Nissan Qashqai: Alte Liebe rostet nicht

Nissan Qashqai: Alte Liebe rostet nicht

Also gut, ich gebe es zu, ich bin ein Nissan-Fan. Als mich Koray anfragte, ob ich zwei Nissan testen möchte, benötigte ich keine lange Bedenkzeit. Trotz meiner grossen Sympathie für die Marke, wollte ich den Autos möglichst neutral gegenübertreten. Wie ihr vielleicht gelesen habt, fuhr ich als erstes den X-Trail. Dieser konnte mich leider nicht vollends überzeugen, da halfen auch die ganzen Vorschusslorbeeren nichts. Doch bevor ich mich emotional von der Marke entkoppelte, gab ich dem Qashqai eine Chance. Keine einfache Gelegenheit!

Heimlich hoffte ich sehr, dass er es schaffen würde, mich zu begeistern, da ich selber einen 2011er Qashqai fahre. Das erste Zusammentreffen fand bei absoluter Dunkelheit statt. Einzig die Innenraumbeleuchtung zeigte mir, was das neue Model alles zu bieten hatte. Und bereits da staunte ich nicht schlecht! Während bei meinem Nissan noch eine schwarze Plastikwüste herrschte und alles bieder aussah, fühlt man sich im aktuellen Facelift schon fast wie in einem Designer-Loft. Die Sitze sind sehr hochwertig und erinnern mit ihrer Optik an die französischen DS Autos.

2017 Nissan Qashqai
Die Sitze verleihen dem Qashqai einen Hauch Premium-Feeling.

Äusserst bequem sind sie ebenfalls, da sie dank elektrischem Einstellungssystem in die perfekte Sitzposition justiert werden können. Diese kann auf der Fahrerseite sogar von zwei Lenkern gespeichert werden. Auch am Beifahrersitz wurde geschraubt. Während man früher wie ein Bademeister auf einem Hochsitz sass, lässt es sich heute etwas tiefer thronen. Auf der hinteren Sitzbank reisen selbst Grossgewachsene bequem. Sitz- und Lenkradheizung allerdings wärmen wie beim X-Trail zu schwach und langsam.

2017 Nissan Qashqai
Am Heck hat sich im Zuge des Facelifts kaum etwas getan.

Beim Armaturenbrett hat sich im Vergleich zum Vor-Facelift nicht viel getan. Die verschiedenen Materialien, Klavierlack und silbrige Zierelemente sorgen dafür, dass das Cockpit dennoch zeitgemäss und modern wirkt. Einen sportlichen Touch liefert das Lenkrad, welches neu unten abgeflacht ist. Mit seiner relativ direkten Lenkung und dem im Gegensatz zu seinen Vorgängern deutlich strafferen Fahrwerk, lässt sich der Qashqai auch ein bisschen rasanter durch die Kurven jagen. Ein Speed-Junkie ist er allerdings nach wie vor nicht.

2017 Nissan Qashqai
Die neue Farbe «Vivid Blue» steht dem urbanen Nomaden ausgezeichnet.

Dafür sorgt unter anderem das Schaltgetriebe. Die Gänge sind ziemlich lang übersetzt und machen so dem 120 kW starken Benziner fast den Garaus. Das sorgt für einen Zwiespalt. Einerseits kann der Wagen relativ sparsam gefahren werden, da er niedertourig und laufruhig läuft. Anderseits muss vor jeder Beschleunigung runtergeschaltet werden, um anständig vom Fleck zu kommen.

2017 Nissan Qashqai
Das handliche Lenkrad liegt gut in der Hand. Die Verarbeitungsqualität überzeugt durchgehend.

Am Getriebe schieden sich sowieso die Geister. Während Koray die langen Schaltwege und die weiche Schaltung bemängelte, war ich sehr zufrieden damit. Einen möglichen Grund dafür könnten meine früheren Fahrstunden liefern. Mein Fahrlehrer schärfte mir ein, sanft zu schalten mit, ich zitiere, «leichten Puff-Puff-Bewegungen». Für diesen Stil war das Qashqai-Getriebe genau das Richtige.

2017 Nissan Qashqai
Besonders im Fond kommt das riesige Panoramadach gut zur Geltung.

Während das SUV schon bei Dunkelheit eine gute Figur machte und mich auch mit seinen Fahreigenschaften überzeugte, war es dann bei Tageslicht komplett um mich geschehen. Sein toxisches Blau und die rassigen Kantenführungen entzückten mein Auge. Die frechen LED-Scheinwerfer vorne und die schwungvollen Rücklichter hinten zeigen besonders der biederen deutschen SUV-Konkurrenz, was Mut bedeutet.

