Opel Astra: Würdiger Preisträger

Opel Astra: Würdiger Preisträger

Der neue Opel Astra wurde von der Presse in den Himmel gelobt, was schlussendlich darin gipfelte, dass er in Genf zum Car of the Year gewählt wurde. Schwierig, unter diesen Voraussetzungen möglichst neutral an ein Auto heranzugehen, da suche ich erst Recht nach Mängel und Kritikpunkten. Doch… Sie sind rar, die Kritikpunkte, Mängel gibt es sogar gar keine. Ich frage mich, warum Opel nach wie vor mit dem Image zu kämpfen hat. Die Autos sind in der Regel bodenständig und gut.

Okay, beim Corsa hatte Opel damals etwas zu viel versprochen, aber so brandneu, wie er beworben wurde, ist er eben auch nicht. Der Astra hingegen schon, er symbolisiert quasi eine neue Ära. Beim Design ist es trotzdem bei der Evolution geblieben, was auch verständlich ist, da der Astra kein neues Modell in diesem Sinne ist. Die Front ist schnittig, ohne übertrieben aggressiv zu wirken, während das Heck dezent ist, ohne übertrieben langweilig zu sein. Cool finde ich, dass es die auffällige Fensterlinie bei der C-Säule in die Serie geschafft hat. Das verleiht dem Astra etwas sportliches, edles. Weniger edel ist dafür der riesige Tankdeckel, der dem Betrachter selbst aus einiger Distanz sofort ins Auge sticht.

Opel Astra
Schnittige Front mit coolem Matrix-LED-Licht.

Innen ist dann von der Revolution schon etwas mehr zu sehen und zu spüren. Endlich, endlich ist auch im Astra die Knopfwüste verschwunden. Das neue IntelliLink-Mediasystem kommt mit viel weniger Knöpfen aus, und versteht sich mit allen Smartphones prima. Darüber hinaus ist der Service OnStar optional erhältlich. Dadurch wird man mit einem deutsch sprechenden Ansprechpartner verbunden, der einem aus der Ferne unterstützen und das Navi programmieren kann. Da ist Opel den anderen Herstellern echt einen Schritt voraus.

Opel Astra
Da ist er, der Knopf zur Kontaktaufnahme.

Doch auch bei den Platzverhältnissen hat sich einiges getan, im Fond ist es nun deutlich luftiger. Wie bei Opel üblich, sind die Sitze ganz toll, sie sind vielfach verstellbar und verfügen sogar über Sitzheizung und-lüftung. Auf der Fahrerseite ist darüber hinaus noch eine Massagefunktion vorhanden. Alle Achtung. Doof finde ich dafür, dass sich der sogenannte Power Flex Adapter an der Mittelkonsole nur mit kostenpflichtigem Zubehör (Duftaromas für Klimaanlage oder Handy-Halterung) sinnvoll nutzen lässt.

Opel Astra
Dieser Adapter nützt erst mit entsprechendem Zubehör etwas.

Die ganz grosse Revolution steckt allerdings unter dem Blech, die sich beim Fahren aber spürbar positiv auswirkt. Der Astra hat massiv abgespeckt, je nach Version bis zu 200 Kilo. Die 147 kW des vorerst stärksten Benziner haben mit den 1350 Kilo Leergewicht folglich ziemlich leichtes Spiel, was dem Astra ein waches, agiles Handling beschert. Der grosse Sportler ist freilich nicht, die Tendenz zum Untersteuern wird spürbar, bevor man das Gefühl hat, man fliegt vor lauter Tempo gleich von der Strasse.

Opel Astra
Das Interieur wurde mächtig aufgeräumt und sieht nun modern und hochwertig aus.

Andererseits bin ich sicher, das letzte Wort in puncto Fahrdynamik ist beim Astra noch nicht gesprochen. Was ich aber immer und immer wieder kritisieren muss, ist die Gangführung. Das fühlt sich auch im neuen Astra immer noch so ein bisschen nach Wackelpudding an, ausserdem ist der klobige Schalthebel nicht unbedingt der Inbegriff von Ergonomie. Ich empfehle den Opel-Ingenieuren unbedingt ein Besuch bei den Japanern. Honda und Mazda, die können wunderbare Schaltgetriebe bauen.

Opel Astra
Die Seitenlinie mit der ansteigenden Fensterlinie sieht schick aus.

Beim Fahrverhalten gibt es dafür nichts zu meckern, insbesondere der Motor ist bestens gelungen. Obwohl es sich um einen relativ kleinen Turbobenziner handelt, erträgt er ohne Weiteres sehr tiefe Drehzahlen. Ausserdem läuft er extrem ruhig, selbst auf der Autobahn hört man gar nichts vom Motor. Das ausgewogene Setup passt bestens zum Astra, der weder Bummler, noch Sportler ist.

