hohe Gänge – wobei “schnell in hohe Gänge schalten” bei Felix eine ganz andere Bedeutung haben wird, als bei mir. Ich halte nämlich den vierten Gang innerorts für angebracht…
Während einer Passfahrt bin ich von einem Wohnmobil ausgebremst worden, was beim Bergauffahren zwar dafür sorgte, dass ich sehr gemütlich gefahren bin, beim Bergabfahren mich jedoch daran hinderte, den Schwung zu nutzen. Zum Überholen war die Strecke zu eng und unübersichtlich.
Ganz allgemein kann ich sagen, dass ich während meiner Runde gemütlich und vor allem vorausschauend gefahren bin. Wichtig ist, dass man den Abstand einhält und nicht unnötig bremst, um anschliessend wieder zu beschleunigen. Am Ende der Runde bin ich entspannt am Ziel angekommen. Ich bin mir sicher, dass ich mit einer sportlichen Fahrweise höchstens wenigste Minuten an Zeit gewonnen, aber viel Benzin verloren hätte. Die 155 km lange Route habe ich wie folgt absolviert:

  • Dauer: 2 h und 11 min
  • Verbrauch total: 8,37 l
  • Verbrauch pro 100 km: 5,4 l
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 71 km/h
  • Sparpotential gegenüber Normverbrauch: 15,6 %

Nochmals zur Erinnerung: Der Normverbrauch der DS3 beträgt 6,4 l/100 km. Bereits mit Eco-Driving lässt sich der Normverbrauch mit dem DS3 Racing Cabrio unterbieten.

Hypermiling mit Felix Egolf
Die Eckdaten meiner Runde

Es folgt die Runde von Felix

Felix pflegt einen ganz anderen Fahrstil als ich, nämlich einer, der auf maximale Effizienz ausgerichtet ist. Trotzdem ist Felix während seiner Runde mit der DS3 nicht ganz als Limit gegangen – so hat er beispielsweise darauf verzichtet, bei Gefällen den Motor abzustellen, da das Auto sehr viel Zeit benötigt, um das ganze System wieder hochzufahren, ausserdem bestünde die Gefahr, dass die Strecke und der Verbrauch vom Bordcomputer nicht genau gemessen werden. Felix ist also ein paar kleine Kompromisse eingegangen, denn er hat mich beispielsweise auch hin und wieder das Fenster ein Stück weit öffnen lassen, obwohl er selber höchstens einen Spalt von ein paar Millimetern öffnen würde. Nichtsdestotrotz hat Felix mit der Anwendung seiner Tricks meinen Verbrauch deutlich unterboten.

Hypermiling mit Felix Egolf
Felix öffnet das Fenster maximal einen kleinen Spalt weit. Ansonsten gäbe es zu grosse Luftverwirbelungen.

Dass die Klimaanlage während der Fahrt ausgeschaltet bleibt, erklärt sich fast von alleine, denn die Klimaanlage ist ein grosser Nebenverbraucher. Was okay ist, ist die Verwendung der reinen Lüftung, also ohne die Kühlung der Luft mittels A/C.
Auf der Autobahn belässt es Felix bei Tempo 90 und bleibt auf der rechten Spur. So fährt der Motor gleichmässig im optimalen Effizienzbereich, wobei Felix auf den Einsatz des Tempomaten verzichtet. «Ansonsten ist das Fahren auf der Autobahn viel langweiliger, als es ohnehin schon ist», meint Felix. Ihm gelingt es erstaunlich gut, das Tempo auch ohne den Tempomaten konstant zu halten.

Hypermiling mit Felix Egolf
Wenn sich die Gelegenheit ergibt, nutzt Felix den Windschatten grösserer Fahrzeuge.

