Streetart: Lexus LC 500

Streetart: Lexus LC 500

Ich bin hin- und hergerissen. Eigentlich ist der Lexus LC 500 viel zu schön für die dreckige Strasse. Er gehört in einen Glaskasten, in dem er von äusseren Einflüssen geschützt ist und man ihn in aller Ruhe bewundern kann. Doch so faszinierend sein schützenswertes Design ist, für den Glaskasten ist das Coupé dennoch zu schade. Zu stimmgewaltig ist der V8, zu scharf das Handling. Das formvollendete Flaggschiff von Lexus ist ein Genuss auf Rädern – im Stand, beim Cruisen und beim Heizen. Wie war das nochmal mit dem Glaskasten? Ach, egal!

Auf das Design möchte ich gar nicht gross eingehen, sondern vielmehr die Bilder für sich sprechen lassen. Lexus hat ein wahres Kunstwerk erschaffen, das wie ein Showcar aussieht. Das Auge kann sich gar nicht satt sehen und selbst wenn man zum wiederholten Male am Auto entlangläuft, entdeckt man immer noch neue, liebevoll ausgearbeitete Details.

2017 Lexus LC 500
Alleine der riesige Diabolo-Kühlergrill ist ein Kunstwerk für sich.

Dasselbe gilt für das Interieur, obwohl es Schwarz in Schwarz gehalten ist. Mit der Karosserie in Kanariengelb bleibt natürlich keine andere Wahl. Doch die Vorstellung eines blauen Coupés mit einem Interieur, das komplett in hellbraun gehalten ist, bringt mein Blut beinahe in andere Körperregionen, als die, die ich jetzt zum Denken brauche…

2017 Lexus LC 500
Trotz expressiver Designsprache erkennen viele das Auto leider nicht als Lexus.

Das Armaturenbrett verdient die Bezeichnung einer Kunstgalerie und alleine der Türgriff würde in einer Ausstellung für moderne Kunst eine gute Figur abgeben. So stylisch die Sitze aussehen, so bequem sind sie auch, dank weicher Polsterung und üppigem Seitenhalt.

2017 Lexus LC 500
Das illuminierte Armaturenbrett ist ein echter Hingucker.

Die Sitzposition dürfte etwas tiefer und die Ambientebeleuchtung, die das Cockpit ins richtige Licht taucht, etwas heller sein, da sie sich in Fahrt leider verdunkelt. Die Folter-, äh, Rückbank, existiert zwar, aber wer jemanden dorthin verfrachtet, muss damit rechnen, dass die betroffene Person zu Lebzeiten kein Wort mehr zum Schuldigen spricht. Bevor ich zum V8 übergehe nur noch kurz der Hinweis, dass am Ende des Posts die Galerie wartet. Sie ist es wert, durchgeklickt zu werden, denn man muss dieses Auto in all seinen Facetten bewundern, wieder und wieder.

2017 Lexus LC 500
Das Heck wirkt durch die ausgeprägte Form sehr breit und muskulös.

Man kann beim Motorstart kaum fassen, was für Töne der Lexus von sich spuckt. Der Fünfliter-V8 meldet sich so voluminös und lautstark zum Dienst, dass jeder AMG vor Neid erblassen würde! Ein Lexus mit so einem Klang! Das muss sich erst mal setzen. Doch wer jetzt an ein prolliges Auto denkt, liegt falsch, denn Manieren haben die Japaner ihrem Coupé durchaus mit auf den Weg gegeben.

2017 Lexus LC 500
Schau tief hinein, immer tiefer…

Nicht weniger als sechs Fahrmodi – Eco, Comfort, Normal, Custom, Sport S, Sport S+ – stehen zur Wahl, doch es ist völlig egal, in welchem Modus man sich befindet, bei niedrigeren Drehzahlen bleibt der V8 vornehm zurückhaltend. Die klappengesteuerte Auspuffanlage arbeitet vollautomatisch und es existiert kein Knopf, um dies zu ändern. Mal eben lautstark am Bahnhof vorbeizudonnern liegt also nicht drin, es sei denn, man ist wirklich so gestört, dies im ersten Gang zu tun.

2017 Lexus LC 500
Der Fahrmodusschalter befindet sich rechts von den Instrumenten. Ungewohnt, aber intuitiv!

Der LC 500 ist ein absolutes Geniesser-Auto. Ich persönlich konnte es während der Fahrt nicht lassen, immer wieder über die Türverkleidungen und den Griff über die Mittelkonsole zu streichen. Doch so qualitativ hochwertig das Interieur ist, so hochwertig ist auch das Fahrverhalten. Das dezente V8-Grummeln im Ohr cruist man dahin und fühlt sich beinahe wie in einer Festung, so leise ist das Auto.

