Mitsubishi ASX: Kleiner Underdog SUV

Mitsubishi ASX: Kleiner Underdog SUV

Ich sehe Schaltwippen. Grosse Schaltwippen. Feststehende Schaltwippen. So, wie man es aus italienischen Supersportwagen kennt. Ich steige (leider) nicht in einen solchen ein, sondern in den Mitsubishi ASX, der neu auch als Diesel-Allrad-Automatik Kombination erhältlich ist. Also voller Fokus auf die Alltagstauglichkeit, aber diese Schaltwippen versprühen trotzdem grossen Sportsgeist. Es ist jedoch von vornherein klar, dass die Schaltwippen zwar ein hübsches Detail, aber auch ziemlich überflüssig sind und besser in einen Evo passen. Ob der ASX noch weitere Überraschungen bereithält?

Optisch ist es allenfalls der mit Maschengitter verschlossene Jetfighter Kühlergrill, der Aufsehen erregt. Ansonsten ist der ASX durch und durch unaufgeregt und schlicht gezeichnet. Obwohl er SUV-typisch muskulös wirkt, ist er lediglich ein paar Zentimeter höher als ein VW Golf, jedoch nicht länger oder breiter. Dadurch ist der ASX kompakt, handlich, übersichtlich und auch für den Stadtverkehr geeignet.
Das Interieur ist ebenfalls funktional und übersichtlich gestaltet – abgesehen davon, dass die wuchtigen Schaltpaddels sofort ins Auge stechen. Die Verarbeitung ist zwar grundsätzlich gut, aber im Bereich der linken A-Säule knarzte hin und wieder etwas. Ich konnte nicht ausfindig machen, woher das Geräusch genau kam. Das grosse Stück Hartplastik in der Mittelkonsole schmeichelt dem Auge überdies nicht unbedingt, aber man kann beim Preis vom ASX eben nicht alles haben. Die Instrumente sind klassisch angeordnet und sehr gut ablesbar. Das einzig wirklich schicke im ASX Interieur (was keineswegs bedeutet, dass der Rest nicht der Rede wert ist), ist das grosse Panoramadach mit roter LED Ambiente Beleuchtung. Das Infotainment System ist allerdings nicht sonderlich intuitiv zu bedienen. Gewisse Einstellungen sind kaum auffindbar, andere wichtige Funktionen, wie beispielsweise der Zugang zum Mobiltelefon, sind nicht mit einem Tastendruck erreichbar. Die Sprachsteuerung hat während dem Test kaum ein Wort von dem verstanden, was ich gesagt habe und die weibliche Navistimme klingt, als hätte sie bewusstseinserweiternde Substanzen zu sich genommen. Vorbildlich ist dafür der Klang der druckvollen Rockford Fosgate Audioanlage – nicht zuletzt dank dem mächtigen Subwoofer im Kofferraum.
Das Platzangebot vom ASX ist auf allen Plätzen gut, wobei es bei der Kopffreiheit hinten ab einer Grösse von 1.85 Meter aufgrund des Panoramadaches eng wird. Von der Rücksitzbank aus, die übrigens in der Neigung verstellbar ist, gibt es eine Durchreiche mit direktem Zugriff zum Kofferraum. Dieser fasst 442 – 1219 l, womit das Volumen bei aufgestellter Rückbank im Vergleich zur Konkurrenz erfreulich gross, bei umgeklappter Rückbank allerdings eher unterer Durchschnitt ist. Positiv ist dafür auf jeden Fall, dass 9 Airbags in jeder Ausstattungslinie zur Serienausstattung gehören.