Nach der Autobahnetappe bieten sich Felix mehrere Möglichkeiten an, um den Treibstoffverbrauch möglichst tief zu halten. So ist seine Schaltstrategie viel extremer als meine, denn Felix fährt so niedertourig, wie es nur möglich ist. Er fährt innerorts im fünften Gang, schaltet nach dem Anfahren gleich in den dritten Gang und sobald die Ortschaft hinter ihm liegt, kommt ausschliesslich der sechste Gang zum Einsatz. Natürlich muss das Auto diese Fahrweise unterstützen. Felix lobt dabei den Drehmomentverlauf der DS3, denn dafür, dass es ein sportliches Auto sei, liesse es sich sehr schaltfaul fahren.

Hypermiling mit Felix Egolf
Niedertouriges Fahren ist das A und O, um Treibstoff zu sparen. Allerdings muss das Auto dafür genügend Drehmoment aus tiefen Drehzahlen zur Verfügung stellen.

Bei leichtem Gefälle schaltet Felix in den Leerlauf, um keine Geschwindigkeit zu verlieren (segeln), wie es bei eingelegtem Gang der Fall wäre. Er fährt ebenfalls sehr vorausschauend und hält genügend Abstand, um wenn möglich immer mit der Motorbremse und der Schubabschaltung an Geschwindigkeit zu verlieren. Das Wichtigste beim Hypermiling sei, möglichst wenig Schwung zum verlieren, denn Bremsen heisst, dass anschliessend beim Beschleunigen wertvolles Benzin flöten geht. Wenn es der Verkehr zulässt, fährt Felix deshalb sehr flott durch Kreisverkehre, wobei er schmunzelnd zugeben muss, dass das DS3 Racing Cabrio über eine ausgesprochen gute Kurvenlage verfügt.

Hypermiling mit Felix Egolf
Felix hat Freude am Hypermiling mit dem DS3 Racing Cabrio! 🙂

Beim Passfahren nutzt Felix wenn möglich die Ideallinie. Er schneidet also Kurven, um sie schneller durchfahren zu können und um den Schwung auf die nächste Gerade mitzunehmen. Er fährt daher durchaus zügig durch kurviges Geläuf! Bergauf fährt er langsamer als 80, um nicht zu stark beschleunigen zu müssen, während er beim Bergabfahren versucht, möglichst keinen Treibstoff zu verbrauchen, indem er mit eingelegtem Gang und Schubabschaltung rollt, oder bei flacheren Teilstücken im Leerlauf segelt, um keinen Schwung zu verlieren.

Hypermiling mit Felix Egolf
Felix nutzt die Ideallinie, um möglichst wenig Schwung zu verlieren – natürlich nur, wenn die Strassenführung dies auch zulässt.

Felix sagt, es gäbe kein einziges, grosses Geheimnis, wodurch man Sprit sparen kann. Vielmehr sei es die Summe vieler kleiner Dinge, die schlussendlich zu einem guten Resultat führen. Und Felix’ Resultat kann sich sehen lassen:

  • Dauer: 2 h 17 min
  • Verbrauch total: 6,82 l
  • Verbrauch pro 100 km: 4,4 l
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 68 km/h
  • Zeitverlust mir gegenüber: +6 min
  • Sparpotential gegenüber mir: 22,7%
  • Sparpotential gegenüber Normverbrauch: 31,2%
Hypermiling mit Felix Egolf
Die Eckdaten von Felix’ Runde.

Felix muss selber zugeben, dass der Aufwand, um den Normverbrauch um weitere 15,6% zu unterbieten, wesentlich grösser ist, als mein Aufwand, um die ersten 15,6% zu unterbieten. Je mehr man sparen will, desto mehr muss man sich anstrengen.
Trotzdem: Bereits mit einfachen Mitteln und ohne Zeitverlust ist jeder in der Lage, Treibstoff zu sparen, was neben der Umwelt vor allem das eigene Portemonnaie schont. Und um das zu erreichen, muss man bei weitem kein Profi wie Felix Egolf sein.

An dieser Stelle ein grosses Dankeschön an Felix Egolf, dass er sich die Zeit genommen hat, mit mir diese beiden Runden zu fahren!

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