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SsangYong Korando: Erschwinglicher Exot

Bei vielen Leuten führt bereits der Markenname SsangYong zu ratlosen Mienen. Dem möchte SsangYong mit dem neuen SUV Korando, abgestimmt auf den europäischen Markt, entgegenwirken. Dass SsangYong als neues Modell ein SUV gebaut hat, ist sicher nicht verkehrt, denn dieses Segment boomt unaufhaltsam. Und damit das Design im Gegensatz zu gewissen, älteren Modellen (beispielsweise der Rodius) ankommt, wurde der Korando von Italdesign Giugiaro entworfen. Und wie bei den Koreanern üblich, ist der Korando günstig: Ab 24’990 CHF, resp. ab 28’990 CHF als sparsamere und besser ausgestattete Green Edition (im Test), ist der Korando zu haben. Gibt es bei diesem preiswerten Angebot einen Haken? Wenn ja, wo befindet er sich?

Beim Design muss man keine Kompromisse eingehen. Die Italiener haben für den Koreaner eine Karosserie gestaltet, mit der man sich nicht verstecken muss. Ganz im Gegenteil, denn obwohl der Korando mit seinen Aussenmassen als Kompakt-SUV eingestuft wird, sieht er von vorne recht wuchtig und eindrucksvoll aus, was durch seine Fahrzeughöhe von 176 cm und dem imposanten Kühlergrill unterstrichen wird. Leider wirkt der Kühlergrill beim Betasten recht billig und nicht so massiv, wie er aussieht. Ansonsten wird der Korando von geraden Linien geprägt, er verzichtet auf neumodische Trends wie eine abfallende Dachlinie oder ansteigende Gürtellinie. Dadurch wirkt er ruhig und gelassen, ohne dabei langweilig auszusehen. Das Heck ähnelt dem neuen Opel Mokka. Ein Manko ist mir allerdings aufgefallen: Der Spalt zwischen Heckklappe und Rücklichtern ist auf der linken Seite deutlich grösser als auf der rechten Seite.
Ein ganz angenehmes Ambiente verströmt der Innenraum, denn in der Green Edition gibt es ausschliesslich schwarze Teilledersitze inkl. Sitzheizung mit einem roten Muster, welches sich auf den Teppichen wieder findet. Dazu gibt es ein paar Carbon-Applikationen und recht hochwertige Kunststoffe. Gegen Aufpreis gibt es auch noch ein Navigationssystem inkl. Rückfahrkamera. Bluetooth- und USB-Schnittstellen sind serienmässig dabei. Ebenfalls serienmässig vorzufinden sind eine Klimaautomatik und Parksensoren hinten. Die Instrumente sind sehr schlicht und zwischen ihnen befindet sich ein Monochrom-Display, auf welchem sich ein paar Daten aus dem Bordcomputer anzeigen lassen. Die Materialien fühlen sich alle recht gut an und entsprechen der Preisklasse. Was hingegen veraltet wirkt, ist die Funkfernbedienung ohne integrierten Zündschlüssel.
Punkten kann der Korando mit seinen Platzverhältnissen. Das Raumgefühl ist durch das hohe Dach hervorragend und auch grosse Personen sitzen in der zweiten Reihe bequem. Die Neigung der Rücksitzlehnen lässt sich stufenlos verstellen, was ehr komfortabel ist. Der Kofferraum fasst üppige 486 – 1312 Liter bei einer ebenen Ladefläche.