2017 Nissan Qashqai
Der Kofferraum verfügt sowohl über einen doppelten Boden, als auch die Möglichkeit, eine Trennwand aufzustellen.

Und nicht nur bei der Optik, sondern auch preislich macht Nissan der Konkurrenz etwas vor. Das top ausgestattete Tekna+ Testauto kostet sagenhafte 37’180 Franken inklusive eines Hauchs Premium. Ein tolles Gesamtpaket, welches meine Hoffnung nicht enttäuschte. Der Qashqai übertraf meine Ansprüche und bewies, dass alte Liebe nicht rosten kann. Apropos Rost! Zum alten Eisen gehört der Qashqai ebenfalls nicht, wie man auf den Bildern unschwer erkennen kann.

2017 Nissan Qashqai
Als Benziner ohne 4×4 und Automatik kostet der Qashqai erstaunlich wenig, ohne bei der Ausstattung zu geizen.

Alltag 

Der Nissan Qashqai bietet seinen Passagieren grosszügige Platzverhältnisse und überzeugt mit der ausgeklügelten Variabilität im Kofferraum. Die Heckklappe kann manuell zackig geöffnet werden. Im Gegensatz zur früheren Generation kann man sich auch aufrecht unter den Kofferraumdeckel stellen – eine grossartige Verbesserung! Zusätzliche Assistenzsysteme wie Abstandstempomat und aktive Spurführung werden noch diesen Frühling nachgereicht.

Fahrdynamik 

Mit seiner relativ direkten Lenkung lässt sich der Qashqai gut manövrieren. Das straffere Fahrwerk sorgt dafür, dass unangenehme Neigungen ausbleiben, trotzdem werden Unebenheiten in der Strasse problemlos wegkaschiert. Über das weiche Schaltgetriebe gehen die Meinungen auseinander.

Umwelt 

Unter dem Strich verbrauchte der Qashqai 7,3 l/100 km, was für ein SUV ohne Allradantrieb an der oberen Grenze liegt.

Ausstrahlung 

Zwischen meinem Qashqai und der neusten Version liegen Welten. Während meiner innen und aussen rustikal aussieht, ist die neueste Generation zu einem Designerschnittchen mutiert. Mit seinem frischen Aussehen und dem hochwertigen Innenraum lässt der Qashqai seine Konkurrenz alt aussehen. Für weitere Sympathiepunkte sorgt das nach wie vor hervorragende Preis-Leistungs-Verhältnis.

Fazit 

+ Grosszügige Platzverhältnisse
+ Edles und modernes Innendesign
+ Zackiges und fehlerfrei arbeitendes Infotainment-System (allerdings ein bisschen in die Jahre gekommen)
+ Hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis
+ Straffere und sportlicheres Fahrwerk als die Vorgänger
+ Clevere Variabilität im Kofferraum
+ Grosses Panoramadach
+ Übersichtlicher Rundumblick
+ Schnittiges Design
+ Weiches und präzises Getriebe
+ Geringes Leergewicht

– Anfällige Assistenzsysteme wie Notbremsassistent sowie Fernlichtautomatik
– Langsame Lenkrad- und Sitzheizung
– Veraltete Kameras mit niedriger Auflösung
– Lange Getriebeübersetzung

Steckbrief

Marke / ModellNissan Qashqai
Preis Basismodell / Motorisierung/ Testwagen22 990 CHF / 29 390 CHF / 37 180 CHF
AntriebBenzin, Frontantrieb
Hubraum / Zylinder1618 ccm / R4
Motoranordnung / Motorkonzept Frontmotor / Turbomotor
Getriebe6-Gang manuell
Max. Leistung120 kW bei 5600 r/min
Max. Drehmoment240 Nm bei 2000 - 4000 r/min
Beschleu­nigung 0–100 km/h8,9 s
Vmax200 km/h
NEFZ-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz5,8 l/100 km / 134 g/km / F
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz7,3 l/100 km / 169 g/km / +26%
Länge / Breite / Höhe4,39 m / 1,81 m / 1,59 m
Leergewicht1460 kg
Kofferraumvolumen430 - 1585 l

Bilder: Koray Adigüzel & André Sprüngli

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