2017 Lexus LC 500
Das kleine Lenkrad liegt perfekt in der Hand, die Alu-Schaltwippen drehen sich mit.

Dass sich der LC 500 nicht als reinrassiger Sportler versteht, wird beim Fahrkomfort deutlich. Im Comfort-Modus ist das Coupé deutlich sanfter als manches SUV, ohne schwammig zu wirken. Im Gegenteil: Die Lenkung ist zwar leichtgängig, aber sehr präzise und ultra direkt. Dank der Allradlenkung sind zudem nur sehr kleine Lenkbewegungen notwendig.

2017 Lexus LC 500
An jeder Ecke ist die Liebe zum Design und zum Detail erkennbar.

Eine ganze Reihe an Assistenzsystemen unterstützt die Fahrt, doch gleich zwei sehr angenehme Technologien bleiben dem Japaner verwehrt: Die 360°-Kamera, die man im Parkhaus sehr schätzen würde sowie Matrix-Scheinwerfer, denn der LC 500 kann das Fernlicht nur ganz banal an und aus knipsen. Eine wahre Geduldsprobe ist aber die Bedienung des Infotainmentsystem über das unsägliche, Laptop-ähnliche Trackpad. Es ist schwierig, das Ziel zu treffen und lenkt sehr vom Verkehrsgeschehen ab. Ausserdem sind gewisse Menüs sehr verschachtelt. Lexus sollte meiner Meinung nach diese mühsame Bedienlogik sehr bald überdenken.

2017 Lexus LC 500
Wenig Knöpfe, doch das Trackpad ist zur Bedienung nicht optimal.

Alles richtig gemacht wurde dafür am Fahrverhalten. Lässt man die zahmen bis ausgewogenen Fahrmodi mal aussen vor, wird es ab dem Sport S Modus interessant. Typisch Sauger-Motor muss der grosse V8 sein Drehmoment erst aufbauen, sodass der gewaltige Knall beim Tritt aufs Gas erstmal ausbleibt. Gutmütig dreht das Triebwerk gen 4000 Touren und kurz bevor man sich fragt, wann es denn eigentlich richtig losgeht, bekommt man vom Motor die schlagkräftige Antwort!

2017 Lexus LC 500
Die grossen 21-Zöller stehen dem Auto perfekt. Das Carbondach scheint dank einem Kunstgriff zu schweben.

Die Klappen öffnen sich und unter Gänsehaut erzeugendem V8-Getöse eilt der Sauger auf die 6000 Umdrehungen zu und während das Hirn gerade von Glückshormonen geflutet wird, holt der Motor zum Rundumschlag aus. Als würde die letzte Stufe gezündet werden, rast der Motor, der mittlerweile mehr nach Rennwagen klingt, auf über 7000 Umdrehungen wo unter einem Peitschenhieb-ähnlichen Knall der nächste Gang reingeballert wird! Wer im manuellen Modus unterwegs ist, bleibt schneller im Begrenzer hängen als einem lieb ist, so schnell dreht der Motor auf den Drehzahlgipfel hoch.

2017 Lexus LC 500
Das Cockpit ist digital, doch der mechanische Ring um den Drehzahlmesser gleitet zur Seite, wenn man das Menü aufruft!

Dass man üppige 2045 Kilo unter dem Hintern hat, merkt man beim Beschleunigen genauso wenig wie beim Einlenken. Die Allradlenkung sorgt für ein extrem schnelles Einlenken, während das Sperrdifferential an der Hinterachse beim Rausbeschleunigen für den Rest sorgt. Überraschenderweise ist das Coupé im schärfsten Sport S + Modus ein heisser Radiergummi, da das ESP einen gewissen Driftwinkel zulässt, ehe es eingreift. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die besonnenen Japaner sich so gehen lassen!

2017 Lexus LC 500
Der Spoiler fährt ab 80 km/h aus. Man beachte die aerodynamischen Rillen auf den Rücklichtern.

Eigentlich ist der LC 500 das Geniesser-Auto, während der RC F mit demselben Motor der wahre Sportler ist. Bei dieser famosen Darbietung des LC 500 frage ich mich allerdings, ob die Japaner nicht Kannibalismus betreiben. Ich würde den LC dem RC in jeder Hinsicht vorziehen, zumal der RC F als angeblicher Sportler sogar den zahmeren Sound hat und nicht auf die tolle 10-Gang-Automatik zurückgreifen kann. Dank letzterer rotiert der LC 500 auf der Autobahn bei Tempo 130 bei gemütlichen 1700 Umdrehungen und verbraucht weniger als 9 l/100 km.

2017 Lexus LC 500
Auf den Sportsitzen sitzt es sich perfekt eingebettet.

Angeblich ist dieser Lexus entstanden, weil Toyota-CEO Akio Toyoda höchstpersönlich der Marke einen Image-Schub verleihen möchte. In meinen Augen ist dieser Wagen sogar eine Image-Granate, denn nur selten sind so viele Leute so sehr von einem Testauto angetan. Ich wurde etliche Male aufs Auto angesprochen und dafür gelobt – ein S-Klasse Coupé hätte dagegen absolut keine Aufmerksamkeit erregt. Allerdings zeigt die Tatsache, dass viele das Auto gar nicht als Lexus erkannt haben, dass das Problem der recht unbekannten Marke leider tief liegt. Wenn das Coupé nicht beworben wird und man es nie auf der Strasse sehen wird, verpufft die Image-Granate leider wirkungslos.

