Mal abgesehen vom Testwagen habe ich den Ford Capri auf öffentlichen Strassen so oft gesehen wie den Ford GT: Kein einziges Mal. Während das beim GT zwar jammerschade, aber auch verständlich ist, sollte dies beim Capri nicht sein, denn der ist als Volumenmodell konzipiert. Am Namen kann es wohl nicht liegen, denn obwohl Ford es nicht lassen kann, eingefleischte Petrolheads mit der Namensgebung ihrer Modelle zu verärgern, so ist dies wohl kein Hinderungsgrund für passable Verkaufszahlen, wie der Mustang Mach-E beweist. Man spricht wohl einfach eine Zielgruppe an, der es völlig egal ist, dass das Auto niemals so heissen dürfte. Im Test des Ford Capri, der technisch gesehen das Schwestermodell vom VW ID.5 ist, gehe ich auf Ursachenforschung, warum Ford das Modell nicht loswird. Eines vorneweg: Einen triftigen Grund habe ich nicht gefunden.
Während man beim Mustang Mach-E wenigstens ein kleines bisschen optische Anleihen des Originals erkennen kann, so sind diese beim Capri nicht vorhanden. Zwar spricht Ford von lebendigen Farben (wie etwa jene des Testwagens) sowie von der ansteigende Gürtellinie, die an das Original erinnern sollen, aber das ist alles an den Haaren herbeigezogen. Ich persönlich finde den neuen Capri weder hübsch, noch hässlich. Er ist einfach ein weiteres SUV-Coupé, das optisch ziemlich glatt gebügelt wirkt. Ford möchte zwar an einen Sportwagen von früher erinnern, und auch wenn das ein SUV-Coupé niemals und unter keinen Umständen könnte, so hätte die Neuauflage doch etwas wilder und exzentrischer gestaltet sein können. Ist sie aber nicht. Das wiederum heisst aber, dass das Design mainstreamtauglich ist und somit genügend Leute ansprechen sollte. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass man die Verwandtschaft zu VW nirgendwo sieht.

Geräumiger Innenraum
Im Interieur werden dann ein paar Parallelen zu VW ersichtlich. So stammen die Lenkradhebel sowie die Fensterheber und die Navistimme (nicht jedoch die Karte) aus Wolfsburg. Ansonsten ist der Capri auch innen erfreulich eigenständig. Positiv zu erwähnen sind die sehr gute Ergonomie sowie die sehr guten Platzverhätlnisse im Fond trotz der abfallenden Dachlinie. Das Infotainmentsystem läuft flüssig, ist dank grosser Kacheln einfach zu bedienen und punktet mit der tollen Sprachsteuerung. Cool ist ausserdem, dass sich der Winkel des Touchscreens verstellen lässt und dahinter sogar noch ein Geheimfach liegt. Der Kofferraum ist halt so, wie er bei einem SUV-Coupé halt ist, aber für den Alltag allemal mehr als ausreichend.

Der Testwagen bietet mit dem zweifarbigen Interieur zwar etwas fürs Auge, Tatsache ist aber, dass Ford viel Kunststoff einsetzt. Die Verarbeitung kann sich zwar sehen lassen, aber stellenweise etwas mehr Stoff-Elemente würden ein wohnlicheres Ambiente schaffen, vor allem, da die Soundbar von Bang & Olufsen ebenfalls an ein Wohnzimmer erinnert. Wünschenswert wären ausserdem Sitze mit stärkerem Seitenhalt, aber man sitzt bequem und kann sogar auf eine Massagefunktion zurückgreifen, obschon nur ein einziges Massageprogramm verfügbar ist.

Technischer Zwillig
Technisch ist die Verwandtschaft zu VW schliesslich sehr eng: Plattform, Akku sowie Antrieb stammen direkt von Wolfsburg. Als Topmotorisierung (wie getestet) ist der Capri somit das Äquivalent zum VW ID.5 GTX. Grundsätzlich: Wie so ziemlich jedes moderne Elektroauto fährt sich der Ford angenehm, leise und geschmeidig. Die unterschiedlichen Fahrmodi regeln das Temperament des Antriebs, der von fast schon lethargisch bis bissig reagieren kann. Ein spannendes Detail und gleichzeitig der grösste Unterschied zu VW ist das Nicht-adaptive Fahrwerk.

Ob es jetzt am Namen liegt oder einfach an der Tatsache, dass Ford Europe einfach knackige Fahrwerke bauen kann (und will) – keine Ahnung. Fakt ist, dass der Capri knackig zu fahren ist und durchaus Fahrfreude aufkommt. Das Einlenkverhalten ist agil und der Grip in lang gezogenen Kurven hoch. Aufgrund der Grundhärte des Fahrwerks hält sich ausserdem auch die Seitenneigung in Grenzen. Die Kraftverteilung ist ausgewogen und das Handling sehr neutral. Für ein SUV-Coupé ist der Capri aber definitiv auf der knackigeren Seite – im Umkehrschluss bedeutet dies, dass es vergleichbare Autos gibt, die sanfter und geschmeidiger abrollen.

Vernünftiger Preis
Der Testwagen mit hier gezeigter Vollausstattung kostet rund 60’000 Franken. Für ein SUV dieser Grösse und Leistungsklasse meiner Meinung nach ein sehr vernünftiger Preis. Ein vergleichbar ausgestatteter VW ID.5 GTX kostet ungefähr 9000 Franken mehr – und trotzdem sieht man den VW ID.5, sowohl als GTX als auch nicht, auf Schweizer Strassen regelmässig. Ich kann beim besten Willen nicht sagen, was dem Capri fehlt. Er ist fair eingepreist, fährt sich cool und ist ausreichend praktisch sowie vielseitig. Haben ihn die Leute nicht auf dem Schirm? Ja, die Konkurrenz ist stark und Ford holt mit dem Aus von Galaxy, Mondeo, Focus und Fiesta definitiv weniger Leute in die Showrooms. Nichtsdestotrotz hat der Ford Capri trotz seines Namens mehr Aufmerksamkeit verdient.

Alltag 
Die Platzverhältnisse sind geräumig und der Wendekreis ist überraschend klein. Die Übersicht ist konstruktionsbedingt eingeschränkt und die Ladekante ist sehr hoch.
Fahrdynamik 
Blitzartiges Ansprechverhalten, gutes Einlenkverhalten und hoher Grip in Kurven zeichnen den Capri aus.
Umwelt 
Bei tiefen Temperaturen wurde die Normverbrauchsangabe deutlich überschritten, unter dem Strich waren es 23,0 kWh/100 km. Nicht gerade wenig, schliesslich ist die Leistung nicht überbordernd.
Ausstrahlung 
Wenn man sich die Farbe Geld wegdenkt ein SUV-Coupé unter mittlerweile vielen. Ein bekannter Name, aber die Optik ist nicht sehr einprägsam. Dafür ist das Design mehrheitstauglich.
Fazit 
+ Gute Platzverhältnisse
+ Hohe Verarbeitungsqualität
+ Tolles Infotainmentsystem mit einfacher Bedienung und super Sprachsteuerung
+ Touchscreen in Neigung verstellbar
+ Bequeme Sitze, gute Ergonomie
+ Fahrmodi mit grosser Spreizung
+ Neutrales Handling
+ Knackiges Fahrwerk
+ Blitzartiges Ansprechverhalten
+ Fairer Preis
– Eher hoher Verbrauch
– Viel Kunststoff im Innenraum
– Geringer Seitenhalt
– Name steht nicht in Verbindung zum Design
Mängel am Testwagen
– Keine Mängel
Steckbrief
| Marke / Modell | Ford Capri |
|---|---|
| Preis Basismodell / Motorisierung / Testwagen | 41 200 CHF / 55 850 CHF / 60 550 CHF |
| Antrieb | Elektrisch, Allradantrieb |
| Akkukapazität | k.A. kWh (brutto) / 79 kWh (netto) |
| Max. Leistung | 250 kW |
| Max. Drehmoment | 679 Nm |
| Beschleunigung 0–100 km/h | 5,3 s |
| Vmax | 180 km/h (elektronisch abgeregelt) |
| WLTP-Verbrauch / Energieeffizienz | 16,5 kWh/100 km / B |
| Test-Verbrauch / Differenz | 23,0 kWh/100 km / + 39% |
| WLTP-Reichweite | 534 km |
| Ø Test-Reichweite | 325 km |
| Max. Ladeleistung (DC) | 185 kW |
| Länge / Breite / Höhe | 4,63 m / 1,87 m / 1,62 m |
| Leergewicht (ohne Fahrer) | 2164 kg |
| Kofferraumvolumen | 572 - 1505 l |

















Bilder: Koray Dollenmeier