Angetrieben wird der ASX von einem ungewöhnlich grossen 2.2 Liter Diesel in Verbindung mit einer 6-Stufen Automatik. Der Motor ermöglicht mit seinem Drehmoment von 360 Nm ein lockeres Vorwärtskommen und bietet mit einer maximalen Leistung von 110 kW auch gewisse Leistungsreserven. Es ist nur der grosse Diesel mit dem Automatikgetriebe erhältlich, welches weich und recht zügig die Gänge wechselt. Mitsubishi hat noch einen 1.8 Liter Diesel mit etwas weniger Drehmoment im Angebot, dieser ist aber nur mit dem Schalgetriebe erhältlich. Im manuellen Modus des Automatikgetriebes kann man es auch mit den Schaltpaddles bedienen, spontaner reagiert das Getriebe dann aber nicht. Während gewisse Autos mit einem Automatikgetriebe an einer Anfahrschwäche leiden, prescht der ASX fast zu forsch nach vorne, wenn man das Gaspedal antippt. Ein sanfteres Ansprechen aus dem Stand wäre wünschenswert. Ebenfalls Startprobleme hat die Servolenkung. Es scheint, als ob sie eine Gedenksekunde bräuchte, nachdem das Auto losgefahren ist, bevor sie ihren Dienst verrichtet.
Das Fahrverhalten ist insgesamt recht ausgewogen. Der Motor gefällt mit kräftigem Durchzug, das Fahrwerk federt auf kurzen Stössen zwar etwas grob, verdaut aber ansonsten Unebenheiten angenehm geschmeidig. Auf kurvigen Strassen hält es den ASX zudem weitgehend stabil, so dass er trotz des konstruktionsbedingt hohen Schwerpunktes nicht aufschaukelt, sondern ruhig und spurtreu bleibt. Der ASX verfügt über ein elektronisch gesteuertes Allradsystem, welches auf Knopfdruck komplett deaktiviert (sprich: Frontantrieb), oder aber permanent aktiviert werden kann. Im Test hat sich der Durchschnittsverbrauch auf akzeptable 7.1 l/100 km eingependelt, Mitsubishi würde sogar nur 5.8 l/100 km versprechen. Gestört hat mich, dass der Bordcomputer mir die 5.8 Liter Durchschnittsverbrauch tatsächlich vorgaukelte.
Assistenzsysteme hat Mitsubishi für den ASX zwar nicht im Angebot, dafür aber herausragende Wide Vision Xenonscheinwerfer. Hinter diesem Marketing Begriff versteckt sich die Idee, Streulicht mit einer separaten Linse zu bündeln. Als Resultat werden die Fahrbahnränder sehr stark ausgeleuchtet, ausserdem leuchtet das Licht sehr hell. In der Nacht weiss man dieses schöne, weite Licht sehr zu schätzen.

Das Segment der Kompakt-SUVs boomt nach wie vor, aber anhand der Zulassungszahlen von Auto Schweiz steht dem ASX kein allzu grosses Stück vom Kuchen zu. Gut möglich, dass sich dies mit dem nun erhältlichen Automatikgetriebe ändert. Der ASX möchte gar nicht die edlen SUVs à la Audi Q3, sondern andere asiatische Konkurrenten hinter sich lassen. Zwar ist der recht biedere ASX kein Charmebolzen, aber er ist sein Geld wert, denn für 40’000 CHF kriegt man einen voll ausgestatteten SUV mit einem kräftigen Antrieb und guten Platzverhältnissen.

Alltag ★★★★☆

Der Mitsubishi ASX punktet mit einem recht grosszügigen Innenraum, genügend Ablagemöglichkeiten und Genügsamkeit. Nicht überragend sind die Kopffreiheit im Fond und das eher knappe Maximalvolumen des Kofferraums bei umgeklappter Rückbank.

Fahrdynamik ★★★☆☆

Der Japaner legt ein unaufgeregtes Fahrverhalten an den Tag. Sport steht beim ASX nicht auf dem Programm – und trotzdem, der Griff zu den Schaltwippen fühlt sich dennoch gut an, denn die sind wirklich hochwertig und würden einem echten Sportwagen genauso gut stehen.

 Umwelt ★★★★☆

Angesichts des Hubraums ist der Diesel mit einem Verbrauch von 7.1 l/100 km recht sparsam, obwohl er keinerlei Spritspartechnik an Bord hat.

Ausstrahlung ★★☆☆☆

Der ASX wirkt von aussen ein bisschen rustikal, ohne grossen Charme. Ein ordentliches Facelift mit einem etwas peppigeren Design würde ihm sicher gut stehen.

Fazit ★★★★☆

+ Kraftvoller Diesel
+ Sanfte und passend schaltende Automatik
+ Komfortables Fahrwerk
+ Druckvolle Audioanlage
+ Gute Platzverhältnisse für die Passagiere
+ Super Xenon Licht
+ Gutes Preis -/ Leistungsverhältnis
+ Überraschend edle und griffgünstige Schaltwippen

– Leichtes Knarzen im Bereich der linken A-Säule
– Umständlich zu bedienendes Mediasystem
– Ruppiges Anfahrverhalten
– Seltsames Verhalten der Servolenkung beim Anfahren
– Langweiliges Design

Steckbrief

Marke / ModellMitsubishi ASX
Preis Basismodell / Testwagen19'999 CHF / 39'998 CHF
AntriebDiesel, Allrad
Hubraum / Zylinder2268 ccm / R4
Getriebe6-Stufen Automatik
Max. Leistung110 kW
Max. Drehmoment360 Nm
Beschleunigung 0-100 km/h10.8 s
Vmax190 km/h
Verbrauch Werk / CO2 Emissionen / Energieeffizienz5.8 l/100 km / 153 g/km / D
Verbrauch Test / CO2 Emissionen7.1 l/100 km / 187 g/km
Länge / Breite / Höhe4.30 m / 1.77 m / 1.62 m
Leergewicht1595 kg
Kofferraum442 - 1219 l

(Bilder: Mitsubishi)

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