2017 Lexus LC 500
Die messerscharfen Frontscheinwerfer sind aufwendig gestaltet.

Das wäre jammerschade, da der LC 500 nicht nur mit seinem Design, sondern auch mit dem Fahrverhalten ein Ausrufezeichen setzt. Zudem ist ein V8-Sauger mit einem solchen Sound heute eine Rarität. Wem das zu viel ist, dem sei gesagt, dass der LC auch als Hybrid angeboten wird, interessanterweise zum selben Preis. Dieser beträgt mit der hier gezeigten und beschriebenen Topausstattung 135’450 Franken. Wem das zu viel ist, der hat noch nicht verstanden, in welcher Liga dieses Auto mitspielt.

2017 Lexus LC 500
Eigentlich verdient so ein Auto einen anständigen Namen anstelle einer Buchstabenkombination.

Alltag 

Trotz vier Plätzen auf dem Papier ist der LC als Zweiplätzer zu betrachten, denn die Rücksitze sind schlicht unzumutbar. Ausserdem ist der Kofferraum sehr klein. Die Allradlenkung erleichtert das Leben im Alltag sehr, jedoch wäre aufgrund der schlechten Übersicht eine 360-Grad-Kamera wünschenswert.

Fahrdynamik 

Hat der V8 eine gewisse Drehzahl erreicht, gibt es kein Halten mehr. Die 10-Gang Automatik reagiert super schnell, genauso die hochpräzise Lenkung. Sein hohes Gewicht kaschiert der Lexus ausserdem verblüffend gut und im Sport S+ Fahrmodus zaubert das lebendige, aber gutmütige Heck dem Fahrer ein Grinsen ins Gesicht.

Umwelt 

Trotz häufig sportlicher Fahrweise liegt der Testverbrauch mit 12,2 l/100 km nur geringfügig über dem Normverbrauch von 11,6 l/100 km. Wer es gemächlicher angehen lässt, fährt einstellig. Die nicht vorhandene Start-Stopp-Automatik ist in diesem Auto ohnehin obsolet.

Ausstrahlung 

Ist das noch ein Auto oder bereits ein Kunstwerk? Der Lexus verfügt über so viele, liebevoll gestaltete Details, dass er zu Recht sämtliche Design-awards gewinnen würde. Auffallen garantiert.

Fazit 

+ Faszinierendes Design mit unzähligen Details
+ Exzellente Sportsitze mit tollem Halt und bequemer Polsterung
+ Exquisites Innenraumdesign, top Verarbeitungsqualität
+ Online Navigation
+ Mark Levinson Soundsystem mit druckvollem Klang
+ Abartiger Motorsound
+ Extrem schnelle 10-Gang Automatik mit sehr guter Spreizung
+ Sehr leises Fahrverhalten auf der Autobahn
+ Viele Assistenzsysteme serienmässig
+ Vorzüglicher Fahrkomfort
+ Super direkte Lenkung
+ Sehr zackiges Einlenken dank Allradlenkung (optional)
+ Adaptives Fahrwerk mit guter Spreizung
+ Lebendiges, aber gut kontrollierbares Heck
+ Fairer Preis

– Mühsame Bedienung des Infotainmentsystems
– Keine Smartphone-Integration möglich
– 360°-Kamera sowie Matrix-Licht fehlen
– Schlechte Übersicht
– Sehr enge Rückbank, kleiner Kofferraum

Mängel am Testwagen

– Keine Mängel

Steckbrief

Marke / ModellLexus LC 500
Preis Basismodell / Testwagen116 900 CHF / 135 450 CHF
AntriebBenzin, Heckantrieb
Motoranordnung / Motorkonzept Front-Mittelmotor / Saugmotor
Hubraum / Zylinder4969 ccm / V8
Getriebe10-Gang Automatikgetriebe
Max. Leistung351 kW bei 7100 r/min
Max. Drehmoment540 Nm bei 4800 r/min
Beschleu­nigung 0–100 km/h4,7 s
Vmax270 km/h (elektronisch abgeregelt)
NEFZ-Verbrauch / CO2 Emissionen / Energieeffizienz11,6 l/100 km / 267 g/km / G
Test-Verbrauch / CO2 Emissionen / Differenz12,2 l/100 km / 281 g/km / +5%
Länge / Breite / Höhe4,77 m / 1,92 m / 1,34 m
Leergewicht2045 kg
Kofferraumvolumen197 l

Bilder: Koray Adigüzel

2 thoughts on “Streetart: Lexus LC 500

Deine Meinung hinterlassen

%d bloggers like this: