Woher kommen die SUVs?

SUV (sprich: ässiuwii) ;-), ausgeschrieben Sport Utility Vehicle, ist eine Fahrzeuggattung, welche zur Zeit boomt wie kaum eine andere. Die Kunden schätzen die robuste und wuchtige Optik, die erhöhte Sitzposition und das damit verbundene Plus an Übersichtlichkeit, sowie das luftige Raumgefühl. Doch konstruktionsbedingt sind SUVs schwerer und weniger windschnittig als Kombis, was sich natürlich im Verbrauch niederschlägt. Zudem wagt kaum ein SUV-Fahrer einen echten Offroadtrip, was zur Folge hat, dass kompakte SUVs vermehrt auf Allradantrieb verzichten. Es stellt sich die Frage: Wer hat den SUV “erfunden”? Und welcher hat den Durchbruch geschafft?

Das Rätselraten beginnt bereits beim Begriff SUV selbst. Der SUV? Das SUV? Eine Konsultation des Dudens schafft Klarheit: Beide Varianten sind zulässig. Des weiteren ist dort auch vermerkt, dass der Begriff seit 2004 fester Bestandteil der deutschen Sprache ist. SUVs nach heutiger Definition gibt es aber schon seit längerem. Fiat baut seit eh und je den Panda 4×4 mit erhöhter Bodenfreiheit, Toyotas RAV4 erblickte bereits 1994 das Licht der Welt, drei Jahre vor dem Land Rover Freelander. Der RAV4 kann somit als Trendsetter bezeichnet werden, welcher die Geburtsstunde der SUVs in unseren Breitengraden markierte. Der Unterschied zu heute ist, dass damals noch keine Marketingabteilung den Begriff SUV kannte, Land Rover nannte seinen Sprössling trefflich Softroader. Wie viele Anglizismen, floss auch die Bezeichnung SUV mit der Zeit aus Amerika in die Deutsche Sprache ein.

Echte Offroader und Geländewagen existieren bereits seit einem halben Jahrhundert, der Land Rover Defender oder die Mercedes G-Klasse beispielsweise sind da regelrechte Urgesteine in ihrem Gebiet. Allerdings unterscheiden sich heutige SUVs technisch von echten Geländewagen. Klar, auch SUVs bringen – mehr oder weniger ausgeprägte – Offroadqualitäten mit, aber sie sind nach wie vor für den Einsatz auf asphaltierten Strassen abgestimmt. Wesentliche Unterschiede zwischen Geländewagen und SUVs sind folgende:

  • Während Geländewagen Starrachsen besitzen und/oder auf einem Leiterrahmen aufbauen, sind SUVs – wie normale PWs auch – auf einer selbsttragenden Karosserie mit Einzelradaufhängung für ein besseres Fahrverhalten auf Asphalt aufgebaut.
  • Fürs Gelände notwendige, technische Hilfsmittel wie beispielsweise mehrere Differentialsperren oder Geländeuntersetzungen fehlen den SUVs.
  • Wattiefe, Achsverschränkung und Böschungswinkel sind bei SUVs weniger ausgeprägt als bei Geländewagen.

Nebst den SUVs sind zur Zeit auch sogenannte Crossover in Mode, ein Beispiel ist einerseits die DS5 von Citroen, andererseits aber auch der VW Passat Alltrack. Der Passat Alltrack gehört in die Kategorie Autos, die etwas mehr Bodenfreiheit, Kunststoffbeplankungen und Allradantrieb erhielten, um auch gut über unebene Wege zu kommen. Quasi light-SUVs, wenn man das so nennen kann. Die DS5 hingegen gehört in die Kategorie, welche man einfach keiner gängigen Bauart zuordnen kann. Wenn ein Auto weder Limousine, noch SUV oder Coupé ist, dann ist es eben ein Crossover. Diesen Begriff kann man schliesslich auch gut vermarkten…

Tatsache ist, dass die allerwenigsten SUVs jemals ins Gelände fahren. Die Kunden schätzen einfach die wuchtige Optik, die bessere Übersicht, den bequemeren Einstieg und das erhöhte Platzangebot. Die wahre Bestimmung der SUVs haben die Hersteller natürlich längst erkannt und vermarkten ihre neusten Sprösslinge dementsprechend. Ford beispielsweise preist den neuen Kuga als Smart Utility Vehicle an, natürlich vom multifunktionalen Smartphone abgeleitet. Range Rover bietet mit dem als Dreitürer erhältlichen Evoque einen optischen Leckerbissen an, und Mini verkauft den dreitürigen Countryman namens Paceman als weltweit erstes Sports Activity Coupé. Des weiteren sind immer mehr Kompakt-SUVs mit einer Länge unterhalb von 4.30 Meter unterwegs, teilweise auch ohne Allradantrieb. Da wird schnell klar, wo die Prioritäten liegen.

Da sich SUVs bestens verkaufen, ist es mittlerweise für jeden Hersteller fast schon Pflicht, etwas entsprechendes im Portfolio zu haben. Nur um ein kleines Beispiel zu nennen: Weltweit gesehen ist jeder zweite verkaufte Porsche ein Cayenne. Kein Wunder also, dass sogar die traditionell sportlichen, italienischen Marken Alfa Romeo, Maserati und sogar Lamborghini einen SUV (Urus) planen. Doch es geht noch weiter: Der amerikanische Elektropionier Tesla bringt innerhalb der nächsten zwei Jahre den vollelektrischen SUV (oder vielleicht auch eher Crossover) Model X.
Hoch leben die SUVs!

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