Beim Kaltstart macht sich der Korando lautstark bemerkbar. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ähnelt die Geräuschkulisse mehr einem Traktor als einem SUV. Glücklicherweise vergeht der raue Motorlauf bereits nach wenigen hundert Metern. Einmal warmgefahren, ist der Motor zwar akustisch immer noch präsent, doch klingt sein typisches Arbeitsgeräusch jetzt wesentlich angenehmer. Dafür entwickelt das Aggregat ein Drehmoment von 360 Nm und schiebt somit ordentlich an. Dem Korando kann eine Anhängelast von bis zu zwei Tonnen zugemutet werden. SsangYong betont, dass die Green Edition punkto Drehmoment keine Kompromisse eingehen muss, lediglich die Leistung wurde auf 149 statt 175 PS gedrosselt. Mit Allradantrieb (wie getestet) sinkt der Verbrauch somit von 6.4 auf 6.2 l/100 km und die CO2-Emissionen von 169 auf 157 g/km. Alternativ gibt es den grünen Korando auch nur mit Frontantrieb, dann verbraucht er 5.8 l/100 km und stösst pro Kilometer 147 statt 157 Gramm CO2 aus. Die Green Edition gibt es nur in Verbindung mit einem 2.0 Liter Diesel und manuellen 6-Gang Getriebe. Den “normalen” Korando gibt es selbstverständlich auch als Benziner und mit Automatikgetriebe.
Das Getriebe ist recht knochig und die Gänge müssen mit Nachdruck eingelegt werden, zudem ist der erste Gang sehr kurz übersetzt und führt nicht nahtlos in den Zweiten über. Wer zügig aus dem Stand beschleunigen möchte, muss den ersten Gang bis über 2500 Umdrehungen ausfahren, um beim Zweiten nicht in das Turboloch zu fallen. Diese Eigenschaft ist für das Spritsparen nicht gerade von Vorteil, ebenso das Fehlen einer Start-Stopp Automatik. Dennoch wurde der Verbrauch vom Bordcomputer mit 6.2 l/100 km (Werksangabe!) angegeben, real waren es 6.7 l/100 km. So nah an der Werksangabe war ich noch nie mit einem Testwagen, Hut ab. Negativ aufgefallen ist mir dafür die schwache Heizung. Es dauert zu lange, bis sich der Innenraum auf eine angenehme Temperatur erwärmt hat.
Obwohl der Motor durchaus kräftig ist, fährt es sich mit dem Korando besser gemütlich. In schnell gefahren Kurven macht sich der hohe Schwerpunkt bemerkbar, ausserdem ist die Lenkung zu leichtgängig und lässt bei der Präzision zu wünschen übrig. Das Fahrwerk ist ziemlich straff gefedert und gibt Stösse recht ungefiltert an die Insassen weiter. Eine etwas weichere Abstimmung würde besser zum Charakter von diesem Auto passen. Richtig gut geschlagen hat sich der Wagen dafür auf schneebedeckten Strassen und beim Fahren durch ca. 25 cm Neuschnee. Der Korando liess sich nie aus der Ruhe bringen, blieb nie stecken und folgte treu den Lenkbefehlen. In der Standardmässig wird die Kraft zu 100% an die Vorderräder übermittelt, erst bei drohendem Schlupf wird ein Teil der Kraft zur Hinterachse weitergeleitet. Via Knopfdruck kann eine Kraftverteilung von 50:50 bis zu einem Tempo von 40 km/h aktiviert werden. Schade, dass der Korando nirgends anzeigt, wie die Kraftverteilung momentan gerade ist.
Eine umfangreiche Sicherheitsausstattung, welche ESP, TCS, ABS inkl. Notbremsassistent, Überrollschutz, Berganfahrhilfe und Airbags im Fond beinhaltet, ist serienmässig im Korando enthalten. Weitere Assistenzsysteme sind hingegen nicht vorzufinden, was angesichts des Kaufpreises allerdings auch nicht zu erwarten ist.

Der SsangYong Korando ist in keiner Disziplin überragend, aber er enttäuscht auch nicht. Die Green Edition enthält die Sonderausstattungen Licht- und Regensensor, elektrisch verstellbarer Fahrersitz, Privacy Verglasung, elektrisch einklappbare Rückspiegel und Teilledersitze im Wert von 1500 CHF. Die oben im Text genannten Grundpreise sind daher mehr als fair, zumal es fünf Jahre oder 100’000 km Garantie gratis dazu gibt. Der Testwagen, zusätzlich ausgestattet mit Metallic-Lack, Navi und Rückfahrkamera kostet 35’030 CHF. Dass irgendwo gespart werden musste, ist an Details wie dem Spalt bei der Heckklappe, dem nicht höhenverstellbaren Beifahrersitz, der Trennung von Fernbedienung und Zündschlüssel, der automatischen Türverriegelung, die auch ein Öffnen von innen unterbindet, der schwachen Heizung, oder der maschinell übersetzten Betriebsanleitung bemerkbar. Gründe, um den Korando links liegen zu lassen, sind das aber freilich nicht.

Alltag ★★★★★

Der Korando bietet genügend Platz, Ablageflächen und Komfort. Ausserdem ist er übersichtlich und hält seinen Durst in Grenzen. Seine Aussenmasse sind kleiner, als man es von der Optik her vermutet, was die Parkplatzsuche nicht zusätzlich erschwert.

Fahrdynamik ★★☆☆☆

Ein SUV ist halt von Natur aus eher gemütlich als sportlich. Der Korando haltet gut seine Spur, aber Lenkung und Fahrwerk sprechen gegen eine sportliche Fahrweise.

Umwelt ★★★★☆

Als Kompakt-SUV mit rund 1700 Kilo Leergewicht liegt sein Verbrauch im grünen Bereich. Eine Start-Stopp Automatik wäre aber insbesondere bei einem Spar-Modell wünschenswert. Fakt ist aber, dass auch ein Low Emission Symbol den Verbauch eines SUVs nicht auf das Niveau eines herkömmlichen PWs drücken kann. Eine deutliche Sprache spricht die Energieeffizienzkategorie D des Korandos mit AWD, resp. C mit FWD.

Ausstrahlung ★★★★☆

Der Korando hebt sich mit seinem sympathischen Design von der SUV-Masse ab, ohne eine besonders aufregende Silhouette zu besitzen. Es reicht die Tatsache, dass er ein seltener Anblick ist.

Fazit ★★★★☆

+ Kräftiger Motor
+ Grosszügiges Platzangebot, gute Übersicht
+ Verhältnismässig niedriger Verbrauch
+ Gut verarbeitetes Interieur
+ Vorbildliches Preis-Leistungs-Verhältnis

– Schwache Heizung
– Zu straffes Fahrwerk
– Zu leichtgängige Lenkung
– Keine Start-Stopp Automatik

(Bilder: SsangYong)

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