Opel Astra
Der Astra wirkt optisch breiter, als er ist. Er erinnert von hinten ein wenig an den Hyundai i30.

Aus technischer Sicht ist man bei Opel vor allem auf das Matrix-LED-Licht besonders stolz. Es macht seine Sache gut und die kleinen Lichtspielereien, wenn man das Auto aufschliesst, sehen ganz hübsch aus. Schade finde ich aber, dass Opel für den Astra keinen adaptiven Tempomat anbietet, der hat sich mittlerweile nämlich bis zur Kompaktklasse durchgesetzt. Nicht ganz durchdacht finde ich die Einstellung vom Tot-Winkel-Warner, der ab 150 km/h nicht mehr funktioniert. Das ist an sich noch okay, zumal das Auto einem darauf aufmerksam macht. Warum die Warnung in den Aussenspiegeln dann aber permanent leuchten muss, das verstehe ich nicht. Insbesondere auf deutschen Autobahnen bei hohem Tempo kann das irritieren.

Opel Astra
Die Sitze bieten puren Luxus.

Der Testverbrauch von 7,4 l/100 km ist an und für sich ja schon nicht schlecht, aber da ist auch viel deutsche Raserei mit einberechnet. Bei normaler Fahrweise in der Schweiz beträgt der Verbrauch zwischen 6,5 und 7,0 Liter auf 100 Kilometer, was angesichts der Leistung ein guter Wert ist. Überhaupt ist das ganze Auto gut, nein, es ist sogar sehr gut. Zwar nicht ganz perfekt, aber welches Auto ist das schon? Vor allem bietet Opel nach wie vor sehr faire Preise und springt nicht auch noch auf die Premium-Schiene. Der Testwagen kostet 36’900 Franken, dafür bekommt man viel Auto. Warum immer noch einige Leute ein schlechtes Image mit Opel verbinden, weiss ich echt nicht. Die Autos sind alles andere als langweilig (die OPC-Geräte sind sogar sehr scharf), sie sind praktisch, und sie sind nicht teuer. Es gibt keinen Grund, sich um den Astra zu drücken. Die Preise, die er gewonnen hat, sprechen tatsächlich für sich.

Alltag 

Der Astra ist ausgewogen abgestimmt, ziemlich sparsam und deutlich geräumiger als sein Vorgänger. Wer etwas mehr Platz braucht, wählt den Kombi. Lediglich die Übersicht ist nicht ganz so toll, wie Opel verspricht.

Fahrdynamik 

Auch im Sport-Modus bleibt der Astra bodenständig. Er ist flink und direkt, der Motor zieht ausserdem schon unten heraus gut durch. Man spürt den Grenzbereich aber ziemlich bald kommen und das Getriebe darf gerne eine Spur knackiger und präziser sein.

Umwelt 

7,4 l/100 km mit einem nicht unerheblichen Anteil an deutscher Autobahn (mit entsprechendem Tempo) sind ein guter Wert. Bei gemächlicher Fahrweise kommt man nahe an 6,5 l/100 km ran.

Ausstrahlung 

Der Astra ist auf dezente Art und Weise schick. Eine OPC Line wird wahrscheinlich folgen.

Fazit 

+ Schickes Design
+ Saubere Verarbeitung, hochwertiger Kunststoff
+ Geräumiger Fond
+ Sehr leiser Motor mit kräftigem Durchzug
+ Tolles Matrix-LED-Licht
+ Einige Assistenzsysteme erhältlich
+ Top Sitze mit Heizung, Lüftung und Massage-Funktion
+ Tiefer Verbrauch
+ Ausgewogenes Fahrwerk
+ Fairer Preis
+ On Star

– Hakeliges Getriebe
– Unpraktischer Power Flex Adapter in der Mittelkonsole
– Kein adaptiver Tempomat erhältlich

Mängel am Testwagen

– Keine Mängel

Steckbrief

Marke / ModellOpel Astra
Preis Basismodell / Testwagen20 900 CHF / 36 970 CHF
AntriebBenzin, Frontantrieb
Hubraum / Zylinder1598 ccm / R4
Motoranordnung / MotorkonzeptFrontmotor / Turbomotor
Getriebe6-Gang manuell
Max. Leistung147 kW bei 4700 - 5500 r/min
Max. Drehmoment300 Nm bei 1700 - 4700 r/min
Beschleu­nigung 0–100 km/h7,0 s
Vmax235 km/h
NEFZ-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz6,1 l/100 km / 135 g/km / C
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz7,4 l/100 km / 164 g/km / +21% (inkl. DE-Autobahn)
Länge / Breite / Höhe4,37 m / 1,87 m / 1,48 m
Leergewicht1350 kg
Kofferraumvolumen370 - 1210 l

(Bilder: Koray Adigüzel)

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